Faschismus: Eine materialistische Analyse des kapitalistischen Verfalls

Dies ist eine Übersetzung des Gastbeitrags von Pokepreet, dessen Instagram hier zu finden ist. Mehr seiner Arbeit gibt es auf Substack oder in seinem Podcast. Wir danken ihm für diesen wunderbar geschriebenen Beitrag.

Diesen Artikel möchte ich Michael Parenti widmen, der mich dazu brachte, die Welt mit anderen Augen zu sehen – tiefer, als sie sich darbietet.

Das Handeln des amerikanischen Empires, im In- wie im Ausland, wirkt seit Monaten völlig unlogisch – fast wie die Taten eines greisen, müden, von Verfall gezeichneten Mannes im tiefen Stadium der Demenz. Zwischen einem Wiederaufflammen imperialer Kriege und polizeistaatlicher Maßnahmen im Inneren bleiben jene, die Amerikas langsamen Abstieg in den Faschismus beobachten, völlig ratlos zurück. Trumps Aktionen scheinen keine logische Linie zu verfolgen: Zuerst lässt er in Venezuela einmarschieren und Maduro entführen, dann droht er mit der Annektierung Grönlands, und schließlich setzt er die Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis ein. Liberale Erklärungen für all dies greifen ins Leere; sie führen die Lage auf eine angebliche Zunahme der amerikanischen Dummheit zurück. Der liberale Diskurs will uns weismachen, dass der gegenwärtige Kurs Amerikas schlicht darin gründe, dass Millionen von Amerikanern sich bewusst für ‚Dummheit, Rassismus und Hass‘ entschieden hätten. Das ist kein Zufall. Kapitalismus, Faschismus und Klassengesellschaft waren stets auf Mystizismus angewiesen, der den Massen eingeflößt wird, um ihre wahren ökonomischen Triebkräfte zu verschleiern. Wie Marx in der Deutschen Ideologie erklärte: „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht […] die Gedanken derer, denen die geistigen Produktionsmittel abgehen, sind diesem [der herrschenden Klasse] unterworfen.“ [1]

Die faschistische Ideologie selbst war stets hoffnungslos undurchdringlich. Hitler etwa glaubte sowohl, dass der freie Markt und Privateigentum für die Entwicklung des Übermenschen unverzichtbar seien, als auch, dass der Staat die Wirtschaft vollständig dem Willen der Nation unterwerfen müsse. Sein sogenannter ‚Sozialismus‘ war ein ethischer Idealismus ohne konkrete Wirtschaftspolitik oder festgelegte ökonomische Vorstellungen.[2] Angesichts dieser offenkundigen Undurchsichtigkeit ist das Einzige, das uns wirklich helfen kann, die imperialen Krisen vor uns zu verstehen und zu durchdringen, der Blick unter die Oberfläche unserer Gesellschaft – tiefer, als er uns von Medien, Pädagogen, Kultur und der Hegemonie insgesamt dargeboten wird.

Dies erfordert nichts Geringeres als eine marxistische Logik. Nur eine marxistische Logik kann uns die Welt erschließen; nur sie zeigt, wie sie tatsächlich funktioniert, jenseits der idealistischen Erklärungen, die uns stets präsentiert werden. Sie hilft uns, die eigentliche Ursache für Amerikas gegenwärtige Krisen und seinen Abstieg in den Faschismus zu finden: nicht persönliche Dummheit, sondern den tendenziellen Fall der Profitrate.

Über den Materialismus

Was aber ist Logik eigentlich? Logik ist die philosophische Untersuchung des Verhältnisses des Menschen zur Welt – wie Geist und Körper miteinander interagieren und wie beide mit der äußeren Welt in Beziehung treten, sie formen und voneinander geprägt werden.[3] Grundsätzlich haben wir uns alle irgendwann im Leben diese Frage gestellt. Ich erinnere mich, wie ich auf dem Grundschulhof darüber grübelte, ob ich wirklich der einzige wirklich lebendige und bewusste Mensch sei und alle anderen nur eine Art Automaten. Europäische Philosophen stritten lange über das Wesen dieser Geist-Körper-Verbindung, von Descartes bis Hegel – Debatten, die Fragen umfassten, ob das Denken ein vom Körper getrenntes Reich sei oder Teil desselben (Dualismus vs. Monismus), ob es eine objektive, erkennbare Wahrheit außerhalb des menschlichen Geistes gebe oder viele Wahrheiten gleichzeitig existierten, und wie, wenn überhaupt, die Welt wissenschaftlich zu kategorisieren sei. Marx knüpfte an seine Vorgänger an, namentlich Feuerbach und Hegel, und stellte diese gesamte Debatte radikal auf neue Füße.[4]

Unter den Illusionen, die ihren Schatten auf die logischen Debatten warfen, in die Marx hineingeboren wurde, war keine gefährlicher als der Idealismus. Logik wurde als etwas verstanden, das seinen Ursprung im menschlichen Geist hat, der seinen Willen auf die Welt projiziert – so dass Ideen, Willenskraft und ein abstraktes ‚menschliches Wesen‘ die Realität selbst formten. Bei Hegel etwa lag das Wesen des Menschen in der Entfremdung des Selbstbewusstseins. Sein Fokus ruhte primär auf der Entfaltung mentaler und geistiger Prozesse; daher standen Formen geistiger Arbeit (Philosophie, Musik, Literatur) im Zentrum seiner Analyse, während materielle Arbeit wie Bauen, Ackerbau oder Tischlerei weitgehend im Hintergrund blieb. Religion und Staat wurden nicht als Kräfte außerhalb des Geistes verstanden, sondern als höchste Ausdrucksformen dieses abstrakten objektiven Geistes. Folglich nahm Hegel die Welt nicht nur, wie sie sich ihm darbot, sondern sah in ihr (namentlich Staat und Religion) den höchsten Ausdruck des kollektiven Bewusstseins. Und doch scheint Trump weder meine noch eure Gedanken sonderlich zu verkörpern. Und wenn der amerikanische Staat und die evangelikalen Religionen dies wirklich repräsentierten, bezweifle ich, dass sie sich derzeit in einem derart radikalen Widerspruch zu all jenen befänden, die sie unterdrücken. So klar Hegel uns auch ein gutes Fundament gab – seiner Methodik fehlte etwas.

Feuerbach stellte Hegels Gerüst auf den Kopf: Für ihn war Religion nichts Ephemeres, vielmehr erschuf der Mensch die Religion, indem er seine Ideale auf sie projizierte. Das Gattungswesen des Menschen wurde in den Himmel projiziert, um eine Religion zu erschaffen – nicht etwa, dass religiöse Gebote von oben kämen (in Gestalt des omnipräsenten ‚menschlichen Wesens‘).[5] Der Idealismus war stets in einer Art religiöser Struktur verwurzelt. Feuerbach brach damit, setzte nicht länger vage Ideen, sondern den konkreten Ausgangspunkt der schöpferischen Tätigkeit des Menschen und die Arbeitsverhältnisse der Menschen ins Zentrum – und gab Marx so die perfekte Grundlage, um vom Idealismus zum Materialismus durchzubrechen.[6]

Marx vollzog fünf entscheidende Änderungen an der Logik. Erstens verlagerte er den Fokus: Anstatt das Denken auf das Verhältnis des Menschen zu Gott zu zentrieren, holte Marx die Logik vom Himmel herab und konzentrierte sich auf die Beziehung der Menschen untereinander.

Zweitens führte er den Materialismus ein. Marx argumentierte, dass das gesellschaftliche Sein des Menschen aus der ihn umgebenden materiellen Welt erwächst, nicht umgekehrt, wie im Idealismus. Das menschliche Bewusstsein erschafft nicht die Realität; vielmehr formt das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein.

Drittens überdachte Marx die Rolle der Sinne und der menschlichen Tätigkeit. Frühere Philosophen, so sein Argument, behandelten den Menschen als passiven Betrachter, der die Welt lediglich durch Sehen, Tasten und Nachdenken kontempliert. Doch der Mensch nimmt die Welt nicht nur wahr – er verändert sie aktiv. Wie Marx schrieb, ist die sinnliche Welt „die gesamte lebendige Sinnestätigkeit der sie konstituierenden Individuen“. Indem der Mensch die Welt umgestaltet, lernt er auch von ihr – stets jedoch innerhalb der Grenzen der vorhandenen materiellen Bedingungen. Ein klares Beispiel dieses dialektischen Zusammenspiels liefert Walter Rodney in Wie Europa Afrika unterentwickelte: „Der religiöse Glaube, dass ein bestimmter Wald heilig sei, war ein Element des Überbaus, das die wirtschaftliche Tätigkeit beeinflusste, da dieser Wald nicht landwirtschaftlich gerodet werden durfte.“ Hier führte die Begegnung einer Gemeinschaft mit ihrer materiellen Umwelt zu einem religiösen Glauben im Bewusstsein, und dieser Glaube formte wiederum die materielle Praxis, indem er die Rodung des heiligen Raums verhinderte, selbst während umliegender Wald bewirtschaftet wurde. Was wir sehen, ist ein gesellschaftliches Verhältnis, verwurzelt in materiellen Bedingungen, das verdinglicht wird – eine scheinbar objektive Existenz in der realen Welt annimmt.

Viertens identifizierte Marx die Arbeit als Grundlage der menschlichen Interaktion mit der Welt – und damit der Logik selbst. Die zentrale, vereinheitlichende Tätigkeit, durch die der Mensch zur Natur, zu anderen Menschen und zur Gesellschaft in Beziehung tritt, ist die Arbeit – praktische Tätigkeit, die Umgestaltung der Natur. Arbeit ist es, die den Menschen von anderen Tieren unterscheidet, und für Marx war sie so fundamental, dass er sie als das Gattungswesen des Menschen beschrieb. Arbeit existierte lange vor dem Kapitalismus; in klassenlosen Gesellschaften gehörte die menschliche Arbeit dem Arbeitenden. Paläolithische Menschen konnten jagen, Werkzeuge bauen und Unterkünfte für sich und andere frei erschaffen. Mit dem Aufkommen landwirtschaftlicher Überschüsse jedoch entwickelten sich gesellschaftliche Arbeitsteilungen und die Akkumulation von Gütern an einem Pol, was zur Entstehung der Klassengesellschaft und des Staates als Instrument zur Bewahrung dieser Verhältnisse führte. Unter solchen Bedingungen konnte eine Gruppe die andere zur Arbeit zwingen, was Entfremdung hervorbrachte: Die Menschen arbeiteten nicht für sich selbst, sondern für andere. Dies zeigt sich in der vertrauten Situation, lange zu arbeiten, um einen Arbeitgeber zu bereichern, Waren zu produzieren, die man nicht besitzt, und dennoch dazu gezwungen zu sein, um die grundlegenden Bedürfnisse zu sichern. Diese Entfremdung ist sowohl ein mentales wie auch ein materielles ökonomisches Phänomen, produziert sie doch Waren und Kapital – ein Prozess, den Marx als Verdinglichung beschrieb.

Fünftens erweiterte Marx diese Analyse durch die Konzepte der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse. Der Mensch wird nicht nur durch die Natur geprägt, sondern auch durch Technologie, wissenschaftliche Erkenntnisse, Rohstoffe und technisches Geschick – die Produktivkräfte, welche die physische Arbeitskapazität bestimmen. Daneben stehen die Produktionsverhältnisse: Wem gehört was, wie werden Güter verteilt, wie stehen die Menschen in einer gegebenen Gesellschaft zueinander? Ob in einer egalitären Jäger-und-Sammler-Gesellschaft, einer Agrarordnung mit hoher Besteuerung oder einer Monarchie mit konzentriertem Reichtum – diese Verhältnisse bilden das Fundament, auf dem Institutionen wie Regierung, Bildung und Medien errichtet werden. Revolution ereignet sich folglich, wenn Produktivkräfte mit den Produktionsverhältnissen in Konflikt geraten. Wenn die Produktivkräfte die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse überwachsen, werden diese Verhältnisse zu Fesseln der Produktionsweise, was zu Bruch und Transformation führt – so wie feudale Monarchien mit dem Aufkommen der Industriegesellschaft in ein Zeitalter der Revolutionen gespült wurden.

Personifikationen des Kapitals

Treten wir einen Schritt zurück und sehen, wie diese Logik uns helfen kann, das Trump-Phänomen zu verstehen. Anders als viele Idealisten, mit denen Marx oft stritt, die schlicht glaubten, die Welt verändere sich – oder könne verändert werden –, indem man schlicht die Köpfe der Menschen ändere, oder unsere liberalen Freunde, die meinen, das Trump-Phänomen resultiere daraus, dass Menschen böse Gedanken hegten und nicht Kamala wählten, dringen Marxist:innen tief in die Basis vor und betrachten die ökonomischen Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft, die all diese Überbauverschiebungen antreiben. Wir Marxist:innen geben uns nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden, warum Amerika und der Weltkapitalismus in einer Krise und am Zerreißpunkt sind. Wir werden eine marxistische Logik anwenden, um dies zu erklären. Es liegen offensichtlich objektive Bedingungen vor, die dem schlichten Blick verborgen bleiben. Um dies zu tun, müssen wir – genau wie in Biologielehrbüchern – bei der Zelle beginnen und uns bis zum Ökosystem vorarbeiten.

Marx baute seine ökonomische Analyse auf seiner Logik auf, mit der Arbeit im Zentrum. Für Marx war der Wert aller Waren im Kapitalismus sowohl eine soziologische wie auch eine physische Sache – ein vergegenständlichtes (verdinglichtes) gesellschaftliches Verhältnis. Wert war ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen, das durch die Produktion von etwas (Ware, Kapital) eine materielle Form annahm und auf den Produktionsprozess bezogen war.

Man stelle es sich so vor: Ein Pop-Mart-Manager stellt eine Arbeitskraft ein. Diese Arbeitskraft arbeitet für den Manager, und das Produkt dieser Beziehung ist das Flaggschiffprodukt des Unternehmens, der Labubu. Woher kommt der Wert dieses Labubu? Versuchen wir, das eine Universelle zu finden, das im Labubu und in jeder anderen Ware im gesamten kapitalistischen System steckt. Ziehen wir die Kosten für Strom, Miete, Rohstoffe ab. Was uns in allen Branchen bleibt, auch in denen, die Strom und Rohstoffe liefern, ist die menschliche Arbeitskraft. Der Wert in einem Labubu und in Dubai-Schokolade repräsentiert dann jeweils eine bestimmte Menge an menschlichen Arbeitsstunden, die in jeder Ware vergegenständlicht sind. Enthalten sie mehr menschliche Arbeitsstunden, besitzen sie mehr Wert; enthalten sie weniger, ist es umgekehrt. Dies funktioniert freilich nur, wenn das produzierte Produkt begehrt wird und einen gesellschaftlichen Bedarf deckt; und es wird im Allgemeinen durch die Durchschnittszeit innerhalb einer gesamten Branche bestimmt. Und dieser Labubu repräsentiert nicht nur die in ihm enthaltenen menschlichen Arbeitsstunden, sondern auch das in der Ware manifestierte (verdinglichte) Verhältnis zwischen Angestelltem und Manager. Warenproduktion unter dem Kapitalismus ist kein geplanter Prozess, und das System der Produktionsverhältnisse kann häufig in Unordnung geraten. Dies kann dazu führen, dass Produktionsverhältnisse keine realen Bewegungen in der Produktion mehr abbilden – Spekulation und Überproduktion werden zu gewaltigen, katastrophalen Übeln für das gesamte System.

Ebenso wichtig für das Verständnis von Mr. Trump: Marx beschrieb Kapitalisten oft als Personifikationen des Kapitals. Während Kritiker dies als bloße Ausschmückung durch Marx abtaten, handelt es sich um ein…

„… sehr reales Phänomen: die Abhängigkeit der Produktionsverhältnisse zwischen Menschen von der gesellschaftlichen Form der Dinge (Produktionsfaktoren), die ihnen gehören und die von ihnen personifiziert werden […] es scheint, als ob der gesellschaftliche Charakter der Dinge den gesellschaftlichen Charakter ihrer Besitzer bestimmt. So entsteht die ‚Personifikation der Sachen‘. Auf diese Weise erglüht der Kapitalist im Widerschein seines Kapitals, aber dies ist nur möglich, weil er seinerseits einen bestimmten Typus von Produktionsverhältnissen zwischen Menschen widerspiegelt.“[9]

Waren, Rente und Kapital überbrücken alle die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Verhältnissen der Menschen, indem sie sowohl eine technische Funktion im Produktionsprozess als auch eine gesellschaftliche Funktion der Verbindung untereinander erfüllen. Und Mr. Trump als Kapitalist repräsentiert somit viele dieser Verhältnisse innerhalb der US-Wirtschaft. Doch wenn menschliche Arbeitskraft Wert in Waren schafft und Kapitalisten ihren Anteil nehmen und die Waren verkaufen, warum befinden sich Amerika und der Weltkapitalismus dann in der Krise?

Der tendenzielle Fall der Profitrate

Wenn die in einer Ware vergegenständlichte menschliche Arbeitskraft die Hauptquelle des Werts im Kapitalismus ist, dann sinkt mit zunehmender Automatisierung und steigender Produktivität der Produktion die Menge an in jeder Ware vergegenständlichter menschlicher Arbeitskraft. Man stelle es sich so vor: Wenn es 8 Stunden dauert, um 2 Tische herzustellen, repräsentiert jeder Tisch 4 Stunden Wert. Käme jedoch plötzlich eine neue Maschine auf den Markt, die in 8 Stunden 4 Tische produziert, dann repräsentierte jeder Tisch nur noch 2 Stunden menschlicher Arbeitskraft. Plötzlich ist der Wert jedes einzelnen Tisches dramatisch gesunken. Produziert die neue Tischherstellungsmaschine selbst irgendeinen Wert? Nein. Sie gibt lediglich bereits an anderer Stelle in der Lieferkette entstandenen Wert an jede Ware weiter.

Warum sollte ein Kapitalist das tun? Aus vielerlei Gründen. Der Kapitalismus ist ein Wettbewerbssystem. Indem der Wert gesenkt wird – selbst wenn der Kapitalist weit unter dem früheren Wert verkauft –, kann er möglicherweise mehr Käufer für eine Ware gewinnen (ich persönlich hätte lieber einen Tisch für 50 Dollar als einen für 1.000 Dollar). Zudem besitzt anfangs nur ein Unternehmen diese neue Maschine, was ihm einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Letztendlich jedoch sinkt der insgesamt produzierte Wert. Im Kern all dessen steht die menschliche Arbeit.

Es gibt zwei Hauptarten von Kapital:

  1. Variables Kapital: das Kapital, das zur Zahlung von Löhnen an menschliche Arbeitskraft verwendet wird; es generiert Wert.
  2. Konstantes Kapital: Wert, der aus lebendiger menschlicher Arbeit gewonnen und durch Investition in Rohstoffe, Maschinen, Automaten, Produktionsmittel, Fabriken usw. in ‚tote‘ Arbeit verwandelt wird. Dies kann keinen Wert produzieren, sondern nur bereits vorhandenen Wert auf die Ware übertragen.

Im Laufe der Zeit investieren Kapitalisten mehr in konstantes Kapital (Maschinen usw.) als in variables Kapital (menschliche Arbeitskraft). Dies führt, obwohl kurzfristig immense Profite möglich sind, zu einem allgemeinen Trend sinkenden produzierten Werts und damit zu einer fallenden Profitrate. Dieser Trend zeigt sich weltweit:

„Die Statistiken für Deutschland, Frankreich und Italien sind besonders aufschlussreich: Zwischen den frühen 1960er Jahren und den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts halbierte sich die Profitrate. Japan begann mit höheren Profitraten als Deutschland, Frankreich und Italien, und diese Raten fielen zwischen 1970 und Beginn dieses Jahrhunderts noch stärker als in diesen drei Ländern. Die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, die von niedrigeren Niveaus starteten, scheinen dagegen ab den 1980er Jahren eine relative Erholung erfahren zu haben. Wie dem auch sei – entgegen einer weit verbreiteten Meinung gab es in den letzten Jahrzehnten selbst in den USA keinen Boom der Profite. Betrachtet man vielmehr die durchschnittlichen Profite amerikanischer Firmen vor Steuern seit 1940, sieht man eine stetige Abnahme: Die Profitrate betrug 1941–1956 28,2 Prozent; 1958–1980 20,3 Prozent; und 1981–2004 14,3 Prozent. Und in dieser letzten Periode lag die Kapazitätsauslastung der Industrie in den USA stets unter 82 Prozent und fiel 2005 auf 78 Prozent – zwei Jahre vor Ausbruch der Krise.“[10]

Es gibt jedoch verschiedene Maßnahmen, die ein Land ergreifen kann, um einen fallenden Profitrate vorübergehend entgegenzuwirken. Fast all diese Maßnahmen decken sich erstaunlich gut mit denen historischer faschistischer Regierungen und unseren gegenwärtigen Entwicklungen:

  1. Erhöhung der Ausbeutungsrate der Arbeit durch Verlängerung der Arbeitszeit, Intensivierung der Arbeit und Steigerung der Arbeitsproduktivität. Wenn Arbeiter gezwungen werden, mehr Arbeitszeit aufzuwenden, um mehr Waren schneller herzustellen, wird insgesamt mehr Wert produziert. „Ein Beispiel […] liefert der 2004 zwischen Siemens und der Metallgewerkschaft IG Metall geschlossene Tarifvertrag in Deutschland, in dem die Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn von 35 auf 40 Stunden verlängert wurde.“[11]
  2. Löhne werden zunehmend weit unter den Wert der Arbeitskraft gedrückt, was das Wertverhältnis zugunsten des Kapitals verschiebt und die Profite steigert. Dieser Prozess findet weltweit statt, da Arbeiter erheblich weniger bezahlt bekommen, als sie an Wert produzieren. Kürzungen der indirekten Löhne (Sozialhilfe, Renten, andere soziale Unterstützungen) in Verbindung mit der Privatisierung öffentlicher Güter haben die Lage verschärft. Die Folge ist, dass viele Arbeiter Schwierigkeiten haben, Grundbedürfnisse wie Miete, Nahrung und andere Notwendigkeiten zu bezahlen. Dies wird selbst von liberalen Ökonomen eingeräumt: „Forschungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigen, dass es in allen Ländern des reifen Kapitalismus einen Trend gibt, den Anteil des BIP, der an Löhne geht, zu senken und den Anteil, der an Profite geht, zu erhöhen.“[12]
  3. Senkung des konstanten Kapitals, Zerstörung von Fabriken oder deren Verfall lassen anstatt Nutzung.
  4. Ausweitung des Außenhandels. Dies senkt die Kosten für Rohstoffe (konstantes Kapital) und Konsumgüter (variables Kapital). Indem die Lebenshaltungskosten billiger werden, sinkt der Wert der Arbeitskraft, was die Mehrwertrate erhöht und den Anstieg des konstanten Kapitals relativ zum variablen Kapital verlangsamt.
  5. ‚Überbevölkerung‘: Durch die Vergrößerung der industriellen Reservearmee (Arbeitslose) drücken diese überschüssigen Bevölkerungsgruppen die Löhne, da sie verzweifelt nach Arbeit suchen, wodurch die Kosten der Arbeitskraft dramatisch sinken.

Vom Deutschland der 1930er Jahre bis zum Amerika der 2020er Jahre klingt dies erstaunlich vertraut. Betrachten wir zuerst den historischen Faschismus, bevor wir uns dem modernen zuwenden.

Profit und Faschismus

Hitler aus seinen eigenen Worten heraus verstehen zu wollen, ist ein verdammt törichtes Unterfangen. Hitler selbst hegte eine tiefe Verachtung für die Ökonomie; er sah sie als etwas, das der Zielerreichung im Wege stand – ein starker, ‚judenfreier‘ Staat, so sein Glaube, könne mit allem fertigwerden. Ebenso war sein Weltbild, anders als eine materialistische marxistische Logik, völlig idealistisch: „Die Schaffung eines Staates wird nicht durch materielle Eigenschaften ermöglicht, sondern durch ideelle Tugenden“, erklärte er.[13] Seine letztendliche Wirtschaftspolitik jedoch wird vollkommen logisch, sobald wir den tendenziellen Fall der Profitrate in Rechnung stellen.

Das Deutschland, in dem Hitler aufstieg, war eines mit einer absolut desaströsen Profitrate. Zur Zahlung der Reparationen nach dem Versailler Vertrag gezwungen, verfolgte die Weimarer Republik eine Strategie, bei der sie immense Kapitalmengen aus Amerika und von anderen Geldgebern lieh – so viel, dass sie bald so viel ausländisches Kapital anzog, dass sie ihre Reparationen hätte begleichen können, ohne selbst Wert produzieren zu müssen. Dies führte zu einem Geldkreislauf zwischen Deutschland, Amerika und Frankreich. Doch dies alles brach mit dem Zusammenbruch des Welthandels und der Weltwirtschaftskrise zusammen. Deutschland, dessen Wirtschaft bereits ausgepresst war, verzeichnete bald 2,1 Millionen Arbeitslose, Fabrikschließungen en masse, sich wie eine Seuche ausbreitende Armut und eine rapide Deflation der Reichsmark, nachdem das gesamte DANAT-Bankensystem kollabierte.[14]

Am 20. Februar 1933 traf Hitler sich mit führenden deutschen Industriellen und versprach ihnen zweierlei: wenn sie seine Partei finanzierten, würde er die parlamentarische Demokratie abschaffen und die Linke zerschlagen. Als Ergebnis erhielt er 400.000 Reichsmark von IG Farben, 200.000 von der Deutschen Bank, 400.000 von der Bergbauindustrie und 100.000 von Automobilherstellern – und seine Versprechen sollten wahr werden: Die Arbeiterbewegungen wurden systematisch zerschlagen. Das nationale Arbeitsgesetz von 1934 erlaubte es Eigentümern und Managern, Löhne und Gehälter einzufrieren.

Infolgedessen fielen die Nominallöhne weit unter die der Vorjahre. Rekordprofite wurden erzielt. Investitionen in ausländisches Kapital wurden freigegeben, obgleich große Teile der innerdeutschen Wirtschaftsangelegenheiten stark staatlich kontrolliert blieben: „Große Teile des deutschen Außenhandels blieben frei von kartellrechtlicher Regulierung jeder Art, insbesondere Textilien, Metallwaren und Maschinenbau, wobei der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ein besonders aggressiver Verfechter des Freihandels war.“[15]

Die Gesamtwirtschaft war im Wesentlichen so aufgestellt, dass…

„… der Exportsubventionsmechanismus […] durch eine strenge Umverteilungssteuer finanziert wurde, die der gesamten deutschen Industrie auferlegt wurde. Die Verwaltung dieses lastenden Systems […] war die Hauptfunktion eines neuen Rahmens von Zwangswirtschaftsorganisationen, die von [Wirtschaftsminister] Schacht auferlegt wurden […] Die bestehende Vielfalt freiwilliger Verbände wurde zu einer Hierarchie von Reichsgruppen […] Wirtschaftsgruppen […] und Fachgruppen verschmolzen. Jede deutsche Firma war zur Mitgliedschaft verpflichtet […] Verordnungen, die vom Ministerium über die Wirtschaftsgruppe herabkamen. Beschwerden, Anregungen und Informationen wanderten aufwärts […] Auf der Importseite waren die Überwachungsstellen alle mit Personal aus den Wirtschaftsgruppen besetzt. Auf der Exportseite […] waren die Wirtschaftsgruppen mit der Bewertung des Umsatzes ihrer Mitglieder und der Verwaltung der Umlage, die den Exportsubventionsfonds speiste, betraut. Da dieser gesamte Kontrollapparat darauf ausgelegt war, die deutschen Importe zu begrenzen, hatte er faktisch die Ausschaltung ausländischer Konkurrenz zur Folge […] Verbunden mit steigender Binnennachfrage ermöglichte dies den deutschen Produzenten, eine deutliche Erhöhung der Preise durchzusetzen […] Das Ergebnis war Ende 1935 die Schaffung eines umfassenden Systems staatlich beaufsichtigter Preissetzung. Grundlegend für dieses System waren die erweiterten Aufsichtsbefugnisse, die das Reich über Deutschlands verzweigtes Kartellsystem ausübte […] Im Juli 1933 stattete sich das [Wirtschaftsministerium] mit der Befugnis aus, Zwangskartelle zu errichten. Freiwillige Kartelle wurden so in Zwangsorganisationen unter staatlicher Aufsicht umgewandelt […] Die Kombination aus steigender Binnennachfrage, einem Ende der ausländischen Konkurrenz, steigenden Preisen und relativ stagnierenden Löhnen schuf ein Umfeld, in dem es schwer war, keine gesunden Profite zu machen. Tatsächlich waren die gezahlten Boni […] bis 1934 so spektakulär […] Kommunisten und Sozialdemokraten hatten also durchaus recht. Das NS-Regime war eine ‚Diktatur der Bosse‘.“[16]

Der Einbruch der Profitraten, in dem sich die Weimarer Republik befunden hatte, wurde auf diese Weise erstaunlich umgekehrt. Und dennoch blieb die deutsche Wirtschaft insgesamt schwach und hohl:

„1936, bei Vollbeschäftigung der deutschen Wirtschaft, gaben 14,5 Millionen Menschen, 62 Prozent aller deutschen Steuerzahler, Jahreseinkommen von weniger als 1.500 Reichsmark an […] Die wahre Bedeutung dieser bescheidenen Zahlen wird deutlich, wenn man sie mit den Preisen vergleicht, die deutsche Haushalte für Grundbedürfnisse zahlten. Ein 1-Kilogramm-Laib Graubrot kostete in den 1930er Jahren 31 Pfennig – das entsprach einer halben Stunde Arbeit für viele gering bezahlte deutsche Arbeiter. Kartoffeln waren das Grundnahrungsmittel der deutschen Arbeiterklasse. Fünf Kilo waren für nur 50 Pfennig zu haben. Ein Kilogramm Speck kostete einen halben Arbeitstag, nämlich 2 Reichsmark und 14 Pfennig. Butter war außerordentlich teuer. 1936 stand der Preis pro Kilo Butter bei 3 Reichsmark und 10 Pfennig. Ein 250-Gramm-Stück Butter kostete mehr als einen Stundenlohn. Die Redewendung ‚Über verschüttete Milch weinen‘ erhält eine neue Bedeutung, wenn man bedenkt, dass ein Liter der kostbaren Flüssigkeit 23 Pfennig kostete. Eier waren mit 1,44 Reichsmark pro Dutzend kaum billig. Und selbst Bier, das 88 Pfennig pro Liter kostete, war eine erhebliche Belastung für das Lebensmittelbudget der Arbeiterklasse. Es überrascht nicht, dass die Mehrheit der Deutschen sich von einer bescheidenen und eintönigen Kost aus Brot und Marmelade, Kartoffeln und Kohl ernährte.“[17]

Gleichbedeutend mit der Rettung von Deutschlands fallender Profitrate waren Hitlers Pläne für den Lebensraum, die Eroberung Europas für mehr ‚Lebensraum‘ für die sogenannte arische Rasse, was faktisch mehr Märkte für Kapitalinvestitionen bedeutete. Doch als die Kriegsvorbereitungen gegen die UdSSR eskalierten, waren die Auswirkungen katastrophal. Bis 1937 mussten Höchstlohngesetze erlassen werden; mehr Produktionsintensität wurde durch den Wegfall bezahlter Feiertage gefördert, und 1938 erlebten deutsche Arbeiter eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit.[18]

Hier zeigt sich, wie der tendenzielle Fall der Profitrate auf Nazi-Deutschland in zweierlei Hinsicht einwirkte: Seine Versuche, ihn auszugleichen, führten sowohl zu einem Eroberungskrieg, der die Gesellschaft belastete, als auch zu einer weiteren Verschärfung der Ausbeutungsintensität der eigenen Bevölkerung.

Genau wie bei Hitler würden wir, nähmen wir die heutigen Faschisten beim Wort, ohne die sie antreibenden Kräfte kritisch zu untersuchen (mit einer marxistischen, auf Arbeit fokussierten Linse), gleichermaßen verwirrt sein. Moderne rechte Bewegungen machen oft Juden, den sogenannten ‚Großen Austausch‘ oder Migranten, die ‚Arbeitsplätze stehlen‘, für den allgemeinen Rückgang des Lebensstandards verantwortlich. Die Auseinandersetzung mit diesen Ideologien ist schwierig, weil sie komplexe soziale und ökonomische Phänomene auf oberflächliche Identitätskategorien reduzieren, losgelöst von der darunterliegenden Ökonomie: Juden wird vorgeworfen, den Niedergang des Westens zu orchestrieren; mexikanischen Migranten, Amerika kulturell zu ‚degenerieren‘, und so weiter. Diese Erklärungen und die von ihnen vorgeschlagenen Lösungen greifen völlig ins Leere. Die Deportation von Migranten, die einen massiven Teil der industriellen Reservearmee stellen, würde nichts zur Lösung der gegenwärtigen Wirtschaftskrisen beitragen. Wie Marx in Kapitel 25 des Kapitals ausführt, ist die industrielle Reservearmee relativ zur Bevölkerungsgröße. Nachdem die irische Bevölkerung durch die von Großbritannien verursachte Kartoffelhungersnot dezimiert worden war, passte sich die organische Zusammensetzung des Kapitals, das Verhältnis von Investitionen in konstantes zu variablem Kapital, so an, dass die Gesamtarbeitslosenquote in etwa gleich blieb.

„Die irische Hungersnot von 1846 tötete mehr als 1.000.000 Menschen, aber sie tötete nur arme Teufel […] Was waren die Folgen für die zurückgebliebenen, von der überschüssigen Bevölkerung befreiten irischen Arbeiter? Dass die relative Überbevölkerung heute so groß ist wie vor 1846; dass die Löhne ebenso niedrig sind, die Bedrückung der Arbeiter zugenommen hat, dass das Elend das Land einer neuen Krise zutreibt. Die Tatsachen sind einfach. Die Agrarrevolution hielt Schritt mit der Auswanderung. Die Produktion relativer Überbevölkerung hat mehr als Schritt gehalten mit der absoluten Entwicklerung.“[19]

Und um ehrlich zu sein, ist die westliche Kultur nicht so erstaunlich, dass sie eine Wirtschaft stützen könnte, noch kann ihr Verschwinden – wegen gewürztem Essen, Taquerias und Reggaeton im Radio – einen Rückgang des Lebensstandards oder der Wirtschaft erklären. Ebenso wenig erginge es den sogenannten Ariern, von denen die weißen Rassisten glauben, sie würden in einem nach rassischer Säuberung postulierten Staat auf wundersame Weise gut behandelt – sie waren unter dem ursprünglichen Experiment, das sie ständig zu replizieren versuchen, absolut entsetzlichen Lebensbedingungen ausgesetzt. Ich bezweifle stark, dass es ein zweites Mal anders käme.

Amerikas Profitrate

Den amerikanischen Wirtschaftsplanern gelang es in den 1980er Jahren während ihrer neoliberalen Wende, den schwerwiegenden Auswirkungen des tendenziellen Falls der Profitrate durch zwei (plus eins) Hauptmechanismen zu entkommen. Erstens war die Privatisierung sozialer Dienste von entscheidender Bedeutung für die Wiederbelebung der amerikanischen Profitraten, die nach Jahren der Stagnation unter einem starken Wohlfahrtsstaat, in dem Arbeiter sich ein schönes, ausgewogenes Stück vom Profitkuchen abschneiden konnten, desaströs geworden waren.

Die zweite ‚Zauberformel‘ zur Bekämpfung fallender Profitraten war die Finanzialisierung der Wirtschaft, die dritte der Kredit. Die Finanzialisierung ermöglichte es der amerikanischen Wirtschaft, um 356% schneller zu wachsen als das globale BIP, und diente in den 1980er Jahren als vorübergehende Rettung. Indem das Wachstum von der realen, materiellen Produktion abgekoppelt wurde, konnte die Spekulation überhandnehmen und der Wirtschaft helfen, Rezession um Rezession zu überstehen. Kredite verstärkten dieses System zusätzlich: Durch Kreditkarten, Hypotheken und Darlehen konnten amerikanische Familien ihren Lebensstandard unabhängig von ihrem tatsächlichen Einkommen halten. Zum ersten Mal in der US-Geschichte waren Löhne und materielles Wohlergehen nicht mehr direkt miteinander verknüpft.

„Das Ergebnis war die Quadratur des Kreises, die Verwirklichung des Traums eines jeden Kapitalisten: ein Lohnarbeiter, dessen Lohn sinkt, der aber so viel wie zuvor oder sogar mehr konsumiert.“[20]

Und kurzfristig funktionierte dies auch – das neoliberale Jahrzehnt der 1980er Jahre erlebte einen enormen Boom der Profitraten. Doch 2008 war, wie ein marxistischer Ökonom damals schrieb, „die Fahrt vorbei“.

  1. Die Senkung der Zinssätze auf säkulare Minima (0 bis 0,25 Prozent in den USA; 0,10 Prozent in Japan; 0,5 Prozent im Vereinigten Königreich; und 1,5 Prozent im Euroraum) lässt der Geldpolitik keinen weiteren Spielraum mehr.
  2. Der jahrzehntelange Zyklus steigender Verschuldung ist in jeder Volkswirtschaft des reifen Kapitalismus beendet.
  3. Die Zentralität des US-Dollars als internationale Reservewährung hat abgenommen, was der expansiven US-Geldpolitik ihre wesentliche Erfolgsbedingung entzieht.
  4. Die Ausweitung der kapitalistischen Märkte stößt nun auf objektive Grenzen (z. B. Umweltzerstörung). Es scheint daher keineswegs pessimistisch, die Prognose zu wagen, „dass die Wirtschaft, selbst nachdem die unmittelbare Entwertungskrise stabilisiert ist, für einige Zeit bestenfalls durch minimales Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Überkapazitäten gekennzeichnet sein wird“.[21]

Und obwohl es unter Obama eine kurze Erholung gab, verschlechterte sich der Gesamttrend bis 2021 weiter.

Wie Michael Roberts über die amerikanische Profitrate sagt, ist sie…

„… im Zeitraum 1945–2021 um 27% gefallen. Wir erkennen auch den enormen Profitabilitätseinbruch von 1965–82 von 23,2% auf 13,5%. Und wir können eine Erholung während der sogenannten neoliberalen Periode von 1982 bis 17,5% im Jahr 2006 ausmachen. Danach fällt die Profitrate allmählich, aber in einer Reihe von Auf- und Abschwüngen, in dem, was ich die Periode der Langen Depression nenne, auf 16,3%“.[22]

Angesichts dessen ergibt sich plötzlich eine sehr logische Erklärung für Trumps Handeln.

Während Liberale Trumps Handlungen als Torheit ‚dummer Proletarier‘ zu erklären versuchen und Faschisten sie als Bemühung zur ‚Wiederherstellung der weißen Rasse‘ rahmen, verstehen Marxist:innen, dass Trumps sogenannter ‚Big Beautiful Bill‘ in erster Linie darauf abzielt, Amerikas Profitrate wiederherzustellen. Er tut dies durch die Kürzung indirekter Löhne, durch Einsparungen von 4,5 Billionen Dollar bei den öffentlichen Ausgaben. Ebenso durch die Drohung mit der Invasion von Verbündeten, die Neuzeichnung von Bündnissen und die Erpressung anderer Nationen um Ressourcen und Hegemonie, wie Trump sie betreibt – all dies mindert eine fallende Profitrate.

Während die Masse der öffentlichen Ausgaben zuvor in Sektoren floss, die von unproduktiver Arbeit dominiert wurden (solche, die keinen Mehrwert generieren, wie öffentliche Dienste), leitete der Gesetzesentwurf erhebliche Mittel in produktive Arbeit um, namentlich durch Militärausgaben und private Aufträge für die Einwanderungsdurchsetzung in Höhe von insgesamt 325 Milliarden Dollar.[23]

Die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE selbst ist ein Konglomerat privater Konzerne, die mit Milliardensummen gefördert werden: Palantir erhält 139,3 Millionen, AT&T 90,7 Millionen, Deloitte 24 Millionen, Dell 18,8 Millionen, Motorola Solutions 15,6 Millionen, General Dynamics 9,6 Millionen, CoreCivic 538,2 Millionen und GEO Group 636,2 Millionen.[24] Der CEO der Core Civic Group sagte in einem Telefonat, dass „angesichts des inneren Werts unserer Vermögenswerte und der beispiellosen Wachstumschancen, die wir im Laufe dieses und des nächsten Jahres realisieren werden, wir glauben, dass unsere derzeitige Aktienbewertung eine attraktive Gelegenheit für Investoren bietet.“[25]

Die Ausweitung des fiktiven Kapitals hat nun ihre physischen Grenzen erreicht und kann die Stagnation der realen, wertschöpfenden Wirtschaft nicht länger überdecken. Betrachten wir die scheinbar erratischen Aktionen des modernen amerikanischen Empires – öffentliche Drohungen, Grönland zu ‚erwerben‘, die Militärrazzia, die Venezuelas Präsident Nicolás Maduro gefangen nahm, die Bereitschaft, militärische Gewalt weit jenseits der US-Grenzen einzusetzen – so liegt die Erklärung nicht in einer unerklärlichen nationalen Demenz, die durch einen Wahlsieg der Demokraten zu korrigieren wäre. Was wir erleben, sind die logischen Endresultate eines Systems, dem die Luft zum Atmen ausgegangen ist. Unter dem Druck der fallenden Profitrate werden liberale Anständigkeit und demokratische Normen verworfen, weil das System sie sich nicht länger ‚leisten‘ kann. Der Kapitalismus beginnt, alles zu kannibalisieren – seine Außenbeziehungen zu anderen Staaten ebenso wie sein inneres soziales Gefüge.

Oberflächliche, mystifizierende Erklärungen, die auf ‚globalistische Verschwörungen‘, kulturellen Verfall oder ‚nationale Dummheit‘ verweisen, erfüllen eine spezifische ideologische Funktion: Sie verteidigen die Klassengesellschaft, indem sie ihre materiellen Wurzeln verschleiern. Durch eine marxistische Logik, die Arbeit und materielle Verhältnisse ins Zentrum stellt, können wir diesen Rauch und diese Spiegel durchschauen. Die scheinbar ‚unlogischen‘ Handlungen des amerikanischen Staates werden begreifbar als Ausdruck des strukturellen Verfalls des Kapitals selbst. Was wie eine erratische Außen- und Innenpolitik erscheint – Druck auf Dänemark wegen der Souveränität Grönlands nach einer Militärintervention in Venezuela und der Einsatz von Bundeskräften – ist in Wirklichkeit eine materielle Reaktion auf zugrundeliegende ökonomische Zwänge.

Marx’ Logik zeigt letztlich, dass Geschichte keine Abfolge von Zufällen ist, sondern das Ergebnis objektiver materieller Kräfte. Nur durch die Analyse der Welt der Arbeit und des materiellen Wandels können wir hoffen, mit der alten Welt zu brechen, anstatt in die ideologischen Fallen liberaler Erklärungen zu tappen. Die Produktionsverhältnisse sind längst zu Fesseln dieser Produktionsweise geworden, und Krisen in der scheinbar unbesiegbaren neoliberalen Ordnung sind heute unbestreitbar.

Jetzt ist die Zeit für Bewegung, Arbeiter aller Länder vereinigt euch!


[1] https://www.marxists.org/archive/marx/works/1845/german-ideology/ch01b.htm

[2] https://archive.org/details/germanbigbusines00turn

[3] https://www.marxists.org/archive/ilyenkov/works/essays/essay1.htm

[4] https://www.marxists.org/archive/ilyenkov/works/essays/index.htm

[5] https://files.libcom.org/files/rubin_marx_theory_of_value.pdf

[6] https://www.marxists.org/archive/cornforth/1953/materialism-and-dialectical-method.pdf

[7]  https://files.libcom.org/files/rubin_marx_theory_of_value.pdf 

[8] https://arxiujosepserradell.cat/wp-content/uploads/2022/03/How-Europe-Underdeveloped-Africa-by-Recorded-Books-Inc.Rodney-Walter-z-lib.org_.pdf

[9] https://files.libcom.org/files/rubin_marx_theory_of_value.pdf

[10] https://www.jstor.org/stable/23104259 

[11] https://www.jstor.org/stable/23104259 

[12] https://www.jstor.org/stable/23104259 

[13] https://archive.org/details/germanbigbusines00turn 

[14] https://adamtooze.com/the-wages-of-destruction/

[15] https://adamtooze.com/the-wages-of-destruction/

[16] https://adamtooze.com/the-wages-of-destruction/

[17] https://adamtooze.com/the-wages-of-destruction/

[18] https://archive.org/details/nazismfascismwor00maso

[19] https://www.marxists.org/archive/marx/works/1867-c1/ch25.htm

[20] https://www.jstor.org/stable/23104259 

[21] https://www.jstor.org/stable/23104259 

[22] https://www.cadtm.org/The-US-rate-of-profit-in-2021

[23] https://bipartisanpolicy.org/explainer/what-does-the-one-big-beautiful-bill-cost/

[24] https://www.brennancenter.org/our-work/analysis-opinion/private-prison-companies-enormous-windfall-who-stands-gain-ice-expands

[25] https://www.forbes.com/sites/tylerroush/2026/01/26/these-companies-palantir-att-deloitte-have-the-biggest-ice-contracts-as-dhs-funding-under-fire/

(Zitate übersetzt von Kritikpunkt)

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