Director’s Cut

Kuba: Trotz alledem

Kuba fasziniert als die kleine Insel, die seit über 60 Jahren imperialistischer Aggression widersteht. Aber wie? Auf welche Weise drückt sich diese Aggression aus? Welche Errungenschaften hat der kubanische Sozialismus hervorgebracht, und welche Fehler? Eine nüchterne Auseinandersetzung mit der Geschichte der kubanischen Revolution und der Entwicklung des sozialistischen Kuba.


Bevor du liest:

Dieser Artikel ist ein Director’s Cut eines früheren Beitrags. Wir haben ihn in Anbetracht der neuen Qualität, die der US-Imperialismus gegenüber Kuba zum Ausdruck bringt, grundlegend überarbeitet, korrigiert und mit Daten zur aktuellen „maximalen Strangulation“ angereichert.

Unser Beitrag beleuchtet die Geschichte Kubas im Detail. Dabei achten wir auf wissenschaftliche Standards und eine konsequent materialistische Analyse von Kubas Entwicklung. Wenn dir das zu ausführlich ist und du lieber direkt etwas über das Embargo, die Demokratie in Kuba, José Martí oder die Errungenschaften und Krisen des kubanischen Sozialismus erfahren möchtest – klick dich einfach durch das Inhaltsverzeichnis. Natürlich empfehlen wir, ihn in seiner Gesamtheit zu lesen.



„Die Leidenschaft, die einige unserer Liberalen am Tag nach der Revolution für die Faschisten empfinden, für die Bürgerrechte und bürgerlichen Freiheiten jener Faschisten, die zuvor Menschen abgeschoben, zerstört und ermordet haben. Nun muss die Revolution perfekt sein, sie muss makellos sein. Das ist nicht mein Kriterium. Mein Kriterium ist, was mit denen passiert, die nicht lesen konnten? Was mit jenen Babys passiert, die nichts zu essen hatten, die vor Hunger starben? Und deshalb unterstütze ich die Revolution. Die Revolution, die die Kinder ernährt, hat meine Unterstützung. Nicht blind, nicht bedingungslos. Und die [amerikanische] Regierung, die versucht, einen solchen Prozess zu stoppen, die versucht, diese Menschen in Armut, Analphabetismus und Hunger zu halten, die bekommt meine unvermischte Feindseligkeit und Ablehnung.“ (Michael Parenti)[1]

Teil 1: Von der Kolonie zur Rübenrepublik

1. Kolonie und José Martí

Seit 1895 führte die spanische Kolonie Kuba einen Unabhängigkeitskrieg gegen ihre spanischen Herren.
Spanien hatte in den Jahrzehnten zuvor die Dominikanische Republik und etliche weitere Kolonien an die Unabhängigkeit verloren – zum Zeitpunkt des kubanischen Unabhängigkeitskrieges standen nur noch Kuba, Puerto Rico und die Philippinen unter voller spanischer Herrschaft.

Schon während Spanien sich noch um den Erhalt der Dominikanischen Republik bemühte, wuchs in Kuba der Widerstand gegen die Schreckensherrschaft Madrids. Für Spanien diente Kuba als wichtigster Zucker- und Tabakexporteur unter den Kolonien – Auf den Plantagen, auf denen die Masse der Kubaner arbeitete, war die Sklaverei, gebunden an gesellschaftliche und ökonomische Apartheid, die Norm.

Die Weißen und Afro-Kubaner der Insel waren so zwar beide den in Madrid sässigen Kolonialherren und deren Verwaltungsbeamten ausgesetzt, waren aber auch untereinander durch die Sklaverei, das Recht auf Eigentum und (beschränkte) Möglichkeiten auf Bildung getrennt.

Unter diesen Bedingungen wuchs der Literat, Dichter, Revolutionär und spätere Nationalheld José Julián Martí y Pérez, kurz José Martí, auf. Martí schrieb seit seiner frühen Jugend Gedichte und Essays für die Unabhängigkeit Kubas und engagierte sich während des „Zehnjährigen Krieges“, bei dem kubanische Plantagenbesitzer die Unabhängigkeit von Spanien zu erkämpfen versuchten, auf der Seite der kubanischen kleinbürgerlichen Freiheitskämpfer.

Mit 16 Jahren publizierte er 1869 seine erste Zeitschrift „La Patria Libre“, die er der „Unabhängigkeit Kubas“ widmete und in der er die Brutalität der spanischen Herrschaft anprangerte. Für seine politischen Schriften wurde er von den spanischen Kolonialherren verhaftet, zu Zwangsarbeit verurteilt und anschließend nach Spanien deportiert.

Martí setzte seine Ausbildung in Spanien fort und engagierte sich hier unermüdlich für die kubanische Unabhängigkeit; in Spanien schrieb er ungemein populäre politische Essays und Gedichte und wurde ein zentraler Organisator der kubanischen Exilgemeinschaft. In New York gründete er 1892 die Kubanische Revolutionspartei („Partido Revolucionario Cubano“), die maßgeblich für die Planung des nächsten bewaffneten Aufstands, dem Kubanischen Unabhängigkeitskrieg ab 1895, verantwortlich war.

Bewusstsein gegenüber der US-Bedrohung

In seinem berühmten Brief an den mexikanischen Anwalt und engen Freund Martís, Manuel Mercado, schrieb Martí zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges 1895:

„Ich bin in täglicher Gefahr, mein Leben für mein Land und meine Pflicht zu geben, denn ich verstehe diese Pflicht und habe den Mut, sie zu erfüllen – die Pflicht, zu verhindern, dass sich die Vereinigten Staaten mit der Unabhängigkeit Kubas über die Antillen ausbreiten und mit dieser zusätzlichen Stärke unsere Länder Amerikas überwältigen. Alles, was ich bisher getan habe, und alles, was ich tun werde, dient diesem Zweck. Ich musste still und eher indirekt arbeiten, denn um bestimmte Ziele zu erreichen, müssen sie verdeckt bleiben; würde man sie als das ankündigen, was sie sind, würde das solche Schwierigkeiten hervorrufen, dass die Ziele nicht erreicht werden könnten.“[2]

Martí und seine Mitstreiter waren sich also schon zu Beginn der Unabhängigkeitsbemühungen darüber bewusst, dass die Vereinigten Staaten einem unabhängigen Kuba, falls man sich von Spanien befreien könne, keine Ruhe lassen würden.

Die USA veröffentlichten schon 1854 mit dem „Ostende-Manifest“ den Wunsch, Kuba von Spanien kaufen zu wollen:

„Unter keinen wahrscheinlichen Umständen kann Kuba jemals auch nur ein Prozent der hohen Summe für Spanien abwerfen, die die Vereinigten Staaten für seinen Erwerb zu zahlen bereit sind.“[3]

So hatten die USA mit dem Bedrängen- und später Bekriegen Mexikos einige Jahrzehnte zuvor bereits die frische Unabhängigkeit Mexikos von Spanien bedroht und sich massive Land- und Seegebiete erzwungen (u.a. das heutige Kalifornien, Arizona, Nevada und New Mexico).

Die Kubaner, unter Organisation des Plantagen-Kleinbürgertums, hatten mit dem Zehnjährigen Krieg (s.o.) und dem „kleinen Krieg“ („Guerra Chiquita“, 1879-1880) bereits vergebens versucht, ihre Unabhängigkeit von Spanien zu erkämpfen und das mit der Kolonialherrschaft verbundene gesellschaftliche Elend zu beenden. In den Jahren zwischen 1878 und 1895, die in Kuba als Jahre des „Fruchtbaren Waffenstillstands“ bekannt sind, erhoben sich die Armen, Sklaven und Arbeitenden Kubas in noch 300 weiteren Aufständen und Verschwörungen[4] – ohne Erfolg, aber fruchtbar:

„…von den etwa 1,6 Millionen Einwohnern, die Kuba zu Beginn dieses Krieges hatte, waren etwa 200.000 Spanier, 500.000 Schwarze und Afro-Kubaner, etwa 800.000 weiße Kubaner oder Kreolen und eine unbestimmte Anzahl von Chinesen, Jamaikanern, Haitianern und anderen. Die Spanier, mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen, insbesondere innerhalb des Klerus, blieben Spanien treu und lehnten die Revolution der Kubaner ab. Die Schwarzen waren, abgesehen von vereinzelten Ausnahmen, begeistert vereint, um die Rebellen zu unterstützen, da ihnen die Abschaffung der Sklaverei versprochen worden war und sie ahnten, dass die Rebellion gegen Spanien letztendlich siegen würde… Sie hofften, dass sie unter dem neuen Regime ähnliche Lebensbedingungen wie in der benachbarten Republik Haiti haben würden… Sie träumten von einem freien Kuba…“ (Mgar)[5]

1.1 „Verschwinde von hier!“

Am 24. Februar 1895 versammelten sich Aufständische u.a. in Matanzas, Granma, Guantánamo, Holguín und Baire (der Aufstand ist in Kuba als „Schrei von Baire“ bekannt) unter der Vereinigung der von José Martí im Exil gegründeten Kubanischen Revolutionspartei.

Martí, neben anderen Revolutionären wie Máximo Gómez und Antonio Maceo, übernahmen bei den Aufständen die Koordination zwischen den einzelnen beteiligten Fraktionen, waren aber längst nicht die einzigen, geschweige denn einzig bedeutenden Aufständischen – Der kubanische Schrei nach Unabhängigkeit wurde von den Arbeitern, Sklaven und Armen Kubas getragen und war in seiner Zusammensetzung eine klassenübergreifende Massenbewegung.

Das „Manifest von Montecristi“, verfasst von Martí und Gómez als offizielle Kriegserklärung und Führungsplan der Revolutionären Partei, propagierte den Aufständischen folgendes:

„Dieser Krieg wird keine Brutstätte der Tyrannei oder Unordnung sein, was der erwiesenen Mäßigung des kubanischen Geistes fremd ist. Diejenigen, die ihn vorangetrieben haben und die ihre Stimme noch erheben und sprechen können, bekräftigen in seinem Namen, vor dem Vaterland, ihre Freiheit von jedem Hass, ihre brüderliche Nachsicht gegenüber ängstlichen oder irrenden Kubanern, ihren radikalen Respekt vor der Würde des Menschen, die der Katalysator des Kampfes und der Kitt der Republik ist, und ihre Gewissheit, dass dieser Krieg so geführt werden kann, dass er die Erlösung, die ihn inspiriert, und die fortwährenden Beziehungen, in denen ein Volk mit anderen leben muss, neben der Realität dessen, was Krieg ist, enthält.“[6]

Kern des Dokuments war der Anti-Rassismus, der sich im revolutionären Kampf voll entfalten sollte:

„Die Revolution mit all ihren Märtyrern und großzügigen untergeordneten Kämpfern weist empört die verleumderische Vorstellung einer Bedrohung durch die schwarze Rasse zurück, die böswillig zum Nutzen derer eingesetzt wurde, die vom spanischen Regime profitieren, um Angst vor der Revolution zu schüren.“[7]

Unter der militärischen Führung von Máximo Gómez und Antonio Maceo setzte die Revolutionsarmee auf eine Strategie der raschen Ausweitung der Front, wobei sie gezielt die wirtschaftlichen Grundlagen der spanischen Herrschaft, insbesondere die Zuckerproduktion, angriff, ohne in eine wahllose Zerstörung überzugehen.

Der Krieg erreichte rasch eine nationale Dimension. Das spanische Klammern an die Kolonie war gravierend: Massenumsiedlungen, Zerstörung von Ernten und ein Repressionsapparat, der routiniert folterte und hinrichtete. Nach Martís Tod im Mai 1895 und Maceos Tod 1896 verschärfte sich der militärische Konflikt weiter. Spanien war zunehmend ökonomisch und politisch erschöpft, während die kubanischen Truppen trotz begrenzter Ressourcen den Krieg fortführten.

Mit der Politik der „Reconcentración“ (Neukonzentration) verfrachtete der für Kuba zuständige General Valeriano Weyler ab 1896 rund 400.000 Bauern in Konzentrationslager, um dem kubanischen Widerstand den Rückhalt in der Bauernschaft zu nehmen und die Lebensmittelversorgung der Rebellen zu unterbrechen. In den „Reconcentrados“ starben mindestens 10 % aller Kubaner, das entspricht ca. 225.000 Menschen[8], einige Quellen sprechen von bis zu 400.000. Der „kubanische Holocaust“[9] gilt durch seine systematische Aushungerung der kubanischen Bevölkerung als Ursprung der Konzentrationslager des 20. Jahrhunderts:

„Kubanische Historiker haben schon früh argumentiert, das Massensterben in den von spanischen Truppen besetzten Wehrdörfern Kubas habe das Leiden der Lagerhäftlinge Europas im Zeitalter der Weltkriege vorweggenommen. Zusammen mit den britischen concentration camps im Südafrikanischen Krieg (1899-1902) gilt die reconcentración auf Kuba heute vielfach als Ursprung der modernen Konzentrationslager.“ (idw)[10]

Herrschaftswechsel: Das US-Kapital ist da

Für die Vereinigten Staaten boten sich die „Reconcentrados“ an, um die amerikanische Zivilbevölkerung von einem Kriegseingriff zu überzeugen. Mit der Explosion des US-Kriegsschiffs „Maine“ im Hafen von Havanna am 15. Februar 1898, bei der 259 amerikanische Seeleute ums Leben kamen, begann die Intervention der Vereinigten Staaten.

Die USA machten Spanien für die Katastrophe verantwortlich und erklärten ihnen wenige Wochen später den Krieg – Die amerikanische Regierung unter Präsident McKinley verfolgte dabei sowohl wirtschaftliche als auch strategische Interessen: Kuba war ein wichtiger Zucker- und Tabakproduzent und lag geografisch günstig für die US-amerikanischen Expansionspläne in der Karibik.

Zudem gehörten viele der Plantagen (ca. 16 %[11]), die von den Rebellen gezielt angegriffen wurden, Amerikanern, die innenpolitisch massiven Druck auf die US-Regierung ausübten, in den Krieg einzugreifen.

Durch die Berichterstattung der Boulevardpresse war der Kriegskurs innenpolitisch bereits vorgegeben:

„William Randolph Hearst [größter US-amerikanischer Medien-Tycoon und Pionier der Boulevard-Presse, KP] verstand, dass ein Krieg mit Kuba nicht nur seine Zeitungen verkaufen, sondern ihn auch in eine Position nationaler Prominenz bringen würde. Von Kuba aus schrieben Hearsts Starreporter Geschichten, die darauf ausgelegt waren, die Amerikaner zu Herzen zu gehen. Horrorgeschichten beschrieben die Situation in Kuba – weibliche Gefangene, Hinrichtungen, tapfere Rebellenkämpfer und hungernde Frauen und Kinder waren in vielen der Geschichten, die die Zeitungen füllten, zu finden. Aber es war die Versenkung des Schlachtschiffs Maine im Hafen von Havanna, die Hearst seine große Story – den Krieg – bescherte. Nach der Versenkung der Maine machten die Hearst-Zeitungen ohne Beweise eindeutig die Spanier verantwortlich, und bald verlangte die US-amerikanische öffentliche Meinung eine Intervention.“ (Hugh Rockoff)[12]

Neben der medialen Kampagne zur Rechtfertigung einer Intervention in Kuba, war die Intervention eine ganz bewusste Entscheidung zur Ausweitung der amerikanischen Einflusssphäre – das klingt heute offensichtlich, war es damals jedoch nicht:

„Während des Spanisch-Amerikanischen und Philippinisch-Amerikanischen Krieges erkannten Theodore Roosevelt im Marineministerium und seine Verbündeten im Kongress, insbesondere Senator Henry Cabot Lodge, die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, ihre Seemacht durch den Bau von Schiffen, den Bau eines Isthmuskanals und den Erwerb von Kolonien und Marinestützpunkten zu projizieren, als entscheidend für den amerikanischen Wohlstand in einer zunehmend imperialistischen Welt an.“ (Hugh Rockoff)[13]

Mit der Intervention in Kuba waren die Vereinigten Staaten nun in einem offenen Krieg mit Spanien, der sich neben Kuba auch in Puerto Rico, den Philippinen und Guam abspielen sollte.

Lenin beschrieb den Spanisch-Amerikanischen Krieg als „wichtigsten Markstein des Imperialismus als Periode“, d.h. als Zäsur des Beginns des „offenen Imperialismus“ als höchste Phase des Kapitalismus[14]. Diese Erkenntnis war wohl so offensichtlich, dass auch die meisten bürgerlichen Geschichtserzählungen sie heute anerkennen:

„Der wirtschaftliche Einfluß der USA in Kuba war enorm. Viele Zucker- und Tabakplantagen sowie Eisenerzminen standen unter amerikanischer Vorherrschaft. Die ständigen Kämpfe und Schlachten beeinträchtigten die einst florierenden Handelsbeziehungen der USA zu Kuba. Der Import aus Kuba war Ende 1896 im Vergleich zu 1894 um 34 Millionen Dollar gesunken. Die Vereinigten Staaten wollten nicht länger zusehen, wie ihre Wirtschaftsinteressen auf Kuba immer weiter zu stagnieren schienen und abzusinken drohten.“[15]

Die Kampfhandlungen begannen jedoch nicht unmittelbar auf Kuba, sondern bereits im Mai mit der Seeschlacht in der Bucht von Manila, wo die veraltete spanische Pazifikflotte vernichtend geschlagen wurde.

Im Juni 1898 landeten amerikanische Truppen schließlich auf kubanischem Festland und starteten eine Offensive gegen die spanischen Kolonialkräfte. Die US-Streitkräfte waren den spanischen Truppen sowohl in Bezug auf technische Ausstattung als auch in Sachen Logistik und Kampfmoral weit überlegen. Am 3. Juli 1898 wurde die spanische Atlantikflotte in der Seeschlacht vor Santiago entscheidend besiegt, was den spanischen Verteidigungswillen auf der Insel stark schwächte – Parallel zu den Seeschlachten eroberten die amerikanischen Truppen strategisch wichtige Gebiete auf dem kubanischen Festland.

Die militärische Überlegenheit der USA und die Schwäche Spaniens, das durch den Vierfrontenkrieg politisch und wirtschaftlich angeschlagen war, führten zum schnellen Ende der Kampfhandlungen. Der Krieg endete mit dem Vertrag von Paris im Dezember 1898, in dem Spanien seine Kontrolle über Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen an die Vereinigten Staaten abtrat.

Die Sorge der Revolutionäre um Martí, dass die Vereinigten Staaten keinem so günstig gelegenen Karibikstaat die Freiheit überlassen würden, bewahrheitete sich als korrekt.

2.1 Rübenwurzel-Republik

Das Folgende wird sich aus heutiger Sicht, aus verschiedensten Gründen, nahezu absurd anhören, es stimmt aber tatsächlich:

Die Intervention in Kuba war im US-Kongress so kontrovers, dass die zuvor expansionistische Strömung um Henry Teller dem Einmarsch nicht zustimmen würde, ohne zuvor festzuhalten, dass…

„Wir [die USA] nicht die Absicht [haben], diese Insel zu erobern“, und wir „der Welt klar [machen müssen], so dass keine europäische Regierung behaupten kann, wir täten dies zum Zwecke der Selbstverherrlichung oder zur Vergrößerung unserer territorialen Besitztümer.“[16]

So entstand das „Teller Amendment“ als Zusatz zur Kriegsermächtigung: Es legte eindeutig fest, dass die Vereinigten Staaten Kuba nicht annektieren würden – Die USA stellten sich damit bewusst als Befreier und nicht als neue Kolonialmacht dar (gleichzeitig annektierten sie die Philippinen, Guam und Puerto Rico).

Wie William R. Adams und James W. Cortada in ihrem Essay „The Teller Amendment: Idealism Or Realism“ korrekt festhalten, handelte es sich bei dem Teller Amendment um keinen Ausdruck eines plötzlichen Antiimperialismus einiger US-Abgeordneter, sondern um sehr präzise Lobbyarbeit aus der (kein Witz) Rübenwurzel-Lobby:

„Obwohl Amerikas Anteil am kubanischen Zucker beträchtlich war und ständig wuchs, lehnten die Festlandproduzenten von Zuckerrüben jeden Vorschlag einer Annexion ab, weil dies kubanischen Zucker innerhalb der Zollmauer bringen würde. Wenn Kuba den Vereinigten Staaten beitreten würde, argumentierten die heimischen Produzenten, würde die Insel eine harte Konkurrenz für die Zuckerrübenbauern darstellen. Die Zuckerrüben-Interessen, politisch mächtiger als die Rohrzuckerproduzenten in den Vereinigten Staaten, unterhielten während der kritischen Periode von 1895-1898 eine große Lobby in Washington sowie in wichtigen Landeshauptstädten. In Staaten wie Colorado, Louisiana und Florida konnten Zucker-Lobbyisten Politiker dazu zwingen, ernsthaft in Betracht zu ziehen, eine kubanische Annexion zu blockieren.“[17]

So besetzten die Vereinigten Staaten Kuba bis 1902 und entwickelten eine Form der politischen und ökonomischen Abhängigkeit, die formal zwar den Anschein einer nationalen Souveränität wahrte, tatsächlich aber durch eine tiefgreifende Integration in die Strukturen des US-Kapitals gekennzeichnet war.

Aufbau von Abhängigkeit

Ökonomisch zeigte sich die Dominanz der USA gegenüber der scheinsouveränen kubanischen Republik in der schnellen Expansion amerikanischer Investitionen, die insbesondere im Infrastrukturbereich und im Zuckeranbau zu einer massiven Konzentration von Kapital führten, wodurch ehemals selbstständige kubanische Produzenten in die Rolle abhängiger Pächter oder Lohnarbeiter gedrängt wurden. Die Einführung der sogenannten „centrales“ als hochkapitalisierte Produktionszentren im Zuckersektor war der Hauptantrieb dieser Entwicklung, da deren hohe Fixkosten und ständiger Rohstoffbedarf nur durch die Verfügbarkeit von großem Kapital zu bewältigen waren, was die Verdrängung kleinerer Produzenten beschleunigte und die Eigentumsstrukturen der Insel grundlegend veränderte.

Die politische Flankierung dieser ökonomischen Transformation fand in der erzwungenen Annahme des „Platt-Amendments“ (1901) ihren institutionellen Ausdruck, das nicht nur die militärische Interventionsfähigkeit der USA in Kuba absicherte, sondern auch sicherstellte, dass jede außenpolitische Orientierung oder finanzielle Verpflichtung des Inselstaates mit den Interessen Washingtons kompatibel blieb:

„Bis 1902 steht Kuba unter US-Militärbesatzung, danach wird es formell unabhängig. Durch einen Zusatzartikel in der Verfassung sichert sich Washington jedoch das Recht, jederzeit auf der Insel intervenieren zu dürfen – was es in den Folgejahren dann auch ausgiebig tut. Die kubanischen Präsidenten sind Marionetten, und die auf der Monokultur Zucker basierende Volkswirtschaft ist vom Handel mit den USA abhängig.“ (SZ)[18]

Zur ersten Wahl gewinnt der (in den Vereinigten Staaten lebende) US-Amerikaner Tomás Estrada Palma das Präsidentschaftsamt – sonderlich beliebt war er nicht, seinem Wahlsieg half die Tatsache, dass niemand anders zur Wahl stand: Sein Opponent, der Volksheld General Bartolomé Masó, verließ das Präsidentschaftsrennen aus Protest gegen das Platt Amendment und die Scheinautonomie Kubas.[19]

3. Bambule und der lange Weg zu Batista

Die Verpachtung von Guantánamo, die erst 1925 geklärte Zugehörigkeit der Isla de Pinos und die erneute US-amerikanische Intervention von 1906 bis 1909 machten deutlich, dass die vermeintlich souveräne staatliche Ordnung stets im Rahmen jener Strukturen existierte, die den Interessen des US-Kapitals und seiner strategischen Sicherheitspolitik entsprachen.

Die Abfolge der frühen kubanischen Präsidenten – Gómez, Menocal, Zayas und Machado – war eng mit der Rolle des Zuckerexports verbunden, dessen Schwankungen den politischen Kurs bestimmten und die Macht der lokalen Eliten in ein dauerhaftes Abhängigkeitsverhältnis von den amerikanischen Importeuren einbanden. Die Bauernklasse der Zuckerplantagen setzte sich größtenteils aus ehemaligen Sklaven zusammen, die weiterhin in Abhängigkeitsverhältnissen lebten und politisch weitestgehend ignoriert wurden.

Inspiriert von den Ideen José Martís, gründete sich so 1908 die „Partido Independiente de Color“ (PIC, „Unabhängige Partei der Farbigen“) aus schwarzen Veteranen des Unabhängigkeitskrieges. Die Reformbemühungen zur rechtlichen Gleichstellung der PIC wurden politisch weitestgehend ignoriert, bis zu einem Punkt, dass sich die PIC an die Vereinigten Staaten richtete, um von diesen über das Platt Amendment an Hilfe zu gelangen. Der erzreaktionäre US-Präsident Taft verneinte die Bitte.

Ab 1912 revoltierte die PIC für die Rechte der Afro-Kubaner: Rund 3.000 PIC-Rebellen, teils bewaffnet mit Unterstützung haitianischer Solidaritätsaktivisten, griffen in koordinierten Aktionen die kubanische Armee an. Als Reaktion alarmierte Präsident Gómez die Vereinigten Staaten, die Tausende US-Marines in die überwiegend schwarzen Regionen von Santa Clara und Oriente entsandten, um das Eigentum amerikanischer Investoren zu schützen.

Der kaum verschleiernde, beinahe absurde Abschlussbericht der US-Marines über die Niederschlagung der PIC-Revolte fasste die Ereignisse wie folgt zusammen:

„Ergebnisse: Obwohl die Rebellen drohten, den amerikanischen Eigentümern von Grundbesitz in Kuba das Leben schwer zu machen, in der Hoffnung, dass dies das amerikanische Militär ins Land bringen würde, geschah eigentlich nichts von Bedeutung. Mit dem Tod von Estenoz [bedeutender Anführer der PIC] im Kampf zerfielen die schwarzen Kräfte in kleine Fraktionen und wurden besiegt. Die meisten kehrten schließlich nach Hause zurück, ohne dass es ihnen besser ging als zuvor. Die Marines waren vor Ort, um amerikanisches Eigentum zu schützen, was sie wie üblich bewerkstelligten.“[20]

Der Aufstand umfasste etwa 10.000 Afro-Kubaner; die Zahl der Toten ist schwer zu bestätigen; die kubanische Armee sprach in Zusammenarbeit mit den US-Marines von 16, während Schätzungen der Einheimischen bei 5.000 bis 6.000 lagen[21]. Die Ereignisse im Osten Kubas hatten jedoch weitreichendere Wurzeln. Kuba-Historiker Louis A. Pérez beschreibt es wie folgt:

„Was 1912 im Osten Kubas geschah, stand nur am Rande im Zusammenhang mit der bewaffneten Bewegung, die von der Partido Independiente de Color organisiert worden war. Der Protest der Independiente setzte eine größere Protestbewegung in Gang. Der politische Funke entfachte ein gesellschaftliches Flächenbrand, und das Land stand in Flammen. Die Unruhen nahmen schnell das Ausmaß eines Bauernaufstandes an: ein Ausbruch von Wut und die Freisetzung einer mächtigen zerstörerischen Gewalt, die sich allgemein gegen die Quellen und Symbole der Unterdrückung richtete. Wie so oft bei Bauernbewegungen hatte der Aufstand einen formlosen und unzusammenhängenden Charakter. Es war ein Volksaufstand, geboren aus sozialer Not und richtete sich nicht gegen die Regierung, sondern gegen lokale gesellschaftliche Gruppen und spezifische Missstände.“[22]

3.1 Reform und Rache

Mit dem Zusammenbruch des Finanzsystems nach dem Preissturz des Zuckers in den frühen 1920er Jahren wurde die Fragilität des zuckerbasierten ökonomischen Modells offensichtlich. Obwohl Präsident Machado mit Infrastrukturprojekten versuchte, Stabilität zu schaffen, konnte er die Fragilität des abhängigen ökonomischen Modells nicht beheben. Der verstärkte Rückgriff auf US-Kredite band Kuba enger an US-Interessen und verstärkte durch massive Kürzungen des Sozialhaushalts die Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

Als Machado sich nach dem Ende seiner Amtszeit weiterhin an der Macht klammerte, führten die anhaltenden Spannungen schließlich zu massiven Generalstreiks, organisiert von der Kommunistischen Partei Kubas.

Die öffentliche Meinung wandte sich entschieden gegen Machado – die größte kubanische Zeitschrift, das Bohemia Magazin, schrieb am 6. August 1933: „Solange Sie den Palast besetzen, wird der Palast vom Volk als Symbol des Elends, des Blutes und der Trauer gesehen werden. Wenn Sie ihn endgültig verlassen, wird der Palast das Prestige zurückgewinnen, das dem Ersten Magistrat der Nation gebührt. Verlassen Sie die Präsidentschaft, General.“[23]

Der Sturz Machados wurde sowohl von der Kommunistischen Internationale (3. Internationale) als auch von den Vereinigten Staaten unterstützt. Letztere waren besorgt über größere revolutionäre Bewegungen, die durch die massive Unbeliebtheit Machados die amerikanischen Kapitalinteressen in Kuba gefährden könnten.

Die 100-Tage-Regierung Grau

Blöd war es für die Vereinigten Staaten, als die folgende Regierung unter dem Medizinprofessor Grau San Martín, die aus den Revolutionären von 1933 hervorging, tatsächlich begann, Politik im Interesse von Arbeitern und Bauern zu betreiben.

Wenn auch reformistisch: Frauen erhielten das Wahlrecht, das Platt-Amendment wurde aufgehoben, die kubanische Elektrizität wurde nationalisiert, der 8-Stunden-Arbeitstag und der Mindestlohn wurden für Unternehmen verpflichtend, Agrarreformen angekündigt und „Kubaner-Quoten“ für ausländische Kapitalisten beschlossen, wonach ein Arbeitgeber mindestens 50 % kubanische Staatsbürger beschäftigen müsse.

Gleichzeitig deportierte die Regierung Zehntausende in Kuba lebende Haitianer nach Haiti, um dem rassistischen Sentiment großer Teile der kubanischen Bevölkerung entgegenzukommen. Fidel Castro schrieb hierzu später:

„Die sogenannte Revolution von 1933 war eine Bewegung des Kampfes und der Auflehnung gegen Ungerechtigkeit und Missbrauch. Sie forderte die Verstaatlichung der Elektrizitätsgesellschaft und anderer ausländischer Unternehmen sowie die Verstaatlichung der Arbeitsplätze [aber] Zehntausende von Haitianern wurden unbarmherzig nach Haiti deportiert. Nach unseren revolutionären Vorstellungen war das eine unmenschliche Tat.“[24]

Die Vereinigten Staaten zeigten sich glücklich über die sozioökonomisch fortschrittliche Politik der Revolutionäre unter Grau – nein, natürlich nicht: Nach nur 100 Tagen wurde die Regierung Grau von den Vereinigten Staaten mit Hilfe eines jungen, aufstrebenden Offiziers namens Batista y Zaldívar gestürzt.

Batista hatte es zuvor geschafft, sich im Chaos der Revolution von 1933 über Nacht an die Spitze des Militärs zu stellen. In den 100 Tagen der Grau-Regierung baute er seinen Einfluss in rasanter Geschwindigkeit bis zu dem Punkt aus, an dem den Vereinigten Staaten schnell klar wurde, dass es der junge Strippenzieher Batista war, auf den sie künftig setzen mussten:

„Als das Revolutionskomitee im Herbst 1933 den Generalstreik gegen Diktator Machado ausrief, setzte er sich an die Spitze der Bewegung – mit einem Trick: Am Abend des 3. September gab er den diensthabenden Unteroffizieren, die er zuvor auf seine Seite gezogen hatte, im ganzen Land telefonisch die Losung durch: »Die Spieße übernehmen das Kommando.« Seine Leute verriegelten daraufhin die Kasernen und verweigerten am nächsten Morgen den Offizieren den Zugang. Die Armee war führungslos – und meuterte unter Batistas Führung.“ (Spiegel)[25]

Nach Graus Entmachtung agierte Batista als nominell unsichtbarer, aber faktisch dominanter Akteur, indem er mit den Militär- und Elitekreisen ein Klientelnetzwerk bildete, das auf der Kontrolle von Schlüsselressourcen und Repressionsinstitutionen beruhte. Richard Gott beschreibt die Jahre 1934 bis 1939 als eine sozio-ökonomische Konterrevolution gegen die Reformen der Grau-Regierung.[26]

Batista garantierte durch sein militärisches und polizeiliches Gewaltmonopol die Aufrechterhaltung und Intensivierung der US-kapitalfreundlichen Herrschaftskonstellation, indem er oppositionelle Kräfte ausschaltete und jede emanzipatorische Mobilisierung unterdrückte. Die politische Oligarchie sicherte sich ihre Macht durch eine Mischung aus Korruption, Patronage und Repression. Zwischen 1934 und 1940 versuchten sich sieben verschiedene Regierungen an der kubanischen Herrschaft – doch alle standen unter der Kontrolle Batistas, der die Ereignisse im Hintergrund lenkte:

„Batista manipulierte die Ereignisse hinter den Kulissen während der zivilen Regierungen der 1930er Jahre – von 1934 bis 1940 folgten sieben schnell aufeinander -, bevor er sich schließlich im Oktober 1940 erfolgreich zur Wahl stellte.“ (Richard Gott)[27]

Durch den massiven Ausbau des Repressionsapparates kam es auf dem Land zu einer Welle revolutionärer Erregung: Arbeiter übernahmen Zuckerfabriken, bildeten Arbeitermilizen und setzten Manager gefangen. Auch in den Städten entfaltete sich eine intensive Klassenkonfrontation: In Havanna kam es zu offenen Straßenkämpfen zwischen Revolutionären (oft Kommunisten und Anarchisten) und Reaktionären der faschistischen „ABC“-Partei. Afro-kubanische Aufstände gehörten ebenfalls zum Alltag.

Ein US-Bericht fasste die Lage so zusammen:

„Innerhalb von weniger als einem Monat wurde die Zahl der unter Arbeiterkontrolle stehenden Mühlen auf sechsunddreißig geschätzt. Es wurde berichtet, dass in Mabay, Jaronú, Senado, Santa Lucia und anderen Zentralen Sowjets organisiert worden waren. An verschiedenen Orten wurden Mühlenleiter von den Arbeitern gefangen gehalten. Es wurden Arbeiterwachen gebildet, die mit Knüppeln, Stöcken und ein paar Revolvern bewaffnet waren, wobei eine rote Armbinde als Uniform diente. Arbeiter verbrüderten sich mit Soldaten und Polizisten. […] Hilfskomitees versorgten die Streikenden und ihre Familien mit Lebensmitteln und wurden in einigen Fällen zu Versorgungskommissionen für die gesamte Bevölkerung des Streikgebiets. An verschiedenen Stellen wiesen diese Komitees den Feldarbeitern Parzellen zur Bewirtschaftung zu.“[28]

Die revolutionären Bewegungen hatten dabei starke internationale Bezüge. Viele kubanische Anarchisten und Kommunisten schlossen sich dem Kampf gegen Franco im Spanischen Bürgerkrieg an. In Kuba selbst unterstützte die „Solidaridad Internacional Antifascista“ die spanischen Antifaschisten finanziell.

3.2 „One favorable Development“: Die Verfassung von 1940

Große Teile der Arbeiter im maritimen Sektor, in der Eisenbahn, in der Tabakproduktion und der Gastronomie waren in anarchosyndikalistischen Gewerkschaften organisiert, die sich nach der Oktoberrevolution zunehmend marxistisch-leninistisch orientierten. In diesem Umfeld gewann auch die Kommunistische Partei Kubas (PSP) an Bedeutung.

Am Ende der 1930er Jahre entschied sich Batista, ohne eigene populäre Basis, zu einem politischen Bündnis mit den Kommunisten:

„Ende der 1930er Jahre war Batista ein Militär ohne Volksbasis. Also beschloss er, mit Hilfe der Partido Comunista Cubano eine politische Koalition zu bilden. Und die PCC schloss einen Pakt mit Batista. Im Austausch für ihre Dienste und ihre Unterstützung bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wurde der PCC die kürzlich gegründete Confederación de Trabajadores de Cuba (CTC, Kubanische Gewerkschaftsbund) übergeben. […] Somit gab es zum ersten Mal in Kuba eine Verbindung von Gewerkschaftsbewegung und Staat.“ (Frank Fernández)[29]

Die Verfassung von 1940

Im Kontext dieser sozialen Kämpfe entstand die Verfassung von 1940, die der kubanische Historiker und Anarchist Frank Fernández als „eine positive Entwicklung unter Batista“[30] bezeichnete. Sie verbot erstmals „Rassentrennung“ [sic], stärkte die Rolle des Staates in Wirtschaft und Bildung und hob das US-Interventionsrecht des Platt Amendments formal auf. Durch die neuen politischen Partizipationsmöglichkeiten der Verfassung konnten sich die beiden größten, bis dahin in Semi-Legalität agierenden anarchistischen Organisationen (die SIA und die FGAC) zur „Asociación Libertaria de Cuba“ (ALC) zusammenschließen, die Zehntausende Mitglieder zählte.[31]

In der Praxis jedoch blieben die Eigentums- und Machtverhältnisse weitgehend unangetastet: Großgrundbesitzer und US-Zuckerunternehmen dominierten weiterhin, und Landreformen blieben halbherzig. Afro-Kubaner blieben trotz des Verbots der Segregation marginalisiert; apartheidähnliche Praktiken hielten an, und Strategien der „Aufhellung“, also der „Weißmachung“ der kubanischen Bevölkerung, schwächten ihre soziale Position weiterhin.[32]

Auch die politische Kultur blieb von Korruption und Patronage geprägt. Selbst Regierungen mit revolutionären Versprechen – wie die zweite Regierung von Grau San Martín (1944–1948) – setzten keine tiefgreifenden Reformen durch. Die Regierung Carlos Prío Socarrás’ (1948–1952) brachte die Enttäuschung über die Reformschwäche der zweiten Grau-Regierung auf einen Höhepunkt: Príos Amtszeit gilt als Höhepunkt des „Gangsterismo“, also der Verflechtung von organisierter Kriminalität und Politik. Diese äußerte sich in Straßenschlachten rivalisierender, oft staatlich finanzierter Banden sowie in einem nahezu absurden Ausmaß an Korruption (Carlos Príos Bruder Antonio Prío war etwa darauf bedacht, durch den Import verschiedenster Drogen ein Vermögen anzuhäufen, was durch die Unterstützung des Chefs der kubanischen Polizei erleichtert wurde.)[33]

4. Gangsterismo und Batista

Die enge ökonomische Abhängigkeit von den USA blieb über die Jahre Graus und Príos (1944-1952) bestehen: Amerikanische Konzerne kontrollierten weite Teile der Zuckerwirtschaft, diplomatischer Druck und militärische Kooperation verhinderten strukturelle Veränderungen. Die Arbeiterbewegung sah sich zunehmender Institutionalisierung, Repression und Kooptation ausgesetzt, während soziale Verbesserungen ausblieben. Die politische Organisation der Opposition wurde im beginnenden Kalten Krieg von wachsendem Antikommunismus überlagert, der die Vereinigten Staaten von der massiven Finanzierung reaktionärer Kräfte überzeugte.[34]

Diese Finanzierung lief unter anderem über antikommunistische Gewerkschaften, die regelmäßig Anschläge auf ihre kommunistischen Gegenspieler verübten. Für Batistas Propaganda waren diese Schießereien ein gefundenes Fressen: Die „Lawlessness“ und der „Gangsterismo“ unter Präsident Prío bildeten den Nährboden für Batistas nahezu widerstandslose totale Machtübernahme im März 1952.

Batista, der im Vorfeld fast vollständige Kontrolle über das Militär hatte festigen können, begann am frühen Morgen des 10. März seinen außergewöhnlich unspektakulären Putsch. Es ist beinahe fraglich, ob seine Kontrolle über die Armee überhaupt nötig gewesen wäre – Prío war durch die Jahre des Gangsterismo zu einem derart unbeliebten Präsidenten geworden, dass wohl jeder Hausmeister die Staatsgewalt ohne größeren Widerstand der Armee hätte übernehmen können.

„Batistas neues Regime wurde weithin begrüßt. Nach einem oberflächlichen Versuch, die verfassungsmäßigen Formalitäten zu wahren und seine Erfahrung aus den 1930er Jahren zu wiederholen, indem er einen Feigenblattpräsidenten fand, ernannte sich Batista selbst zum Staatsoberhaupt. Er berief sich in seiner ersten öffentlichen Rede auf den Namen Martí und verband sich mit der Volkssehnsucht nach Fortschritt und Demokratie, nach Frieden und Gerechtigkeit; es war eine einwandfreie Vorstellung.“ (Richard Gott)[35]

Bereits vor Sonnenaufgang ließ er die ranghohen Offiziere des Militärs verhaften, die in Camp Columbia stationiert waren, und übernahm noch vor Tagesanbruch die Kontrolle über Havanna. Präsident Prío floh in die mexikanische Botschaft und fand dort Asyl.[36]

Die zunächst verwunderten Vereinigten Staaten erkannten Batistas Herrschaft binnen weniger Tage an – man kannte ihn schließlich bereits gut. Im Gegenzug für die Anerkennung musste Batista den Vereinigten Staaten versprechen, härter gegen kubanische Kommunisten und Anarchisten vorzugehen. Das war kein Problem für Batista: Um zu zeigen, wie ernst er es meinte, gründete er wenig später mit Unterstützung der Vereinigten Staaten das „Büro zur Unterdrückung kommunistischer Aktivitäten“ (BRAC), dessen „Vater“ sich später US-Botschafter Arthur Gardner nennen würde.[37]

In seiner ersten öffentlichen Rede verband sich Batista mit den populären Bestrebungen nach „Fortschritt, Demokratie, Frieden und sozialer Gerechtigkeit“ und berief sich auf den Namen Martís – Parallel dazu erhöhte die neue Regierung die Gehälter von Polizei und Armee, während Kongressabgeordnete und Senatoren weiterhin ihre Bezüge erhielten.

Hätte der Durchschnittskubaner den Putsch verschlafen, hätte er wohl erst gar nicht mitbekommen, dass die Herrschaft nun eine andere war.

Die Militärjunta präsentierte sich als Garant eines geordneten Staatswesens, das ein Regime von „Gangsterismo“ und Korruption verhindern sollte, das die Institutionen zerstört, Unordnung geschaffen und die finsteren Pläne der vorherigen Regierung zur unrechtmäßigen Verlängerung ihrer Amtszeit verstärkt hatte.

Zwar erklärte Batista, der sozialdemokratischen Verfassung von 1940 treu zu bleiben, doch suspendierte er gleichzeitig verfassungsmäßige Garantien wie das Streikrecht. Im April 1952, nur einen Monat nach dem Putsch, verkündete er ein neues Verfassungsgesetz, die „Estatutos de Gobierno“, das insgesamt 275 Artikel umfasste und die „demokratische und fortschrittliche Essenz“ der Verfassung von 1940 bewahren sollte.

„Vieles von der Verfassung von 1940 wurde außer Kraft gesetzt, aber die meisten Menschen, mit Ausnahme der Ortodoxos wie Castro und seiner Freunde, gaben der neuen Regierung einen Vertrauensvorschuss. Europäische und lateinamerikanische Länder gewährten eine schnelle diplomatische Anerkennung, gefolgt […] von den Vereinigten Staaten.“ (Richard Gott)[38]

In der Praxis wurden Grundrechte, darunter Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit, jederzeit für 45-tägige Perioden automatisch ausgesetzt. Die traditionellen politischen Parteien wurden suspendiert, wobei offensichtlich war, dass eine eventuelle Reorganisation nur unter Batistas Bedingungen erfolgen würde.

Teil 2: Terror und kubanische Revolution

1. „Die Geschichte wird mich freisprechen“

Der junge Rechtsanwalt Fidel Alejandro Castro Ruz, der gerade eine Rechtsanwaltskanzlei in Havanna eröffnet hatte, plante, zu den Parlamentswahlen 1952 für die reformistische „Orthodoxe Partei“ (Partido Ortodoxo) anzutreten, die zur kommenden Wahl die wichtigste Opposition zu Prío darstellte. Batistas Staatsstreich machte Castros Plänen einen Strich durch die Rechnung.

Castro war, wie viele andere Mitglieder der Partido Ortodoxo, früh desillusioniert über Batistas Martí-Bezüge und die Souveränitätsfloskeln. Dass gerade die Orthodoxen Kubas Batista früh ablehnten, hing mit ihren grundsätzlichen politisch-religiösen Anliegen zusammen: Sie sahen in der Korruption, der Bindung an US-Kapital und dem Gangsterismo unter Prío die Gründe für dessen Ablehnung, legten jedoch großen Wert auf die Beibehaltung der Verfassung von 1940, die sie als Instrument verstanden, um Kuba von seinen „Plagen“ zu befreien.

Die de-facto Abschaffung dieser Verfassung durch Batista bedeutete für die Orthodoxen also nicht nur die Beseitigung eines prinzipiell fortschrittlichen Dokuments, sondern auch den Verlust einer Möglichkeit, das Leben der Kubaner durch demokratische Partizipation zu verbessern – ein idealistischer Widerspruch (warum sollte US-Kapital dulden, dass man es wegwählen würde?), der dennoch den Boden für den kommenden Widerstand ebnete. Castro verstand Widerstand gegen die Abschaffung jener Verfassung als Fortsetzung des Erbes José Martís und erklärte Gewalt für notwendig, um den Staatsumbau Batistas zu vermeiden.

Bereits im Sommer 1952 begannen Castro und eine Gruppe von rund 160 jungen Männern und einigen Frauen monatelang Waffen und Training zu organisieren, um sich auf der Basis des in der Verfassung von 1940 verankerten Widerstandsrechts gegen Batistas Pläne zu wehren.[39]

Die Rebellen teilten sich in mehrere Einsatzgruppen auf und versuchten, neben der Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba auch das Zivilkrankenhaus und den Justizpalast ebenda einzunehmen – Sie waren schlecht bewaffnet, trafen auf tausend gut ausgerüstete Soldaten und scheiterten rasch. In den folgenden Tagen wurden über siebzig der Aufständischen gefangen genommen und vielfach hingerichtet, während Fidel und sein Bruder Raúl Castro schließlich in Haft gerieten. [40]

Die Folgen des gescheiterten Angriffs prägten Batistas Herrschaft nachhaltig und rasch: Blutige Repression gegen jegliche Regimekritiker, bei der Gefangene systematisch erschossen und Folter institutionalisiert wurde, ließ die Bevölkerung erschüttert zurück und schränkte auch für die politisch Desinteressierten bürgerliche Freiheiten massiv ein.

Trotz der Niederlage wandelte sich Castro durch den Prozess und seine Verteidigungsrede „Die Geschichte wird mich freisprechen“ zu einer politischen Symbolfigur – So wurde der Moncada-Angriff, obwohl militärisch erfolglos, zum Ausgangspunkt einer Dynamik, die Castro als legitimen Führer einer neuen Generation von Oppositionellen etablierte. In seiner Verteidigungsrede, die Fidel wirklich zur Verteidigung seiner revolutionären Ideale nutzte, sprach er nach einer fähigen Analyse der kubanischen materiellen Bedingungen wie folgt:

„Es bleibt dem Gerichtshof noch ein ernsteres Problem zu lösen: die Straftat der siebzig Morde [die hingerichteten Rebellen des Moncada-Angriffs, KP], das heißt des größten Massakers, das uns bekannt geworden ist; die Schuldigen befinden sich auf freiem Fuß und sind bewaffnet, so dass sie eine dauernde Bedrohung für das Leben unserer Bürger darstellen; wenn nicht das ganze Gewicht des Gesetzes auf sie fällt, aus Feigheit oder weil das Gericht es verhindert und nicht geschlossen zurücktritt, dann tut mir Eure Ehre leid, und ich beklage den beispiellosen Makel, der auf die Rechtsprechung fallen wird. Was mich selbst betrifft, so weiß ich, dass der Kerker hart sein wird wie nie zuvor für einen Menschen, verschärft durch Drohungen, durch gemeine und feige Wut, aber ich fürchte ihn nicht, wie ich den Zorn des elenden Tyrannen nicht fürchte, der meinen siebzig Brüdern das Leben raubte. Verurteilt mich; das hat nichts zu bedeuten; die Geschichte wird mich freisprechen.“[41]

1.1 Konzentrationslager und Folter

Ab dem Anschlag auf die Moncada nahm die exzessive Gewalt des Batista-Regimes eine vollkommen neue Dimension an:

Selbst unvermeidbare Verletzungen aus Unfällen wurden als Vorwand für Festnahmen und Misshandlungen genutzt, um jeglichen Widerstand schon im Keim zu ersticken, während das Kabinett am 26. Juli 1953 ohne Diskussion ein Dekret verabschiedete, das den Artikel 26 des Gefängnisstatuts aufhob und die Gefängniswärter damit ihrer Verantwortung für das Leben der Gefangenen entband, was die rechtliche Grundlage für die Willkür der Sicherheitskräfte weiter erodierte.

Nur zehn Tage später, am 6. August 1953, beschloss Batista per direktem Dekret ein verschärftes Gesetz zur öffentlichen Ordnung, das jede oppositionelle Presse mundtot machte und faktisch dazu führte, dass der Journalismus in Kuba fast vollständig zum Erliegen kam, während die Verfassungsgarantien routinemäßig außer Kraft gesetzt wurden. Zudem erließ Batista mit Hilfe des „Büro zur Unterdrückung kommunistischer Aktivitäten“ (BRAC) 1954 ein Dekret, das es erlaubte, Arbeiter zu entlassen, wenn sie als „Kommunisten“ vermutet wurden.

Das Regime reaktivierte die „Voluntarios“-Paramilitärs unter dem Namen „Los Tigres“ und formte sie unter der Führung Rolando Masferrers zur härtesten Repressionstruppe des Staates. Gleichzeitig wurde die Strategie der „Reconcentration“ auf Bauernfamilien in ländlichen Gebieten angewendet, angelehnt an die Konzentrationslager-Methoden General Weylers aus dem 19. Jahrhundert, mit dem Ziel, den Rebellen jegliche Unterstützung aus der verarmten Bauernklasse zu entziehen.

Die vertriebenen Bauern wurden gewaltsam aus ihren Häusern entfernt, wobei Personen, die in den geräumten Zonen angetroffen wurden, häufig umgehend erschossen oder aus der Luft bombardiert wurden:

„Batistas Männer bedienten sich bei Weylers Buch, indem sie begannen, die Bauern an den unteren Hängen der Sierra Maestra ‚wieder zu konzentrieren‘, sie von ihren Feldern und Häusern zu vertreiben, um zu verhindern, dass sie gemeinsame Sache mit den Guerillas machten. Jeder, der im geräumten Gebiet gefunden wurde, wurde auf der Stelle erschossen. In einer Weiterentwicklung dieser alten Strategie im 20. Jahrhundert konnten sie aus der Luft bombardiert werden.“ (Richard Gott)[42]

Die Repressionswelle verschärfte sich durch ständige Verhaftungen, bei denen zahlreiche Menschen wegen Brandstiftung auf Zuckerrohrfeldern oder des meist willkürlichen Verdachts auf Bombenanschläge inhaftiert und häufig hingerichtet wurden.

Ergänzend dazu ordnete der Staat die Schließung von Sekundarschulen an und untersagte die für 1957 geplanten Zwischenwahlen zum Kongress, wodurch die politische Teilhabe der Bevölkerung auf null sank. Angesichts der zahllosen, nach dem Moncada-Angriff dokumentierten Gräueltaten schwand das Vertrauen in Batistas Versprechen, die Verantwortlichen für Folter zur Rechenschaft zu ziehen, da die Polizei selbst zu einem nahezu autonomen und unkontrollierbaren Gewaltapparat heranwuchs.[43]

1.2 Granma und Konzentration der Guerilla

Kurz zuvor (1955) lernte Fidel den im mexikanischen Exil lebenden jungen argentinischen Mediziner Ernesto „Che“ Guevara kennen und überzeugte ihn, seine revolutionären Ambitionen von Argentinien nach Kuba zu verlagern. Guevara schloss sich Castros Gruppe an und stieg binnen weniger Monate vom Feldarzt zum ersten Guerillero nach Castro auf.

Castro und seine Gefolgsleute hatten im gleichen Jahr die „Bewegung des 26. Juli“, benannt nach dem Datum des Angriffs auf die Moncada-Kaserne, gegründet und erhielten neben etlichen Neuankömmlingen finanzielle Unterstützung von Ex-Präsident Prío und der US-amerikanischen Mafia, die mit der Finanzierung der Rebellen sicherstellen wollte, dass, falls diese Erfolg haben sollte, sie weiterhin ihre Casinos, Nachtklubs und Drogenhandel auf der Insel tolerieren würden.[44]

Im Dezember 1956 landete Castro mit etwa 80 Gefolgsleuten, die zuvor Waffen und Training in Mexiko erhalten hatten, auf der von Príos Geld gekauften Yacht „Granma“ im Osten Kubas – wo sie von Batistas Truppen bereits erwartet wurden:

„Kampfflugzeuge kamen dem 20 Meter langen Boot im Tiefflug entgegen, empfingen die Revoluzzer mit Bomben und Schusssalven. Die wenigen, die den Angriff überlebten und sich barfüßig an den Strand schleppten, wurden dort von den alarmierten Armeepatrouillen gejagt. Etliche Rebellen starben im Gemetzel, die Überlebenden retteten sich in die dschungelüberwucherten Berge der Sierra Maestra.“ (Spiegel)[45]

Die Zahl der Guerilla-Verluste während der „Granma Operation“ ist unklar, aber ohne Frage erheblich:

„Es mögen Anfang Dezember nur zwölf Männer um Fidel Castro in der Sierra gewesen sein, wie seither immer wieder behauptet wird, zweifellos um christusähnliche Parallelen anzudeuten […] Camilo Cienfuegos sprach in einem Interview, das am 4. Januar 1959 in Revolution veröffentlicht wurde, von ‚nur acht Männern‘, die nach Alegría de Pío [verheerende Schlacht während der Operation] übrig geblieben seien. Ameijeiras sagte in einem anderen Interview, das am 8. Januar 1959 veröffentlicht wurde: ‚Von den zweiundachtzig Männern, die sich auf der Granma eingeschifft hatten, blieben nicht zwölf – wie Batista sagte – sondern neun übrig‘.“ (Thomas Hugh)[46]

Die Verschärfung der Repression durch das Verbot der Zwischenwahlen 1957 und die Schließung von Schulen trug dazu bei, dass die revolutionäre Opposition – besonders unter Studenten und Bauern – massiv an Beliebtheit gewann.

Castros Guerilla baute ihren Einfluss trotz der massiven Verluste aus dem Granma-Debakel also stetig aus – Mit gezielten Aktionen gegen Polizei- und Militärposten sowie strategischer Propaganda gewann die Bewegung zunehmend Rückhalt in der Bevölkerung, insbesondere unter Bauern, die en masse unter Batistas „Reconcentration“-Politik litten.

2. Vorabend der Revolution

Batista genoss auf Seiten der schwarzen und afro-kubanischen Bevölkerung weiterhin beträchtliche Unterstützung, da er seine eigene afro-kubanische Herkunft geschickt instrumentalisierte, offen afro-kubanische Traditionen pflegte und vor allem Schwarze überdurchschnittlich häufig in Armee und Polizei integrierte.

Obwohl Castro versuchte, schwarze Revolutionäre für sich zu gewinnen, wurden seine afro-kubanischen Anhänger von schwarzen Soldaten häufig diffamierend als „weiß“ bezeichnet – im Sinne eines Verrats an der Sache der Schwarzen – und Batista als „Freund der Schwarzen“ gesehen. Der Duktus der Batista-Unterstützung zog im Laufe der Zeit eine klare soziale und strukturelle Grenze zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen:

„Ein weiterer Grund für die mangelnde Unterstützung der Schwarzen [für Castro] war die emotionale und politische Investition, die viele Schwarze in den Diktator getätigt hatten. Batista war ein Mulatte [kolonialer Begriff für Menschen mit einem weißen und einem schwarzen Elternteil, KP], eine Person niedrigerer Herkunft, die von der traditionellen weißen Herrschaftselite sehr verachtet und verspottet wurde. Schwarze konnten sich mit ihm identifizieren: Auch ihm war der Zutritt zu exklusiven Clubs nur für Weiße verwehrt; er nahm offen an den Riten der Santería teil; und er unterstützte die einheimischen Zeremonien, die bei Afro-Kubanern beliebt waren. Batistas Rolle als Außenseiter, als Gegner des traditionellen weißen politischen Systems, das nie viel für die Unterstützung der Schwarzen getan hatte, machte ihn für viele arme Schwarze zu einem Vorbild. Der Anteil der Schwarzen in Batistas Armee und Polizei lag weit über dem Landesdurchschnitt.“ (Richard Gott)[47]

2.1 Rückhalt und Stimmungswechsel

Nichtsdestotrotz veränderte sich das gesellschaftliche Klima in Kuba maßgeblich ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre.
Die von Regierung und Arbeitgebern forcierten Lohn- und Stellenkürzungen stießen auf Widerstand, während die korruptionsverdächtige Gewerkschaftsführung um Eusebio Mujal mit dem Regime kollaborierte und so zur Herausbildung informeller Strukturen der Arbeiter zur Verteidigung ihrer Interessen beitrug, insbesondere im Osten der Insel.

Immer größere Teile der Arbeiterklasse erkannten die Aussichtslosigkeit reformistischer Lösungsansätze und entwickelten neue Aktionsformen: Während der Bewegung des 26. Juli der bewaffnete Aufstand als Strategie galt, setzte die Kommunistische Partei auf Massenmobilisierungen; in dieser Gemengelage entstand mit dem „movimiento obrero beligerante“ eine Verbindung von gewerkschaftlicher Organisierung und Sabotage.

Infolge der Granma-Operation verschärfte der Staat die Repression auf einen Höchststand: mit Folter, Todesschwadronen und massiver Gewalt vor allem im Osten des Landes, was zwar zu einem Rückgang der Streiks führte, den Widerstand der Arbeiter jedoch nicht brach, sondern in neue Aktionsformen drängte.

In der Folge verlagerte sich der Schwerpunkt von Arbeitskämpfen hin zu Sabotageformen und verdeckter Unterstützung der Guerilla:

„Als das Jahr 1957 voranschritt, wurde die fortgesetzte Existenz der Diktatur zur vorherrschenden politischen und sozialen Frage. Dieser Prioritätenwechsel vom Ökonomischen zum Politischen, verbunden mit der wachsenden Erkenntnis, dass kleine Arbeitskämpfe angesichts der Repression unpraktikabel wurden, führte zu einer Zunahme von Sabotage am Arbeitsplatz und heimlicher Hilfe für die Rebellen, während die Häufigkeit lokaler oder sektoraler Streiks im Laufe des Jahres 1957 und Anfang 1958 abnahm. Im Rahmen dieses Prozesses richtete die MR-26-7 ein Komitee unter dem Vorsitz von Ñico Torres ein, um die Ausbreitung geheimer revolutionärer Arbeiterorganisationen von Guantánamo und Santiago auf den Rest der Insel zu organisieren und gleichzeitig ein Unterstützungsnetzwerk für die Rebellen in den Bergen aufzubauen.“ (Stephen Cushion)[48]

Die kubanischen Eliten und das Bürgertum stellten sich weiterhin geschlossen hinter das Regime. Batista galt als Garant von Ordnung und Stabilität, gestützt durch maßgebliche Wirtschaftsinteressen, allen voran die Zuckerindustrie und das Bankwesen, sowie durch ausländische Akteure und einflussreiche gesellschaftliche Kreise, namentlich der US-amerikanischen Mafia, die Kuba in den 1950er Jahren zu einer Casino- und Prostitutionsinsel für amerikanische Geschäftsleute ausbaute.

Auch die Vereinigten Staaten hielten an der Aufrechterhaltung eines Anscheins von Normalität fest: Amerikanische Geschäftsleute reisten weiterhin nach Kuba, und noch im März 1957 suchte der US-Marineadmiral Arleigh Burke Batista auf, um ihn angesichts der zunehmend aussichtslos erscheinenden Lage strategisch zu beraten.

Nichtsdestotrotz breitete sich auch in Washington die Skepsis gegenüber Batistas Möglichkeiten aus, die Arbeiterbewegung zu brechen:

„Die liberale amerikanische Meinung, vertreten durch die New York Times und fortschrittliche Kreise innerhalb der CIA, hatte Castro wohlwollend betrachtet, während die Regierung Eisenhower, aus Trägheit ebenso wie aus Konservatismus oder Antikommunismus, Batista weiterhin zufrieden unterstützte, wenn auch mit wachsender Überzeugungslosigkeit. Während sie weiterhin Waffen lieferte, stellte sie nie genug bereit, um Batista einen militärischen Sieg zu ermöglichen, und seine Armee und Luftwaffe wären technisch auch nicht in der Lage gewesen, einen Zustrom ausgefeilterer Waffen zu bewältigen.“ (Richard Gott)[49]

Kleinstes größtes Übel

Für Batista wurde gerade die kleine Anzahl der Rebellen um Castro, nie größer als 2000[50], das größte Problem bei deren Bekämpfung. Seine Armee von 40.000 war ineffizient, die Polizei schwach, freiwillige Unterstützung nicht vorhanden, und das Offizierskorps durch Tabernilla und andere korrupte Generäle blockiert.

Zudem hinderte Batista die geringe Zahl der Rebellen daran, in der bergigen Region Sierra Maestra, wo die Guerillas quartierten, mit aller Härte vorzugehen, ohne seine eigene Propaganda (bei den wenigen, die noch an sie glaubten) zu entlarven. Batistas Regime zeigte sich unfähig, einer gut verankerten revolutionären Bewegung mit Bauernunterstützung wirksam zu begegnen. Dennoch war es Mitte 1957 nicht zwangsläufig zum Untergang verurteilt – Guerillas hatten in anderen Ländern jahrzehntelang ohne Sieg existiert. Entscheidend für Batistas Sturz war nicht allein die Sierra, sondern vor allem der Kampf in Havanna, Santiago und in Washington, wo die Rolle mit dem schwindenden Vertrauen gegenüber Batista widersprüchlich blieb:

„Nach nur zwei Jahren in den Bergen hatte Castro seine Rivalen andernorts dominiert und stand kurz vor dem Sieg. Er hatte Glück mit seinen Feldkommandeuren, die zwei Jahre zuvor noch ein bloßer Haufen von Amateuren gewesen waren. Guevara, Cienfuegos und sein Bruder Raúl hatten alle außergewöhnliche Führungsqualitäten und strategische Weitsicht bewiesen und wurden mit der Zuneigung und Loyalität ihrer Männer belohnt. Castro hatte auch Glück, oder war vielleicht geschickt darin, sicherzustellen, dass die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber seiner Guerillatruppe gespalten und ungewiss blieb.“ (Richard Gott)[51]

2.2 Generalstreik und Volksfront

Im Verlauf des bewaffneten Konflikts, geprägt von Castros zunehmender Guerillakampagne in der Sierra Maestra und der stetig wachsenden Anzahl von Anschlägen und Sabotageakten gegen Staatsorgane sowie wirtschaftliche Einrichtungen, schloss sich die Mehrheit der Bevölkerung der sich abzeichnenden siegreichen Seite Castros an, da Batistas militärische Niederlage immer offensichtlicher und unabwendbar wurde.

Neben der offensichtlichen militärischen Niederlage drängte die exzessive Gewalt den Großteil der Kubaner, sämtlicher ethnischer und kultureller Hintergründe, hin zur Opposition – willkürliche Polizeiexekutionen, massenhaftes „Verschwindenlassen“ von jeglichen Oppositionellen und willkürliche Verschleppungen ganzer Dörfer in die Konzentrationslager der „Los Tigres“ wurden allgegenwärtig (s.o.):

„Was auch immer die breiteren Zweifel am genauen Zustand der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise in Kuba in den 1950er Jahren gewesen sein mögen, die Repression der Batista-Jahre war eine Realität, die Schmerzensschreie ebenso hervorrief wie Forderungen nach einer besseren Zukunft. Der Kampf gegen den Diktator war für die meisten Aktivisten der Bewegung des 26. Juli ebenso sehr von dem Wunsch motiviert, einen abscheulichen Unterdrücker loszuwerden, wie von der Hoffnung auf eine bessere zukünftige Gesellschaft. Deshalb erhielt Castro anfangs so breite Unterstützung über die tiefen Gräben der kubanischen Gesellschaft hinweg. Als Castro im April 1959 Princeton besuchte, führte er den Erfolg der Revolution auf die weit verbreitete Angst und den Hass auf Batistas Geheimpolizei zurück […].“ (Richard Gott)[52]

Gescheiterter Generalstreik

Am Morgen des 9. April 1958 rief ein unbenannter Kämpfer der Bewegung des 26. Juli (MR-26-7) über die Radios Kubas zum „revolutionären Generalstreik“ auf:

„Achtung Kubaner, hier spricht die Bewegung des 26. Juli, die zu einem revolutionären Generalstreik aufruft! Heute ist der Tag der Freiheit, der Tag des revolutionären Generalstreiks. Vorwärts, Kubaner, denn ab diesem Moment beginnt der endgültige Kampf in ganz Kuba, der nur mit dem Sturz der Diktatur enden wird! Arbeiter, Studenten, Fachleute, Chefs, schließt euch dem revolutionären Generalstreik an, von diesem Moment an!“[53]

Die Vorberatungen für den Generalstreik begannen, nachdem Studierende wenige Monate zuvor einen erfolgreichen Bildungsstreik geführt hatten – Faustino Pérez, Dritter in der MR-26-7, sah somit die Zeit reif für einen Generalstreik, der die Revolution einläuten sollte. Die Vorbereitungen für den Streik, namentlich die geplante Übernahme der Einheitsgewerkschaft CTC, Besorgungen von Waffen und Logistik sowie Absprache mit relevanten Arbeitnehmervertretungen in den Schlüsselindustrien, wurden im Vorhinein getroffen – die Rebellen standen bereit. [54]

Nichtsdestotrotz scheiterte der Generalstreik kläglich: In Havanna fehlten Vorbereitungen und Kommunikation, viele Arbeiter wurden vom plötzlichen Aufruf überrascht und fühlten sich nicht verantwortlich für die Aktion. Die MR-26-7 hatte kaum Erfahrung in gewerkschaftlicher Arbeit, verfolgte eine militärische Sichtweise des Streiks und ignorierte oft konkrete klassenbasierte Forderungen, wie sie die Kommunistische Partei erhob. Statt auf die Selbstaktivität der Arbeiter setzte man übermäßig auf Sabotage und bewaffnete Aktionen, überschätzte die eigenen Kräfte und scheiterte schließlich an der militärischen Übermacht des Regimes.

Zudem führte das Misstrauen der antikommunistischen Mitglieder der MR-26-7 gegenüber der PSP zu fehlender Einheit in der Opposition; gemeinsame Streikkomitees kamen nicht zustande, und die PSP war vom Großteil der Planungen ausgeschlossen.

Batista reagierte wie erwartet; Polizei und Armee schossen ohne Rücksicht auf die protestierenden Zivilisten, prominente Aktivisten der MR-26-7, namentlich Antonio Sánchez, wurden hingerichtet – Batistas Polizeichef ordnete explizit an, keine „Verletzten oder Gefangenen“ zu nehmen.[55] Dennoch: Aus dem Fehlschlag des April-Streiks erwuchs die Einsicht, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen MR-26-7 und PSP notwendig war, was den Grundstein für spätere Erfolge legte.[56]

3. Strategische Neuausrichtung und Sieg

Der gescheiterte April-Streik markierte einen Wendepunkt für die kubanische Revolution und zwang die Rebellen zu einer grundlegenden strategischen Neuausrichtung. Für die MR-26-7 wie auch für die PSP wurde deutlich, dass ihre bisherigen Taktiken nicht ausreichten und die Beziehungen zwischen beiden neu justiert werden mussten.

Faustino Pérez, der die Gesamtverantwortung für den Streik getragen hatte, erklärte später, dass der Erfolg des Bildungsstreiks von 1957 eine falsche Einschätzung der Kräfteverhältnisse erzeugt habe und damit wesentlich zum Scheitern beigetragen habe. Der April-Streik zeigte, dass der „lenkende Wille des Zentrums“ ohne die breite Beteiligung der Massen nicht wirksam sein konnte.[57]

Auf einem Treffen in Los Altos de Mompié in der Sierra Maestra am 3. Mai 1958 zog die revolutionäre Führung die Konsequenzen aus diesem Fehlschlag – Zum einen wurde der Guerillakampf als vorrangige Form des Widerstands festgelegt, zum anderen beschlossen die Rebellen, ihre Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei innerhalb der Arbeiterbewegung zu vertiefen: Die Annäherung zwischen MR-26-7 und PSP mündete schließlich in der Gründung des Frente Obrero Nacional Unido (FONU), das zwei große Arbeiterkongresse in den von Rebellen kontrollierten Gebieten organisierte. Diese Kongresse verliehen der Bewegung zusätzliche Legitimität in den Arbeiterkreisen und bereiteten einen Generalstreik vor, der zu Beginn der nächsten Zuckerernte im Januar 1959 stattfinden sollte, um die größtmögliche ökonomische Wirkung zu entfalten.

Parallel dazu errangen die Rebellen weitreichende militärische Erfolge. Sie schlugen bis August 1958 Batistas großangelegte „Sommeroffensive“ zurück, was nicht nur die Moral der Opposition stärkte, sondern auch die MR-26-7 als führende Kraft im Kampf gegen das Regime bestätigte. Raúl Castro eröffnete im März 1958 eine zweite Front in der Sierra Cristal, während Juan Almeida erstmals auch nördlich von Santiago eine dritte Front hielt.[58]

Guevara drang in die zentrale Provinz Las Villas vor, und Camilo Cienfuegos wurde in die westliche Provinz Pinar del Río entsandt. Diese militärischen Vorstöße, kombiniert mit dem wachsenden Vertrauen der Bevölkerung, führten dazu, dass immer mehr Arbeiter den Rebellen ihre aktive Unterstützung zusicherten. Bis Ende 1958 schätzte David Salvador die Mitgliederzahl der „Sektion Obrera“ der MR-26-7, also derjenigen Mitglieder, welche ihre jeweiligen Betriebe in den FONU-Kongressen repräsentierten, bereits auf 15.000.[59] Dazu kamen die kämpfenden Einheiten, die selbst zum Zeitpunkt des Sieges der Revolution nie 3000 überstiegen. Wie viele Sympathisanten die MR-26-7 zählte, würde sich bei dem kommenden Generalstreik herausstellen.

3.1 Batistas Flucht

Bereits im März 1958 hatten die Vereinigten Staaten ihre Waffenlieferungen an Batista eingestellt, zum Jahresende verzichteten sie vollständig auf ihre politische Rückendeckung. Schließlich wandte sich auch die kubanische Wirtschaftselite von Batista ab. Großgrundbesitzer und Unternehmer, die ihn ursprünglich unterstützten, um ihre Profite zu sichern, erkannten nun, dass er weder die massive Popularität der Rebellen zerschlagen noch ihre ökonomische Ordnung sichern könnte. Wie der Zuckermagnat Julio Lobo es formulierte: „Es war uns egal, wer Batista loswurde, solange es nur jemand tat.“

In dieser Isolation und nach militärischer Niederlage floh Batista am 31. Dezember 1958 mit Familie und Vertrauten vom Flugplatz Camp Columbia ins Exil in die Dominikanische Republik zum Diktator Trujillo. Auf Batistas Flucht reagierten die Rebellen unmittelbar mit einem vorgezogenen Generalstreik, um einen möglichen Militärputsch zu verhindern, der die Machtübernahme durch die MR-26-7 hätte verhindern können. Am Morgen des 1. Januar 1959 rief Fidel über Radio Rebelde aus Santiago de Cuba die Arbeiter auf, dem Aufruf der Rebellen zu folgen, alle Gewerkschaftsbüros zu besetzen und das Land vollständig lahmzulegen. Der Streik wurde augenblicklich landesweit befolgt; das öffentliche Leben kam zum Erliegen, und die verbliebenen Generäle der Armee mussten ihre Putschpläne aufgeben.

Am 2. Januar marschierte Fidel Castro siegreich in Santiago de Cuba ein, während Camilo Cienfuegos Havanna erreichte und das wichtigste Militärlager, Camp Columbia, besetzte. Parallel übernahmen die revolutionären Gewerkschaftsführer Ñico Torres und Conrado Bécquer den Flug nach Havanna, um das Hauptquartier des bisher regierungstreuen Gewerkschaftsbundes CTC im Namen der M-26-7 zu kontrollieren. Am selben Tag rief die FONU zu einer Massenversammlung im Parque Central auf, um die Revolution zu unterstützen.

Von einem Balkon in Santiago verkündete Castro am Abend des 2. Januar den Sieg der Revolution: „Die Revolution beginnt jetzt […] Dieses Mal wird es nicht wie 1898 sein, als die Nordamerikaner kamen und sich zu Herren unseres Landes machten. Dieses Mal wird die Revolution zum Glück wirklich an die Macht kommen.“.[60]

Wenige Stunden später aß Castro mit dem US-Konsul und seiner Frau zu Abend[61]; was bei diesem Essen besprochen wurde, ist nicht bekannt – es ist jedoch ganz klar, dass die Vereinigten Staaten zum Zeitpunkt der Revolution noch darauf hofften, sie könnten ihre Interessen weiterhin auf der Karibikinsel vertreten – Wie gerne man da eine Fliege an der Wand gewesen wäre.   

Am 3. Januar traf Che Guevara in Havanna ein und übernahm die Festung La Cabaña an der Hafeneinfahrt. Während der gesamten Streikwoche vom 1. bis 8. Januar blockierte der Generalstreik das normale Leben und die Wirtschaft, während die Milizen der M-26-7 die Straßen Havannas sicherten und Plünderungen oder Lynchjustiz verhinderten. Fidel Castro reiste in dieser Zeit triumphal quer über die Insel in Richtung Hauptstadt. Schließlich zog er am 8. Januar in Havanna ein, hielt eine historische Rede im Camp Columbia und leitete eine weitere Massenversammlung der Arbeiter. Mit der Sicherung seiner Macht ordnete er das formelle Ende des Generalstreiks und die Rückkehr der Bevölkerung an ihre Arbeitsplätze an.

Den Weg hierhin fasst Steve Cushion in seinem Werk „A Hidden History of the Cuban Revolution“ wie folgt zusammen:

„Von Batistas Putsch im März 1952 bis zu den betrügerischen Wahlen im November 1954 änderte sich wenig gegenüber den Tagen von Batistas Vorgänger, Präsident Carlos Prío Socarrás. Der Fall des Zuckerpreises verursachte eine Wirtschaftskrise, und von Ende 1954 bis Ende 1956 gab es konzertierte Bemühungen von Regierung und Arbeitgebern, die Produktivität durch Senkung der Löhne und Verringerung des Personalbestands zu steigern. Dies wurde durch eine Kombination aus Kollaboration mit der Gewerkschaftsbürokratie und einem relativ geringen Maß an staatlicher Repression erreicht, wobei die Polizei Arbeiter gewohnheitsmäßig mit Knüppeln schlug und mit Wasserwerfern besprühte, aber nur sehr wenige Todesfälle zu verzeichnen waren. Die Ankunft der Granma und der Beginn des Aufstands der Rebellen waren eine Krise für das Regime, dessen Vorgehen sich Anfang 1957 änderte, als die Staatskräfte begannen, die bewaffneten Guerillas in den Bergen zu bekämpfen. Von diesem Zeitpunkt an setzte das Regime Todesschwadronen, routinemäßige Folter und „Verschwindenlassen“ ein, um den organisierten Widerstand einzuschüchtern. Der April 1958 erwies sich als Krisenpunkt für die Rebellen, als ihr Versuch eines Generalstreiks katastrophal scheiterte. Diese Krise veranlasste sowohl die Movimiento Revolucionario 26 de Julio (MR-26-7, Revolutionäre Bewegung 26. Juli) als auch die kommunistische Partido Socialista Popular (PSP, Popular Socialist Party), ihre Taktiken und ihr Verhältnis zueinander zu überdenken. Sie stärkte auch das Selbstvertrauen der Regierung, und im Sommer und Herbst 1958 startete Batista einen groß angelegten militärischen Angriff auf die Rebellen in ihren Bergfestungen. Das Scheitern, die Rebellenarmee zu vernichten, war die letzte Krise des Regimes und schuf eine Situation, in der ein erfolgreicher Generalstreik den Diktator aus dem Amt zwingen würde.“[62]

Teil 3: Sozialistischer Staat Kuba

Die kubanische Revolution begann mit dem Anspruch, politische Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit durchzusetzen. Sie stützte sich dabei auf ein breites Spektrum von Ideen, das sowohl reformistische als auch radikal transformative Strömungen umfasste.

Während ein Teil der Unterstützer lediglich das Ende von Korruption und autoritärer Willkür sowie die Rückkehr zur Verfassungsordnung forderte, drängten andere auf tiefgreifende soziale Veränderungen, die die Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft selbst infrage stellten.

In den ersten Jahren prägte ein stark voluntaristisches Ethos die Entwicklung: Umverteilungsmaßnahmen wie Landreform und Rationierung verbanden sich mit umfassender Volksmobilisierung, etwa durch die landesweite Alphabetisierungskampagne, den Aufbau von Massenorganisationen und die grundlegende Reform des Gesundheitswesens:

„Die Bewegung des 26. Juli begann ihr Experiment des Regierens am 1. Januar 1959 mit enormer Volksunterstützung und Legitimität. Ihre vielfältigen Anhänger hatten jedoch sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Art von neuem System das alte ersetzen sollte. Einige wollten lediglich ein Ende von Batistas korrupter Herrschaft und eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung, ohne grundlegende soziale Veränderungen. Andere sahen im Zusammenbruch der alten Ordnung und dem überwältigenden Volksmandat für die neue Regierung eine revolutionärere Gelegenheit. Konnte eine Revolution Abhängigkeit, Armut und Unterentwicklung überwinden? Konnte sie eine neue Gesellschaft und einen neuen Menschen schaffen?“ (Aviva Chomsky)[63]

Innerhalb der ersten Monate nach der Revolution rückte sie zunehmend auf eine Linie nationaler Selbstbestimmung und wirtschaftlicher Kontrolle. Die MR-26-7 und die kommunistische PSP näherten sich einander an und verschmolzen schließlich 1965 zur Kommunistischen Partei Kubas (Partido Comunista de Cuba, PCC).

Innerhalb dieses Prozesses übernahm Ernesto „Che“ Guevara ab 1959 zunächst als Präsident der Nationalbank und später als Industrieminister die Aufgabe, eine eigenständige wirtschaftliche Strategie zu entwickeln. Ziel war es, die historische Abhängigkeit Kubas vom Zuckerexport zu überwinden und durch Industrialisierung eine neue, unabhängige ökonomische Grundlage zu schaffen.

Mit den 1970er Jahren setzte eine tiefere Institutionalisierung nach sowjetischem Vorbild ein: Kuba trat 1972 dem COMECON bei, entwickelte ab 1975 Fünfjahrespläne und orientierte sich an einem zentralisierten Planungsmodell, das als Instrument der wirtschaftlichen Modernisierung verstanden wurde. Der erste Parteikongress der PCC 1975 und die Verfassung von 1976, die ein System der „Volksmacht“ schuf, konsolidierten den sozialistischen Staatsaufbau und schufen zugleich institutionelle Strukturen zur Kontrolle von Opposition und politischer Abweichung.

Unmittelbar nach dem Sieg der Revolution wurden Hunderte Soldaten und Funktionäre des Batista-Regimes in Schnellverfahren durch Erschießungskommandos hingerichtet. Die Todesstrafe, die 1940 nominell abgeschafft worden war, wurde für „politische Verbrechen“ wieder eingeführt, um „revolutionäre Gerechtigkeit“ durchzusetzen. Anarchisten und unabhängige Gewerkschaftsführer wurden aus der Führung verdrängt, als „feindliche Agenten des Yankee-Imperialismus“ gebrandmarkt, inhaftiert oder ins Exil gezwungen. Die Prozesse gegen Kriegsverbrecher des Batista-Regimes wurden im Sportstadion Havannas geführt und live im Fernsehen übertragen. Der Anblick der „leidenschaftlichen Menschenmassen“ der postrevolutionären Verfolgung der Batista-Funktionäre hat viele „Auslandskorrespondenten“ [64] in den ersten Jahren nach der Revolution davon überzeugt, das Land zu verlassen:

„Mehrere hundert ehemalige Mitarbeiter Batistas, Polizisten und Folterknechte wurden nach oberflächlichen Prozessen durch Erschießungskommandos hingerichtet. In der amerikanischen Presse als ‚Blutbad‘ dargestellt, war diese Nachkriegsabrechnung in der kubanischen Geschichte kaum ein ungewöhnliches Phänomen. Die während des Krieges entfachten Leidenschaften waren tief verwurzelt, und ähnliche Ereignisse hatten sich im lebendigen Gedächtnis abgespielt. Dreißig Jahre zuvor waren die Handlanger des Machado-Regimes, die ähnlicher Verbrechen für schuldig befunden wurden, einfach von der Menge aufgespürt und getötet worden, erinnerte sich Philip Bonsal, der neue US-Botschafter, in seinen Memoiren.[65]

Man könnte nun schlicht behaupten, eine Revolution sei eben kein Gastmahl, interessanter ist jedoch die Erkenntnis des damaligen CIA-Chefs Allen Dulles, die er bei einer Sitzung des „senate foreign relations committee“ vortrug:

„Wenn man eine Revolution hat, tötet man seine Feinde. Es gab viele Fälle von Grausamkeit und Repression durch die kubanische Armee [Batista], und sie haben einiges gegen diese Leute in der Hand. Jetzt wird es wahrscheinlich viel Gerechtigkeit geben. Sie wird wahrscheinlich viel zu weit gehen, aber sie müssen da durch.“[66]

Besonders die 1965 eingerichteten „Militärischen Einheiten zur Produktionshilfe“ (UMAPs) dienten der Unterbringung von Männern, die als abweichend galten, darunter politische Dissidenten und Homosexuelle. Die Aufarbeitung der Verfolgung von Homosexuellen als „bürgerliche Elemente“ führte in Kuba später zwar zu einer der progressivsten und emanzipatorischsten Gesetzes- und Gesellschaftslagen für queere Personen, war aber nichtsdestotrotz ein gravierender Fehler der Revolution. Die öffentliche Bekanntmachung dieses Fehlers ließ viele Teile der westlichen Intelligenz, die sich zuvor solidarisch mit dem kubanischen Projekt verstanden, von der Revolution abweichen.

Konfrontiert mit dieser Kritik kommentierte Castro 2010 in einem Interview mit der mexikanischen Jornada, das kurz nach dem dritten nationalen Tag gegen Homophobie durchgeführt wurde:

„Das waren Momente großer Ungerechtigkeit, einer großen Ungerechtigkeit! Wer auch immer sie begangen hätte. Ich versuche, meine Verantwortung in all dem zu definieren. Es stimmt, dass ich mich zu dieser Zeit nicht um diese Angelegenheit gekümmert habe […] Ich war hauptsächlich mit der Oktoberkrise, dem Krieg und politischen Fragen beschäftigt […] Dem CIA zu entkommen, der so viele Verräter angeworben hat, manchmal sogar aus den eigenen Reihen, war alles andere als einfach; aber wenn ich schon Verantwortung übernehmen muss, dann übernehme ich meine. Ich werde niemandem die Schuld geben.“[67]

Auf die Antwort der Interviewerin Carmen Lira Saade, dass die Verfolgung von Homosexuellen „überall unter weniger oder größerem Protest stattfinden“ könnte, aber doch nicht im revolutionären Kuba, entgegnete Castro:

„Ich verstehe: Es ist so, als würde ein Heiliger sündigen, richtig? … Es ist nicht dasselbe, als würde ein Sünder sündigen, oder? Dass unserem Image geschadet wurde, war fair.“[68]

1. Schlachtfeldmentalität und Sieg

Die Vereinigten Staaten begegneten den kubanischen Entwicklungen mit offener Feindseligkeit. Ihre Sorgen galten weniger den politischen Formen in Havanna als vielmehr den wirtschaftlichen Interessen amerikanischer Investoren und der Vorbildwirkung, die die kubanische Revolution auf die Region ausüben könnte:

„In den ersten Jahren der Revolution tauchen die Themen sowjetischer Einfluss, Menschenrechte oder militärische Bedrohung der Vereinigten Staaten in der diplomatischen Korrespondenz der USA selten auf. Stattdessen sorgten sich das Außenministerium und die Diplomaten vor Ort darum, welches Wirtschaftsmodell Kuba verfolgen würde, und insbesondere darum, wie die US-Unternehmen in Kuba betroffen sein würden. Darüber hinaus waren sie sehr besorgt darüber, wie das kubanische Beispiel andere lateinamerikanische Länder dazu inspirieren könnte, ähnliche wirtschaftliche Transformationen zum Nachteil der US-Investoren zu versuchen.“ (Aviva Chomsky)[69]

In Washington befürchtete man, andere lateinamerikanische Staaten könnten in Kuba ein Modell für eigenständige Entwicklung sehen und dadurch die Durchlässigkeit ihrer Märkte für US-Kapital und den Zugang der Vereinigten Staaten zu strategischen Rohstoffen in Frage stellen.

Bereits binnen weniger Monate nach dem Sturz Batistas entschieden sich die USA, die neue Regierung aktiv zu bekämpfen. Die offen aggressive Haltung der Vereinigten Staaten schuf auf der Insel ein Klima ständiger Bedrohung, das die revolutionäre Führung in ihrer Mobilisierung bestärkte und den innenpolitischen Kurs der revolutionären Radikalisierung beschleunigte.

Hauptsache Konterrevolution

Die Lateinamerika-Historikerin Aviva Chomsky beschreibt das gesellschaftliche Klima der kubanischen Arbeiterklasse im ersten Jahrzehnt nach der Revolution als „Schlachtfeldmentalität“[70], in der sich der immense Druck auf die kubanische Revolution manifestierte.

Nach der Agrarreform 1959, bei der die Größe von privaten Farmen auf ca. 1,3 Hektar beschränkt wurde und der Rest enteignet und umverteilt wurde, traten die Vereinigten Staaten in den ersten verbal offenen Konflikt mit der kubanischen Revolution. Viele der großen Zuckerplantagen, auf denen vor der Revolution noch Sklavenarbeit herrschte, gehörten US-amerikanischen Konzernen, die sich im Anschluss an die Agrarreform bei ihrem Außenministerium beschwerten:

„Das Außenministerium stimmte zu, dass das ‚Agrarreformgesetz in der US-Regierung und in amerikanischen Zuckerkreisen große Bestürzung hervorruft‘. Dreißig der 34 US-amerikanischen Zuckermühlen schickten am folgenden Tag Vertreter zu einem Treffen mit dem US-Botschafter und protestierten dagegen, dass ihre Geschäfte durch die Reform schwer beeinträchtigt würden.“ (Aviva Chomsky)[71]

Nach gescheiterten Versuchen, mit „moderaten“ Kräften in Kuba, d.h. Konterrevolutionären, zusammenzuarbeiten, entschlossen die Vereinigten Staaten, dass die Revolution schnellstmöglich zu stoppen sei. Die von der CIA entwickelten Strategien reichten dabei von der Sabotage zentraler Produktionssektoren, insbesondere der Zuckerindustrie, die den Kern der nationalen Wertschöpfung und zugleich das wichtigste Exportgut darstellte, bis hin zu offenem militärischem Eingreifen.

1.1 Schweinebucht-Fiasko

Das Scheitern der Schweinebucht-Invasion im April 1961, das JFK-Berater Arthur M. Schlesinger als „größeres Fiasko“ in der Geschichte der amerikanischen Außenpolitik bezeichnete, war die absolute Zäsur für den Verlauf und die Ausrichtung der kubanischen Revolution:

Der Plan sah vor, dass 1300 Exilkubaner an der zwischen Havanna und Trinidad gelegenen Bahía de Cochinos (Schweinebucht) landen und die örtliche Landepiste nur so lange halten sollten, bis die von US-Offiziellen handverlesene „Exilregierung“ aus pro-amerikanischen Kubanern aus Miami eingeflogen wäre. Diese sollte dann Castro töten und die Herrschaft in Kuba an sich reißen – Die amerikanischen Investoren hätten so ihre Plantagen zurückerhalten, die Revolution wäre gebrochen, Ende gut, alles gut – Falls sich dieser Plan absurd und irgendwie etwas blöd anhört, dann ist das, weil er absurd und ziemlich blöd war.

In der Woche vor der Landung intensivierten CIA-finanzierte konterrevolutionäre Kräfte auf Kuba ihre Angriffe: In Pinar del Río wurde eine Zuckerfabrik zerstört und im Zentrum Havannas das Kaufhaus El Encanto in die Luft gesprengt. Am 15. April griffen zudem zwei kleine Flugzeuge die Stützpunkte Camp Columbia sowie Luftwaffenbasen in Havanna und Santiago an, wobei der Großteil der kubanischen Luftwaffe vernichtet und mehrere Zivilisten getötet wurden.

Diese Ereignisse machten Castro und der revolutionären Führung die unmittelbar bevorstehende Invasion deutlich – In einer Trauerrede für die Opfer erklärte er erstmals den ausdrücklich „sozialistischen“ Charakter der Revolution und stellte die Erfolge der Sowjetunion, verkörpert durch Yuri Gagarins Flug ins All, dem Verhalten der USA gegenüber, die, wie er betonte, die „Einrichtungen eines Landes bombardierten, das kaum über eine Luftwaffe verfüge.“ [72]

Als die Bodeninvasion am 17. April 1961 begann, landeten die von der CIA organisierten Exiltruppen an den Stränden von Playa Girón und Playa Larga, wo die örtlichen Milizen den Hauptteil der Verteidigung übernahmen. Castro mobilisierte die wenigen verbliebenen Maschinen seiner Luftwaffe, während die Exiltruppen unter Beschuss improvisierter Trainingsflugzeuge und von „Sea-Furies“ gerieten.

Castro verlegte sein Hauptquartier von Havanna in die Zuckerfabrik Australia, von wo aus er die Gegenmaßnahmen leitete. Innerhalb von drei Tagen war die Invasion niedergeschlagen: Von 1.500 beteiligten Exilkubanern starben über 100, rund 1.200 gerieten in Gefangenschaft. Viele Kommandeure des gescheiterten Putsches waren Offiziere aus Batistas Armee, teilweise Schüler des nun für die Revolution kämpfenden Generals José Ramón Fernández. [73]

Der Sieg stärkte die Popularität der Revolution erheblich und machte die Regierung zugleich misstrauischer gegenüber innerer Opposition und führte zu verstärkter außenpolitischer Absicherung, besonders durch Annäherung an die Sowjetunion.

Im Dezember 1961 erklärte Fidel Castro offen seine marxistisch-leninistische Position, womit sich Kuba endgültig geopolitisch gegen die USA stellte. Die Niederlage der Invasion wurde international als „erste Niederlage des Yankee-Imperialismus in Lateinamerika“ gefeiert und führte direkt zur Entwicklung der „Operation Mongoose“ durch die Kennedy-Regierung; einer groß angelegten verdeckten Aktion zur Destabilisierung und zum Sturz der kubanischen Revolution, welche wir etwas später im Detail erläutern werden:

„Aus einer größeren lateinamerikanischen Perspektive ist die Schweinebucht nur eine in einer langen, trostlosen Liste von US-Invasionen und Besetzungen ihrer Länder, die in den Vereinigten Staaten selbst weitgehend unbekannt sind. Dazu gehören seit 1898 die zahlreichen Truppenlandungen in Kuba; die langen Besetzungen Nicaraguas, Haitis und der Dominikanischen Republik; der Sturz der Arbenz-Regierung in Guatemala 1954; Aufstandsbekämpfungen und „Low Intensity Conflicts“ in Mittelamerika in den 1980er Jahren; und so weiter. Das Einzige, was die Schweinebucht einzigartig macht, ist, dass die Invasion nicht erfolgreich war.“ (Aviva Chomsky)[74]

1.2. Konsolidierung der Revolution

Der Sieg in der Schweinebucht stellte nicht nur eine militärische Zurückweisung der US-Intervention dar, sondern markierte einen entscheidenden Moment für die Konsolidierung der Revolution und die Stärkung des kubanischen Nationalismus. Breite Teile der Bevölkerung erfuhren diesen Erfolg als Beweis dafür, dass die Revolution nicht nur fähig war, sich zu behaupten, sondern auch eine reale Alternative zur jahrzehntelangen Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten darstellte.

Gruppen innerhalb der Gesellschaft, die zuvor auf eine politische oder wirtschaftliche Eingliederung in den Einflussbereich Washingtons gesetzt hatten, verloren jegliche gesellschaftliche Legitimität und Rückhalt. In diesem Zusammenhang erhielt die im Februar 1962 veröffentlichte „Zweite Erklärung von Havanna“ eine zentrale Bedeutung, da sie den revolutionären Prozess ausdrücklich in einen kontinentalen Zusammenhang stellte, die Pflicht zur Weiterführung der Umwälzung unterstrich und Kuba symbolisch wie praktisch als Speerspitze der antiimperialistischen Kämpfe Lateinamerikas inszenierte:

„Für viele Lateinamerikaner verstärkte die Schweinebucht ihren tief verwurzelten Glauben, dass den Vereinigten Staaten nie zu trauen sei; sie zeigte, dass ihr nördlicher Nachbar nicht mehr so allmächtig war, wie es einst schien. Der Griff des ‚geografischen Fatalismus‘, so lange ein eingebettetes Element in der Weltsicht Lateinamerikas, war gebrochen. Politische Gruppen auf dem ganzen Kontinent nahmen Kuba nun ernst als Vorbild und versuchten, den kubanischen Weg zu gehen, in dem Glauben, dass die Niederlage des US-Imperialismus möglich sei.“ (Richard Gott)[75]

Der Rest der Welt, der zuvor kaum ein klares Bild von der tatsächlichen Unterstützung der Castro-Regierung hatte, erkannte nun, dass die Behauptungen der kubanischen Exilgemeinschaft nicht der Realität entsprachen: Die Revolution war keineswegs dem Untergang geweiht. Selbst mit Unterstützung der USA war es den Exilanten nicht gelungen, ihre Ablehnung Castros in eine breite, regierungsstürzende Bewegung umzuwandeln.

Castro würde bleiben. Konkrete Belege über private Diskussionen der sowjetischen Führung gibt es nicht, doch sie müssen zu derselben Einschätzung gekommen sein. Hatte man Castro zunächst als Außenseiter betrachtet, erschien er nun als jemand, auf den es sich lohnte zu setzen.[76]

2. „Operation Mongoose“: Terror und Embargo

Nach der gescheiterten direkten militärischen Invasion der Schweinebucht erarbeiteten ca. 400 CIA-Offizielle einen Plan zur inneren Destabilisierung Kubas, um die Revolution durch Trennung ihrer Basis zu brechen.

„Eine Präsidialdirektive vom November 1961, die das Mongoose-Projekt ins Leben rief, erklärte, dass die Vereinigten Staaten ‚dem kubanischen Volk helfen würden, das kommunistische Regime von innen heraus zu stürzen und eine neue Regierung einzusetzen, mit der die Vereinigten Staaten in Frieden leben können‘. Lansdale legte dem Weißen Haus im Januar 1962 einen Operationsplan vor, der einen ’sechsstufigen Versuch‘ vorsah, Castro von innen heraus zu untergraben. Sein Projekt sollte im Oktober 1962 ‚mit einer offenen Revolte und dem Sturz des kommunistischen Regimes‘ enden.“ (Richard Gott)[77]

General Edward Lansdale, ein erfahrener Spezialist für Aufstandsbekämpfung, übernahm die Leitung des Projekts, das unter der strengen Aufsicht Robert Kennedys stand. Ein Präsidialerlass aus dem Jahr 1961 legte fest, dass das Vorhaben bis Oktober 1962 abgeschlossen sein sollte, woraufhin ein offener Aufstand den Sturz der sozialistischen Herrschaft bis Ende 1962 herbeiführen sollte. Trotz des Einsatzes von über 400 CIA-Mitarbeitern in Washington und Miami blieben die Ergebnisse zunächst bescheiden:[78]

Noch vor der Raketenkrise wurde die Unzufriedenheit des Präsidenten mit den schleppenden Fortschritten deutlich, die Operation offiziell („in allem außer dem Namen“)[79] aufgelöst und in ein Koordinationskomitee überführt.

De facto intensivierten sich die verdeckten Aktivitäten jedoch weiter, was in Havanna den Eindruck einer fortdauernden Bedrohung bestätigte und maßgeblich dazu beitrug, dass Castro den Entschluss fasste, sowjetische Raketen auf kubanischem Territorium stationieren zu lassen:

„Im April 1964 forderte Johnson ein Ende der Sabotageüberfälle. Johnson wurde später mit der Beschwerde zitiert, dass ‚wir eine verdammte Murder, Inc. in der Karibik betrieben hätten‘. Dean Rusk argumentierte, dass Sabotage einen ‚hohen Geräuschpegel‘ habe und es zu schwierig sei, die Beteiligung der USA zu vertuschen. Der letzte große von der CIA organisierte Überfall der Johnson-Ära war im Dezember 1963, als kubanische Exilanten kubanische Gewässer in der Nähe eines Marinestützpunkts verminten, eine Reihe von Booten in die Luft sprengten und mehrere Menschen töteten und verletzten.“ (Aviva Chomsky)[80]

Zwischen 1960 und 1965 lassen sich mindestens acht Mordpläne gegen Castro nachweisen, die von vergifteten Zigarren über kontaminierte Taucheranzüge bis hin zur Zusammenarbeit mit Syndikaten der US-amerikanischen Mafia reichten – Das Ziel bestand darin, durch die Ausschaltung des revolutionären Führers eine politische Destabilisierung zu erreichen.

Auch in Europa versuchte man, Kubas ökonomische Infrastruktur auf subtile Weise zu untergraben. Lieferungen wurden sabotiert, Maschinen für den Export nach Kuba gezielt beschädigt oder unbrauchbar gemacht, und selbst Kugellagerhersteller in Frankfurt erhielten Anweisungen, Produkte mit Absicht fehlerhaft zu fertigen. In Miami etablierte die CIA eine Operationsbasis mit einem Millionenbudget, von wo aus bewaffnete Überfälle auf Ölraffinerien, Industrieanlagen und Verkehrsinfrastruktur organisiert wurden. Exilgruppen wie „Alpha 66“ führten Angriffe auf Hotels, Handelsschiffe und sowjetische Militärberater aus, wodurch Kuba zugleich wirtschaftlich und militärisch unter Druck gesetzt wurde. Bis Oktober 1962 umfasste die Strategie wiederholte Versuche, die Kupfermine Matahambre zu zerstören.[81]

„Der wichtigste Versuch war der gescheiterte Angriff auf die Kupfermine Matahambre. Ein erster Versuch scheiterte Ende 1961, als technische Probleme das Boot mit den Kommandos am Ankommen hinderten; der zweite Versuch im Sommer 1962 traf auf eine kubanische Milizpatrouille und musste fliehen. Der dritte Versuch im Oktober 1962 wurde ebenfalls von kubanischen Truppen abgewehrt – am 22. Oktober, gerade als Präsident Kennedy die Anwesenheit sowjetischer Raketen auf der Insel bekannt gab und bestritt, dass Kuba irgendeinen Grund haben könnte, sich vor US-Aggression zu schützen. Ein Teilnehmer des Überfalls hörte Kennedys Rede von seinem Boot vor der Küste von Pinar del Río aus, wo er auf die Rückkehr von zwei vermissten Infiltrateuren wartete.“ (Aviva Chomsky)[82]

2.1 Das Embargo

Die tragende Säule der US-Politik gegen Kuba war (und ist) das im November 1960 verhängte Embargo, das mit Ausnahme von wenigen Lebensmitteln und Medikamenten, zum Anschein humanitärer Verantwortung, sämtliche Lieferungen von den Vereinigten Staaten nach Kuba untersagte.

Abseits der direkten Importe aus den Vereinigten Staaten bedeutet das Embargo bis heute, dass es für Unternehmen, die mit Kuba handeln wollen, nahezu unmöglich ist, dabei gänzlich außerhalb der Reichweite der US-Behörden zu bleiben.

Jedes Unternehmen, das Vermögenswerte oder Geschäftstätigkeiten in den USA besitzt, läuft Gefahr, im Falle von Kuba-Geschäften Sanktionen zu unterliegen, einschließlich der Beschlagnahmung von Vermögen. In der Praxis bedeutet dies, dass internationale Konzerne regelmäßig zwischen zwei Märkten abwägen müssen: auf der einen Seite die Vereinigten Staaten mit ihrem hegemonialen Markt und zentraler Rolle im globalen Finanzsystem, auf der anderen Seite die kleine Karibikinsel Kuba mit nur elf Millionen Einwohnern – Dass Unternehmen sich in dieser Konstellation fast ausnahmslos für den Zugang zum US-Markt entscheiden, liegt auf der Hand.

Schiffe oder Flugzeuge, die in Kuba anlegen, dürfen für einen Zeitraum von sechs Monaten keine US-Häfen anlaufen – Geschäftsführern solcher Firmen wird die Einreise in die USA untersagt, vorhandene Vermögenswerte werden beschlagnahmt; weshalb sollte ein Unternehmen, unabhängig von ihrer Besitzstruktur, das Risiko eingehen, wo der kubanische Markt doch so klein ist?

Die US-dominierten multilateralen Wirtschaftsinstitutionen, namentlich die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, wurden durch spezifische Klauseln des Embargos gleichermaßen davon abgehalten, sonstige Möglichkeiten des Handels zu verwalten. [83] Es ist dennoch grundsätzlich möglich, dass nicht-amerikanische Unternehmen trotz des US-Embargos mit Kuba Handel treiben, auch wenn dieser Handel eben riskant und umständlich sein mag – Nichtsdestotrotz zählen Spanien und Kanada heute zu den wichtigsten Handelspartnern Kubas:

Ein Beispiel dafür, wie solcher Handel trotz der Einschränkungen möglich ist, ist die „Havana Club Rum Company“ als Joint Venture zwischen dem französischen Unternehmen Pernod Ricard und dem kubanischen Unternehmen Cuba Ron S.A. – Für den US-Markt darf der kubanische Rum nicht direkt exportiert werden, weshalb Bacardi den Rum für die USA in Puerto Rico produziert. Die Nutzung US-amerikanischer Banken oder US-Logistik für kubanische Exporte wäre für Pernod Ricard riskant, da das Embargo sonst sekundäre Sanktionen auslösen könnte.

Das Risiko jener „sekundären Sanktionen“ geht so weit, dass Fluggesellschaften wie Air France oder Iberia, die Kuba anfliegen, in den jeweiligen Flugzeugen keine Flugzeugteile amerikanischer Unternehmen enthalten dürfen.

Man stelle sich mal vor: Ein traditioneller bayrischer Metzger, wir nennen ihn Markus, kauft Kühlkompressoren für seine Solar-Kühlanlagen aus Italien, die Solarchips dieser Kühlkompressoren stammen zufälligerweise aus Kalifornien. Die gekühlten Würste verkauft unser Metzger nun an einen Marktstandbesitzer in Kuba – Markus‘ Metzgerei darf nun kein Geld mehr in US-Dollar überweisen, darf seine Würste nicht mehr per Flugzeug transportieren, welches nur eine winzige US-produzierte Schraube enthält, und muss den Anbieter der Würstchen-Verpackung wechseln, weil die Farbe jener Verpackung über ein US-Patent läuft.

Erzreaktionäre Medien, wie die libertäre „Daily Economy“, versuchen häufig, die relative Armut Kubas dem Sozialismus, „not the Embargo“, zuzuordnen; „die Hauptursache für Kubas Armut ist sein repressives sozialistisches Regime, und nur 10 Prozent der Kluft sind auf das Handelsembargo zurückzuführen.“ (Daily Economy)[84]

In diesen Analysen (hier am Beispiel des oben zitierten Beitrags) wird die Wirkung der sekundären Sanktionen beinahe immer ignoriert: Indem ausschließlich auf Handelsdaten und synthetische Kontrollgruppen vertraut wird, setzen die Autoren die Realität kapitalistischer Weltwirtschaft außer Kraft – das Embargo wirkt eben nicht nur als bilaterale Barriere zwischen Kuba und den USA, sondern entfaltet seine eigentliche Schlagkraft über das globale Finanz- und Handelssystem, das unter US-Hegemonie steht.

Banken, Reedereien, Versicherer und internationale Konzerne ziehen sich gerade aus ökonomischer Rationalität, eben der Angst vor Repression der stärksten imperialistischen Macht, vom Handel mit Kuba zurück.

Ziel des Embargos war und ist es, die Versorgungslage Kubas so zu verschlechtern, dass Hunger, Rationierungen und wirtschaftliche Rückschläge politische Unzufriedenheit erzeugen – Dokumente aus dieser Zeit sprechen offen davon, man wolle „Brot aus den Läden fernhalten“, um den revolutionären Prozess zu diskreditieren.

Neben den ökonomischen Folgen verschärfte sich mit dem Embargo die diplomatische Isolierung, die 1962 im Ausschluss Kubas aus der Organisation amerikanischer Staaten gipfelte und die revolutionäre Regierung auf dem internationalen Parkett zunehmend isolierte. Zur gleichen Zeit diente die Förderung der Emigration und die gezielte Unterstützung oppositioneller Gruppen als ergänzendes Mittel, die innere Stabilität zu schwächen. Die Abwanderung sollte das Bild einer wachsenden Opposition zeichnen, während Dissidentengruppen mit finanziellen Mitteln ausgestattet wurden:

„Die US-Regierung bezahlte die Flüge und gewährte jeder Familie einen Zuschuss von 100 Dollar. Die Gesamtausgaben für den Sechsjahreszeitraum beliefen sich auf 50 Millionen Dollar, und in dieser Zeit hatten 3.000 Flüge mehr als eine Viertelmillion Kubaner (260.561) ins Exil in die Vereinigten Staaten gebracht. Bis Ende der 1980er Jahre belief sich die gesamte kubanische Migration auf fast eine Million, etwa 10 Prozent der Bevölkerung.“ (Richard Gott)[85]

Während all dieser außenpolitischen Isolations- und Aushungerungsversuche sandten die Vereinigten Staaten weiterhin routiniert Sabotageteams nach Kuba, die hier Terrorangriffe, Attentatsversuche und Sabotageakte auf Schlüssel- und Zivilindustrien ausübten – u.a. die Sprengung des Cubana-Fluges 455 (1971) mit 73 toten Zivilisten; „Bis zum 11. September 2001 war der Anschlag auf den Cubana-Flug der verheerendste Terroranschlag in der Luftfahrt der westlichen Hemisphäre“.[86]

Seit 1992 bringt die UN-Generalversammlung jedes Jahr eine Resolution ein, in der das US-Embargo gegen Kuba verurteilt wird. Die überwältigende Mehrheit der Mitgliedsstaaten stimmt regelmäßig dafür (Den Ablauf kann man eigentlich schon automatisieren: 187 Ja-Stimmen, nur die USA und Israel dagegen)[87]. Begründung der routinierten Resolution: „Das Embargo widerspricht grundlegenden Prinzipien der UN-Charta, insbesondere dem Verbot einseitiger wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen sowie der Pflicht zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten“ (UN)[88].

Die Schäden des Embargos in reiner Geldsumme belaufen sich auf ca. 1,5 Billionen seit dessen Verhängung (Stand 2024) – das entspricht etwa dem kubanischen BIP von 15 Jahren.[89] Im Pressebericht der Vereinten Nationen zu der letzten Resolution gegen das Embargo berichtet das UN-Pressezentrum mit dem kubanischen Außenminister Parilla:

„Der Imperialismus warnt die ganze Welt, dass jede Nation, die es wagt, ihre Souveränität entschlossen zu verteidigen und ihre eigene Zukunft aufzubauen, einen Preis für diese Aufsässigkeit zahlen wird (…) Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht, fuhr er fort und fügte hinzu, dass die angehäuften Kosten von vier Monaten Wirtschaftsblockade 1,6 Milliarden Dollar entsprächen. Dieser Betrag würde ausreichen, um für ein ganzes Jahr die ‚Lieferung eines Lebensmittelkorbs an alle kubanischen Familien‘ zu garantieren. Mit 12 Millionen Dollar könnte Kuba das Insulin kaufen, das zur Behandlung aller seiner Diabetespatienten notwendig ist. Die Verluste, die die Blockade an einem einzigen Tag verursacht, übersteigen diesen Betrag. Die US-Regierung ist sich der direkten und indirekten Auswirkungen ihrer Politik auf das kubanische Gesundheitssystem sehr wohl bewusst, und der Folgen unvollständiger Behandlungen, verzögerter Behandlungen und aufgeschobener Operationen“, sagte er.[90]

2.2     Torricelli und Helms-Burton

Zwischen 1960 und 1992 blieb das Embargo weitestgehend statisch und fokussierte sich auf direkte Unterbindungen des Handels zwischen US-Unternehmen und kubanischen Staatsunternehmen.

Der Zerfall des sozialistischen Blocks, der bis dahin den überwiegenden Teil des kubanischen Außenhandels getragen hatte, veranlasste die Vereinigten Staaten, das Embargo mit dem „Cuba Democracy Act“ (1992) und später dem „Helms-Burton Act“ (1996) erheblich zu verschärfen, um Kuba im Kontext der neuen Weltordnung zu zermürben.

Der „Cuba Democracy Act“, auch „Torricelli Act“ genannt, untersagte US-Tochterfirmen strikt den Handel mit Kuba, führte die „180-Day Rule“ ein, nach der Schiffe, die kubanische Häfen angelaufen hatten, für 180 Tage keinen US-Hafen mehr betreten durften, verbot US-Amerikanern die Überweisung von Geld an ihre Familien in Kuba und schränkte die bis dahin bestehenden humanitären Ausnahmen weitgehend ein, durch die Kuba Hilfsgüter und Medikamente von US-Unternehmen beziehen konnte.[91] Der Initiator des Gesetzes im Repräsentantenhaus, Robert Torricelli, begründete die Verschärfung des Embargos mit dem Ziel; „Verwüstung auf dieser Insel anzurichten“.[92]

Wenige Jahre später verschärfte die Clinton-Administration mit dem Helms-Burton-Act die US-Politik gegenüber Kuba endgültig: Das Gesetz erlaubte US-Bürgern, darunter auch eingebürgerten Kubanern, die nach 1959 enteignet wurden, ausdrücklich, Schadensersatzklagen gegen ausländische Unternehmen einzureichen, die „konfisziertes Eigentum“, d.h. nahezu jedes Stück Land, in Kuba nutzten. Gleichzeitig sah es vor, dass Managern und Eigentümern dieser Unternehmen sowie deren Familienangehörigen Visa und die Einreise in die USA verweigert werden konnten.

Das zuvor auf präsidialen Verordnungen beruhende Embargo wurde gesetzlich kodifiziert, wodurch ein Präsident es nicht mehr einseitig lockern oder aufheben konnte. Die Sanktionen gegen Drittländer wurden erheblich ausgeweitet: Ausländische Banken und Unternehmen, die mit Kuba Handel trieben, wurden offen mit dem Ausschluss vom US-Markt bedroht, während gleichzeitig der Druck auf internationale Finanzinstitutionen vergrößert wurde, Kuba keine Kredite oder Unterstützung zu gewähren.[93]

Der Helms-Burton-Act ist nicht nur nach dem Völkerrecht vollkommen illegal, sondern verstößt gegen etliche US-amerikanische Gesetze – in der juristischen Ausarbeitung zum Dekret schreibt Ariadna Cornelio Hitchman (et. al):

„Aus Sicht des amerikanischen Rechts verstößt das Gesetz gegen zwei Kernprinzipien der Verfassung: die Dreiteilung der Gewalten, indem es die Befugnisse des Präsidenten in der Außenpolitik einschränkt und in die richterlichen Befugnisse eingreift; und die Due-Process-Klauseln des fünften und vierzehnten Verfassungszusatzes […], was den Helms-Burton Act im Wesentlichen verfassungswidrig macht. Es ignoriert auch die vom Obersten Gerichtshof aufrechterhaltene Doktrin des Staatsakts und zeigt einen doppelten Standard gegenüber fremden Ländern auf […]. Darüber hinaus widerspricht der Helms-Burton Act den Prinzipien des Völkerrechts, einschließlich der souveränen Gleichheit der Staaten und der Selbstbestimmung, wie sie in der UN-Charta verankert sind […].“[94]

Die Folgen für Kuba waren verheerend: Noch zwischen 1981 und 1984 verzeichnete Kuba ein jährliches durchschnittliches Wachstum von 7,3 Prozent – ein klarer Gegensatz zum allgemeinen Abwärtstrend in Lateinamerika, wo das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum um rund 10 Prozent zurückging. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen stieg 1986 auf über 3.500 US-Dollar, während der regionale Durchschnitt bei etwa 2.200 US-Dollar lag.

Die Lebenserwartung betrug Mitte der 1980er-Jahre rund 74 bis 75 Jahre, die Kindersterblichkeit unter fünf Jahren sank auf etwa 20 pro 1.000, und die Säuglingssterblichkeit lag zwischen sechs und elf pro 1.000 Lebendgeburten, niedriger als in den Vereinigten Staaten (15,19 zu Beginn der 1980er Jahre)[95].

Mit rund 219 Ärzten pro 100.000 Einwohner verfügte Kuba bereits 1986 über eine der höchsten Arztdichten der Welt, und auch im Bildungsbereich konnte das Land seine Fortschritte konsolidieren: Der Analphabetismus lag Ende der 1980er-Jahre bei lediglich 3,8 Prozent. Die Situation Kubas in den 1990er Jahren sollte jedoch eine grundsätzlich andere werden als in den 1980er Jahren – die „Jahre der fetten Kuh“ waren vorbei.

3. Das Desaster der „Sonderperiode“

Das abrupte Ende der Handelsbeziehungen Kubas zu den postsowjetischen Staaten war kein Naturgesetz, das in einem offensichtlichen Zusammenhang mit dem Ende des Realsozialismus stand: Die Vereinigten Staaten hatten Gorbatschow seit Beginn der Glasnost-Politik dazu gedrängt, den kubanischen Zucker zum Weltmarktpreis statt dem um einiges höheren Freundschaftspreis zu kaufen, um sich selbst bevorzugende Deals mit US-Unternehmen sichern zu können.[96]

Die Kommunistische Partei Kubas hatte sich zuvor gegen die von Moskau diktierte Reformpolitik gestellt. Noch auf dem dritten Kongress der PCC (1986) entschloss sich die PCC, sich nicht dem Reformkurs des europäischen Staatssozialismus anzuschließen[97] – für Kuba schien eine Reformpolitik auch nicht nötig zu sein, Havanna erzielte noch bis zum Ende der 1980er Jahre weitreichende Erfolge:

„1989 hatte Kuba die am stärksten kollektivierte, zentralisierte, egalitärste, aber extern abhängigste und von der Sowjetunion subventionierteste Wirtschaft innerhalb des sozialistischen Lagers.“ (ScienceDirect)[98]

So führte eben der Wegfall dieses „großen Bruders“ zu einem beispiellosen ökonomischen Einbruch: Der Handel brach um 80 Prozent ein, die Wirtschaft vermutlich noch stärker als die offiziell berichteten 35 Prozent, die Importkapazität schrumpfte zwischen 1989 und 1992 um 70 Prozent, und das Land litt quasi über Nacht unter massivem Mangel an Treibstoff, Ersatzteilen und Düngemitteln, sodass Kuba zum ersten Mal seit dem 19. Jahrhundert in einem Atemzug mit Haiti, dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre, genannt wurde:[99]

„Obwohl die Behörden auf eine Katastrophe dieses Ausmaßes nicht vorbereitet waren, lehnten sie umfassende Wirtschaftsreformen ab und erklärten stattdessen das Programm der Austerität und Opfer, das als Sonderperiode (período especial) bekannt ist. In der Krise, intern zerrüttet und ohne internationale Partner, musste der kubanische Sozialismus nun neue Verbündete finden und seine Praktiken anpassen, um den wettbewerbsbestimmten Marktrealitäten und der turbulenten wirtschaftlichen Globalisierung des letzten Teils des 20. Jahrhunderts zu begegnen.“ (Mauricio A. Font)[100]

Angesichts des Zusammenbruchs der Handelsbeziehungen und fehlender internationaler Partner musste Kuba neue Wege finden, sich an die Wettbewerbsbedingungen des Weltmarktes anzupassen. Der Vierte Kongress der PCC 1991 genehmigte erste Maßnahmen: Legalisierung des US-Dollars, selbstständige Erwerbstätigkeit, Bauernmärkte, Ausbau des Tourismus, Rücküberweisungen aus dem Ausland und Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen.

In Anlehnung an Lenins NÖP wurde der Anteil staatlicher Kontrolle in der Landwirtschaft von 75 auf 30 Prozent reduziert, und neue Kooperativen (UBPC) erhielten dauerhafte Landnutzungsrechte, autonome Entscheidungsbefugnisse sowie die Möglichkeit, Löhne an die Produktivität zu koppeln. [101]

Die Zuckerproduktion brach zusammen, während informelle Aktivitäten und kleine privat geführte Restaurants („Paladares“) stark zunahmen. Der Staat lud gezielt ausländische Investoren in Tourismus und Bergbau ein, während die Bevölkerung zunehmend auf improvisierte, lokale Überlebensstrategien und die Schattenwirtschaft zurückgriff. Damit verlor Zucker und Landwirtschaft ihre (absolut) zentrale Rolle, und der Dienstleistungssektor wuchs deutlich.[102]

Das kubanische BIP schrumpfte zwischen 1989 und 1992 um 35 Prozent, der landwirtschaftliche Output um 47 Prozent, Bauarbeit um 74 Prozent und die Produktionskapazität um 90 Prozent.[103] Die Energieversorgung, die zuvor auf Öllieferungen aus der Sowjetunion beruhte, brach aufgrund der durch das Embargo erzwungenen Unmöglichkeit, anderweitig Energieressourcen zu beziehen, vollständig zusammen. Ersatzteile für Maschinen, Chemikalien für Düngemittel und Medikamente mussten auf dem Weltmarkt beschafft werden – zu Wucherpreisen, da die liefernden Unternehmen einerseits das Risiko möglicher US-Sanktionen einkalkulierten und andererseits die Notlage Kubas für ihre Profite ausnutzten.[104]

Die sozialen Folgen dieser Transformation waren erheblich. Die zuvor stark eingegrenzte Einkommensungleichheit explodierte: Während das Verhältnis zwischen den niedrigsten und höchsten Einkommen vor 1989 bei etwa 5:1 gelegen hatte, wuchs es 1995 auf 829:1 und erreichte 2001 eine Spanne von 12.500:1, womit die Spaltung zwischen jenen, die Zugang zu US-Dollar und Privatwirtschaft hatten, und jenen, die ausschließlich von staatlichen Gehältern lebten, dramatisch wurde:[105]

„Kubanische Witze spiegelten die wirtschaftlichen Verzerrungen wider. Eine Frau brachte ihren Mann, einen renommierten Gehirnchirurgen, in die psychiatrische Abteilung. „Er halluziniert! Er denkt, er hätte einen Job als Taxifahrer bekommen und wir wären reich geworden!“ […] Die Regierung konnte keine Beschäftigung mehr garantieren, nicht einmal für junge Leute, die mit guten Zeugnissen ihren Abschluss machten. Vor den 1990er Jahren erhielt fast jeder, der seinen Abschluss machte, mit seinem Diplom eine Arbeitsplatzvermittlung. Im Jahr 2001 waren es nur noch 72 Prozent.“ (Aviva Chomsky)[106]

In diesem Kontext traten Phänomene wieder auf, die die Revolution in den 1960er-Jahren überwunden hatte, wie Prostitution und Bettelei, die nun Ausdruck einer Rückkehr prekärer Überlebensstrategien wurden. Frauen waren überproportional betroffen, da sie gezwungen waren, durch zusätzliche Tätigkeiten das Überleben der Familien zu sichern, was alte Geschlechterrollen neu belebte – Auch in der jüngeren Generation wuchs die Distanz zu den Errungenschaften der Revolution, die als weniger relevant für die aktuellen Widersprüche wahrgenommen wurden, und es kam zu einer spürbaren Zunahme von Zynismus und Resignation.

1994 erreichte die US-sanktionierte „Migrationskrise“ eine neue Qualität, als die US-Regierung ankündigte, dass Kubaner, die ohne Genehmigung einreisen wollten (Einreisegenehmigungen wurden de facto nicht mehr erteilt), auf die US-Militärbasis Guantánamo gebracht würden, wo sie – wie zuvor schon haitianische Migrantinnen und Migranten – in provisorischen Lagern untergebracht wurden. Ziel der künstlich herbeigeführten „Migrationskrise“ war das Herbeiführen einer Konterrevolution durch jene, denen es nicht möglich war, das Land aufgrund der Blockade der Migration in die Vereinigten Staaten zu verlassen.

Die durchschnittliche tägliche Kalorienaufnahme sank zwischen 1990 und 1996 um ca. 27 %[107] – Dennoch vielsagend: Anders als bspw. in der DVRK, in der der Wegfall der UdSSR als wichtigster Handelspartner massive Hungersnöte mit sich brachte, sah Kuba keine massive Krise im Gesundheitssektor oder weitreichende Hungersnöte – ganz im Gegenteil:

„Trotz des wirtschaftlichen Zusammenbruchs sanken Kubas Kindersterblichkeitsraten tatsächlich, und die Lebenserwartung stieg von 75 Jahren im Jahr 1990 auf 75,6 im Jahr 1999. Obwohl eine Zunahme von sechs Monaten trivial erscheinen mag, wäre unter den Umständen ein Rückgang zu erwarten gewesen – etwas, das in ehemals kommunistischen europäischen Staaten wie Russland tatsächlich geschah, wo die Lebenserwartung zwischen 1991 und 1994 um 6 Jahre sank.“ (Jacobin)[108]

Manuel Franco der John-Hopkins-Universität schrieb auf Basis seiner Forschungsergebnisse 2007 im Guardian:

„Dies ist das erste und wahrscheinlich einzige natürliche Experiment, geboren aus unglücklichen Umständen, bei dem große Auswirkungen auf Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Gesamtmortalität mit einem anhaltenden populationsweiten Gewichtsverlust infolge erhöhter körperlicher Aktivität und reduzierter Kalorienzufuhr in Verbindung gebracht wurden.“[109]

Zwischen 1997 und 2002 gingen die durch Diabetes verursachten Todesfälle um 51 %, die Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheiten um 35 % und die Schlaganfallsterblichkeit um 20 % zurück.

Dass eine weitreichende humanitäre Krise vermieden wurde, basierte zum einen darauf, dass Kuba im Angesicht der Krise seine sozialen Sicherungssysteme als oberste Priorität setzte – Der Anteil des BIP, der für Sozial- und Gesundheitsausgaben aufgewendet wurde, stieg zwischen 1990 und 1994 um 29 Prozent.[110] Und zum anderen an der Tatsache, dass das kubanische Gesundheits- und Versorgungssystem vor der Krise, insbesondere im Verlauf der 1980er Jahre, bereits beachtliche Resilienz aufbauen konnte:

„Bis zur Sonderperiode trug das Verteilungssystem – zusammen mit anderen Veränderungen, die die Nahrungsmittelverfügbarkeit mit und ohne Rationierung erhöhten – zu einer drastischen Veränderung des kubanischen Gesundheitsprofils bei. Anstelle der Unterernährung, die die Armen vor der Revolution geplagt hatte, wurden die häufigsten ernährungsbedingten Krankheiten Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Diabetes. Ein Informant erklärte einem Gesundheitsforscher, was Kubaner gerne essen: ‚Fleisch!! Wir essen gerne Schweinefleisch. Bohnen und Reis natürlich. Aber hier kochen wir die Bohnen und den Reis auch mit Schmalz und Öl. Alles muss frittiert werden – Huhn, Kochbananen, Malanga und Kartoffeln. Wir essen viel Zeug mit Mehl – Brot, Spaghetti, Pizza, Cracker … Wir verwenden viel Salz und Zucker in unserem Essen. Und wir essen nicht viel Gemüse oder Obst. Und dann gibt es noch den Alkohol und die Limonaden.’“ (Aviva Chomsky)[111]

3.1 Neue Freunde und Lichtblick

Erste Lichtblicke aus dem Desaster der „Sonderperiode“ kamen ab Mitte der 1990er: Die Zahl der internationalen Touristen stieg von rund 800.000 im Jahr 1993 auf etwa 1,2 Millionen im Jahr 1995, während die Einnahmen aus Joint Ventures und ausländischen Investitionen zwischen 1994 und 1996 bereits etwa 15 % der Gesamtexporte ausmachten. Insgesamt wuchs das reale BIP zwischen 1994 und 1996 nach Schätzungen um ein bis zwei Prozent pro Jahr und markierte damit die erste Phase einer wirtschaftlichen Erholung.

Zur Devisengewinnung begann Kuba, seinen überdurchschnittlich belastbaren Gesundheitssektor zu exportieren; so begann Kuba, seinen „medizinischen Internationalismus“, der prinzipiell für die Abnehmernation kostenfrei war, weitreichend auszubauen.

So konnte Kuba durch seinen „Ärzte-Export“ nicht nur Devisen, sondern auch wirtschaftliche Kooperation gewinnen:

„Dies ist zu einem zentralen Bestandteil der kubanischen Außenpolitik geworden, die etablierte Vorstellungen vom Arztberuf und der Funktion von Entwicklungshilfe in den führenden kapitalistischen Staaten direkt herausfordert. Obwohl Kuba inzwischen für seine medizinische Hilfe bezahlt wird, hält sein Engagement für kostenlose Gesundheitsversorgung im Ausland immer noch an: Fast die Hälfte der 62 Länder, die 2017 kubanische Ärztebrigaden beherbergten, zahlte nichts für ihre Dienste.“ (Jacobin)[112]

So unter anderem in Venezuela, wo zehntausende kubanische Ärztinnen und Ärzte seit 1999 im Austausch gegen günstiges venezolanisches Öl die Mission „Barrio Adentro“ leiteten – eine Initiative Hugo Chávez’, durch welche die Menschen in den armen Vierteln Venezuelas kostenlose medizinische Versorgung erhalten sollten – bis 2012 wurden durch das Programm in „500 Millionen Fällen kostenlose medizinische Beratung geleistet“ (Amerika21)[113]

Für eine genauere Beleuchtung der venezolanisch-kubanischen Beziehung und der tragenden Rolle Chávez’ bei der Rettung Kubas bitten wir darum, Kapitel 5.1 unseres Venezuela-Beitrags zu lesen.

Venezuela stieg so in den 1990er Jahren zu Kubas wichtigstem Handelspartner auf – die spezielle Handelsbeziehung beider Staaten ist dabei insofern wichtig, dass ohne sie das Ende der kubanischen Revolution womöglich unvermeidlich gewesen wäre. Zu Chávez‘ Tod im März 2013 schrieb Fidel:

„Am 5. März, in den Nachmittagsstunden, starb der beste Freund, den das kubanische Volk in seiner Geschichte hatte. Wir haben die Ehre, mit dem bolivarianischen Führer dieselben Ideale sozialer Gerechtigkeit und Unterstützung für die Ausgebeuteten geteilt zu haben.“[114]

Richard Gott beschreibt die Beziehung zwischen Fidel Castro und Hugo Chávez wie folgt:

„Er fand eine Seelenverwandte im benachbarten Venezuela, knüpfte eine enge Freundschaft mit Oberst Hugo Chávez und schickte 10.000 kubanische Ärzte, um in den Elendsvierteln zu helfen. Die Garantie einer regelmäßigen Versorgung Kubas mit venezolanischem Öl war nicht der geringste Vorteil dieser Beziehung.“ (Richard Gott)[115]

Neben Venezuela baute Kuba die Handelsbeziehungen zum Iran aus, dessen Sanktionen zuletzt ebenfalls enger geschnürt wurden:

„In die Ferne schauend reiste er im Mai 2001 in die Heimat des muslimischen Fundamentalismus nach Teheran, um den Studenten der Universität seinen Glauben zu verkünden, dass ‚der imperialistische König fallen wird‘. Ayatollah Ali Khamenei versicherte ihm, dass Iran und Kuba gemeinsam ‚die Vereinigten Staaten überwinden‘ könnten.“ (Richard Gott)[116]

Neben Venezuela und China sind Russland, Brasilien, Kanada und Spanien heute die wichtigsten Handelspartner Kubas. Mit den neuen Handelspartnern und Reformen der Sonderperiode konnte sich die Wirtschaft ab 1995 aus ihrem Sturz fangen.

Etwas später (1998) begann die „Kampf der Ideen“-Kampagne, die „größte Massenmobilisierung, die jemals in Kuba stattfand“[117], welche auf die neuen Widersprüche der (Teil-) Liberalisierung der Sonderperiode reagierte:

„Fidel Castro lieh seine persönliche Führung und Charisma dem Beharren auf der Solidität des kubanischen Sozialismus – Staatskontrolle, Betonung von Bewusstsein und Ideen und solche Formen des Internationalismus wie Tauschgeschäfte mit Venezuela und anderen als wichtige politische Verbündete wahrgenommenen Partnern (Azicri, 2009). China und Vietnam hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig den Marktpolitiken zugewandt, die den Sozialismus grundlegend veränderten, aber der kubanische Sozialismus sollte eng mit dem traditionelleren Ansatz verbunden bleiben, der von seinem Führer verteidigt wurde.“ (Mauricio A. Font)[118]

Während diesem „Kampf der Ideen“ wurden über die „Comités de Defensa de la Revolución“ (siehe 4.1), Gewerkschaften und Studentenföderationen landesweite, basisdemokratische Diskussionen über die Wünsche über die zukünftige Entwicklung der kubanischen Revolution abgehalten, durch deren Entscheidungen die Reformen nach der „Sonderperiode“ beschlossen wurden (siehe 4.):

Bis 2001 wurden so im Sinne der „sozialistischen Rückbesinnung“ 150 neue „social plans“[119] erlassen: So wurden die finanziellen Mittel im Bildungssektor deutlich ausgeweitet, die Ausbildung von Lehrkräften intensiviert, Universitätsvorlesungen im Fernsehen ausgestrahlt und die Zahl der Studierenden stieg von 22 % im Jahr 2000 bis 2007 auf nahezu die gesamte Alterskohorte an. Ebenfalls 2005 entstanden Jugendbrigaden, die gegen den Schwarzmarkt für Treibstoff vorgingen – Im darauffolgenden Jahr wurden ähnliche Brigaden mobilisiert, um beim Ausbau und der Sanierung der stark veralteten Energieversorgung mitzuwirken – ein Programm, das unter dem Namen „Energie-Revolution“ bekannt wurde.[120]

4. Die Demokratie in Kuba

Als die Regierung Batistas am 1. Januar 1959 gestürzt wurde, brach in Kuba nicht nur eine autoritäre Herrschaft zusammen, sondern es vollzog sich zugleich eine grundlegende Transformation des politischen und gesellschaftlichen Systems.

Mit dem Sieg der Revolution entstand ein neuer Staat, dessen zentrales Ziel darin bestand, die politische und ökonomische Macht denjenigen zu übertragen, die bis dahin ausgeschlossen, entrechtet und ausgebeutet waren: Es vollzog sich ein Bruch mit der alten Ordnung, die nicht nur von der inländischen Oligarchie, sondern auch maßgeblich durch den Einfluss des US-amerikanischen Kapitals geprägt war.

Schon bevor 1976 die neue Verfassung in Kraft trat, hatte sich in Kuba ein System herausgebildet, das weit über die westlich-liberalen Formen der Demokratie hinausging. Dieses System, das unter dem Begriff „Poder Popular“ (Volksmacht) bekannt ist, basiert auf einer Kombination aus Wahlen, Massenorganisationen und kontinuierlicher Konsultation. Während in kapitalistischen Demokratien die Partizipation der Bevölkerung meist auf periodische Wahlakte beschränkt bleibt und politische Entscheidungen in den Zwischenzeiten von parlamentarischen Ausschüssen, Lobbygruppen und Exekutiven bestimmt werden, entwickelte Kuba eine Form der Demokratie, die auf permanente Teilhabe und kollektive Entscheidungsfindung setzt. 

Das Wahlsystem selbst ist dreistufig organisiert. Auf der Ebene der Nachbarschaften finden regelmäßig Versammlungen statt (vgl. CDR, siehe 4.1), in denen die Bewohner über Kandidaten beraten, die aufgrund ihrer alltäglichen Praxis, ihres Engagements und ihrer Nähe zu den Menschen als geeignet angesehen werden. Jede Nachbarschaft kann zwischen zwei und acht Kandidaten vorschlagen, die in freien und geheimen Wahlen antreten. Ein Mandat erfordert mindestens 50 Prozent der Stimmen, andernfalls kommt es zu einer Stichwahl.

Auf diese Weise werden die 169 lokalen Parlamente besetzt, die insgesamt über 14.500 Abgeordnete verfügen. Die Abgeordneten üben ihr Amt unentgeltlich aus, bleiben in ihren bisherigen Berufen tätig und erhalten kein zusätzliches Gehalt oder finanzielle Privilegien. Sie sind ihren Wählern direkt rechenschaftspflichtig und können jederzeit abberufen werden, wenn sie das Vertrauen verlieren.

Die nächste Ebene bilden die Parlamente der Provinzen sowie die Nationalversammlung. Hier werden die KandidatInnen zum Teil aus den lokalen Versammlungen vorgeschlagen, zum anderen Teil durch die großen Massenorganisationen, in denen die Mehrheit der Bevölkerung organisiert ist: die Gewerkschaften, die Frauenorganisation, die „Komitees zur Verteidigung der Revolution“, die Bauernverbände sowie Schüler- und Studierendenorganisationen.

Diese Massenorganisationen haben eine doppelte Funktion: Sie garantieren, dass alle gesellschaftlichen Gruppen repräsentiert sind, und sie dienen zugleich als zentrale Orte politischer Bildung und Diskussion. Über sie wird ein gesellschaftlicher Dialog organisiert, der weit über Wahlen hinausgeht und den Anspruch hat, möglichst viele Menschen in die Lage zu versetzen, am politischen Prozess teilzuhaben.[121]

Die Nationalversammlung, die alle fünf Jahre gewählt wird, wählt wiederum den Staats- und Ministerrat sowie das Staatsoberhaupt. Sie ist mit umfassenden Kompetenzen ausgestattet, darunter die Möglichkeit, die Verfassung zu ändern, wirtschaftliche Pläne zu beschließen und grundlegende Fragen der Außenpolitik zu bestimmen. Die Zusammensetzung spiegelt eine breite Repräsentation der Gesellschaft wider: Rund 43 Prozent der Abgeordneten sind Frauen, ein Drittel gehört nicht der Kommunistischen Partei an.[122]

Besondere Bedeutung erlangte dieses Modell in der „Sonderperiode“ (siehe 3.), die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einsetzte und Kuba in eine tiefe ökonomische Krise stürzte. Zwischen 1989 und 1993 brach die Wirtschaftsleistung um mehr als ein Drittel ein, die Kalorienzufuhr sank dramatisch, und zugleich verschärften die USA ihre Blockadepolitik.

In dieser Situation beschloss die Führung, grundlegende Reformmaßnahmen nicht ohne umfassende Konsultationen durchzuführen – Im Rahmen der sogenannten „Arbeiterparlamente“ diskutierten drei Millionen Menschen in über 80.000 Versammlungen über die notwendigen Schritte, darunter Joint Ventures mit ausländischem Kapital, die Zulassung von Selbstständigkeit und der Abbau von Subventionen. Diese Debatten machten deutlich, dass die politische Legitimität des kubanischen Systems gerade darin bestand, die Bevölkerung auch in Krisenzeiten nicht nur zu informieren, sondern aktiv in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Die Demokratie in Kuba versteht sich somit als ein Prozess, in dem es nicht nur um institutionelle Verfahren, sondern um die aktive Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Mehrheit geht. Sie ist damit nicht konfliktfrei oder statisch, sondern unterliegt einem ständigen Wandel, der auch die Anpassung an neue Bedingungen einschließt – sei es durch die Verfassungsdebatten von 2002, die Wirtschaftsaktualisierungen der 2010er Jahre oder die jüngsten Reformen unter Präsident Miguel Díaz-Canel. [123]

Ein Idealbeispiel dafür, wie die kubanische Demokratie funktioniert, ist die Verfassungsreform 2019: Zum Entwurf dieser neuen Verfassung, die auf die Reformen Rauls und die verschärfte Blockade unter Trump reagieren sollte, setzte die Nationalversammlung eine separate Kommission ein, die bis Frühjahr 2019 einen ersten Verfassungsentwurf veröffentlichte:

„Vom 13. August bis 15. November 2018 wurde der Verfassungsentwurf in etwa 135.000 Versammlungen und Foren auf der gesamten Insel diskutiert sowie Anmerkungen und Änderungsvorschläge eingereicht. Auch die Exilkubaner im Ausland durften ihre Vorschläge online einreichen.“[124]

Auf 135.000 Versammlungen, die großteils in den CDR (siehe 4.1) abgehalten wurden, beteiligten sich rund 90 % aller Kubaner an Änderungsentwürfen, umfassenden Kritiken, Anmerkungen und Anpassungen, über die jeweils in der jeweiligen Versammlung abgestimmt wurde.

„Laut Arnaldo Tamayo, einem Abgeordneten des kubanischen Parlaments für den Verwaltungsbezirk Baracoa in der Provinz Guantánamo, soll die Verfassung mehr als 80 neue Artikel haben. „Die meisten davon haben mit sozialen Rechten und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung sowie sozialen Dienstleistungen zu tun“, sagte Tamayo im Gespräch mit Amerika21. Wichtig sei, dass das gesamte Vorhaben zur Debatte gestellt werde, „es gibt also Diskussionen mit Arbeitern, Bauern, Studierenden, Frauen, Intellektuellen“. Im Zuge dieses Diskussionsprozesses sei sehr wahrscheinlich, dass der aktuelle Textentwurf noch einmal verändert wird, so die Einschätzung Tamayos, der 1978 als erster lateinamerikanischer Kosmonaut bekannt wurde.“[125]

Und tatsächlich, etliche Änderungen, u.a. „die Anerkennung verschiedener Eigentumsformen, die Stärkung der Autonomie der Gemeinden sowie Amtszeitbeschränkungen für Führungspositionen im Staatsapparat“[126] sowie die Öffnung der Verfassung für die „Ehe für alle“ (die wenig später in einem gleichermaßen volksdemokratischen Prozess beschlossen wurde), erhielten Eintrag im Dokument.

Als der finale Entwurf nach knapp viermonatiger landesweiter „Volksdiskussionen“ dann im Februar 2019 finalisiert werden konnte, wurde er zur Volksabstimmung aufgestellt, hier stimmten „rund 6,8 Millionen Menschen und damit 86,8 Prozent der Wähler […] für die Verfassungsreform, wie die Wahlkommission in Havanna mitteilte.“[127]

4.1 CDR: „In jedem Stadtviertel Revolution!“

Der wohl bedeutendste und zugleich am meisten missverstandene Bestandteil der kubanischen Revolution sind die „Komitees zur Verteidigung der Revolution“ (Comités de Defensa de la Revolución, CDR) – jene Institution, die wohl mehr als jede andere für das Überleben des kubanischen Sozialismus verantwortlich ist.

Sie sind insofern nicht nur Objekt der kubanischen Entwicklung, sondern liefern bedeutende Erkenntnisse über das Scheitern anderer sozialistischer Gesellschaften – und warum Kuba eben überlebte. Die CDR gelten bis heute als „Herz der Revolution“; 8,5 Millionen Kubaner, d.h. 92,6 Prozent der kubanischen Bürger mit einem Mindesteintrittsalter von 14 Jahren, sind in einem der 779.000 Komitees organisiert.[128]

Gegründet unmittelbar nach dem Sieg der Revolution, dienten sie einerseits der revolutionären Wachsamkeit, übernahmen andererseits zentrale soziale Aufgaben, etwa die Organisation der ersten nationalen Impfkampagne oder die Unterstützung der Alphabetisierungsoffensive:

„Die Revolution rief alle zur Teilnahme an der Schaffung der neuen Gesellschaft auf. Die CDR führten 1962 die erste Impfkampagne des Landes durch. Sie unterstützten die Durchführung der Alphabetisierungskampagne […] Gruppen begeisterter Bürger gingen voraus und organisierten ihre eigenen Komitees, ohne sich allzu sehr um Verfahrensformalitäten zu kümmern. Wie so viele andere Institutionen der ersten Jahre der Revolution zeigten die ersten CDR mehr Energie als Ordnung, mehr Enthusiasmus als Disziplin.“ (Aviva Chomsky)[129]

Zu den zentralen Aufgaben der CDR gehört die politische Überwachung des unmittelbaren Nachbarschaftsumfeldes – Die Mitglieder beobachten sorgfältig, ob Aktivitäten oder Verhaltensweisen auftreten, die der kubanischen Revolution oder dem Staat potenziell schaden könnten, und melden verdächtige Vorkommnisse an die zuständigen Instanzen der lokalen Führung.

Jedoch ist die Vorstellung, die CDR seien das „Auge und Ohr der Kommunistischen Partei Kubas“, wie es u.a. auf dem zugehörigen Wikipedia-Beitrag steht, viel zu vereinfacht, wenn nicht gänzlich inkorrekt.

Es stimmt, dass die Mitglieder der CDR, also jene, die sich aktiv und freiwillig für das Überleben und Entwickeln der kubanischen Revolution engagieren, selbstverständlich ein Auge auf Gegner jener Revolution legen – mehr jedoch nicht. Die CDR als „Überwachungsinstitutionen“ zu definieren ist falsch und basiert auf antikommunistischen Mythen, welche die Vereinigten Staaten gegen die kubanische Volksdemokratie in den 1960er Jahren verbreiteten.

Diese „Überwachung“ ist um einiges bedeutender im Sinne des (Selbst-)Bewusstseins über nachbarschaftliche Entwicklung, um eben hier, an der Basis der Revolution, zu wirken. CDR-Mitglied und Expertin Claudia Thalía Suárez Fernández schrieb in diesem Sinne bzgl. der Aufgabe der CDR bei der Bekämpfung von Drogenkriminalität in Granma:

„Wir CDR müssen uns mit allem befassen, was eine Gemeinde betrifft, und Illegalität ist ein Teil dieses Ganzen, also ist es unsere Aufgabe, auch sie im Auge zu behalten. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Drogen. Es gibt Menschen, die sich Sorgen machen, weil wir beginnen, ein Phänomen zu sehen, das wir lange Zeit nicht kannten oder das in unserem Land im Vergleich zu anderen Regionen der Welt praktisch unbedeutend war, aber ihre Sorge ist völlig berechtigt, denn Drogen sind ein Phänomen, das die ganze Welt betrifft. Man kann es nicht zulassen, dass jemand von einem solchen Laster auf Kosten der Sicherheit, des Seelenfriedens oder der Gesundheit unserer eigenen Familienmitglieder profitiert. Und wo tritt das Phänomen auf, dass jemand Drogen verkauft? In einem Viertel, einem Wohnblock, einer Gemeinde. Wir sind also an diesem Problem nicht unbeteiligt.“[130]

Die CDR übernehmen eine aktive Rolle in der Organisation gemeinschaftlicher Maßnahmen, die auf die Verbesserung der Lebensbedingungen und der gesellschaftlichen Entwicklung der Bevölkerung abzielen; darunter Blutspendeaktionen, Sauberkeitskampagnen, Impfprogramme und Alphabetisierungskurse.

Die demokratische Dimension der CDR zeigt sich insbesondere in der Einbindung der Mitglieder in Versammlungen auf Nachbarschaftsebene, in denen Vorschläge für Kandidaten lokaler politischer Ämter diskutiert und entschieden werden. Diese Versammlungen sind für die gesamte Gemeinschaft zugänglich und dienen nicht nur dem Austausch über lokale Belange, sondern auch der kollektiven Festlegung gemeinsamer Ziele und Aktivitäten. [131]

Wie in Abschnitt 4 konkret ausgeführt, liefern die CDR den Raum für die basisdemokratische Bestimmung über maßgebliche gesellschaftliche Reformen, wie der neuen Verfassung 2019 – darüber hinaus aber eben genauso Raum für nachbarschaftlichen Austausch, der weit über das Politische hinausgeht.

Alltag in einem CDR

Der typische Alltag innerhalb eines CDR beginnt häufig mit Versammlungen oder Planungstreffen, bei denen die Organisation und der Ablauf gemeinschaftlicher Maßnahmen abgestimmt werden. Im Verlauf des Tages engagieren sich die Mitglieder in sozialen Diensten, etwa durch Nachbarschaftshilfe für ältere Menschen oder durch Sicherheitsdienste bei öffentlichen Veranstaltungen. [132]

Regelmäßige Treffen bieten darüber hinaus Raum für die Diskussion aktueller gesellschaftlicher und politischer Fragestellungen sowie für die Entwicklung gemeinsamer Lösungsansätze. Am Abend oder zu festgelegten Terminen versammeln sich die Mitglieder erneut, um Erfahrungen auszutauschen, die Wirksamkeit durchgeführter Aktivitäten zu reflektieren und neue Projekte zu planen:

„Die CDR ist eine zutiefst politische Organisation in einer Weise, die [anderswo] zu wenig genutzt wird – in dem Sinne, dass sie in reale Organisierungsarbeit und die Bereitstellung praktischer Dienste für die lokale Bevölkerung eingebunden ist […] Die CDR sind explizit politisch, so wie das Frühstücksprogramm der Black Panther Party eine politische Handlung war, weil es ein praktischer Akt der Solidarität sowie die Quelle tiefgreifender revolutionärer Theorie war.“ (Morning Star)[133]

In einem Morning Star Artikel beschreibt Lewis Hegwood seinen Besuch bei einer Festivität eines CDR im Frühjahr 2022:

„Wie wir an diesem Abend sahen, ist eine CDR vieles: eine CDR ist ein politisches Engagement in einer Gemeinschaft, sie ist Trinken, Singen, Essen und Plaudern mit Nachbarn, sie ist eine Liebe zur eigenen Gemeinschaft, ein Stolz auf das eigene Land und die Hilfe, die es anderen Ländern zukommen lässt, sie sind die Kinder vor Ort, die über Fußball und Superhelden schreien, alte Männer, die sich über Politik auslassen, ein Typ hinten, der etwas mehr trinkt, als er sollte, und eine Gemeinschaft talentierter Musiker, Organisatoren, Pflegekräfte und Familien.“ (Morning Star)[134]

Nach dem Vorbild der CDR wurden später im revolutionären Burkina Faso unter Thomas Sankara nahezu gleiche „Comités de Défense de la Révolution“ gegründet.

5. BRICS und Importabhängigkeit

Der folgende Abschnitt wurde im September 2025 geschrieben, der nächste Abschnitt („Maximale Strangulation“) bezieht sich auf die aktuelle Offensive gegen Kuba im Februar 2026. Dennoch sind die hier dargelegten Analysen höchst relevant für die aktuelle Lage, da sie den ökonomischen Hintergrund für die Krise darstellen.

Die kubanische Wirtschaft befindet sich trotz des jüngsten Beitritts zum erweiterten BRICS-Bündnis[135] in ihrer schwersten Krise seit den 1990er Jahren: Seit 2019 ist das Bruttoinlandsprodukt um insgesamt rund elf Prozent gesunken, wobei allein im Jahr 2024 ein weiterer Rückgang um 1,1 Prozent verzeichnet wurde, während die Deviseneinnahmen im gleichen Zeitraum um etwa dreißig Prozent einbrachen, was die Fähigkeit des Staates zur Finanzierung von Lebensmittel-, Medikamenten- und Treibstoffimporten erheblich einschränkte. [136]

Besonders drastisch zeigt sich dieser Niedergang auf der Produktionsseite: Die landwirtschaftliche Erzeugung, die Viehzucht und der Bergbau sind innerhalb weniger Jahre um über fünfzig Prozent zurückgegangen, während die verarbeitende Industrie einen Rückgang von fast einem Viertel verzeichnete.[137]

„Der Minister wurde mit den Worten zitiert, dass dieses und das letzte Jahr „durch die verstärkten Auswirkungen der Blockade, die heftige Verfolgung von Finanzströmen und Barrieren bei internationalen Transaktionen, die Zahlungen an Lieferanten behindert haben, gekennzeichnet waren.““ (Reuters)[138]

Parallel dazu verschärfte sich die finanzielle Instabilität durch eine anhaltend hohe Inflation und die Abwertung des kubanischen Pesos, dessen offizieller Kurs im Jahr 2024 zwar noch staatlich fixiert war, dessen Schwarzmarktwert jedoch bis zum Frühjahr 2025 auf rund 365 Pesos pro US-Dollar absank, was die Kaufkraft der Bevölkerung massiv untergrub und den Import von dringend benötigten Waren zusätzlich erschwerte:

„Monreal glaubt, dass die Auswirkungen der Kategorie „Lebensmittel und alkoholfreie Getränke“ auf die Gesamtinflation während des größten Teils des Jahres 2023 und 2024 über 50 % betrugen, was die Anfälligkeit des kubanischen Marktes für Knappheit und steigende Preise bei Grundgütern unterstreicht.“ (Cibercuba)[139]

Hinzu tritt eine tiefgreifende Energiekrise, die durch den Verfall der veralteten Infrastruktur sowie durch den Rückgang der Öllieferungen aus Venezuela und Mexiko ausgelöst wurde – Während die beiden Länder Kuba in früheren Jahren mit durchschnittlich 55.000 Barrel Öl pro Tag versorgten, sank diese Menge seit 2023 um mehr als dreißig Prozent, was im Jahr 2024 zu täglichen Stromdefiziten von über 1.200 Megawatt und zu Blackouts von bis zu 18 Stunden führte. Weiterhin wird der absolute Großteil des kubanischen Öls aus Venezuela bezogen. [140]

Zwar hat Russland die Lieferung von jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen Öl sowie technische Unterstützung beim Ausbau der Energie- und Agrarinfrastruktur zugesagt, doch reichen diese Hilfen bisher nicht aus, um die Lücken in der Versorgung zu schließen. Die wichtigste Entwicklung im Bereich des kubanischen Energiesektors bildet die vertiefte Zusammenarbeit mit China zum Ausbau der Photovoltaik im ganzen Land. Seit dem Eintritt in die chinesische „Belt and Road Energy Partnership“ im Frühjahr 2021 hat Kuba mit der Hilfe Chinas 55 „solar farms“, entsprechend 1200 Megawatt, gebaut. Bis 2028 soll die Zahl auf 82 (bzw. 92, abhängig von Quelle) anwachsen:

„Die chinesische Hilfe unterstützt Kubas Plan, bis 2028 92 Solaranlagen zu bauen, die etwa 2.000 Megawatt zum Stromnetz der Insel beitragen und die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe verringern sollen. Nach Fertigstellung würde das Projekt das angespannte Stromsystem Kubas, das derzeit eine Kapazität von 7.264 MW hat, erheblich stärken.“ (Chinadaily)[141]

Die Importabhängigkeit Kubas verstärkt die strukturelle Fragilität zusätzlich, da mehr als sechzig Prozent der Nahrungsmittel und über die Hälfte des Ölbedarfs aus dem Ausland bezogen werden müssen, während es zugleich embargobedingt an harten Devisen mangelt – Zwar bestehen enge Beziehungen zu BRICS-Staaten wie China, Russland oder Brasilien, deren Handelsvolumina sich jedoch überwiegend im Bereich von ein bis zwei Milliarden US-Dollar jährlich bewegen, was angesichts des Ausmaßes der Krise keine substanzielle Stabilisierung ermöglicht.

Die BRICS-Mitgliedschaft eröffnet zwar langfristig Perspektiven, etwa durch den erleichterten Zugang zu Krediten der „New Development Bank“, durch den Ausbau bilateraler Investitionen oder durch die Möglichkeit, Handelsgeschäfte in nationalen Währungen abzuwickeln, doch handelt es sich hierbei um Prozesse, die eine längerfristige Umsetzung erfordern und deshalb kaum unmittelbare Entlastung für die derzeitige Krise schaffen.

Die Kombination aus US-Sanktionen, verschärft durch die sekundären Sanktionen gegen Drittstaatenunternehmen (siehe 2.1), aus der Abwesenheit stabiler Deviseneinnahmen, aus der maroden Infrastruktur und aus den strukturellen Defiziten der Binnenwirtschaft hat zur Folge, dass der BRICS-Beitritt bislang keine spürbare Verbesserung der ökonomischen Gesamtlage bewirken konnte.

Die Verschärfung des US-Embargos auch für Medikamente aus Drittstaaten im Januar 2025 führte zuletzt zu einer drastischen Verschlechterung der Gesundheitsversorgung:

„Nur 30 Prozent des Grundsortiments an Medikamenten sind verfügbar, in den Apotheken sind lediglich 32 Prozent der benötigten Medikamente vorrätig. Besonders Antibiotika sind knapp. Gesundheitsminister Portal Miranda kritisierte in diesem Zusammenhang die US-Wirtschaftsblockade, welche den Erwerb von Medizinprodukten erschwere. Die Säuglingssterblichkeit stieg auf 8,2 pro 1.000 Lebendgeburten (2024: 7,4). Die Müttersterblichkeit kletterte auf 56,3 pro 100.000 Geburten (2024: 37,4).“ (Cubaheute)[142]

Dieselbe Verschärfung des Embargos, welche es US-Bürgern wieder unmöglich machte, nach Kuba zu reisen, führte zu einem 6-prozentigen Rückgang des Tourismus auf gerade einmal 71 % des Plansolls.[143] Jener Rückgang im Tourismus, verbunden mit der Energiekrise, die Kubas Nationalversammlung zuletzt als „dringlichstes Problem für Kuba“ betitelte, hatte im ersten Halbjahr dieses Jahres dramatischen Einfluss auf den Transportsektor:

„Bis April wurden landesweit 894 Millionen Passagiere befördert, 32 Prozent weniger als geplant und 114 Millionen weniger als im selben Zeitraum 2024. Besonders schwierig ist die Lage bei den lokalen Busverbindungen, die 65 Prozent unter dem Plansoll liegen. Schnelle Hilfe ist nicht in Sicht.“ (Cubaheute)[144]

5.1 Innere Wege aus der Krise

Die kubanische Regierung versucht, die wirtschaftliche Krise vor allem durch ein umfassendes makroökonomisches Stabilisierungsprogramm zu bewältigen, das seit Ende 2023 mehrfach überarbeitet wurde und auf die Beseitigung struktureller Verzerrungen abzielt:

„Wie Finanzminister Vladimir Regueiro Ale berichten konnte, tragen die Bemühungen zur makroökonomischen Stabilisierung und Haushaltskonsolidierung erste Früchte: Das Haushaltsdefizit ging vergangenes Jahr deutlich zurück – von 10,9 Prozent (2023) auf 6,5 Prozent (2024) des BIP. Das Verhältnis von Ausgaben und Einnahmen entwickle sich in Richtung eines gesünderen Gleichgewichts, was die Notwendigkeit zur Aufnahme neuer Schulden reduziert habe und den Rückgang der Inflation begünstigt.“ (Cubaheute)[145]

Zentrale Elemente sind dabei die Ausweitung der Teil-Dollarisierung mit dem Ziel einer späteren Entdollarisierung, die Schaffung geschlossener Devisenkreisläufe auch im Agrarsektor sowie die Einführung eines flexiblen Wechselkurses, der den Zugang aller Wirtschaftsakteure zu Devisen erleichtern soll; flankierend wird die Ausweitung bargeldloser Zahlungsmethoden vorangetrieben, während Preisobergrenzen für Grundnahrungsmittel beibehalten werden.

Parallel dazu soll die Attraktivität ausländischer Investitionen durch beschleunigte Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und neue Möglichkeiten wie „100-prozentig ausländische Tourismusbetriebe“[146] erhöht werden, während in der Landwirtschaft Investoren erstmals echte Nutzungsrechte einschließlich der Beschäftigung von Arbeitskräften erhalten sollen.

Auf institutioneller Ebene sind eine tiefgreifende Reform des Unternehmensrechts und die Stärkung der Autonomie staatlicher Betriebe vorgesehen, ergänzt durch die Einrichtung eines neuen Instituts für Staatsunternehmen, eine einheitliche Lohnpolitik und den Abbau aufgeblähter Führungsstrukturen.

Zugleich werden rechtliche Grundlagen für Joint Ventures zwischen staatlichen und privaten Akteuren geschaffen sowie Genehmigungsprozesse für Privatunternehmen dezentralisiert, wodurch die Handlungsspielräume der Gemeinden erweitert werden; diese sollen zudem neue agro-industrielle Strukturen zur Sicherung der Lebensmittelversorgung aufbauen und bestehende Lokalentwicklungsprojekte konsolidieren.[147]

Weitere Maßnahmen betreffen die vollständige Zuweisung der Devisenerlöse aus Gesundheitsdienstleistungen an das Gesundheitsministerium, die selektive Nutzung von Finanzinstrumenten wie „Swap-Geschäften“, die Erweiterung der Möglichkeiten zum Empfang von Auslandsgeldsendungen sowie die Reduktion sozialer Ungleichheiten.

Flankiert werden diese ökonomischen Schritte durch eine Reihe rechtlicher Reformen, darunter die Verabschiedung eines neuen Unternehmensgesetzes, ein modernes Kinder- und Jugendgesetz, ein erstes Sportgesetz, die Reform des Personenstandsrechts und eine Aktualisierung des Ordnungswidrigkeitenrechts.

Außenpolitisch erfordere…

„die ‚wachsende Aggression der US-Regierung‘ […] eine klare Ausrichtung auf die ‚Verteidigung der Unabhängigkeit, der Revolution und des Sozialismus‘, sagte Rodríguez. Als zentrale Herausforderungen nannte er die seit über sechs Jahrzehnten bestehende US-Wirtschaftsblockade und die erneute Einstufung als ’staatlicher Sponsor des Terrorismus‘ durch die Trump-Administration. Beide Maßnahmen trügen maßgeblich zu ‚Leid und Mangel in kubanischen Familien‘ bei. Ein Schwerpunkt liege darauf, neue Möglichkeiten für ‚Exporte, Importe, Investitionen, Finanzbeziehungen und internationale Zusammenarbeit‘ zu erschließen, so Rodríguez. Die Teilnahme kubanischer Delegationen an internationalen Foren und bilateralen Besuchen diene der gezielten Vertiefung wirtschaftlicher Bindungen. Kuba wolle zudem seine Führungsrolle in Bündnissen des Globalen Südens – insbesondere der Gruppe der 77 plus China und der Bewegung der Blockfreien – ausbauen.“ (Cubaheute)[148]

So haben die Reformen bis Juli 2025 bereits erste positive Effekte gezeigt: Durch die Haushaltskonsolidierung und die Steuerreformen konnte das Defizit deutlich reduziert werden, was zu einer deutlich stabileren Finanzlage beiträgt.

Die Erhöhung der Steuereinnahmen und die stärkere Kontrolle der Ausgaben haben das öffentliche Budget gestärkt, und erstmals seit über einem Jahrzehnt weist das laufende Konto des Staates einen positiven Saldo auf.

6. Maximale Strangulation

Im Februar 2026 befindet sich Kuba in einem Zustand der totalen ökonomischen und infrastrukturellen Strangulierung, die in ihrer Intensität die Krisenjahre der 1990er Jahre in den Schatten stellt.

Der Ursprung dieser akuten Phase liegt im 3. Januar 2026, als US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gewaltsam entführten und festsetzten, was den sofortigen Stopp der für Kuba überlebenswichtigen Öllieferungen aus Caracas zur Folge hatte. Bei dem Angriff Washingtons starben 32 kubanische Soldaten, die als Leibgarde Maduros dienten. Bezog Kuba im letzten Quartal 2025 noch etwa 35.000 Barrel Erdöl pro Tag aus Venezuela – was rund 70 Prozent der gesamten kubanischen Ölimporte entsprach –, so wurde dieser Fluss nun vollständig durch Washington gekappt.

Diese Blockade wurde am 29. Januar 2026 durch ein präsidiales Dekret Trumps zementiert, das drakonische Strafzölle gegen jedes Drittland und jedes Unternehmen verhängt, das Öl oder Treibstoffe an die Insel liefert.[149] In der Konsequenz hat seitdem kein einziger Tropfen importierten Treibstoffs mehr kubanischen Boden erreicht.[150] Besonders kritisch ist auch der Wegfall der mexikanischen Lieferungen: Unter dem massiven Druck Washingtons und der Drohung, den bilateralen Handel mit den USA durch Zölle zu gefährden, stellte Mexiko seine Ölexporte ein.[151] Präsidentin Claudia Sheinbaum sah sich nach Trumps Exekutivanordnung vom 29. Januar, die Strafzölle gegen alle Öllieferanten Kubas androhte, gezwungen, die Lieferungen des staatlichen Konzerns Pemex einzustellen. Pemex hatte zuvor noch rund 20.000 Barrel pro Tag geliefert, doch unter der massiven Zolldrohung und der Überprüfung des T-MEC-Freihandelsabkommens blieb Mexiko kaum Handlungsspielraum.

Damit fehlen dem kubanischen Energienetz täglich rund 45.000 Fass Öl – die absolute Untergrenze, die zur Aufrechterhaltung einer minimalen staatlichen Ordnung notwendig wäre.[152]

Venezuela exportierte eben nicht nur Rohöl zur Weiterverarbeitung, sondern auch Raffinerieprodukte wie Diesel und Kerosin. Kuba kann derzeit rund ein Drittel seines eigenen Erdölbedarfs mit eigener Produktion decken, wobei das kubanische Öl (ähnlich wie das venezolanische) schwer und schwefelhaltig ist, für dessen eigenständiges Raffinieren die kubanischen Kapazitäten nicht ausreichen.

Die Auswirkungen auf das tägliche Leben sind verheerend und werden von UN-Generalsekretär António Guterres als drohender „humanitärer Kollaps“ eingestuft.[153] In Havanna und den Provinzen sind Stromausfälle von mehr als 20 Stunden pro Tag zur neuen Normalität geworden.[154] Diese „Apagones“ führen zu einem Dominoeffekt: Da die elektrischen Pumpen der Wasserwerke stillstehen, bricht in weiten Teilen des Landes die Trinkwasserversorgung zusammen. In den Krankenhäusern führt der Mangel an Treibstoff für Notstromaggregate zur Gefahr für die Kühlketten von Medikamenten, den Betrieb von Dialysestationen und die Produktion von medizinischem Sauerstoff.[155] Marta Hurtado, Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, bekundete…

„Wir sind äußerst besorgt über die sich vertiefende sozioökonomische Krise Kubas vor dem Hintergrund eines jahrzehntelangen Finanz- und Handelsembargos, extremer Wetterereignisse und der jüngsten US-Maßnahmen zur Einschränkung von Öllieferungen … Intensivstationen und Notaufnahmen sind beeinträchtigt, ebenso wie die Produktion, Lieferung und Lagerung von Impfstoffen, Blutprodukten und anderen temperaturempfindlichen Medikamenten.“ (TRT) [156]

Ökonomisch steht das Land vor dem Stillstand. Die Inflation hat Dimensionen erreicht, die das staatliche Lohngefüge entwerten: Während das Durchschnittseinkommen bei etwa 4.000 Pesos liegt, wird ein Liter Benzin auf dem Schwarzmarkt mit über 1.000 Pesos gehandelt. Für den Gegenwert eines Monatslohns erhalten Kubaner in Havanna derzeit lediglich eine Stiege mit 30 Eiern und eine Flasche Speiseöl.[157] Die Schlangen an den Tankstellen erstrecken sich über Tage; Wartezeiten von bis zu 40 Stunden für kleinste Mengen Treibstoff sind dokumentiert. Der Tourismussektor, die letzte verbliebene Devisenquelle, ist faktisch kollabiert. Seit Mitte Februar 2026 ist die Betankung internationaler Flugzeuge für zunächst einen Monat komplett ausgesetzt, was den Flugverkehr zum Erliegen bringt.[158] Jorge Piñón, Direktor des Energieprogramms für Lateinamerika und die Karibik an der Universität von Texas, meint:

„Kuba erwartet ein Blackout – nicht nur aus Sicht der Elektrizität, sondern ein Blackout aus Sicht der Energie insgesamt, besonders jetzt bei den flüssigen Brennstoffen, wie zum Beispiel Diesel […] Denn Diesel betreibt den Transport – den öffentlichen Verkehr, den Straßenverkehr –, Diesel betreibt die Züge, Diesel betreibt die Stromaggregate, die Wasserpumpen des kubanischen Aquäduktsystems. Diesel betreibt auch die Zuckerfabriken; eine davon in der Provinz Granma hat bereits angekündigt, dass sie wegen Treibstoffmangels die Maschinen zum Schneiden des Zuckerrohrs nicht einsetzen können und nun wieder Machetenarbeiter suchen müssen, um das Zuckerrohr zu schneiden. Wir konzentrieren uns also nicht nur auf die Lieferungen von Rohöl, sondern insbesondere auf die Diesellieferungen, denn Diesel ist der kritische Treibstoff, bei dem wir beobachten, wie Kuba überleben wird.“ (martinoticias)[159]

Staatliche Hotels mussten bereits schließen und Urlauber in Notunterkünfte verlegen, da weder die Energieversorgung noch die Lebensmittellogistik aufrechterhalten werden konnten. Analysten geben der kubanischen Wirtschaft eine Frist von maximal zwei Monaten, bevor ein vollständiger Stillstand der gesellschaftlichen Produktion eintritt.

Wie lange Kuba so weitermachen kann, wird von Analysten unterschiedlich bewertet. Einige sprechen von zwei Wochen[160], andere von zwei Monaten[161] – klar ist, so pathetisch es klingt: Eine Gesellschaft ohne Treibstoff, Devisen, Handel und brüchiger Lebensmittelinfrastruktur lebt nicht weiter, sie überlebt nur so lange sie kann.

6.1 Kriegskommunismus

Um dem drohenden Zusammenbruch entgegenzuwirken, hat die kubanische Führung am 5. Februar 2026 einen Notfallplan in Kraft gesetzt, der unter dem historischen Namen „Opción Cero“ (Option Null) firmiert.[162] Dieser Plan, der ursprünglich für den Fall eines totalen Versorgungsabbruchs in den 1990er Jahren entworfen wurde, sieht eine radikale Transformation des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens vor, um mit einer Treibstoffzufuhr von faktisch Null zu überleben. Kubas letztes Ass im Ärmel.

Seit dem 7. Februar 2026 ist der Verkauf von Diesel an Privatpersonen landesweit eingestellt. Benzin wird nur noch in Kleinstmengen von maximal 20 Litern über die digitale Plattform „Ticket“ abgegeben – und dies ausschließlich gegen Devisen. Die staatliche Verwaltung wurde auf eine Viertagewoche (Montag bis Donnerstag) reduziert, während der öffentliche Nahverkehr massiv beschnitten wurde.[163] So verkehren nationale Personenzüge nur noch alle acht Tage; die Fährverbindungen zur Insel der Jugend wurden auf zwei Fahrten pro Woche halbiert. In der Landwirtschaft und Logistik wird der Treibstoffmangel durch den großflächigen Einsatz von Zugtieren kompensiert, um die Feldarbeit und den lokalen Transport lebensnotwendiger Güter sicherzustellen.[164]

Parallel zu diesen defensiven Maßnahmen forciert Havanna den Umbau der Energieinfrastruktur hin zu erneuerbaren Quellen, um die Abhängigkeit von fossilen Importen dauerhaft und rapide zu brechen. Im Februar 2026 deckt Kuba mit einer installierten Photovoltaik-Leistung von rund 1.000 Megawatt bereits 38 Prozent seines Strombedarfs am Tag ab.[165] Erneuerbare Energien ersetzen jedoch nicht langfristig Flüssigtreibstoff, somit darf die „Opción Cero“ nicht als langfristige Umstellung des kubanischen Energiesektors, sondern als Übergangslösung für den stärksten äußeren Druck in dessen Geschichte verstanden werden.

Durch ein beschleunigtes Abkommen mit China sollen binnen acht Wochen weitere 160 Megawatt durch neue Solarparks ans Netz gehen. Dazu sollen rund 5.000 chinesische Photovoltaikmodule an „wichtigen Standorten“ platziert werden, „um die Bevölkerung mit Dienstleistungen zu versorgen“, erläuterte Präsident Díaz-Canel:

„Zu den prioritären Einrichtungen gehören 161 Entbindungsheime, 121 Haushalte mit geräteabhängigen kranken Kindern, 156 Altenheime, 305 Seniorenzentren, 56 Polikliniken, 336 Bankfilialen sowie 349 Verwaltungsbüros. Weitere 5.000 Photovoltaikanlagen sollen Haushalten in entlegenen Regionen sowie Ärzten und Lehrern zugutekommen, die diese über einen langfristigen Kredit erwerben können. Zudem werden neue Batteriespeicher mit einer Leistung von 200 Megawatt installiert.“ (amerika21) [166]

Gleichzeitig hat China neben einem 80-Millionen-Dollar Nothilfepaket rund 90.000 Tonnen Reis geschickt.[167] Natürlich ist es naiv zu denken, Chinas Schenkungen würden auf reiner internationaler Solidarität basieren, selbstverständlich verfolgt China auch geopolitische Interessen mit der Beatmung des vegetierenden Inselstaats – nichtsdestotrotz: Anders als Russland liefert China besonders mit dem Ausbau des kubanischen Energienetzes die Voraussetzungen für „Opción Cero“ und damit tatsächliche materielle Unterstützung.

International formiert sich ein wachsender Widerstand gegen die US-Blockadepolitik. Mexiko entsandte Mitte Februar die Marineschiffe „Papaloapan“ und „Isla Holbox“ mit insgesamt 814 Tonnen humanitärer Güter – darunter Reis, Bohnen, Milchpulver und Hygieneartikel – nach Havanna.[168] Russland hat nicht nur Rohöllieferungen in Aussicht gestellt, sondern prüft laut Berichten auch den militärischen Schutz seiner Tanker durch Kriegsschiffe, um US-Interventionen auf hoher See zu verhindern. In Anbetracht von Russlands scheinbarem Rückzug aus seiner Einflusssphäre in Lateinamerika, letztlich durch den „Verrat“ an Venezuela, müssen Russlands Zusagen jedoch mit Skepsis betrachtet werden. Während Spanien als erstes EU-Land direkte Hilfslieferungen über das UN-System zugesagt hat[169], bereitet die internationale Solidaritätsflottille „Nuestra América“ für März 2026 das Durchbrechen der Seeblockade vor, um die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln zu verstärken. Die Hilfsleistungen, die dort transportiert werden sollen, sind natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein, es geht hier um das Schaffen von Aufmerksamkeit und Solidarität.

Diese Krise muss ganz nüchtern betrachtet und von vergangenen Krisen abgegrenzt werden: Anders als die „Sonderperiode“ der 1990er Jahre, bei der das Überleben der kubanischen gesellschaftlichen Ordnung letztlich durch die Gewinnung Chávez‘ Venezuela und damit eines sich dem US-Imperialismus widersetzenden Ölversorgers gesichert werden konnte, steht gerade kein neuer Chávez in den Startlöchern. Ganz im Gegenteil hat das Ende des (zumindest nominellen) Nachfolgers von Chávez gerade erst zu dieser neuen Krise geführt.

Folgendes kann festgestellt werden: Ein Fall Kubas wäre allein auf Basis seiner einzigartigen geostrategischen Position sowohl für China als auch für Russland von Nachteil. Kubas symbolische Wirkung, die Sympathien auch außerhalb von traditionell internationalistischen Kreisen erhält, ist Grund genug für China, Russland und selbst europäische Staaten, ein Am-Leben-halten Kubas politisch zu wertschätzen. Zum anderen ist es eine Tatsache, dass Kuba ohne Ende der US-Blockade niemals auf eigenen Füßen stehen wird, das ist ja gerade der Zweck des Embargos.

Forderungen wie „Unblock Cuba“ scheinen im Angesicht der Tatsache, dass das Aufrechterhalten der Blockade für den Hegemon schlichtweg keine Nachteile bringt, fast naiv. Da wird dann gerne auf das Völkerrecht verwiesen und dass die Blockade diesem eben widerspreche – diese Argumente führen wie alle Bezüge auf das Völkerrecht ins Nichts. Das Völkerrecht gilt nicht für die obersten Instanzen der Welt, namentlich die Vereinigten Staaten, sondern für die unter ihnen. Und dennoch: Wie wir mit diesem Beitrag in äußerster Ausführlichkeit dargelegt haben; Kuba kann ohne ein Ende der US-Blockade nicht auf eigenen Beinen stehen und eigenständig überleben. Das mag sich durch eine stärkere BRICS-Einbindung in Zukunft ändern, aber auch um die Möglichkeiten des BRICS-Handels produktiv nutzen zu können, ist eine Lockerung der Blockade nötig – und das ist eben nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.  

Alle anderen Möglichkeiten belaufen sich auf eine zumindest teilweise Unterordnung unter den US-Imperialismus. Wird es darauf hinauslaufen? Das wird sich wohl durch den Erfolg der „Opción Cero“ und der weiteren Unterstützung insbesondere Chinas herausstellen.

6.2. Zusammenfassung: Was will Amerika?

Um noch einmal die konkreten heutigen materiellen Interessen der Vereinigten Staaten in ihrer Offensive gegen Kuba zusammenzufassen:

Es ist zunächst festzustellen, dass die Vereinigten Staaten ein zentrales Interesse daran haben, Kuba als möglichen strategischen Brückenkopf ihrer wichtigsten globalen Rivalen China und Russland zu neutralisieren. Die Karibik wird in Washington als sicherheitspolitisches Vorfeld betrachtet, dessen Kontrolle als Voraussetzung für die Bewegungsfreiheit der Vereinigten Staaten im eigenen Einflussraum gilt. In diesem Zusammenhang richtet sich die amerikanische Politik insbesondere gegen die wachsende Präsenz Chinas in Lateinamerika und der Karibik.

China hat seinen wirtschaftlichen Einfluss in der Region in den letzten Jahrzehnten erheblich ausgeweitet und sich zum wichtigsten Handelspartner weiter Teile Südamerikas sowie zu einem der bedeutendsten Partner in der Karibik entwickelt. Vor diesem Hintergrund besteht ein klares Interesse der Vereinigten Staaten darin, Pekings Zugang zu regionalen Strukturen sowie mögliche logistische oder nachrichtendienstliche Kooperationen mit Kuba zu begrenzen. Parallel dazu wird auch die russisch-kubanische Zusammenarbeit in Washington als strategisches Risiko wahrgenommen. Aus amerikanischer Sicht handelt es sich dabei um eine Form politisch-militärischer Kooperation, in der Russland Energie- und Sicherheitsunterstützung gegen diplomatische Rückendeckung und regionalen Einfluss eintauscht. Die Verschärfung der Blockadepolitik zielt unter anderem darauf ab, diese Partnerschaft ökonomisch unattraktiv zu machen und Russland eine asymmetrische Antwort auf die amerikanische Präsenz in Osteuropa zu erschweren.

Kuba verfügt über erhebliche Vorkommen strategisch wichtiger Minerale, darunter große Reserven an Nickel und Kobalt, die für Hochtechnologieindustrien und Energiewende-Technologien von wachsender Bedeutung sind. Kobalt und Nickel haben wir auch in unserem Venezuela-Artikel als zentrale Ressourceninteressen einer imperialistischen Intervention betrachtet.

Ein wesentliches Interesse der Vereinigten Staaten besteht darin, amerikanischen Unternehmen langfristig Zugang zu diesen Ressourcen zu sichern, die derzeit teilweise von Unternehmen aus Drittstaaten kontrolliert werden. Auch der Energie- und Tourismussektor gilt als potenzielles Feld zukünftiger ökonomischer Expansion. Amerikanische Firmen haben wiederholt Interesse an der Erschließung möglicher Offshore-Ölvorkommen im Golf von Mexiko sowie an der Entwicklung hochwertiger touristischer Infrastruktur in den Küstenregionen Kubas gezeigt.

Darüber hinaus verfolgt die amerikanische Politik gegenüber Kuba das langfristige Ziel, die westliche Hemisphäre als exklusive Einflusssphäre zu konsolidieren. Der Griff gegen Venezuela muss als erster Schlag zur Sicherung der Hegemonie im „Backyard“ verstanden werden, ein Schlag gegen das in Konsequenz geschwächte Kuba ist die logische Schlussfolgerung.

Zugleich besteht jedoch ein gewisses sicherheitspolitisches Interesse daran, einen vollständigen Zusammenbruch des kubanischen Staates zu vermeiden. Ein unkontrollierter Kollaps könnte eine massive Fluchtbewegung in Richtung Florida auslösen und damit innenpolitische und administrative Probleme für die faschistoide Trump-Regierung verursachen. Vor diesem Hintergrund lassen sich punktuelle Ausnahmen von der Sanktionspolitik ebenso erklären wie informelle Kontakte zu wirtschaftlichen und politischen Akteuren innerhalb Kubas, die auf eine langfristig kontrollierte Transformation unter amerikanischen Bedingungen abzielen.

Schließlich ist die Kuba-Politik der Vereinigten Staaten auch eng mit innenpolitischen Faktoren verbunden, insbesondere mit der politischen Bedeutung des Bundesstaates Florida. Die kubanisch-amerikanische Diaspora in Südflorida gilt als ein einflussreicher und finanziell bedeutender Wählerblock, der traditionell eine harte Linie gegenüber Havanna unterstützt. Eine Verschärfung der Blockadepolitik dient daher auch der Stabilisierung dieser politischen Basis. Darüber hinaus erfüllt Kuba in der amerikanischen Innenpolitik eine symbolische Funktion als Projektionsfläche für eine demonstrative Abgrenzung gegenüber sozialistischen Entwicklungsmodellen, die es mit der Blockade zu destabilisieren und sabotieren gilt, während man gleichzeitig behaupten kann, auf die Folgen der Blockade als „Folgen des Sozialismus“ verweisen zu können.

7. Trotz alledem: Die Bedeutung Kubas

Die materiellen Bedingungen Kubas sind und waren, wie nun dargelegt, von gezielter und präziser Sabotage geprägt – nahezu unverändert seit 1960, bzw. 1992. Es ist deshalb gerade wegen des Sozialismus in Kuba, dass die massiven Folgen der Sabotage, über Embargo und Isolation bis Terror, für die Menschen in Kuba abgefedert werden.

Niemand behauptet, dass das Leben in Kuba besser ist als das Leben eines gutsituierten Deutschen – und wie sollte es auch? Ein Staat, der sich ohne Kapitalexport und Ausbeutung des globalen Südens reproduziert, der von dem dramatischsten Embargo in moderner Geschichte konfrontiert und mit jeglicher Möglichkeit des globalen Handels ausgeschlossen ist – alles während die materiellen Bedingungen seiner revolutionären Umgestaltung nicht die einer Kolonialmacht, sondern die einer kolonisierten waren.

Es ist gerade deshalb, dass das kubanische System mit seiner Anpassungsfähigkeit, gelebter Solidarität nach innen und außen und unglaublicher Widerstandsfähigkeit ein so bedeutender Meilenstein der gesellschaftlichen Entwicklung darstellt.

Der Paradevergleich ist der zwischen Kuba und Haiti – beide teilen das koloniale Erbe von Plantagenwirtschaft, Ausbeutung und korrumpierter Revolution – doch während Haiti durch Imperialismus, Interventionen und US-finanzierte Diktaturen (Duvalier) in dauerhafter Armut gefangen blieb, brach Kuba auf Kosten der Isolation mit diesem Modell. Heute lebt die Durchschnittsfrau in Haiti 13 Jahre kürzer als auf Kuba, kann zu 38 % weniger Lesen und Schreiben, hat eine 119 % höhere Wahrscheinlichkeit, an HIV zu erkranken und eine 1763 % höhere Chance, an Tuberkulose zu sterben, zur Behandlung hat sie knapp ein Vierzigstel der Chance, einen Arzt zu finden wie auf Kuba:[170]

„Ich unterhielt mich mit einem Mann in Havanna, der zu mir sagte: „Alles, was ich hier in Havanna früher sah, nennst du eintönig und langweilig, wir sehen es als eine sauberere Stadt. Es stimmt, die Farbe blättert von den Wänden, aber man sieht keine Kinder mehr auf der Straße betteln und man sieht keine Prostituierten mehr.“ Prostitution war einst einer der größten Wirtschaftszweige. Und heute geht dieser Mann zur Abendschule. Er sagte: „Ich konnte lesen! Ich kann lesen, weißt du, was es bedeutet, lesen zu können? Weißt du, was es bedeutet, nicht lesen zu können?““ (Michael Parenti)[171]

Die nationale Alphabetisierungskampagne von 1961, bei der rund 250.000 Menschen aus den Städten – darunter etwa 100.000 Studierende – mobilisiert wurden, um der Landbevölkerung Lesen und Schreiben beizubringen, brachte Kuba mit 99 % eine der höchsten Alphabetisierungsraten der Welt und die mit Abstand höchste in Lateinamerika.  

„Kuba hat mit etwa 8,4 Ärzten pro 1.000 Einwohner eines der höchsten Ärzte-pro-Kopf-Verhältnisse der Welt. Zum Vergleich: In den USA sind es 2,6 und in Italien 4,1. […] Kuba gibt 23 % seines Staatshaushalts für Gesundheit und 30 % für Bildung aus. Gleichzeitig machen die internationalen medizinischen Hilfsdienste des Landes 46 % der kubanischen Exporte und 6 % des BIP aus (allein im Jahr 2019). Dieser Mechanismus hat dem Gesundheitssektor des karibischen Inselstaates hervorragende Erfolge beschert.“[172]

Die schwarze Bevölkerung erhielt mit der Revolution erstmals universellen Zugang zu Bildung, Arbeit, Sport und Wohnraum in vormals exklusiven Vierteln. Fidel Castros „Proklamation gegen Diskriminierung“ hob institutionelle Barrieren auf und erkannte afro-kubanische Kultur als Teil der nationalen Identität an. Frauen profitierten vom Ausbau von Kindertagesstätten und von Programmen, die ehemals marginalisierte Frauen in produktive Rollen integrierten. Afro-kubanische Kultur wurde demokratisiert. Das Conjunto Folklórico Nacional von 1962 förderte afro-kubanische Musik und Tanz und hob damit lokale Traditionen auf, die zuvor als „niedrig“ galten.

Es ist gerade der Sozialismus in Kuba, der die Menschen vor den sonst fatalen Folgen des Embargos schützte und schützt: Erst 2025, binnen der massiven Wirtschaftskrise (siehe 5.), wurde die Mindestrente von 1528 auf 3056 Pesos verdoppelt – hiervon profitieren 438.572 kubanische Pensionierte.[173] Gleichzeitig wird der Export medizinischer Dienstleistungen weiter ausgebaut, derzeit sind 24.000 kubanische Mediziner im Auslandseinsatz – von diesen Auslandseinsätzen haben hunderte Millionen an Menschen weltweit profitiert, ohne jemals einen Cent gezahlt haben zu müssen. 2019 haben sich 87 % der Kubaner für die von ihnen selbst gestaltete Verfassung ausgesprochen.

Der aktuelle Schlag gegen Kuba ist der härteste in ihrer Geschichte, dennoch wird Kuba stehen und überleben. Nicht jedes Problem Kubas ist eine unmittelbare Folge des US-Imperialismus – doch keines dieser Probleme hätte ohne ihn auch nur annähernd die heutige Schärfe erreicht.


Quellenverzeichnis:

Englische und Spanische Quellen wurden von uns zu Zwecken der Leserlichkeit auf Deutsch übersetzt.

[1] https://www.youtube.com/watch?v=npkeecCErQc

[2] https://www.counterpunch.org/2006/05/19/letter-to-manuel-mercado/

[3] https://www.u-s-history.com/pages/h147.html

[4] https://tocororocubano.com/el-grito-de-baire-y-el-24-de-febrero-de-1895-inicio-de-la-guerra-necesaria/

[5] https://www.mgar.net/cuba/weyler2.htm

[6] https://hackneybooks.co.uk/books/337/562/MontecristiManifesto.html

[7] https://hackneybooks.co.uk/books/337/562/MontecristiManifesto.html

[8] https://www.latinamericanstudies.org/1898/Baltimore-Sun-3-24-1898-2.bmp

[9] https://www.latinamericanstudies.org/reconcentrado.htm

[10] https://idw-online.de/en/event37849

[11] Rockoff, Hugh. 2012. America’s Economic Way of War: War and the US Economy from the Spanish-American War to the Persian Gulf War. New Approaches to Economic and Social History. New York: Routledge, 83.

[12] https://www.pbs.org/crucible/frames/_journalism.html

[13] Rockoff, Hugh. 2012. America’s Economic Way of War: War and the US Economy from the Spanish-American War to the Persian Gulf War. New Approaches to Economic and Social History. New York: Routledge, 16.

[14] http://kpd-ml.org/doc/lenin/LW22.pdf, S.349

[15] https://www.grin.com/document/95601?srsltid=AfmBOor2btdcOEhizcB2aRxc44iPWMgKXswEz2sHU57ev2N_P-gQN8TQ

[16] https://bpb-us-w2.wpmucdn.com/wp.towson.edu/dist/b/55/files/2019/12/Spring-1973-Adams-and-Cortada.pdf

[17] https://bpb-us-w2.wpmucdn.com/wp.towson.edu/dist/b/55/files/2019/12/Spring-1973-Adams-and-Cortada.pdf

[18] https://www.sueddeutsche.de/politik/kuba-und-die-usa-woher-die-feindschaft-zwischen-kuba-und-den-usa-kommt-1.2917128

[19] https://web.archive.org/web/20100516062344/http://library.thinkquest.org/18355/bartolome_maso.html

[20] https://books.google.co.th/books?id=LRmj4wHv-kIC&pg=PA98&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false

[21] http://www.historyofcuba.com/history/race/RaceWar1.htm

[22] http://www.historyofcuba.com/history/race/RaceWar1.htm

[23] https://original-ufdc.uflib.ufl.edu/UF00029010/01960

[24] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 141.

[25] https://www.spiegel.de/geschichte/kuba-despot-batista-freiheitskaempfer-mit-folterkammer-a-947510.html

[26] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 142.

[27] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 141.

[28] https://teresa.cce.com/wp-content/uploads/2013/10/In-Place-Part-Five.pdf

[29] Fernández, Frank. 2001. Cuban Anarchism: The History of a Movement. Tucson, AZ: Sharp Press, 94.

[30] Fernández, Frank. 2001. Cuban Anarchism: The History of a Movement. Tucson, AZ: Sharp Press, 94.

[31] Fernández, Frank. 2001. Cuban Anarchism: The History of a Movement. Tucson, AZ: Sharp Press, 95.

[32] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 145.

[33] Thomas, Hugh. 1971. Cuba: The Pursuit of Freedom. New York: Harper & Row, 760.

[34] Thomas, Hugh. 1971. Cuba: The Pursuit of Freedom. New York: Harper & Row, 855.

[35] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 146.

[36] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 146.

[37] Thomas, Hugh. 1971. Cuba: The Pursuit of Freedom. New York: Harper & Row, 855.

[38] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 146.

[39] Thomas, Hugh. 1971. Cuba: The Pursuit of Freedom. New York: Harper & Row, 140 ff., 144 ff.

[40] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 149.

[41] https://amerika21.de/dokument/265054/castro-geschichte-wird-mich-freisprechen

[42] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 156.

[43] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 150 ff., 157 ff.

[44] Thomas, Hugh. 1971. Cuba: The Pursuit of Freedom. New York: Harper & Row, 140 ff., 111 ff.

[45] https://www.spiegel.de/geschichte/kuba-despot-batista-freiheitskaempfer-mit-folterkammer-a-947510.html

[46] Thomas, Hugh. 1971. Cuba: The Pursuit of Freedom. New York: Harper & Row, 901.

[47] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 173.

[48] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 103.

[49] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 164.

[50] https://www.spiegel.de/geschichte/kuba-despot-batista-freiheitskaempfer-mit-folterkammer-a-947510.html

[51] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 167 f.

[52] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 166.

[53] http://www.cubanews.acn.cu/cuba/17026-the-strike-of-april-9-brought-final-victory-closer

[54] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 147 ff.

[55] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 131.

[56] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 147 ff.

[57] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 147 ff.

[58] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 328 ff.

[59] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 125.

[60] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 165.

[61] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 164.

[62] Cushion, Stephen. 2016. A Hidden History of the Cuban Revolution: How the Working Class Shaped the Guerrillas’ Victory. New York: Monthly Review Press, 15.

[63] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 37.

[64] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 168.

[65] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 168.

[66] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 168.

[67] https://www.jornada.com.mx/2010/08/31/index.php?section=mundo&article=026e1mun

[68] https://www.jornada.com.mx/2010/08/31/index.php?section=mundo&article=026e1mun

[69] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 34.

[70] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 106.

[71] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 54.

[72] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 193.

[73] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 50 ff.

[74] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 53.

[75] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 191.

[76] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 191.

[77] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 194.

[78] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 195.

[79] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 64.

[80] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 64.

[81] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 58 ff.

[82] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 60.

[83] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 197.

[84] https://thedailyeconomy.org/article/socialism-not-the-embargo-explains-nearly-all-of-cubas-poverty/

[85] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 214.

[86] https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/kubas-staatsfeind-nr-1/

[87] https://amerika21.de/2023/11/266656/un-fordert-ende-der-us-blockade

[88] https://press.un.org/en/2024/ga12650.doc.htm

[89] https://press.un.org/en/2024/ga12650.doc.htm

[90] https://press.un.org/en/2024/ga12650.doc.htm

[91] https://www.baltimoresun.com/1994/08/30/the-politics-behind-clintons-cuba-policy/

[92] https://www.baltimoresun.com/1994/08/30/the-politics-behind-clintons-cuba-policy/

[93] https://www.scienceopen.com/hosted-document?doi=10.13169/intejcubastud.16.1.0058

[94] https://www.scienceopen.com/hosted-document?doi=10.13169/intejcubastud.16.1.0058

[95] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/752863/umfrage/kindersterblichkeit-in-den-usa/

[96] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 287 ff.

[97] Font, Mauricio A., und Carlos Riobó, Hrsg. 2013. Handbook of Contemporary Cuba: Economy, Politics, Civil Society, and Globalization. Boulder, CO: Paradigm Publishers. 36.

[98] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0305750X98000205

[99] Font, Mauricio A., und Carlos Riobó, Hrsg. 2013. Handbook of Contemporary Cuba: Economy, Politics, Civil Society, and Globalization. Boulder, CO: Paradigm Publishers. 36.

[100] Font, Mauricio A., und Carlos Riobó, Hrsg. 2013. Handbook of Contemporary Cuba: Economy, Politics, Civil Society, and Globalization. Boulder, CO: Paradigm Publishers. 36

[101] Font, Mauricio A., und Carlos Riobó, Hrsg. 2013. Handbook of Contemporary Cuba: Economy, Politics, Civil Society, and Globalization. Boulder, CO: Paradigm Publishers. 32.

[102] Font, Mauricio A., und Carlos Riobó, Hrsg. 2013. Handbook of Contemporary Cuba: Economy, Politics, Civil Society, and Globalization. Boulder, CO: Paradigm Publishers. 36.

[103] https://jacobin.com/2021/01/we-are-cuba-review-socialism-soviet-union

[104] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 138 ff.

[105] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 121.

[106] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 121.

[107] Daten variieren je nach Studie; https://www.academia.edu/965534/THINGS_BECAME_SCARCE_FOOD_AVAILABILITY_AND_ACCESSIBILITY_IN_SANTIAGO_de_CUBA_THEN_AND_NOW

[108] https://jacobin.com/2021/01/we-are-cuba-review-socialism-soviet-union

[109] https://www.theguardian.com/world/2007/sep/27/cuba.international

[110] https://jacobin.com/2021/01/we-are-cuba-review-socialism-soviet-union

[111] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 138 ff.

[112] https://jacobin.com/2021/01/we-are-cuba-review-socialism-soviet-union

[113] https://amerika21.de/meldung/2012/04/51893/neun-jahre-barrio-adentro

[114] https://www.reuters.com/article/world/with-death-of-chavez-castro-says-cuba-has-lost-its-best-friend-idUSBRE92A0FU/

[115] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 338.

[116] Gott, Richard. 2005. Cuba: A New History. New Haven: Yale University Press, 338.

[117] http://www.cubanews.acn.cu/cuba/19704-battle-of-ideas-the-largest-mass-mobilization-ever-to-take-place-in-cuba

[118] Font, Mauricio A., und Carlos Riobó, Hrsg. 2013. Handbook of Contemporary Cuba: Economy, Politics, Civil Society, and Globalization. Boulder, CO: Paradigm Publishers. 36.

[119] https://cubasi.cu/en/news/cuba-and-permanent-battle-ideas

[120] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 153.

[121] https://morningstaronline.co.uk/article/cuba-democracy

[122] https://www.sdaj.org/2021/07/26/kubas-politisches-system/

[123] Informationen des Abschnitts aus:
https://www.sdaj.org/2021/07/26/kubas-politisches-system/
https://www.liberationschool.org/ch-14-workers-democracy-in-cuba/
https://amerika21.de/dokument/204765/kubas-revolutionaere-demokratie
https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/ein-ja-zu-mehr-vielfalt/

[124] https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/verfassungsreform-in-kuba

[125] https://amerika21.de/2018/08/209951/kuba-verfassung-reform-lesung

[126] https://amerika21.de/2019/04/225063/kuba-neue-verfassung

[127] https://www.dw.com/de/klare-mehrheit-f%C3%BCr-neue-verfassung-in-kuba/a-47687827

[128] https://www.granma.co.cu/2013/03/14/pdf/todas.pdf

[129] Chomsky, Aviva. 2010. A History of the Cuban Revolution. Malden, MA: Wiley-Blackwell, 42.

[130] https://de.granma.cu/cuba/2024-05-08/womit-beschaftigen-sich-die-komitees-zur-verteidigung-der-revolution-heute

[131] https://de.granma.cu/cuba/2024-05-08/womit-beschaftigen-sich-die-komitees-zur-verteidigung-der-revolution-heute

[132] https://cubaheute.de/2012/09/13/erneuerung-der-CDR-eine-politische-aufgabe-in-kuba/

[133] https://morningstaronline.co.uk/article/f/cuba-committees-defence-revolution-up-close

[134] https://morningstaronline.co.uk/article/f/cuba-committees-defence-revolution-up-close

[135] https://worldcrunch.com/business-finance/cuba-joins-brics-trump/

[136] https://en.cibercuba.com/noticias/2025-07-17-u1-e135253-s27061-nid307205-escenario-desolador-gobierno-admite-economia-cubana

[137] https://www.reuters.com/world/americas/cuban-economy-continues-five-year-decline-economy-minister-says-2025-07-14/?

[138] https://www.reuters.com/world/americas/cuban-economy-continues-five-year-decline-economy-minister-says-2025-07-14/?

[139] https://en.cibercuba.com/noticias/2025-02-24-u1-e199370-s27061-nid297697-inflacion-dispara-cuba-2025?utm_

[140] https://horizontecubano.law.columbia.edu/news/cuba-ten-consecutive-years-macroeconomic-deterioration/

[141] https://www.chinadaily.com.cn/a/202502/12/WS67ac3d69a3104d9e68a7a4f4.html

[142] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[143] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[144] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[145] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[146] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[147] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[148] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

[149] https://cubaheute.de/2026/02/06/us-energieblockade-kuba-aktiviert-fidel-castros-notfallplan/

[150] https://amerika21.de/2026/02/282607/kuba-notfallplan-energieembargo

[151] https://taz.de/Mexiko-stoppt-Oellieferung-nach-Kuba/!6149298/

[152] https://www.morgenpost.de/politik/article411190436/kuba-vor-dem-kollaps-kein-sprit-fuer-flugzeuge-hotels-machen-dicht.html

[153] https://news.un.org/en/story/2026/02/1166895

[154] https://www.jungewelt.de/artikel/517444.unblock-cuba-kontra-gegen-us-blockade.html

[155] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/kuba-usa-oel-embargo-humanitaere-krise-venezuela-100.html

[156] https://www.trtworld.com/article/6fcf932ef260

[157] https://taz.de/Desolate-Lage-in-Kuba/!6154979/

[158] https://www.zdfheute.de/politik/ausland/kuba-usa-oel-embargo-humanitaere-krise-venezuela-100.html

[159] https://www.martinoticias.com/a/qu%C3%A9-va-a-pasar-en-cuba-con-cero-combstible-hay-un-plan-b-experto-en-energ%C3%ADa-eval%C3%BAa-las-opciones/444709.html

[160] https://www.ft.com/content/f15ac8c6-c76b-40a1-bb41-95abbed7d8aa

[161] https://www.martinoticias.com/a/qu%C3%A9-va-a-pasar-en-cuba-con-cero-combstible-hay-un-plan-b-experto-en-energ%C3%ADa-eval%C3%BAa-las-opciones/444709.html

[162] https://www.thepioneer.de/originals/thepioneer-expert/articles/kuba-embargo-trump-rubio-usa-krise-oel

[163] Quelle fehlt oder [163]

[164] https://www.thepioneer.de/originals/thepioneer-expert/articles/kuba-embargo-trump-rubio-usa-krise-oel

[165] https://amerika21.de/2026/02/282607/kuba-notfallplan-energieembargo

[166] https://amerika21.de/2026/02/282607/kuba-notfallplan-energieembargo

[167] https://cubaheute.de/2026/01/21/china-kuba-80-millionen-dollar-nothilfepaket/

[168] https://www.jungewelt.de/artikel/517444.unblock-cuba-kontra-gegen-us-blockade.html

[169] https://www.prensa-latina.cu/2026/02/16/cuba-reitera-a-espana-voluntad-de-reforzar-nexos/

[170] https://www.laenderdaten.info/laendervergleich.php?country1=CUB&country2=HTI

[171] https://www.youtube.com/watch?v=sNu13KEfqN8&t=744s

[172] https://www.vietnam.vn/de/thay-gi-o-quoc-gia-co-he-thong-y-te-tot-nhat-the-gioi

[173] https://cubaheute.de/2025/07/18/erneute-waehrungsreform-kuba-parlament-zur-lage-der-nation/

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