Angriff auf kurdische Enklaven: Wie geht es weiter?
Am 10. März 2025 schloss al-Dscholanis Regime überraschend ein Abkommen mit den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Die acht Kernpunkte sollten die Rechte aller Syrer sichern, erkannten die kurdische Gemeinschaft ausdrücklich an und verankerten einen Waffenstillstand zwischen HTS-Milizen, der sogenannten Syrischen Armee, und den SDF. Rojavas zivile und militärische Strukturen werden in die staatliche Verwaltung integriert. Vertriebene sollen geschützt zurückkehren.
Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kontrollieren Teile von Aleppo. Ihre Präsenz beschränkt sich auf zwei Viertel: Scheich Maksud und Aschrafieh. Diese Viertel sind seit 2012 in kurdischer Hand. Dort leben vor allem Kurden. Mehrere hunderttausend Menschen wohnen in diesen Stadtteilen. Viele Kurden wurden 2018 aus Afrin vertrieben, als die Türkei dort intervenierte. Auch Christen und Armenier haben in diesen Vierteln Schutz gesucht.

Das Abkommen, das am 10. März 2025 zwischen SDF-Kommandeur Mazlum Abdi und dem Herrscher al-Dscholani unterzeichnet wurde, war ein wichtiger politischer Meilenstein für Syrien. Es sieht die vollständige Integration der SDF als eigene Division in die staatlichen Institutionen Syriens vor. Außerdem etablierte es einen landesweiten Waffenstillstand.
SDF-Rückzug im April 2025
Am 4. April 2025 verließen die ersten SDF-Konvois die kurdischen Stadtteile in Aleppo. Rund 500 Kämpfer zogen sich mit ihren Waffen zurück. Sie wurden von den Allgemeinen Sicherheitskräften begleitet und gingen nach Nordostsyrien. Die Sicherheitsverantwortung für Scheich Maksud und Aschrafieh wurde wie geplant an die Asayîş übergeben. Diese Gruppe sind die Sicherheitskräfte der AANES.
Rolle der Asayîş
Die Asayîş sind die Sicherheitskräfte der Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyriens (AANES). Sie übernehmen Aufgaben von der Polizeiarbeit bis zur Terrorismusbekämpfung. In den beiden Aleppo-Vierteln sind weniger als 1.000 Asayîş-Kräfte stationiert. Laut dem April-Abkommen sollen diese Kräfte die Sicherheit in den Vierteln gewährleisten. Das syrische Innenministerium übernimmt die Checkpoints.[1]
Angriffe auf die kurdischen Enklaven
Erster Angriff: Was ist passiert?
Am 6. Oktober 2025 kam es zu einer unerwarteten Eskalation. Die al-Dscholani-Truppen sperrten alle Straßen und Kreuzungen zu Aschrafijeh und Scheich Maksud. Diese plötzliche Maßnahme führte zu massiven Verkehrsstaus und chaotischen Verhältnissen. Innerhalb kürzester Zeit versammelten sich große Menschenmengen in dem betroffenen Gebiet. Die Anwohnerinnen und Anwohner waren überrascht, da es keine Erklärung für die Abriegelung gab. Deshalb lösten sich die Menschenansammlungen zunächst langsam auf. In der Folge kam es jedoch zu weitverbreiteten Protesten gegen die Schließung der Kreuzungen.
In der Nacht schickte das sogenannte Verteidigungsministerium weitere Soldaten und schwere Ausrüstung in die beiden Stadtteile. Gleichzeitig wurden rund um Aschrafijeh und Scheich Maksud neue Sperren errichtet. Alle Nebenstraßen wurden gesperrt. Der Verkehr lief nur noch über die Hauptstraße, die mit Sicherheitsbarrieren gesichert ist.
Die Asayîş, die den Internen Sicherheitskräften Nord- und Ostsyriens angehören, gaben am Montag (6. Oktober) eine Erklärung ab. Im Oktober 2025 gab die Regierung bekannt, dass sie einen großen Angriff des dschihadistischen Regimes in den Stadtteilen Aschrafijeh und Scheich Maksud in Aleppo abgewehrt habe.
Zweiter Angriff: Was ist passiert?
Am 22. Dezember 2025 zogen die al-Dscholani-Truppen überraschend von einem Kontrollpunkt am Eingang des Stadtteils Scheich Maksud ab. Direkt danach kam es zu einem plötzlichen Angriff mit schwerer Artillerie auf die Stadtteile. Die Asayîş-Kräfte konnten diesen Angriff jedoch erfolgreich zurückschlagen.
Arabische Medienkanäle wie „Al Jazeera“ und „Al Arabiya“ spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie berichten häufig gezielt gegen die Kurden und unterstützen die Erzählungen des dschihadistischen Regimes. In ihren Sendungen zeigen sie, wie schwere Ausrüstung gegen Zivilisten eingesetzt wird.

Dritter Angriff: Aktuelle Situation?
Seit dem 6. Januar 2026 greifen al-Dscholani-Truppen die beiden Stadtviertel an. Dabei wird schwere Artillerie gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt.
Die Inneren Sicherheitskräfte – Aleppo (Asayîş) gaben eine Erklärung zu den Angriffen ab. Darin heißt es, dass der Angriff „einen unserer Kontrollpunkte im Stadtviertel al-Aschrafiyya traf. Unsere Kräfte haben heute einen heimtückischen Angriff gestoppt. Dieser kam von Gruppen, die zur Übergangsregierung in Aleppo gehören.“ Die Inneren Sicherheitskräfte in Aleppo erklärten zudem, dass sie bereit seien und jeder neuen Bedrohung oder Provokation begegnen könnten.
In einer weiteren Erklärung heißt es: „Ein Kontrollpunkt der Allgemeinen Sicherheit wurde nahe dem Schihan-Kreisverkehr in al-Aschrafiyya angegriffen.“ Die Fraktionen hätten ihre Aufmerksamkeit auf zwei Einsatzkräfte gerichtet, die routinemäßige Aufgaben erledigten. „Unsere Reaktion war angemessen und im Rahmen des Selbstverteidigungsrechts. Wir handelten mit Zurückhaltung, um eine Eskalation zu vermeiden. Unser Ziel war es, die Sicherheit der Zivilbevölkerung und der umliegenden Gebiete zu schützen.“
Die Inneren Sicherheitskräfte in Aleppo betonten erneut, dass sie auf Angriffe und Provokationen reagieren und alle notwendigen Maßnahmen ergreifen werden, um ihre Angehörigen und die gesicherten Gebiete zu schützen und die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.
Am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, berichtete die Asayîş, dass die Zahl der Opfer nach dem brutalen Angriff der Regierungstruppen in Aleppo gestiegen sei. Bisher seien 12 Tote und 64 verletzte Zivilisten dokumentiert worden. Zudem gebe es weiterhin zivile Opfer unter den Trümmern zerstörter Gebäude.
Dies sei das Ergebnis des anhaltenden Beschusses mit Panzern, Artillerie und Drohnen, der sich gegen bewohnte Viertel mit Zivilbevölkerung richte, heißt es in der Erklärung. Am selben Tag habe die Asayîş einen Angriff abgewehrt und zwei Viertel, al-Jalaa und al-Suyran, befreit.
Mazlum Abdi bezeichnete die Angriffe auf Scheich Maksud und al-Aschrafijeh in Aleppo als „inakzeptabel“. Sie seien schädlich für die bestehenden Vereinbarungen. Er betonte, dass bereits seit Tagen an einem Stopp der Angriffe gearbeitet werde.
Am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, sagte Abdi: „Die Fortsetzung des Kampfansatzes und der Kriegssprache ist inakzeptabel.“ Er betonte, dass dieser Ansatz in der Vergangenheit zu Massakern geführt habe, die als Kriegsverbrechen an der syrischen Küste und in as-Suwaida anerkannt wurden. Er erklärte zudem, dass die Stationierung von Panzern und Artillerie in Aleppos Wohngebieten die Chancen auf Verständigungen verringere. Das Beschießen unbewaffneter Zivilisten, ihre Vertreibung sowie Angriffe auf kurdische Viertel während laufender Verhandlungen seien ebenfalls inakzeptabel. Er bekräftigte die Unterstützung seiner Kräfte für die Menschen in Scheich Maksud und al-Aschrafijeh und sagte: „Seit Tagen arbeiten wir mit allen Parteien, um diese Angriffe zu stoppen.“ Nach Angaben wurden bislang 142.000 Menschen aus beiden Vierteln vertrieben.
Am 9. Januar 2026 erklärte Ziyad Heleb, Kommandeur der Asayîş: „Wir sind die Nachfahren von Scheich Said und Seyid Rıza. Wir werden nicht nach Ost-Euphrat gehen – hier sind unsere Rechte und unsere Existenz. Wir werden alle den Märtyrertod sterben, bevor wir uns mit Bussen deportieren lassen. Dieses Szenario ist im Wortschatz des kurdischen Widerstands inakzeptabel.“ Er sagte weiter, die syrische Übergangsregierung integriere Salafisten und IS-Terroristen unter dem Banner des Verteidigungsministeriums und setze sie für Angriffe auf Zivilisten ein. Zugleich betonte er die Bereitschaft, mit der Übergangsregierung zu verhandeln. Ziel sei die gemeinsame Verwaltung aller Stadtviertel Aleppos durch Politik und friedlichen Dialog. Der Zentralismus der Regierung al-Scharaa schade den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die kurdischen Viertel erinnerten sich an die Schrecken des Krieges gegen das gestürzte Regime. Abschließend rief die Asayîş alle Kurdinnen und Kurden in Kurdistan sowie die anderen Gruppen in Syrien auf: „Kämpft gegen diesen Völkermordkrieg!“
„Der Zweck dieses Angriffs ist die Vertreibung der Kurden aus Aleppo, und Ahmad al-Scharaa trägt persönlich die Verantwortung dafür“, sagte Rami Abdulrahman am 8. Januar 2026 auf dem Kurdsat-News-Kanal. Nach mehreren Quellen haben al-Dscholani-Truppen alle jungen Kurden in beiden Vierteln verhaftet, ihnen den Vorwurf der „Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe“ gemacht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.
Am 10. Januar 2025 nahmen die al-Dscholani-Truppen einen Teil von Aschrafijeh ein. Sie erklärten einen einseitigen Waffenstillstand. Ihr Ziel war die Niederlage der Asayîş und deren Abzug. In einer Erklärung kündigte die Asayîş an, bis zum Tod zu kämpfen und nicht abzuziehen. Bis zum Zeitpunkt des Artikels kämpfte die Asayîş tapfer gegen diese Barbaren.
Nach mehreren Tagen tapferen Widerstands fiel Scheich Maksud. Auch alle 300 Asayîş-Kämpfer starben als Märtyrer, darunter Ziyad Heleb, der Kommandeur von Aleppo.

Nach der Kontrolle des dschihadistischen Regimes begann die ethnische Säuberung. Es kam auch zu Kriegsverbrechen an Zivilisten.
Darunter ein Zivilist, der am Nachmittag festgenommen wurde und kurz darauf hingerichtet wurde. Visuelle Beweise dokumentieren eine brutale, grundlose Tötung – ein klarer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte.
Forensische Merkmale:
- Tiefe Halsdurchschneidung (Schlachtung) mit Trennung von Gewebe und Blutgefäßen
- Schwere Gesichts- und Kopfwunden durch wiederholte Schläge, inklusive Augenverlust
- Mehrere Stich- und Schnittwunden an Brust und Bauch
- Massive Blutungen, insbesondere aus dem Halsbereich
- Dieser brutale Mord nach willkürlicher Festnahme deutet auf eine außergerichtliche Hinrichtung hin und stellt möglicherweise ein Kriegsverbrechen dar.[2]
Ein Videoclip zeigt, wie Dschihadisten des sogenannten Verteidigungsministeriums unter al-Dschoolani eine kurdische Frau absichtlich aus dem zweiten Stock eines zerstörten Gebäudes in Scheich Maksud werfen. Durch wahllose Bombardierungen von Wohngebieten entsteht dabei erhebliche Zerstörung.
Die Täter sind die Gruppen mit gelben Armbinden, die „Asaib al-Ahl al-Sunnah wa al-Jama’a“ heißen. Sie gehören zur Division 52, früher bekannt als Khalid ibn al-Walid-Brigaden. Diese Gruppen sind mit Ansar al-Tawhid verbunden und gehören zum Verteidigungsministerium der syrischen Übergangsregierung.[3]
Teilname von IS-Mitgliedern
Ein IS-Mitglied ist inzwischen Journalist. Samet Dagul wird von den russischen Geheimdiensten und dem Anti-Terror-Büro in Washington, D.C. überwacht. Die Realität in Syrien zeigt, dass der Schein trügen kann: Ein Terrorist kann Staatsoberhaupt werden – oder Journalist.
Die Autonome Administration Nord- und Ostsyriens (AANES) rief am 10. Januar 2026 offiziell zur Mobilisierung auf, mit dem Ziel, den kurdischen Widerstand in Scheich Maksud zu unterstützen. Am 10. Januar 2025 führte das dschihadistische Regime ein Täuschungsmanöver durch: Es ließ eine Kamikaze-Drohne auf das Rathaus von Aleppo stürzen und beschuldigte die SDF. Nutzer auf X identifizierten jedoch die Drohne – sie war ursprünglich von den Truppen al-Dschoolanis erworben worden.[4];[5]
Widerstand: Existenzkampf ohne Kapitulation
Asayîş und die kurdische Bevölkerung lehnten jeden Rückzug und jede Kapitulation ab, trotz ihrer militärischen Schwäche. Sie klammerten sich an ihr grundlegendes Recht auf Existenz, Würde und Selbstschutz. Widerstand ist der Ausdruck der eigenen Existenz. Für bedrohte Gemeinschaften ist er keine Option, sondern eine notwendige Selbstbehauptung.
Das Ich schmilzt im Wir dahin – und nur das Wir überlebt. Das Wir stoppt die Vernichtung, verteidigt den Boden und die Errungenschaften und schützt so die Existenz. Der Widerstand wird an kommende Generationen weitergegeben, damit das Wir bestehen bleibt.
Diese Haltung ist historisch verwurzelt. Sie zeigt, dass Nachgeben unter Druck keinen Frieden bringt, sondern zu Gewalt, Ausgrenzung und weiterer Eskalation führt. Die erste Niederlage von al-Dscholani in Syrien ereignete sich 2012 in Serê Kaniyê (Ras al-Ain) durch die Volksverteidigungseinheiten (YPG). Organisierter Widerstand kann extremistische Kräfte besiegen – dieses Beispiel beweist es.
Konkrete Daten des Angriffs
- Asayîş-Kämpfer: 300–400
- Einwohnerzahl der Stadtteile Scheich Maksud und Ashrafieh: ca. 500.000
- Fläche beider Stadtteile: etwa 4 km² (rund 25 % der Gesamtfläche Aleppos)
Militärische Kräfte und Mittel der Terroristen:
- Anzahl der Kämpfer des sogenannten Verteidigungsministeriums: etwa 42.000
- Anzahl der Panzer: bisher etwa 110
- Luftfahrt: 4 türkische Bayraktar-Drohnen + 68 Selbstmorddrohnen
- Langstreckenartillerie: eingesetzt von Al-Hamdaniya, der Infanterieschule und der Umgebung von Aleppo in der Nähe von Al-Musallamiya
- Anzahl gepanzerter Fahrzeuge: sehr viele (nicht genau gezählt)
- Anzahl Mörser: sehr viele (nicht genau gezählt)
- Anzahl DShK-Maschinengewehre: sehr viele (nicht genau gezählt)
An terroristischen Militäroperationen beteiligte Einheiten:
- Division 60
- Division 62
- Division 72
- Division 86
Zusätzliche Verstärkung:
- Aus dem nördlichen und südlichen Umland von Aleppo
- Aus Idlib und Umgebung
- Aus Rastan in Homs
- Aus dem nördlichen Umland von Hama
- Aus den öffentlichen Sicherheitsdiensten in Aleppo und Idlib
- Aus der als „A1 Security“ bekannten Behörde
- Aus der Ingenieursbehörde
- Aus der Behörde für Terrorismusbekämpfung
Was kommt als nächstes?
Am Montag, dem 5. Januar 2025, treffen sich hochrangige Vertreter Israels und Syriens in Paris. Die USA vermitteln Gespräche, die zwei Tage dauern und auf ein Abkommen zur Grenzsicherheit abzielen. Die al-Dscholani-Delegation wird von Außenminister Asaad al-Shaibani und Geheimdienstchef Hussein al-Salama geleitet.
Doch diese Verhandlungen sind weit mehr, als sie auf den ersten Blick erscheinen: Sie sind Teil eines umfassenderen geopolitischen Plans zur strategischen Neuausrichtung Syriens.
Der jüngste Angriff auf Aleppo war kein isoliertes Ereignis. Türkische Drohnen waren aktiv beteiligt, was verdeutlicht, dass al-Dscholani ohne externe Unterstützung handlungsunfähig ist. Um die SDF zu besiegen und Nordostsyrien unter Kontrolle zu bringen, ist er auf die Türkei angewiesen. Ankara wiederum kann nicht offen militärisch intervenieren, ohne das „grüne Licht“ der USA. Ein direktes Eingreifen der Türkei in Syrien ist ohne Zustimmung der USA kaum denkbar. [6]
Al-Dscholani hat in Südwest-Syrien Gebiete an Israel übergeben und so dessen Sicherheitsinteressen berücksichtigt. Es handelt sich um einen politischen Tausch: Gebiete gegen israelische Unterstützung oder wenigstens Duldung. Israels zentrales Interesse liegt in der Absicherung seiner nördlichen Grenze; die innere politische Ordnung Syriens ist dabei weniger entscheidend, ob demokratisch oder autoritär. Israel hat erneut syrisches Gebiet bombardiert, das für türkische Militärbasen relevant sein könnte. Die Angriffe dienten klar der Abschreckung und richteten sich gegen eine weitere türkische Expansion.
Die Syrischen Demokratischen Kräfte blieben während der Angriffe auf Aleppo vorsichtig, da ein Eingreifen wohl zu einem direkten Militärkonflikt mit der Türkei geführt hätte. Diese Zurückhaltung war eine kalkulierte strategische Entscheidung.
Die kurdische Gemeinschaft erkennt, dass das al-Dscholani-Regime ideologisch mit IS und al-Qaida übereinstimmt. Es wird durch Tom Barrack „normalisiert“ und als Politiker dargestellt. Es handelt sich um „al-Qaida-Terroristen in Krawatten“ – eine extremistische Ideologie, modern verpackt. Ein Beispiel: Bei einem ersten Treffen in Palmyra tötete ein syrischer Soldat zwei amerikanische Soldaten, da sie für ihn „Ungläubige“ waren. Dies zeigt, dass die ideologischen Grundlagen nicht überwunden, sondern verborgen wurden, und verdeutlicht die Unzuverlässigkeit des dschihadistischen Damaskus – denn sie selbst sind IS.
Die SDF bleiben die einzige militärische Kraft in Syrien, die den Islamischen Staat kontinuierlich und effektiv bekämpft. Wird die SDF politisch oder militärisch geschwächt, entsteht unweigerlich ein Machtvakuum.
Ein solches Vakuum würde den IS-Strukturen sofort neue Handlungsspielräume eröffnen. Die Organisation kann sich innerhalb weniger Tage neu formieren und in instabilen Regionen schnell wieder an Stärke gewinnen. Die Marginalisierung der SDF wäre nicht nur ein politischer Rückschlag für die Kurden, sondern könnte auch eine ernsthafte Bedrohung für die regionale und internationale Sicherheit darstellen.
Die öffentliche Erzählung von „Grenzsicherheit“ greift deshalb zu kurz. Tatsächlich vollzieht sich in Syrien eine tiefgreifende geostrategische Neuordnung:
- Israel sichert seine Nordgrenze.
- Die Türkei strebt die Zerschlagung der kurdischen Autonomie an.
- Al-Dscholani gewinnt schrittweise internationale Anerkennung.
- Die Kurden drohen erneut, marginalisiert zu werden.
Diese Konstellation ist jedoch nicht nachhaltig.
Warum ohne SDF und Kurden keine Lösung möglich ist
Ohne die SDF und die kurdischen Kräfte ist eine stabile Lösung für Syrien nicht denkbar. Sie sind:
- die einzige landesweit organisierte Kraft, die den IS militärisch besiegt hat,
- Träger eines multiethnischen und multireligiösen Gesellschaftsmodells,
- Garant für relative Stabilität in Nordostsyrien und die einzige glaubwürdige Alternative zu dschihadistischen Machtprojekten.
Ein Syrien, das auf Kosten der Kurden „stabilisiert“ wird, schafft keinen Frieden – es verschiebt den nächsten Konflikt lediglich in die Zukunft.
In Teilen der syrischen Gesellschaft wächst die Überzeugung, dass alle progressiven, demokratischen und säkularen Kräfte sich klar vereinen müssen. Eine Allianz mit den Syrischen Demokratischen Kräften ist nötig, um gemeinsam gegen die geheimen Pläne von Dschihadisten und imperialen Interessen vorzugehen.
Ohne die Kurden – und ohne die SDF – wird es keine gerechte, stabile und nachhaltige Lösung für Syrien geben.
[1] https://english.enabbaladi.net/archives/2025/04/sdf-withdraws-from-aleppo-in-implementation-of-agreement-with-damascus/
[2] https://t.me/Syrdoc/8010
[3] https://t.me/Syrdoc/7949
[4] https://x.com/Ukrainene/status/2010045167160737812?s=20
[5] https://x.com/karimfranceschi/status/2010340193325207783?s=20
[6] https://www.axios.com/2026/01/04/israel-syria-talks-security-agreement-barrack

