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Essentials

War on Terror: Perfekter Vorwand

25 Jahre Krieg gegen den Terror

Am 11. September 2001 starben 2.977 Menschen. In den Kriegsgebieten, die der Westen danach eröffnete, starben nach der vorsichtigsten seriösen Schätzung mindestens 4,5 Millionen. Dieser Text fragt, warum das Verhältnis so aussieht und was die Anschläge mit dem Krieg zu tun haben, der ihren Namen trägt.


Dieser Beitrag gehört zu unserer Essentials-Reihe. Er ist in wochenlanger Arbeit entstanden, zusammen mit Fachleuten und mit Menschen vor Ort. Er versucht, materialistische Geschichtserzählung und Ideologiekritik zu verbinden — mit einem entschiedenen Anti-Moralismus bei einem Thema, das so gern moralisch aufgeladen wird.

Uns ist die Länge bewusst, wie bei allen Essentials. Wir empfehlen natürlich, den Text als Ganzes zu lesen; links unter „Inhalt“ steht aber ein bewusst ausführliches Inhaltsverzeichnis, mit dem du dich durchklicken kannst, wie du willst. Viel Spaß!

Jean Baudrillard hat in seinem 2002 erschienenen Essay „Der Geist des Terrorismus“ über die Bilder aus Manhattan geschrieben:

„Und so findet man in diesem Katastrophenfilm aus Manhattan in höchstem Maße die beiden Phänomene der Massenfaszination des 20. Jahrhunderts vereint: die weiße Magie des Kinos und die schwarze Magie des Terrorismus. Das weiße Licht des Bildes und das schwarze Licht des Terrorismus.“[1]

Gemessen an seinen unmittelbaren Folgen war der 11. September gar nichts Besonderes. Zweitausendneunhundertsiebenundsiebzig Tote, schon eine Hausnummer, aber im Jahrzehnt, das ihm vorausging, nichts Ungewöhnliches. Das Besondere der Sache lag in der Form und in der Radikalität der Bilder, die der Angriff lieferte. Baudrillard schreibt unmittelbar weiter:

„Man versucht ihm nachträglich irgendeinen Sinn aufzuzwingen, irgendeine Deutung für ihn zu finden. Aber es gibt keine, und allein die Radikalität des Spektakels, die Brutalität des Spektakels ist ursprünglich und unauflösbar.“[2]

Die Gewalt, die zuvor woanders geschah, abseits des nationalen Wir, allenfalls für einen Moment in der Tagesschau oder bei Fox News auf der Netzhaut des westlichen Subjekts, war plötzlich bei „uns“. Die Menschen, die aus diesen fantastischen Zwillingstürmen sprangen, waren „wir“ und nicht „die“. Eine Zerstörung dieser Form, absurd und im Herzen des globalen Nordens, wäre zehn Jahre zuvor so nicht denkbar gewesen. Erst der Ortswechsel der Gewalt, aus der Peripherie ins symbolische Zentrum, macht verständlich, warum Baudrillard von Singularität sprechen kann. „Seule la violence symbolique est génératrice de singularité.“[3] Die Ordnung des Westens musste sich zum ersten Mal selbst als Ziel erkennen.

Aus dieser Umkehrung ließe sich schließen, wie es Moralisten gern tun, die Vereinigten Staaten hätten den Angriff „verdient“. Dieser Schluss folgt derselben moralisch-nationalen Logik, mit der das amerikanische Subjekt später vom sogenannten „Krieg gegen den Terror“ überzeugt wurde. Die Lohnarbeiter, die an jenem Morgen starben, waren nicht die amerikanische Nation als Gesamtkapitalist. Wer urteilt, der amerikanische Prolet habe den Tod verdient, weil er seinen Lohn in der falschen Nation bezieht, spricht damit dasselbe Urteil über den afghanischen Lohnarbeiter, der den Zwecken seiner Herrschaft ebenso dienstbar gemacht wird und in der amerikanischen Rechnung ebenso in der falschen Nation steht.

Auch die Faszination und ewige Debatte um diesen Angriff ist ein imperialer Knacks, und leitet sich daraus ab, dass so ein Grauen hier bei uns nicht vorstellbar war. Aus derselben nationalen Überheblichkeit finden dann die Theorien über die Urheberschaft ihren Halt. Für den nationalen Amerikaner kann es nicht sein, dass eine Gruppe vermeintlich fanatischer Höhlenmenschen aus dem fernen Orient die überlegene amerikanische Nation überhaupt anschaut, geschweige denn mit einem so komplexen Vorhaben an ihr kratzt. „Wir“ machen das Töten, „die anderen“ machen das Sterben. Und falls es doch so war wie behauptet, dann nur durch das unglaubliche Glück einer verrückten Verbrecherbande. Dass eine hochintelligente Kadergruppe aus nachvollziehbaren (das heißt ausdrücklich nicht vernünftigen) Motiven einen Angriff auf das Zentrum der westlichen Welt geplant und ausgeführt haben könnte, darf nicht sein.

Damit sind die mehrschichtigen Intrigen um den 11. September nicht aus der Welt geschafft; auf sie kommt das Kapitel „Wer war es?“ zu sprechen. Die Faszination an der Urheberschaft aber stammt aus jener Überheblichkeit, und verstellt den Blick auf die Frage, um die es hier geht. Um den 11. September selbst geht es deshalb nur am Rande, und um die Nullhypothese wie um die Maximalhypothese gar nicht. Es geht um den Krieg, der (fälschlicherweise) den Namen des Terrors trägt.

Das ging schnell

Am 12. September 2001 trat Bundeskanzler Gerhard Schröder vor den selten so gefüllten Bundestag:

„Ich habe ihm [Bush] auch die uneingeschränkte – ich betone: die uneingeschränkte – Solidarität Deutschlands zugesichert.“[4]

Sieben Tage später präzisierte derselbe Kanzler, worauf er sich da bezog: Gemeint sei auch militärischer Beistand, ein solcher könne nicht ausgeschlossen werden, und deswegen dürfe er ihn nicht ausschließen.[5] Zwischen Trauerbekundung und Bündnisverpflichtung lag eine Woche. In Washington galt zu diesem Zeitpunkt schon die Regel, unter der die kommenden Jahrzehnte verhandelt wurden. George W. Bush hatte sie neun Tage nach den Anschlägen dem Kongress vorgetragen: „Every nation, in every region, now has a decision to make. Either you are with us, or you are with the terrorists.“[6]

Diese Zweiteilung rückte in das unipolare Vakuum, das der Zerfall der Sowjetunion mit sich gebracht hatte. Der „Mit uns oder gegen uns“-Pathos hatte die gesamte US-Außenpolitik während des sogenannten „Kalten“ Krieges („kalt“ nur für manche) legitimiert. So machte Bush schon sehr früh klar, worum es in den kommenden Jahren gehen sollte: Die absolute Unterordnung der Welt unter die Interessen der Vereinigten Staaten; Widerspruch wurde fortan als Terrorismus erkannt.

Die offizielle Erzählung ist seither stabil geblieben: Angriff aus dem Nichts, notgedrungene Antwort. Die liberale Kritik daran hat sich genauso stabil eingerichtet, nur doppelt verkehrt. Sie erzählt eine Kette von Fehlern: falsche Geheimdienstlage, Hybris, mangelnde Landeskenntnis, ein aus dem Ruder gelaufenes gutes Vorhaben oder eben Verschwörung innerer oder äußerer Interessenten. Beide setzen den 11. September als Ursprung, und das danach als Reaktion — gelungen oder misslungen, moralisch oder verbrecherisch, jedenfalls als Folge.

Mahmood Mamdani, Politikwissenschaftler an der Columbia University, beschrieb die Stimmung schon 2004 als die einer von Amnesie befallenen Großmacht.[7] Was er dagegen setzte, ist der Ausgangspunkt dieses Textes.

„I argue that rather than illustrating a deep-seated clash of civilizations, 9/11 came out of recent history, that of the late Cold War.“[8]

Die These lautet: Der Krieg gegen den Terror war keine Folge des 11. September. Er war die Fortsetzung einer Strategie, die in Washington seit dem Zerfall der Sowjetunion ausgearbeitet worden war und deren Ziel die militärische Absicherung einer Weltordnung war, in der die Vereinigten Staaten (nicht aus Boshaftigkeit, sondern ganz rationalem Imperialismus) Energieströme, Handelswege und Weltwährung kontrollieren, gegen jeden denkbaren Rivalen (und Verhinderung, dass solche Aufkommen könnten). Die Anschläge lieferten den Anlass und die Legitimation, lieferten aber eben nicht die Ursache.

Dabei hat niemand die Anschläge herbeigeführt, um einen Krieg führen zu können. Behauptet wird etwas Nüchterneres: dass eine ausgearbeitete, rationale Strategie auf eine Gelegenheit traf und sie benutzte.

Nicht aus dem Nichts

Die Erzählung vom Angriff aus dem Nichts, aus der sich auch die Erzählung der verrückten Al-Qaidas abspeist, hat die Voraussetzung, dass es vorher nichts gab. Das nationale Subjekt betritt die Region an dem Morgen, an dem es angegriffen wird, und findet dort Menschen vor, die es hassen, ohne dass sich sagen ließe, wofür. So wird aus einem politischen Verhältnis eine Naturgewalt. In den Worten von Bush:

„They hate our freedoms — our freedom of religion, our freedom of speech, our freedom to vote and assemble and disagree with each other.“[9]

So darf das Subjekt auch stolz darauf sein, in einem so freien Land zu leben, das sich allein durch seinen (doppelt) freien Zustand Feinde schafft. Auch diese Erzählung vom Kampf der Unfreiheit gegen die Freiheit ist natürlich ein bis heute andauerndes Relikt des „Kalten“ Krieges. Dieser überaus schwammige Idealismus hat einen dreifachen Nutzen: Erstens verschleiert er Fragen zur Freiheit (Eigentum) selbst, da diese im Vergleich zur fabrizierten Unfreiheit der Anderen in jeder Hinsicht besser scheint. Andererseits lässt er diese Freiheit (die dann wieder ganz subjektiv verstanden werden kann) abseits ihrer (materiellen) Bedingungen als gottgegeben erscheinen und erklärt damit den eigenen Auftrag zur „Befreiung“ der Unfreien als Wohltat, wenn nicht gar selbst als gottgegeben. Drittens, und das trifft gerade auf die Vereinigten Staaten zu, ist sie sinnstiftend für das ideelle-Selbstverständnis der Nation – sich auf die Freiheit zu berufen ist dann ebenso Legitimation für ein jegliches Handeln, wie sich in einem Gottesstaat auf Gott zu stützen.

Wir wollen dennoch vorsichtig behaupten, dass die Vereinigten Staaten sich vielleicht auch abseits ihrer Freiheit Feinde gemacht haben könnten.

Saudi-Arabien, 1943 bis 1945

Seit 1943 gehört der Persische Golf (oder arabische Golf, je nach Namensgeber) zu den Gebieten, deren Verteidigung Washington förmlich zur eigenen Sache erklärt hat. In den sechsundfünfzig Jahren zwischen dieser Erklärung und dem Ende des Jahrhunderts hat kein Jahrzehnt ohne amerikanische Waffen, Stützpunkte, Putschplanung oder Kriegsführung in dieser Region stattgefunden.

Am 18. Februar 1943 unterschrieb Franklin Roosevelt eine Verfügung an den Verwalter des Leih-und-Pacht-Programms, mit der Saudi-Arabien in dieses Programm aufgenommen wurde:

„For purposes of implementing the authority conferred upon you as Lend-Lease Administrator by Executive Order No. 8926, dated October 28, 1941, and in order to enable you to arrange for Lend-Lease aid to the Government of Saudi Arabia, I hereby find that the defense of Saudi Arabia is vital to the defense of the United States.“[10]

Saudi-Arabien hatte keine Armee, die einen Beitrag hätte leisten können (die Vereinigung der Königreiche Hedschas und Nadschd als das heutige Königreich Saudi-Arabien lag erst neun Jahre zurück), und lag von jedem Kriegsschauplatz weit entfernt. Was es hatte, hatte die Konzessionsgesellschaft der Standard Oil of California (in Form der Aramco) bereits vier Jahre zuvor angebohrt. Zwei Jahre später, im August 1945, formulierte der Leiter der Nahostabteilung des State Department, Gordon Merriam, einen Entwurf für Präsident Truman, der die Sache ohne Umschreibung benennt:

„In Saudi Arabia, where the oil resources constitute a stupendous source of strategic power, and one of the greatest material prizes in world history, a concession covering this oil is nominally in American control.“[11]

Der Entwurf wurde nie abgeschickt; Acheson vermerkte, der Minister halte das gegenwärtig nicht für machbar.[12] Interessanter als der Satz über den Preis ist die Lagebeurteilung zwei Seiten weiter, die beschreibt den eigentlichen Vorgang der Nachkriegsjahre: „The British publicly and officially admit that they are no longer able to keep the Middle East in order without our help.“[13]

Am 14. Februar 1945 empfing Roosevelt auf der Rückfahrt von Jalta König Abd al-Aziz Ibn Saud an Bord der USS Quincy im Großen Bittersee. Über dieses Treffen kursiert die Legende eines Handels „Öl gegen Schutz“. Das amerikanische Gesprächsprotokoll, aufgenommen von Oberst William Eddy, kennt drei Themen: die jüdischen Flüchtlinge und Palästina, Syrien und Libanon, schließlich Landwirtschaft und Wasser.[14] Öl kommt darin nicht vor. Wer das Bündnis erklären will, braucht diese Legende auch garnicht, die Leih-und-Pacht-Verfügung von 1943 sagt dasselbe in der Sprache einer Verwaltungsentscheidung.

Iran, 1951 bis 1954

Im Frühjahr 1951 verstaatlichte das iranische Parlament die Anglo-Iranian Oil Company. Zwei Jahre später, am 19. August 1953, stürzte die Operation Ajax Ministerpräsident Mohammad Mossadegh. In einem internen Aufsatz der CIA-Historikerabteilung, freigegeben 2013, steht der Vorgang so:

„The point that the majority of these accounts miss is a key one: the military coup that overthrew Mosadeq and his National Front cabinet was carried out under CIA direction as an act of U.S. foreign policy, conceived and approved at the highest levels of government.“[15]

Das State Department bestätigte dieselbe Tatsache 2017 im Vorwort eines nachgereichten Aktenbandes, der ausdrücklich einräumt, die Erstausgabe habe „the covert action that led to the overthrow of Iranian Prime Minister Dr. Mohammad Mosadeq on August 19, 1953“ verschwiegen.[16]

Den Sturz Mossadeghs und wie dieser letztlich in der iranischen Revolution mündete, haben wir in unserem Beitrag „Die iranische Revolution: die bitterste Frucht des US-Imperialismus“ detailliert betrachtet.

Im April 1954 einigten sich die Beteiligten in London auf ein Konsortium, dessen Anteile ein amerikanischer Botschafterbericht auflistet: fünf amerikanische Gesellschaften mit je acht Prozent, zusammen vierzig, die britische AIOC ebenfalls vierzig, Royal Dutch/Shell vierzehn, die französische CFP sechs.[17] Vor der Verstaatlichung hatten amerikanische Konzerne im Iran überhaupt nichts besessen.

Der arabische Nationalismus, 1956 bis 1958

1956 trennte sich Washington von seinen Verbündeten: Nasser verstaatlichte am 26. Juli die Kanalgesellschaft mit der Obrigkeit über den Suez-Kanal. Ende Oktober griffen Israel, Großbritannien und Frankreich an – ohne die Vereinigten Staaten. Diese dachten schon an eine an eine nachhaltigere Kontrolle der Region. Eisenhauer sprach vor dem Kongress:

„There can be no peace—without law. And there can be no law—if we were to invoke one code of international conduct for those who oppose us—and another for our friends.“[18]

Wir schmunzeln. Die Vereinigten Staaten hielten die europäische Ölversorgung zurück und ließen London bei der Währungshilfe im Regen stehen, bis der Rückzug beschlossen war.[19] Was Washington als Rechtsposition verkaufen konnte, erledigte nebenbei die Reste zweier Kolonialreiche.

Im Libanon brannte seit Mai 1958 ein Verfassungsstreit um die zweite Amtszeit von Präsident Camille Chamoun, der als einziger arabischer Staatschef die amerikanische Vorherrschafts-Doktrin ausdrücklich begrüßt hatte.[20] Um eine Landung bat er zunächst nicht.[21]

In unserem Beitrag „Die Partei Gottes“ schauen wir uns die libanesische Geschichte und dessen Beeinflussung durch den französischen- und später US-imperialistischen Einfluss im Detail an.

Was daraus eine amerikanische Landung machte, geschah zweihundert Kilometer östlich. Am Morgen des 14. Juli 1958 stürzten irakische Offiziere um Abd al-Karim Qasim die Monarchie in Bagdad; Nuri as-Said, jahrzehntelang der verlässlichste Mann des Westens und Namensgeber des Bagdad-Pakts, wurde tags darauf gehängt.[22] Chamouns Ersuchen ging daraufhin um 8.35 Uhr in Washington ein, vierundzwanzigeinhalb Stunden später standen die Marineinfanteristen am Strand von Beirut, verstärkt auf annähernd fünfzehntausend Mann.[23]

In der Sitzung, die dazwischen lag, ist von Libanon wenig die Rede. Allen Dulles berichtete, das Schicksal Kuwaits stehe „presently in the balance“; sein Bruder, der Außenminister, rechnete die Kosten vor — „a cutting off of the pipeline, stoppage of transit through the Suez, and hostile activity throughout the area. The British will have to move into Kuwait.“ — und verteilte die Arbeit: „it is preferable for us to go to Lebanon, and for the UK to go into Iraq and Kuwait.“[24] Der Präsident zog daraus den Schluss, der die Größenordnung angibt, in der gedacht wurde:

„The President said that the situation is clear to him—to lose this area by inaction would be far worse than the loss in China, because of the strategic position and resources of the Middle East.“[25]

Am Telefon mit Macmillan formulierte er dann die eigentliche Frage: „Are you of the belief that unless we have made up our minds in advance to carry this thing on through to the Persian Gulf, that we had better not go in the first place?“[26] Die Eisenhower-Doktrin wurde dabei nicht angerufen, aus dem Grund, den Außenminister Dulles dem Präsidenten schon im Mai auseinandergesetzt hatte:

„he did not see how we could invoke the provisions of the Middle East Doctrine relating to the use of United States forces specifically, since that would entail a finding that the United Arab Republic had attacked Lebanon and that the United Arab Republic was under the control of international communism.“[27]

Weder das eine noch das andere ließ sich behaupten, und Dulles sagte das der Kongressführung am selben Tag ohne Umschweife: „He added that we are not planning to act under the third category above.“[28] Die Beobachtergruppe des Sicherheitsrats fand zwei Wochen später niemanden, der zweifelsfrei zum Kämpfen über die Grenze gekommen war.[29] Am 25. Oktober war der letzte amerikanische Soldat wieder abgezogen; der Irak verließ den Bagdad-Pakt am 24. März 1959, das Bündnis zog nach Ankara um und hieß fortan CENTO.[30] Wogegen die Landung dann wirklich ging, sagte Eisenhower am Morgen des Einsatzes zu seinem Vizepräsidenten.

„Since 1945 we have been trying to maintain the opportunity to reach vitally needed petroleum supplies peaceably, without hindrance on the part of any one. The present incident comes about by the struggle of Nasser to get control of these supplies—to get the income and the power to destroy the Western world.“[31]

Schon damals war sich Washington der Folge seiner regionalen Vormachtpolitik bewusst – und wie diese objektiv nicht im Interesse der Menschen vor Ort, geschweige denn der subjektiven Wahrnehmung ihrer Interessen war:

„The trouble is that we have a campaign of hatred against us, not by the governments but by the people. The people are on Nasser’s side.“[32]

Ein halbes Jahr zuvor hatte der Nationale Sicherheitsrat in seiner Grundsatzstudie zum Nahen Osten festgehalten, wofür man in der Region gehalten wurde, und warum.

„In the eyes of the majority of Arabs the United States appears to be opposed to the realization of the goals of Arab nationalism. They believe that the United States is seeking to protect its interest in Near East oil by supporting the status quo and opposing political or economic progress…“[33]

Das Papier zählt die amerikanischen Ziele auf, dabei steht an erster Stelle eben nicht die Eindämmung Moskaus, sondern die Verfügung über die Gegenstände: „Availability to the United States and its allies of the resources, the strategic positions and the passage rights of the area, and the denial to the Soviet bloc of strategic positions and control over such resources.“[34]

Israel, 1967 bis 1970

Im Juni 1967 besetzte Israel binnen sechs Tagen die Sinai-Halbinsel, den Gaza-Streifen, das Westjordanland samt Ostjerusalem und die Golanhöhen; der UN-Sicherheitsrat verlangte im November den Rückzug aus besetzten Gebieten, ohne Reaktion.[35]

Was sich danach für das amerikanisch-israelische Verhältnis änderte, lässt sich an einer Haushaltsreihe ablesen: 1966 erhielt Israel amerikanische Hilfe von 126,8 Millionen Dollar, 1971 waren es 634,3 Millionen, allein die Militärkredite stiegen von 30 auf 545 Millionen. Nach dem Oktoberkrieg (o. „Jom-Kippur-Krieg“) sprang die Summe auf 2,62 Milliarden, und zum ersten Mal war Militärhilfe darunter, die nicht zurückgezahlt werden musste.[36]

Wir haben etliches zum Jerusalemkrieg geschrieben, schau dafür bei unseren Palästina-Texten vorbei.

Der beliebte Ausdruck vom „strategischen Aktivposten“-Israel stammt allerdings nicht aus den Akten dieser Jahre; er ist ein späteres Etikett. Nixon erklärte im Juli 1970 im Fernsehen:

„we will do what is necessary to maintain Israel’s strength vis-à-vis its neighbors, not because we want Israel to be in a position to wage war—that is not it—but because that is what will deter its neighbors from attacking it.“[37]

Ein Papier des NSC-Stabs vom 23. Februar 1970 sagt den zweiten Teil der Rechnung: „Israel’s ability to defend itself is also important in avoiding direct U.S. involvement in a Mid-Eastern war.“[38] Wer sich selbst verteidigt, bindet keine amerikanischen Divisionen. Nach demselben Grundsatz wurde wenig später der Golf geordnet. Der stationäre Flugzeugträger war gedockt.

Die zwei (einhalb) Säulen, 1970 bis 1974

Nach dem Rückzug Großbritanniens aus dem Golf 1971 brauchte Washington eine stabile Ordnungsmacht, die es nicht selbst stellen musste. Die Entscheidung steht in einer Direktive des Nationalen Sicherheitsrats vom 7. November 1970.

„Approved a general strategy for the near term of promoting cooperation between Iran and Saudi Arabia as the desirable basis for maintaining stability in the Persian Gulf while recognizing the preponderance of Iranian power and developing a direct U. S. relationship with the separate political entities of the area.“[39]

Im Mai 1972 besuchten Nixon und Kissinger Teheran. Was dort verabredet wurde, hat ein Untersuchungsbericht des amerikanischen Senats vier Jahre später (scheinbar ohne diplomatische Rücksicht) zusammengefasst.

„In May, 1972, President Nixon and then National Security Advisor Kissinger, agreed for the first time to sell Iran virtually any conventional weapons it wanted and so instructed the bureaucracy in a memorandum in late July, 1972.“[40]

Die Rüstungsverkäufe an den monarchistischen Iran stiegen von 524 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1972 auf 3,91 Milliarden im Haushaltsjahr 1974; für die Jahre 1972 bis 1976 summieren sie sich auf 10,4 Milliarden Dollar.[41]

Der zweite Pfeiler wurde parallel eingezogen. Am 8. Juni 1974 unterzeichneten Kissinger und Kronprinz Fahd die Gründungserklärung einer amerikanisch-saudischen Wirtschaftskommission, deren amerikanische Seite vom Finanzminister geführt wurde.[42]

Bis 1974 hatten die Vereinigten Staaten nun also drei Staaten (Saudi-Arabien, Iran, Israel), die für ihre eigenen nationalen Interessen von amerikanischen Waffen und Krediten abhängig waren und dementsprechend außenpolitisch de facto dirigiert werden konnten. Libanon und Irak gehören nicht in diese Reihe, und genau deshalb hierher. Der Irak ist der Staat, der entkommen ist: 1958 durch den Sturz der Monarchie, im März 1959 förmlich aus dem Bagdad-Pakt, ab 1963 nach amerikanischer Einschätzung „completely dependent on the Soviets for military equipment“[43], 1967 Abbruch der Beziehungen, 1972 Freundschaftsvertrag mit Moskau und Verstaatlichung der Iraq Petroleum Company.[44] Der Libanon war nie ein militärischer Klient, sondern die Infrastruktur: Pipelines in Sidon und Tripoli, Banken in Beirut: Zwischen 1958 und 1974 bewilligte Washington an Militärhilfe für Israel 3,9 Milliarden Dollar und für den Iran 1,18 Milliarden; der Libanon bekam 20 Millionen, der Irak 11, und nach 1967 nichts mehr.[45] Wer dirigiert werden soll, wird ausgerüstet. Der Rest wird verwaltet oder verloren.

1979

1979 brachen die inneren Widersprüche dieser äußeren US-Federführung ineinander. Am 16. Januar verließ der Schah, von monatelangen Massenprotesten getrieben, das Land; am 4. November besetzten Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran und nahmen mehr als fünfzig Amerikaner als Geiseln[46], um einen Mossadegh‘schen Putsch gegen Chomeinis Revolution zu verhindern. Am 20. November besetzten bewaffnete Männer die Große Moschee in Mekka und hielten sie zwei Wochen als Protest gegen die West-Richtung Saudi-Arabiens (ein wohlmöglich folgenreicheres Ereignis als der 11. September). Und Ende Dezember marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein.[47] Der eine Pfeiler war weg, der andere wackelte, und die Rote Armee stand dreihundert Meilen vom Indischen Ozean entfernt.

Sechsunddreißig Jahre nach Roosevelts Verfügung, sechsundzwanzig nach Teheran und neun nach der Entscheidung für die Stellvertreter hatte die Weltmacht in dieser Region keinen verlässlichen, stabilen Statthalter mehr. Die Ordnung, die sie seit 1945 zu halten versuchte, musste sie von nun an selbst halten.

Wie man sich seine Feinde züchtet

Am 23. Januar 1980 zog Jimmy Carter in seiner Rede zur Lage der Nation die Konsequenz aus dem Umbruchsjahr 1979 und wie die Vereinigten Staaten nun vorgehen würden:

„The region which is now threatened by Soviet troops in Afghanistan is of great strategic importance: It contains more than two-thirds of the world’s exportable oil […] An attempt by any outside force to gain control of the Persian Gulf region will be regarded as an assault on the vital interests of the United States of America, and such an assault will be repelled by any means necessary, including military force.“[48]

Andrew Bacevich, Oberst außer Dienst und Historiker, datiert von hier aus: „This statement, subsequently enshrined as the Carter Doctrine, inaugurated America’s War for the Greater Middle East.“[49]

Sechs Tage nach der Rede legte Verteidigungsminister Harold Brown dem Kongress seinen Jahresbericht vor: „A large-scale disruption in the supply of foreign oil could have as damaging consequences for the United States as the loss of an important military campaign, or indeed a war.“[50] Browns Warnung war genug, um eine eigene Behörde zu gebären: Die Rapid Deployment Joint Task Force nahm im März 1980 auf der Luftwaffenbasis MacDill ihre Arbeit auf; am 1. Januar 1983 wurde daraus das United States Central Command.[51] Von diesem Tag an gab es einen ständigen amerikanischen Militärstab, dessen Zuständigkeitsgebiet der Nahe Osten war.

Afghanistan, 1979 bis 1989

Schon am 3. Juli 1979, fast ein halbes Jahr vor dem sowjetischen Einmarsch, unterzeichnete Carter ein präsidiales Finding, das verdeckte Hilfe für die afghanischen Aufständischen autorisierte.[52] Zbigniew Brzezinski, Carters Sicherheitsberater pointierte daraus 1998 im Gespräch mit Le Nouvel Observateur (erfrischend ehrlich!):

„Diese Geheimoperation war eine hervorragende Idee. Sie hatte zur Folge, dass die Russen in die afghanische Falle gelockt wurden – und Sie wollen, dass ich das bereue?“[53]

Die Notiz, auf die Brzezinski sich beruft, ist nicht aktenkundig. Die Falle bleibt eine Behauptung des Beteiligten. Was aktenkundig ist, genügt ohne sie: wie diese spätere Hilfe aussah, ist gut dokumentiert. Die CIA kaufte, die pakistanische Inter-Services Intelligence (ISI) verteilte. Steve Coll fasst die Arbeitsteilung in einer Formel aus dem Haus zusammen: In Afghanistan halte sich die Agency an ihre Zuständigkeit, nämlich „mules, money, and mortars.“[54] In den Worten Colls: „For many in the CIA the Afghan jihad was about killing Soviets, first and last.“[55]

Howard Hart, Stationschef in Islamabad, schlug den Pakistanern ein Kopfgeld auf sowjetische Soldaten vor: zehntausend Rupien für einen Angehörigen der Spezialkräfte, fünftausend für einen Wehrpflichtigen, das Doppelte, wenn sie lebend gebracht wurden.[56] Bezahlt wurde die Sache zur Hälfte von Riad. Die Saudis sagten zu, die Zuwendungen der CIA Dollar für Dollar zu spiegeln; der Kongress bewilligte allein für das Haushaltsjahr 1987 rund 630 Millionen Dollar, die saudischen Mittel nicht eingerechnet.[57]

Der ISI verteilte nach eigenen Präferenzen, die den radikalsten Gruppen zugutekamen, allen voran der spätere bin-Laden-Vertraute Gulbuddin Hekmatyar. Pakistans Militärherrscher Zia-ul-Haq ließ mit den amerikanisch-saudischen Geldern entlang der afghanischen Grenze Hunderte Koranschulen bauen, die junge Afghanen und Pakistaner auf den antikommunistischen Dschihad vorbereiteten.[58] Mamdani hat die Schulbücher ausgewertet, die die University of Nebraska mit einem USAID-Zuschuss von 50 Millionen Dollar produzierte. Eine Rechenaufgabe für Drittklässler lautete so: „One group of maujahidin attack 50 Russian soldiers. In that attack 20 Russians are killed. How many Russians fled?“[59] (Reichlich unkreativ noch dazu…)

Aus dieser Konstellation kam auch das Personal. Freiwillige aus Saudi-Arabien, Jordanien und Algerien sammelten sich an der Grenze; die Selbstmordtaktik gegen die Sowjets ging nach Colls Befund von ihnen aus und nicht von den afghanischen Kämpfern, die sie als religionswidrig ablehnten.[60]

„The source of privatized and globalized terrorism in today’s world, the international jihadis are the true ideological children of Reagan’s crusade against the ‚evil empire.’“[61]

Für diesen Rücklauf hatte die CIA einen eigenen Begriff. Chalmers Johnson, Japanologe und ehemaliger Berater des Dienstes, titelt mit ihm sein 2000 erschienenes Buch: „Blowback“ sei

„a term the CIA invented to describe the likelihood that our covert operations in other people’s countries would result in retaliations against Americans, civilian and military, at home and abroad“[62]

Sein Buch erschien achtzehn Monate vor dem 11. September, mit der Prognose, die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts werde vor allem von Blowback des 20. angetrieben werden.[63]

Irak, 1982 bis 1990

Im Februar 1982 strich das State Department Saddams Irak von der Liste der Terrorunterstützer um Saddams Großmachtstreben für die eigenen Pläne gegen den Iran verwerten zu können.[64] Es folgten Bürgschaften der Commodity Credit Corporation in Milliardenhöhe, die dem Irak Devisen für anderes freihielten: rund 400 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1983, rund 1,1 Milliarden in den Jahren 1988 und 1989, 500 Millionen im Jahr 1990.[65] Am 20. Dezember 1983 saß Donald Rumsfeld als Sondergesandter Ronald Reagans bei Saddam Hussein in Bagdad. Dazu im Protokoll der US-Botschaft: „PEOPLE SHOULD KNOW THAT TERRORISM HAS A HOME — IN IRAN, SYRIA AND LIBYA.“[66]

Washington wusste zu diesem Zeitpunkt seit Jahren, dass der Irak Giftgas einsetzte. Ein Vermerk des State Department vom 1. November 1983 nennt den „almost daily“ Einsatz chemischer Waffen durch irakische Verbände (übrigens hergestellt in Anlagen von deutschen Unternehmen[67]); ein weiterer vom 21. November hält Einsätze gegen iranische Truppen und gegen kurdische Aufständische fest.[68] 1988 sollte der Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabdscha rund 5000 Menschen töten. Der frühere NSC-Mitarbeiter Howard Teicher erklärte 1995 vor Gericht unter Strafandrohung des Meineids, CIA-Direktor William Casey habe persönlich dafür gesorgt, dass der Irak über Drittstaaten, vor allem Ägypten, ausreichend Waffen erhielt.[69]

Die Truppen bleiben, 1990 bis 2003

Zwei Jahre nach dem Ende des Krieges gegen den Iran überfiel derselbe Saddam Hussein Kuwait, aus dem Partner gegen Teheran wurde über Nacht Feind gegen die freie Welt. Für die Region folgte daraus etwas, das länger blieb als der Krieg selbst. Am 7. August 1990 begann die Verlegung amerikanischer Soldaten nach Saudi-Arabien; am 8. August erklärte George Bush dem Fernsehpublikum, was sie sollte: „The mission of our troops is wholly defensive. Hopefully, they will not be needed long.“[70]

Sie blieben dreizehn Jahre. Nach dem Krieg standen dauerhaft knapp sechstausend amerikanische Soldaten im Königreich, durch die Rotation gingen jährlich über fünfundzwanzigtausend hindurch.[71] Sie flogen die Flugverbotszone über dem Südirak, eingerichtet am 26. August 1992, für die sich Washington auf eine Resolution des Sicherheitsrats berief, die Gewalt nicht autorisiert und die Zonen nicht erwähnt.[72] Im Dezember 1998 bombardierten amerikanische und britische Flugzeuge in siebzig Stunden siebenundneunzig Ziele im Irak.[73] Die Waffeninspekteure, deren angebliche Vertreibung später zur Begründung des nächsten Krieges gehörte, waren kurz zuvor auf Anweisung ihres eigenen Vorsitzenden abgezogen worden, auf amerikanische Empfehlung.[74]

Über dem allem lag das Embargo. Im Mai 1996 hielt Lesley Stahl der amerikanischen UN-Botschafterin Madeleine Albright vor, eine halbe Million irakischer Kinder seien gestorben, und fragte, ob der Preis das wert sei. Albright antwortete, die Entscheidung sei sehr schwer, aber „we think the price is worth it“.[75]

Im August 1996 veröffentlichte Osama bin Laden aus dem Hindukusch eine Kriegserklärung, deren Titel schon das Thema nennt: gegen die Amerikaner, die das Land der zwei heiligen Stätten besetzen. Die Rangordnung der Beschwerden ist eindeutig: „Clearly after Belief (Imaan) there is no more important duty than pushing the American enemy out of the holy land.“[76] Anderthalb Jahre später, am 23. Februar 1998, unterzeichnete er mit vier weiteren Männern die Erklärung der Islamischen Weltfront (o. „Islamische Weltfront für den Dschihad gegen Juden und Kreuzzügler“, bzw. „Internationale Islamische Front“). Diese Erklärung führt drei Tatsachen auf, die auf den objektiven Bedingungen der bis dato bald 50 jährigen US-Präsenz in der Region beruhen. Dabei sind einzig die Folgen, welche die Gruppe aus ihnen zieht, idealistischer-Unfug:

„First, for over seven years the United States has been occupying the lands of Islam in the holiest of places, the Arabian Peninsula, plundering its riches, dictating to its rulers, humiliating its people, terrorizing its neighbors, and turning its bases in the Peninsula into a spearhead through which to fight the neighboring Muslim peoples.“[77]

Der zweite nennt die irakischen Toten, mit einer (für diesen Zeitraum nicht belegbaren) Zahl von über einer Million. Der dritte nennt Jerusalem.[78] Daraus wird dann ein Urteilsspruch, der jeden Amerikaner, Zivilist wie Soldat, zum Ziel erklärt. Bin Ladens Motive waren dabei politisch, nicht theologisch. In seiner Botschaft vom 29. Oktober 2004 datiert er den Ausgangspunkt für den Dschihad gegen die Vereinigten Staaten auf die illegale israelische Invasion des Libanon von 1982 und die Rolle der amerikanischen Sechsten Flotte dabei.[79]

„The events that affected my soul in a direct way started in 1982 when America permitted the Israelis to invade Lebanon… And as I looked at those demolished towers in Lebanon, it entered my mind that we should punish the oppressor in kind and that we should destroy towers in America…“[80]

Auf Bushs Erklärung, man werde wegen der eigenen Freiheit gehasst, hatte er in derselben Botschaft eine Antwort: „No, we fight because we are free men who don’t sleep under oppression. We want to restore freedom to our nation, just as you lay waste to our nation [er meinte hier wohl die „Nation“ im Sinne der islamischen Umma].“[81] Die Freiheit, die hier gegeneinander steht, ist in beiden Fällen die eigene. Der zweite Grund, die Stationierung amerikanischer Truppen in Saudi-Arabien, stammt aus seinen Erklärungen von 1996 und 1998. Zugestimmt hat ihm ausgerechnet Bushs stellvertretender Kriegsminister Paul Wolfowitz. Im Mai 2003 sagte er über eben diese Truppen:

„Their presence there over the last 12 years has been a source of enormous difficulty for a friendly government. It’s been a huge recruiting device for al Qaeda.“[82]

Die Pläne in der Schublade

Die neunziger Jahre

Zurück in das Jahr, in dem der Weltmacht der Gegner abhandenkam. Was danach kommt, firmiert in der Erinnerung als Pause: ein Jahrzehnt ohne Systemgegner, ohne großen Krieg, mit einer Weltwirtschaft, die sich selbst zu regeln schien. Eine Pause war es nicht. Charles Krauthammer beschrieb die Lage schon 1990 ohne Umschweife:

„The immediate post-Cold War world is not multipolar. It is unipolar. The center of world power is the unchallenged superpower, the United States, attended by its Western allies.“[83]

Was in diesen Jahren tatsächlich geschah, war die Umstellung der Weltwirtschaft auf eine Arbeitsteilung, die über Ozeane läuft. Die Welthandelsorganisation nahm am 1. Januar 1995 ihre Arbeit auf, China trat ihr am 11. Dezember 2001 bei; das Handelsvolumen wuchs in den neunziger Jahren im Schnitt um 6,5 Prozent im Jahr.[84] Der Weltölverbrauch stieg von 66,6 Millionen Fass am Tag im Jahr 1990 auf 77,0 Millionen im Jahr 2000, und die Vereinigten Staaten deckten in dieser Zeit einen wachsenden Teil ihres eigenen Verbrauchs durch Einfuhren: 42 Prozent 1990, 53 Prozent im Jahr 2000.[85] Je enger die Produktion verflochten wurde, desto mehr hing ihr Funktionieren an Bedingungen, die jemand garantieren musste; an Seewegen, an Energieströmen und eben an einer Währung, in der beides abgerechnet werden kann.

Wer das garantieren sollte, stand in den amerikanischen Strategiepapieren dieser Jahre. Die Nationale Sicherheitsstrategie der Regierung Clinton hält fest:

„A central goal of our national security strategy is to promote America’s prosperity through efforts both at home and abroad. Our economic and security interests are increasingly inseparable.“[86]

Und dasselbe Papier benennt den Gegenstand: „Conservation measures notwithstanding, the United States has a vital interest in unrestricted access to this critical resource.“[87] Noch deutlicher wird das Verteidigungsministerium in seiner Ostasien-Strategie von 1995. Die amerikanische Militärpräsenz in der Region, heißt es dort,

„guarantees the security of sea lanes vital to the flow of Middle East oil, serves to deter armed conflict in the region, and promotes regional cooperation. It also denies political or economic control of the Asia-Pacific region by a rival, hostile power or coalition of powers, preventing any such group from having command over the vast resources, enormous wealth, and advanced technology of the Asia-Pacific region.“[88]

Der Zusammenhang war also weder verborgen noch umstritten; er wurde nur selten so unhöflich ausgesprochen wie von Thomas Friedman, der 1999 im Magazin der New York Times den Werbetext der Globalisierung um seinen Kleingedruckten ergänzte:

„The hidden hand of the market will never work without a hidden fist. McDonald’s cannot flourish without McDonnell Douglas, the designer of the F-15. And the hidden fist that keeps the world safe for Silicon Valley’s technologies to flourish is called the US Army, Air Force, Navy and Marine Corps.“[89]

Das Verhältnis von Faust und Hand lässt sich beziffern. Die Vereinigten Staaten gaben in den neunziger Jahren durchgehend zwischen 45 und 51 Prozent der weltweiten Militärausgaben aus, im Jahr 2000 das Zweieinhalbfache der nächsten fünf Staaten zusammen.[90] Das ist der Apparat, für den nach 1991 die Begründung fehlte: es setzte die Planung ein.

Das Papier von 1992

Im Februar 1992, drei Monate nach dem Zerfall der Sowjetunion, zirkulierte im Pentagon ein Entwurf für die Defense Planning Guidance der Haushaltsjahre 1994 bis 1999, erarbeitet unter Paul Wolfowitz und Zalmay Khalilzad. Der Schlüsselsatz steht gleich am Anfang:

„Our first objective is to prevent the reemergence of a new rival, either on the territory of the former Soviet Union or elsewhere, that poses a threat on the order of that posed formerly by the Soviet Union. This is a dominant consideration underlying the new regional defense strategy and requires that we endeavor to prevent any hostile power from dominating a region whose resources would, under consolidated control, be sufficient to generate global power.“[91]

Genannt werden Westeuropa, Ostasien, das Gebiet der früheren Sowjetunion und Südwestasien. Unter den zu sichernden Interessen steht an erster Stelle: „access to vital raw materials, primarily Persian Gulf oil“.[92]

Der Entwurf gelangte an die New York Times, da man war natürlich empört, wie man es bei Dokumenten ist, die aufschreiben, was alle wissen. Was danach mit dem Text geschah, hat Greg Muttitt in seiner Geschichte der irakischen Ölpolitik rekonstruiert. Die im Mai 1992 von Cheney gebilligte Endfassung habe die ausdrücklicheren Verweise auf Eigeninteresse gedämpft, darunter das Interesse am Golföl.[93] Gestrichen wurde natürlich nur die Formulierung, nicht das Ziel. Fünf Jahre später legte Brzezinski die zivile Fassung derselben Überlegung vor. Eurasien ist für ihn „the chessboard on which the struggle for global primacy continues to be played“.[94]

Brzezinski notiert ein technisches Hindernis. „Democracy is inimical to imperial mobilization“, heißt es im zweiten Kapitel; und im Schlusskapitel, Amerika werde sich als zunehmend multikulturelle Gesellschaft außenpolitisch nur schwer auf einen Konsens bringen lassen, „except in the circumstances of a truly massive and widely perceived direct external threat.“[95]

Warum eine Demokratie sich für imperiale Anstrengungen schwer mobilisieren lasse, erklärt er nicht. Es ist wohl gerade die Demokratie, in der sich imperiale Bestrebungen nachhaltig verwalten lassen können. Einen vernünftigen Grund muss man dem (wie auch immer verwaltetem) Subjekt nun mal vorlegen, um seine Zustimmung zu einem Krieg zu geben, der objektiv nicht in seinem Interesse ist. Aber dieser Grund fehlte eben bislang.

Auf dieselbe Legitimationslücke kam im September 2000 das Project for the New American Century, ein Zirkel mit mehreren späteren Amtsträgern der Regierung Bush. In Rebuilding America’s Defenses steht:

„Further, the process of transformation, even if it brings revolutionary change, is likely to be a long one, absent some catastrophic and catalyzing event – like a new Pearl Harbor.“[96]

Auch die Interessenlage der Ölkonzerne war seit Jahren ausgesprochen. 1999 sagte Dick Cheney als Vorstandschef von Halliburton vor dem Institute of Petroleum in London, wo die Reserven liegen, die den Konzernen fehlten: „the Middle East — with two thirds of the world’s oil and the lowest cost — is still where the prize ultimately lies“.[97]

Die großen westlichen Gesellschaften müssen jedes Jahr so viel Öl neu nachweisen, wie sie fördern, sonst schrumpft ihr Vermögen. Zugänglich war ihnen davon immer weniger: Nach einer Erhebung der Beratungsfirma PFC Energy lagen 77 Prozent der weltweit nachgewiesenen Reserven in der Hand von Regierungen, die internationalen Konzernen den Zugang erheblich beschränkten.[98] Wie groß der Druck war, zeigte sich, als Shell ihre Bücher offenlegen musste: Die amerikanische Börsenaufsicht stellte 2004 fest, der Konzern habe seine nachgewiesenen Reserven im Geschäftsbericht 2002 um 4,47 Milliarden Barrel oder rund 23 Prozent zu hoch ausgewiesen, und zwar in jedem Jahr seit 1997.[99] Der Irak war zu diesem Zeitpunkt der einzige große Produzent, dessen Förderung sich vervielfachen ließ. Venezuela stand noch aus:

Während Chávez hier gerade seine erste Amtszeit antrat, versuchten die Vereinigten Staaten hier mit allen Mitteln, einen Staat des 21. Jahrhunderts wieder unter ihre Verfügungsmacht zu stellen. Der von den USA mitgetragene Putsch gegen Chávez im Frühjahr 2002 sollte jedoch von den venezolanischen Massen zurückgedrängt werden (danach wurde mit geldpolitischen Mitteln angegriffen).

Obwohl Venezuela an dieser Stelle zweitranging ist, ist die Geschichte der bolivarischen Bewegung und der amerikanischen Intervention in Caracas‘ Geschäfte für den allgemeinen Kontext des „Krieg gegen den Terror“ durchaus wichtig zu verstehen. Wir empfehlen also an dieser Stelle unseren Beitrag „Venezuela: verbrannter Drache“.

Das Weiße Haus, Januar 2001

Im Januar 2001 zog Cheney als Vizepräsident ins Weiße Haus ein. Finanzminister Paul O’Neill, Teilnehmer der Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrats (in diesem Gremium legen Präsident, Vizepräsident, Außen- und Verteidigungsminister und die Geheimdienstspitzen die Grundlinien fest), fasste die Tagesordnung in einen Satz:

„From the very beginning, there was a conviction that Saddam Hussein was a bad person and that he needed to go.“[100] Offen sei nur das Wie gewesen: „It was all about finding a way to do it.“[101]

In der zweiten Sitzung, am 1. Februar 2001, erträumte Rumsfeld, wohl mit glitzernden Augen vor Aufregung, das Ziel: „Imagine what the region would look like without Saddam and with a regime that’s aligned with U.S. interests.“[102]

Gemeint war derselbe Saddam, den Washington fünfzehn Jahre zuvor mit Krediten, Satellitenaufklärung und Waffen über Dritte gegen den Iran gestützt hatte. Jane Mayer berichtete, NSC-Mitarbeiter seien angewiesen worden, mit Cheneys Energie-Arbeitsgruppe zu kooperieren, in einer Verschmelzung der Politik gegenüber „Schurkenstaaten“ mit Maßnahmen zur Inbesitznahme neuer und bestehender Öl- und Gasfelder.[103] Unter den Papieren der Arbeitsgruppe lag im März 2001 eine Liste mit dem Titel „Foreign Suitors for Iraqi Oilfield Contracts“.

Der 11. September 2001

Es kam der Morgen, von dem Washington und das Pentagon nur hätten träumen können. Am 11. September 2001 flogen entführte Passagiermaschinen in die beiden Türme des World Trade Center und in das Pentagon, eine vierte stürzte in Pennsylvania ab. Man stelle sich mal die Aufregung der Kriegs-Bürokratie und Think-Tanks an diesem Morgen vor: nicht nur kam ein „new Pearl Harbor“; er kam zur bestmöglichen Zeit. Gefilmt von allen Winkeln, in Sekundenschnelle auf Milliarden Netzhäuten, verübt von gruselig aussehenden Arabern – ein Träumchen. Noch am selben Nachmittag notierte ein Mitarbeiter Rumsfelds im National Military Command Center mit, was der Minister anordnete:

„best info fast. Judge whether good enough hit S.H. at same time. Not only UBL“ — „Go massive. Sweep it all up. Things related and not.“[104]

Wesley Clark, früherer NATO-Oberbefehlshaber, überliefert eine weitergehende Version. Einige Wochen nach den Anschlägen, als in Afghanistan bereits bombardiert wurde, habe ihm ein General im Pentagon von einem Papier berichtet, das gerade aus dem Büro des Verteidigungsministers gekommen sei. Clark ließ es sich, als er hörte, dass es eingestuft war, ausdrücklich nicht zeigen; was er wiedergibt, ist die mündliche Schilderung des Generals.

„This is a memo that describes how we’re going to take out seven countries in five years, starting with Iraq, and then Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan and, finishing off, Iran.“[105]

Sechs der sieben Länder wurden in den folgenden zwanzig Jahren von amerikanischen Waffen getroffen. Das siebte, der Iran, folgte im Februar 2026. Die Reihenfolge Irak, dann Iran steht in einem Protokoll des amerikanischen Kongresses. Am 12. September 2002 sagte Benjamin Netanjahu (damals bereits ehemaliger Premierminister), in der Rolle als „one of the leading experts on the Middle East“[106], vor dem Government Reform Committee des Repräsentantenhauses aus. Über den Irak sagte er:

„There is no question whatsoever that Saddam is seeking and is working and is advancing toward the development of nuclear weapons, no question whatsoever.“[107]

Und über die erwartete Wirkung auf die Nachbarschaft:

„if you take out Saddam’s regime, I guarantee you that it will have enormous positive reverberations on the region. And I think that people sitting right next door in Iran, young people and many others will say the time of such regimes of such despots is gone.“[108]

Den offiziellen Kriegsgrund hat der zweitwichtigste Mann im Pentagon selbst als Verhandlungsergebnis beschrieben.

„The truth is that for reasons that have a lot to do with the U.S. government bureaucracy we settled on the one issue that everyone could agree on which was weapons of mass destruction as the core reason“[109]

Wer bombardiert wurde und wer nicht

Saudi-Arabien, nicht bombardiert

Fünfzehn der neunzehn Attentäter waren saudische Staatsbürger, bin Laden war Saudi, und das Geld der wahhabitischen Mission kam aus Riad. Bombardiert wurde Saudi-Arabien jedoch nicht. Das Königreich lieferte Öl zu Preisen, die Washington genehm waren, kaufte amerikanische Waffen und legte seine Dollarüberschüsse in amerikanischen Papieren an; im Dezember 2025 hielt es US-Staatsanleihen im Wert von 149,5 Milliarden Dollar.[110]

Afghanistan, 2001 bis 2021

In Afghanistan war die offizielle Begründung am plausibelsten. Al-Qaida hatte dort Lager, die Taliban gewährten bin Laden Schutz, und die Forderung nach seiner Auslieferung war völkerrechtlich unangreifbar. Der Krieg lief allerdings schon, als eine Auslieferung verhandelbar wurde. Am 14. Oktober 2001, eine Woche nach Beginn der Bombardierung, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Haji Abdul Kabir, man sei bereit, bin Laden an ein Drittland zu übergeben, falls Beweise vorgelegt und die Angriffe eingestellt würden.[111] Noch am selben Tag antwortete Bush:

„Turn him over. Turn him over; turn his cohorts over; turn any hostages they hold over; destroy all the terrorist camps. There’s no need to negotiate. There’s no discussions. … And there’s no need to discuss innocence or guilt. We know he’s guilty.“[112]

Gefragt, ob er das Angebot ablehne, erwiderte er in gekonnt Bush’scher Manier: „I don’t know what the offer is.“[113]

Binnen weniger Monate nach Kriegsbeginn richteten die USA Basen in Zentralasien ein, im usbekischen Karschi-Chanabad und im kirgisischen Manas, also in jenem Raum zwischen Russland, China und dem Kaspischen Meer, den Brzezinski vier Jahre zuvor als Achse des „Schachbretts“ beschrieben hatte. Usbekistan kündigte die Nutzungsvereinbarung im Juli 2005, die Amerikaner räumten bis Ende November; das Abkommen über Manas lief bis zum 11. Juli 2014, geräumt wurde die Basis bereits am 3. Juni 2014. Weltweit unterhalten die Vereinigten Staaten heute rund 750 Militärstandorte in achtzig Ländern: halb so viele Anlagen wie am Ende des Kalten Krieges, aber in doppelt so vielen Staaten.[114]

Binnen Monaten war der militärische Zweck erledigt. Der Krieg dauerte zwanzig Jahre. Anand Gopal hat die Jahre 2002 bis 2004 in Kandahar und Urusgan rekonstruiert und beschreibt die Lage nach dem Zusammenbruch: „The Taliban, meanwhile, had ceased to exist, its members having retired to their homes and surrendered their weapons.“[115]

Daraus ergab sich das Problem der folgenden zwei Jahrzehnte:

„The terrorists had all decamped or abandoned the cause, yet US special forces were on Afghan soil with a clear political mandate: defeat terrorism. How do you fight a war without an adversary?“[116]

Die Antwort lieferten lokale Machthaber, die Rivalen als Taliban denunzierten und dafür Bauaufträge, Treibstoffverträge und Landrechte erhielten. Ein Kommandeur wurde 2004 zwei Monate nach der öffentlichen Abgabe seiner Waffen gestürmt, weil Konkurrenten die Amerikaner mit den üblichen falschen Geheimdienstinformationen gefüttert hatten.[117] Natürlich wussten die amerikanischen Geheimdienste haargenau, wer Taliban und wer nicht war, aber aus dieser Praxis entstand der Aufstand, den die USA dann bekämpfen konnten. Die Frauenbefreiung wurde erst nachträglich zum Kriegsgrund. Was die internen Bilanzen kannten, war etwas anderes. Douglas Lute, unter Bush und Obama Afghanistan-Koordinator des Weißen Hauses, sagte 2015 den Interviewern des SIGAR: „We were devoid of a fundamental understanding of Afghanistan — we didn’t know what we were doing.“[118]

Nach dem Abzug 2021 fror Washington die afghanischen Währungsreserven von rund sieben Milliarden Dollar ein, während das Land in eine Hungerkrise fiel.

Irak, 2003 bis 2011

Der Irak hatte mit dem 11. September wirklich garnichts zu tun. Was er jedoch hatte, waren die zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, zu Förderkosten von 0,50 bis 1 Dollar je Fass. Deutlicher als üblich wird das Protokoll einer Besprechung im britischen Außenministerium vom 6. November 2002: „Iraq is the big oil prospect. … BP are desperate to get in there.“[119]

Es ging hier jedoch weniger um Eigentum als um Verfügung. Faleh al-Khayat, jahrzehntelang Planungsdirektor des irakischen Ölministeriums, erklärte Muttitt den Unterschied:

„America, Greg, does not care much if American companies win the contracts in Iraq. … But what matters to them is the pool of oil supplied.“[120]

Über Menge und Preis des Öls zu verfügen heißt, über die Bedingungen zu verfügen, unter denen andere wirtschaften. Adressat war so nicht Bagdad, sondern die Konkurrenz, die auf dieses Öl angewiesen ist.[121] Amerika perfektionierte seine Kontrolle über die Ölregion, um sich zum Garanten der globalen Energieversorgung zu machen und Freund wie Feind den Zugang zu dem unverzichtbaren Stoff gewähren oder verweigern zu können.

Zur Verfügungsmacht gehört die Währung, in der abgerechnet wird. Der Dollar ist Weltgeld, weil Öl in Dollar fakturiert wird und Überschussländer ihre Erlöse in amerikanischen Papieren halten; die amerikanische Notenbank beziffert den Dollaranteil an den offengelegten Währungsreserven für 2001 auf 72 Prozent und für 2024 auf 58 Prozent.[122] Bagdad hatte an dieser Stelle einen Präzedenzfall gesetzt. Am 30. Oktober 2000 billigte der UN-Sanktionsausschuss den irakischen Antrag, seine Ölerlöse in Euro statt in Dollar zu erhalten; die Akkreditive in Euro traten am 7. November 2000 in Kraft.[123] Die Summe war dabei klein, die Geste nicht.

Auf die Bomben folgte „die radikale wirtschaftliche Schocktherapie, die dem noch in Flammen stehenden Land vom amerikanischen Chefgesandten L. Paul Bremer aufgezwungen wurde“[124] Bremers erste wichtige Verfügung war „die Entlassung von rund 500 000 Staatsbediensteten, in der Mehrzahl Soldaten, aber auch Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und Ingenieure“[125]

Als die Förderverträge nach der totalen Zerstörung der irakischen Souveränität ab 2009 vergeben wurden, zeigte sich, dass die Rechnung nicht die war, die eine oberflächliche Betrachtung erwarten lassen würde. Rumaila ging an BP und die China National Petroleum Corporation, West Qurna-1 an ExxonMobil und Shell, West Qurna-2 an Lukoil und Statoil, Halfaya an CNPC, Petronas und Total.[126] Es waren Dienstleistungsverträge, keine Produktionsteilung: Bei Rumaila hält die irakische Seite ein Viertel der Betreibergesellschaft, die Konzerne erhalten zwei Dollar je gefördertem Barrel.[127] Der irakische Ölboom kam also nicht primär westlichen Konzernen zugute; CNPC wurde zum wichtigsten ausländischen Betreiber im Land. Wenn der Krieg China (den auch damals wohl größten Konkurrenten zur amerikanischen Hegemonie) treffen sollte, hat er sein Ziel verfehlt. Wenn er die globale Versorgung erweitern und ihre Bedingungen in amerikanische Hand legen sollte, hat er es erreicht, zugunsten aller Importeure, auch der Rivalen.

Der Islamische Staat, 2004 bis 2017

Aus den entlassenen Offizieren rekrutierte sich ein Teil der militärischen Führung des Islamischen Staates; die Lager der Besatzung lieferten die Netzwerke dazu. Rund 96.000 Iraker durchliefen seit 2003 offiziell die amerikanische Internierung (u.a. Muhammad al-Jolani, heute genannt al-Scharaa), weitere rund 100.000 wurden kurzzeitig festgesetzt; Camp Bucca hielt zeitweise 14.000 bis 18.000 Gefangene, die meisten ohne Anklage.[128] Die Erzählung von den Saddam-Generälen in der IS-Spitze ist allerdings in Teilen falsch. Abu Ali al-Anbari, jahrelang als Generalmajor der irakischen Armee geführt, war Physiklehrer und seit den 1980er Jahren Dschihadist.[129] Abu Bakr al-Baghdadi saß 2004 zehn Monate in amerikanischem Gewahrsam, davon acht in Abu Ghraib; nach Camp Bucca kam er erst am 13. Oktober 2004, weniger als zwei Monate vor seiner Freilassung.[130] Eine Besatzung, die eine Armee auflöst, Hunderttausende interniert und ein Land konfessionell verwaltet, produziert die Kader, die sie später bekämpft (siehe Blowback). Die US-Knäste im Irak sollten als „jihadi universities“[131] bekannt werden. Andrew Thompson, US-Veteran des Krieges gegen den Irak, schrieb in der New York Times über Camp Bucca:

„At Camp Bucca, the extremists forced moderate detainees to listen to clerics who advocated jihad. The majority of prisoners were illiterate, so they were particularly susceptible. Prisoners frequently refused medical attention and vocational training for fear of breaking religious rules. The prisons became virtual terrorist universities: The hardened radicals were the professors, the other detainees were the students, and the prison authorities played the role of absent custodian.“[132]

Das ist keine Besonderheit dieses Krieges. Man stelle sich die Lage des Einzelnen vor. Eine Übermacht, die ohnehin einen Ruf trägt, bombardiert die Stadt, in der man lebt — in Falludscha zählte Iraq Body Count im April 2004 zwischen 572 und 616 getötete Zivilisten, im November zwischen 581 und 670, beide Zahlen sind Untergrenzen, weil die Stadt für Journalisten gesperrt war. Womöglich sind Angehörige darunter. Aus Abu Ghraib kommen die Fotos der amerikanischen Folterknäste, aus Haditha vierundzwanzig Leichen. Auf der anderen Seite steht eine wachsende Bewegung gegen die Besatzung, die anbietet, das Genommene zu vergelten.

Was sie jedoch nicht anbot, war Geld. Die Behauptung, der Aufstand habe sich seine Kämpfer gekauft, hat den Vorteil, sich auf der Armutsnot der Beteiligten ausruhen zu können. Das ist aber falsch: Ein Mitglied von al-Qaida im Irak erhielt 2006 in Anbar sechzigtausend Dinar im Monat, rund einundvierzig Dollar, dazu dreißigtausend je Angehörigem. Pro Kopf blieben neunundzwanzig Dollar monatlich gegenüber dreiundsiebzig, die ein durchschnittlicher Haushalt der Provinz erwirtschaftete. Das jährliche Risiko, gewaltsam zu sterben, lag für Zivilisten bei 0,36 Prozent und für Mitglieder bei 17,3. Man trat also einer Organisation bei, die vierzig Prozent des ortsüblichen Einkommens zahlte und das Fünfzigfache an Sterblichkeit. Luke Condra und Jacob Shapiro haben die Vorfälle von 2004 bis 2009 geokodiert und kommen zum Ergebnis:

„Coalition killings of civilians predict higher levels of insurgent violence and insurgent killings predict less violence in subsequent periods.“[133]

Die religiöse Komponente findet Gehör in den Reihen derer, die dieses Volksopium für ihre Wunden am meisten benötigen. Es ist ja zumal kein Wunder, dass der Islamische Staat und Kohorten überall da aufsprangen, wo die Koalitionskräfte ihre Bomben und Verwesung hinterließen. Erhoben hat Washington das nie; dabei ist ein geteilter Staat auch für den Zweck, den die Vereinigten Staaten im Irak verfolgten, um einiges lukrativer. RAND hielt 2008 für das Verteidigungsministerium fest, wie die Lage aussah:

„Unfortunately, for a period of more than four years, funding for a comprehensive motivation and morale study of the insurgency was rejected by authorities and agencies in Washington, D.C., as well as by some senior officers forward.“[134]

Libyen, 2011

Libyen war zwischen 2003 und 2011 Partner des Westens. Gaddafi hatte sein Atomprogramm aufgegeben, kooperierte in der Terrorabwehr und schloss Ölverträge mit BP, Eni und Total. Dass er 2011 zum NATO-Ziel würde, protokollierte der Auswärtige Ausschuss des britischen Unterhauses 2016 wie folgt:

„This policy was not informed by accurate intelligence. In particular, the Government failed to identify that the threat to civilians was overstated and that the rebels included a significant Islamist element. By the summer of 2011, the limited intervention to protect civilians had drifted into an opportunist policy of regime change.“[135]

Es folgte politischer und wirtschaftlicher Zusammenbruch, Kämpfe zwischen Milizen und Stämmen, die Verbreitung der Waffen des Regimes über die Region und das Wachstum des Islamischen Staates in Nordafrika.[136] Die Waffen Gaddafis‘ Depots tauchten in Mali, im Niger und auf der Sinai-Halbinsel wieder auf; die Ölproduktion, Grundlage des Staatshaushalts, brach ein und wurde zum Gegenstand des Bürgerkriegs zwischen der Regierung Fayiz as-Sarradschs (unterstützt von den Vereinigten Staaten, Italien, der Türkei und Co.) und dem Verband Chalifa Haftars (unterstützt von Russland, Ägypten, den VAE und Co.). Sklavenmärkte kamen wenig später.[137] Was von Libyen blieb, übernahm eine Aufgabe, für die vorher Gaddafi bezahlt worden war: Die Europäische Union verlagerte ihre Grenze an die libysche Küste und finanziert seither Milizen, die Flüchtende abfangen und einsperren. Ein Staat, der auf Vertragstreue gesetzt hatte, wurde zerlegt; die Lehre daraus zogen andere. Die DVRK behielt seine Bomben.

Syrien und Rojava, 2013 bis 2026

In Syrien rüstete die CIA ab 2013 unter dem Namen Timber Sycamore Aufständische aus, saudisch kofinanziert. Ein Lagebericht der Defense Intelligence Agency vom 30. Juli 2012 hatte die Folge vorweggenommen.

„IF THE SITUATION UNRAVELS THERE IS THE POSSIBILITY OF ESTABLISHING A DECLARED OR UNDECLARED SALAFIST PRINCIPALITY IN EASTERN SYRIA (HASAKA AND DER ZOR), AND THIS IS EXACTLY WHAT THE SUPPORTING POWERS TO THE OPPOSITION WANT, IN ORDER TO ISOLATE THE SYRIAN REGIME, WHICH IS CONSIDERED THE STRATEGIC DEPTH OF THE SHIA EXPANSION (IRAQ AND IRAN).“[138]

Gegen dieses Fürstentum setzten die USA ab Oktober 2014 auf die kurdisch geführten Kräfte Nordostsyriens, bzw. Westkurdistans (Rojava). Rojava kooperierte, um zu überleben, und sollte dafür bezahlen. Vier Tage bevor die Türkei am 20. Januar 2018 Afrin angriff, erklärten Sprecher des Pentagons und der Anti-IS-Koalition, man sei dort nicht tätig und unterstütze diese Kräfte nicht.[139] Als Ankara im Oktober 2019 in Rojava einmarschierte, begründete Trump sein Stillhalten mit der Geschichte: „They didn’t help us in the second World War, they didn’t help us with Normandy for example.“[140] Wobei er natürlich Recht hat, dass die YPJ tatsächlich nicht an der alliierten Landung in der Normandie beteiligt waren – darüber hätten sie mal im Vorhinein drüber nachdenken sollen.

Mazloum Abdi, der Oberbefehlshaber der SDF, schrieb in denselben Tagen.

„We lost 11,000 soldiers, some of our best fighters and commanders, to rescue our people from this grave danger.“ — „But if we have to choose between compromises and the genocide of our people, we will surely choose life for our people.“[141]

Nach dem Sturz Assads im Dezember 2024 blieb ihm die zweite Wahl. Am 10. März 2025 unterschrieb er ein Abkommen mit Damaskus über die Eingliederung aller zivilen und militärischen Einrichtungen Rojavas in den Staat; Grenzübergänge, Flughafen sowie Öl- und Gasfelder eingeschlossen.[142] Am 25. August 2026 löste er die SDF als eigenständige Streitmacht auf.[143] Der amerikanische Sondergesandte Tom Barrack hatte die Lage im Januar 2026 zusammengefasst: Die Rolle der Kurden als wichtigste Anti-IS-Kraft sei weitgehend ausgelaufen.[144] Ein Bündnispartner, der seine Aufgabe erfüllt hat, hört auf, einer zu sein.

Wir haben über wenige Themen mehr geschrieben als über Rojava und Syrien. Um die Entwicklungen des syrischen Bürgerkrieges, der kurdischen Freiheitsbewegung und Rojava zu verstehen, schau auf unserer Syrien-Seite vorbei.

In Damaskus regiert seither der frühere Emir der Nusra-Front. Auf die Ergreifung Ahmed al-Scharaas (eigentlich bekannt unter seinem Nom de Djihad Muhammad al-Jolani) hatten die USA zehn Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt; am 7. November 2025 wurde er von der Terrorliste gestrichen, am 10. November empfing ihn das Weiße Haus. Nach einer Rekonstruktion von Reuters informierten die Aufständischen Ankara ein halbes Jahr vor der Offensive; Am 13. August 2025 unterzeichneten die Türkei und Syrien ein Abkommen über militärische Ausbildung, Beratung und Waffenbeschaffung.[145] Ende August veröffentlichte al-Jolani ein Video, wie er in einem noblen Restaurant in Damascus die erste Visa-Zahlung des Landes tätigt.[146] Mission Accomplished!

Somalia und Jemen, 2003 bis 2015

Somalia und Jemen zeigen dasselbe Verfahren im kleineren Maßstab. Jeremy Scahill hat nachgezeichnet, wie die CIA ab Anfang 2003 in Mogadischu ein Netz von Warlords finanzierte, um mutmaßliche Islamisten auszuschalten.

„It was the beginning of a multiyear relationship among a network of murderous warlords and the CIA that would set Somalia on a course toward even further chaos and bloodshed.“[147]

Aus der 2006 geschlagenen Union islamischer Gerichte ging al-Schabaab hervor. Im Jemen tötete ein amerikanischer Marschflugkörper im Dezember 2009 in al-Madschala 41 Menschen, darunter 21 Kinder; al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel wuchs danach, und ab 2015 deckte Washington den saudischen Krieg, der das Land in die größte Hungersnot dieses Jahrhunderts stürzte. Die Methode hatte Cheney angekündigt:

„We also have to work, though, sort of the dark side, if you will. … A lot of what needs to be done here will have to be done quietly, without any discussion.“[148]

Exkurs: Der deutsche Anteil, 2002 bis 2026

Im Dezember 2002 erklärte Verteidigungsminister Peter Struck den Zweck des deutschen Einsatzes in einem Satz: Die Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt. Was damit begann, endete zwanzig Jahre später mit einer Evakuierung vom Flughafen Kabul. Bilanz gezogen hat der Bundestag selbst. Die Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan“ legte im Januar 2025 ihren Abschlussbericht vor.

„Die Enquete-Kommission kam zu dem Ergebnis, dass Deutschland gemeinsam mit seinen internationalen Partnern in Afghanistan strategisch gescheitert ist.“[149]

Als Ursachen nennt sie eine fehlende umsetzbare Strategie, zu hoch gesteckte Ziele und den Mangel an selbstkritischer Bestandsaufnahme.[150] Der Zwischenbericht beziffert den Preis: 59 tote deutsche Soldaten, Gesamtkosten von 17,3 Milliarden Euro nach Angaben der Bundesregierung, davon 12,3 Milliarden im Verteidigungsetat.[151] In der Nacht zum 4. September 2009 ließ Oberst Georg Klein bei Kundus zwei entführte Tanklastzüge bombardieren, um die sich Hunderte Dorfbewohner versammelt hatten. Der ISAF-Untersuchungsbericht vom Oktober 2009 hielt fest, die Zahl der Toten und Verletzten variiere zwischen 17 und 142. Amnesty International zählte 83 vermutlich zivile Tote namentlich, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 74. Der Generalbundesanwalt stellte das Verfahren im April 2010 ein.

Aber zum Irakkrieg sagte die deutsche Nation Nein: 5. August 2002 eröffnete Schröder in Hannover den Wahlkampf mit der Formel, man leiste Solidarität mit den Partnern, stehe für Abenteuer aber nicht zur Verfügung.[152] Gewählt wurde am 22. September. Im August lehnten 73 Prozent der Befragten eine deutsche Beteiligung selbst mit UN-Mandat ab; im September sprachen sich 4 Prozent für eine Beteiligung ohne Mandat aus.[153] Eine Regierung, die in dieser Lage Ja gesagt hätte, wäre nicht wiedergewählt worden. Die Absage galt zudem nur der direkten Beteiligung. Über Ramstein lief und läuft die Satellitenrelaisstation, ohne die der amerikanische Drohnenkrieg im Jemen und in Somalia nicht funktioniert; deutsche Behörden duldeten das. Jemenitische Kläger, Angehörige der Opfer eines Angriffs von 2012, gewannen 2019 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster, verloren 2020 vor dem Bundesverwaltungsgericht und scheiterten am 15. Juli 2025 vor dem Bundesverfassungsgericht.

Die Frage, ob Deutschland gescheitert ist, hängt davon ab, woran man Scheitern misst. Am erklärten Ziel gemessen, ja. An dem, was blieb, sieht die Rechnung anders aus: Afghanistan ist als eigenständiger Faktor der Region auf Jahrzehnte ausgeschieden. Die Bundeswehr hat zwei Jahrzehnte Einsatzerfahrung gesammelt, die ihr in der Landes- und Bündnisverteidigung heute zugutekommt, und das Bündnis, dessen Juniorpartner die Bundesrepublik ist, hat den Zusammenhalt behalten, an dem ihre Exportwirtschaft hängt. Was in zwanzig Jahren Afghanistan an Selbstverständlichkeit entstand — dass deutsche Soldaten kämpfen und sterben —, wurde nach 2022 zur Grundlage von Beschlüssen anderer Größenordnung. Am 3. Juni 2022 änderte der Bundestag mit 567 Stimmen das Grundgesetz für ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro; am 18. März 2025 nahm er mit 512 gegen 206 Stimmen die Verteidigungsausgaben oberhalb eines Prozents des Bruttoinlandsprodukts von der Schuldenbremse aus.[154] Der Haager NATO-Gipfel beschloss im Sommer 2025 fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035.[155] Der deutsche Wehretat für 2026 liegt bei 108,2 Milliarden Euro, 21,7 Milliarden mehr als im Vorjahr, 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.[156] Der Satz vom Hindukusch hat sich eingelöst, nur anders, als sein Urheber es meinte.

Die Toten zählen

Die Grenze des Zählens

Wer gezählt wird und wer nicht, entscheidet sich nicht an der Statistik, sondern an der Grenze zwischen dem Wir und den Anderen. Die 2977 Toten des 11. September haben Namen, Gesichter und einen jährlichen Trauertermin, die Toten der Kriegsgebiete haben eine vage von-bis-Spanne. Die größte verfügbare Zahl stammt vom Costs of War Project der Brown University. Stephanie Savell, die den Bericht verantwortet, formuliert vorsichtig:

„The total death toll in the post-9/11 war zones of Afghanistan, Pakistan, Iraq, Syria, and Yemen could be at least 4.5-4.7 million and counting, though the precise mortality figure remains unknown.“[157]

Zwei sehr ungleiche Teile stecken in dieser Zahl. Die direkten Toten, Menschen, die durch Kriegsgewalt starben, beziffert das Projekt (konservativ) auf 905.000 bis 940.000. Die zugrunde gelegten Erhebungen zählen konservativ und nehmen in der Regel nur auf, was durch zwei oder mehr unabhängige Quellen bestätigt ist.[158] Im Kontext der „schmutzigen Kriege“, um die es geht, ein erdenklich schweres Maß. Die indirekten Toten dagegen sind hochgerechnet:

„Applying this ratio to Costs of War’s calculation of 905,000 – 940,000 directly killed in the post-9/11 wars yields between 3,620,000 – 3,760,000 indirect deaths (3.6 – 3.8 million).“[159]

Das Verhältnis stammt aus einer Erhebung des Genfer Sekretariats von 2008, die für Konflikte seit den frühen 1990er Jahren einen Faktor zwischen drei und fünfzehn fand und vier als konservativen Mittelwert vorschlug.[160] Savell räumt ein, dass es einen allgemeingültigen Faktor nicht gibt. So wissen wir auch, dass die Kriege der Willigen „gegen den Terror“ mit Sanktionen, Embargos und Schocktherapie einhergingen: Variablen, die für die Kriege der frühen 1990er Jahre weniger galten.

Die IPPNW und ihre Partnerorganisationen veranschlagten 2015 in Body Count rund eine Million Tote im Irak, 220.000 in Afghanistan und 80.000 in Pakistan.[161] Für den Irak liegen zwei Haushaltsbefragungen vor, die anders arbeiten als die Ereigniszählungen. Die Lancet-Studie von 2006 schätzte per Cluster-Stichprobe: „We estimate that as of July, 2006, there have been 654 965 (392 979–942 636) excess Iraqi deaths as a consequence of the war, which corresponds to 2·5% of the population in the study area.“[162]

Eine Zahl gegen die andere zu stellen hat eine Tücke. Am Ende rechnet der Leser, statt zu begreifen. Zu den Toten gehört deshalb auch, was die Toten nicht abbilden: Costs of War hält dazu nur fest, die Zahl der Verwundeten und Erkrankten sei weit höher als die der Toten.[163] Verbrannte, Erblindete, Verschüttete, Amputierte, durch Uranmunition Strahlenkranke und die Kinder, die in Falludscha mit Fehlbildungen zur Welt kamen, stehen in keiner Statistik. Die 4,5 Millionen sind die Untergrenze dessen, was fehlt.

Was dem Westen unmittelbar zuzurechnen ist

Enger und deshalb härter ist die Zuordnung zum Westen selbst. Airwars prüft Luftangriffe einzeln und bewertet sie nach Belegdichte; die Bilanz aus zwanzig Jahren US-Einsätzen lautet: „potentially as many as 48,308 civilians, have been likely killed by US strikes“.[164] Azmat Khan erstritt für die New York Times 1.311 interne Pentagon-Bewertungen von Luftangriffen in Irak und Syrien. Kein einziges der übergebenen Dokumente stellte ein Fehlverhalten oder eine Disziplinarmaßnahme fest.[165]

Zählen selbst ist eine politische Handlung. Auf die Frage von Journalisten nach den Opfern der Operation Anaconda (Afghanistan, 2002) antwortete General Tommy Franks in Bagram, man mache keine Leichenzählungen. Das beschreibt die Praxis des ganzen Krieges.[166] Auf der eigenen Seite wurde präzise gezählt. Aber selbst dort verschiebt sich das Bild, sobald man die Kategorie weiter fasst; Thomas Suitt schreibt in Costs of War:

„This paper estimates 30,177 active duty personnel and veterans of the post 9/11 wars have died by suicide, significantly more than the 7,057 service members killed in post-9/11 war operations.“[167]

Viermal so viele Amerikaner starben also an dem Krieg wie in ihm.

All das zusammengenommen: Wer die Toten der fünf großen Kriegsgebiete zusammenzählt, Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien und Jemen, kommt auf 905.000 bis 940.000 direkt Getötete und auf 4,5 bis 4,7 Millionen, sobald die Folgen der Zerstörung hinzukommen; die Zahl der Verwundeten hat außerhalb der amerikanischen Streitkräfte mit ihren 53.554 Meldungen nie jemand erhoben. Der Krieg gegen den Iran steckt in dieser Summe nicht. Er läuft seit Februar 2026; dass er in dieselbe Rechnung gehört, ist die Sache des letzten Kapitels.

Wer war es?

Die Täter und ihre Rechnung

Die Täterschaft des 11. September ist geklärt. Al-Qaida plante und führte die Anschläge aus, Khalid Scheich Mohammed entwarf sie, bin Laden autorisierte sie und bekannte sich im Oktober 2004 dazu. In derselben Botschaft legte er offen, was er sich davon versprach.

„So we are continuing this policy in bleeding America to the point of bankruptcy.“[168]

Er rechnete vor:

„al-Qaida spent $500,000 on the event, while America, in the incident and its aftermath, lost – according to the lowest estimate – more than $500 billion.“[169]

Die Gegenrechnung: Gewonnen hat nach dem 11. September, wer vorbereitet war. Vorbereitung ist jedoch keine Urheberschaft. Die Verschwörungsliteratur greift die amerikanische Kriegsbegründung gar nicht an: Sie bestreitet nur, dass es den Anlass gegeben habe. Damit räumt sie stillschweigend ein, dass eine Weltmacht das Recht hätte, nach einem solchen Angriff den Globus zum Gefechtsfeld zu erklären, und nimmt ihr dieses Recht bloß im konkreten Fall, weil sie lüge. Aus Antiimperialismus wird dann die Forderung nach besserer Legitimation.[170]

Saudi-Arabien

Was hätte Riad darüber hinaus von den Anschlägen gehabt? Das Königreich lebt davon, dass die amerikanische Flotte den Golf sichert, und es lebt schlecht damit, dass amerikanische Truppen auf seinem Boden stehen und die eigene fromme Opposition gegen das Haus Saud aufbringen. Ein Krieg, der Amerika gegen die regionalen Rivalen Riads führt und die eigene Bevölkerung von der Dynastie ablenkt, liegt in dieser Logik. Bin Laden selbst wollte das Gegenteil, nämlich den Sturz derselben Dynastie. Dass beides in dieselbe Richtung wirken konnte, ist kein Widerspruch, sondern Beschreibung einer Gelegenheitsstruktur.

Die Bilanz des Bündnisses fällt eindeutiger aus als die Rechtslage. Auf die Anschläge folgten Waffenkäufe in dreistelliger Milliardenhöhe, die amerikanische Rückendeckung für den Krieg im Jemen ab 2015 und schließlich der Status, den Washington nur engsten Partnern gewährt: Am 18. und 19. November 2025 wurde Saudi-Arabien zum Major Non-NATO Ally erklärt und ein strategisches Verteidigungsabkommen unterzeichnet, samt Zusage von F-35-Kampfflugzeugen. Ein reiner Gewinner ist Riad dennoch nicht. Der Sturz Saddams lieferte den Irak an den schiitischen Nachbarn aus.

Israel

Benjamin Netanjahu, damals ohne Amt, wurde am Abend des 11. September von der New York Times nach den Folgen für das Verhältnis zu den USA gefragt und antwortete, es sei sehr gut; dann korrigierte er sich, es sei nicht sehr gut, aber es werde unmittelbare Sympathie erzeugen.[171] Sieben Jahre später sagte er an der Bar-Ilan-Universität, man profitiere von einer Sache, dem Anschlag auf die Twin Towers und dem amerikanischen Kampf im Irak.[172] Der praktische Gewinn war die Umdeutung der Zweiten Intifada, die seit September 2000 lief, in eine Front desselben Krieges. Was zuvor als Kolonialkonflikt verhandelt worden war, wurde zum „Terrorproblem“. Vorgezeichnet hatte die Richtung schon A Clean Break, ein Papier, das eine Gruppe um Richard Perle 1996 für Netanjahus erste Amtszeit verfasste:

„This effort can focus on removing Saddam Hussein from power in Iraq — an important Israeli strategic objective in its own right — as a means of foiling Syria’s regional ambitions.“[173]

Ökonomisch ist die Bilanz messbar. Die israelische Sicherheits- und Rüstungsindustrie wuchs in den Jahren des Terrorkriegs zur Exportmacht, mit den besetzten Gebieten als Referenzgelände für Drohnen, Grenzanlagen und Überwachungstechnik. 2023 exportierte Israel Rüstungsgüter für rund 13 Milliarden Dollar, 2024 für 14,8 Milliarden, 2025 für 19,2 Milliarden, das fünfte Rekordjahr in Folge.[174]

Wer zieht wen?

Wer zieht wen? John Mearsheimer und Stephen Walt formulierten 2006 die Lobby-These.

„no lobby has managed to divert it as far from what the national interest would suggest, while simultaneously convincing Americans that US interests and those of the other country – in this case, Israel – are essentially identical.“[175]

Zum Irak schrieben sie, der Druck sei nicht der einzige Faktor gewesen, aber entscheidend, und fügten hinzu: „Some Americans believe that this was a war for oil, but there is hardly any direct evidence to support this claim.“[176] Chomsky widersprach dem wenige Tage später. Das Bündnis habe sich gefestigt, als Israel einen Dienst leistete, den Washington brauchte.

„Israel performed a huge service to the US-Saudis-Energy corporations by smashing secular Arab nationalism, which threatened to divert resources to domestic needs.“[177]

Wo die Lobby sich durchsetze, decke sie sich mit dem, was die Strategie ohnehin verlange. Israel ist Juniorpartner und regionaler Stützpunkt, kein Steuermann. Robert Kurz hat denselben Zusammenhang von der anderen Seite beschrieben: Israel könne nicht der Prozess gemacht werden, „weil es faktisch seine Gründung wie seine Weiterexistenz und militärische Absicherung dem westlichen Ölimperialismus verdankt“.[178]

Und Washington sagte Riad die F-35 zu, ohne eine Normalisierung mit Israel zur Bedingung zu machen, gegen den erklärten Widerstand der israelischen Regierung. Die Gegenprobe entscheidet die Methodenfrage. Profitiert haben auch Pakistan, über Nacht vom sanktionierten Atomstaat zum Hauptverbündeten befördert, und der Iran, dem die USA binnen zwei Jahren seine beiden gefährlichsten Nachbarn beseitigten. Wenn verfeindete Staaten auf derselben Gewinnerliste stehen, taugt die Liste nicht als Beweis. Es gibt keinen Täter hinter den Tätern, sondern eine Gelegenheitsstruktur unter amerikanischer Hegemonie, in der neunzehn Männer mit Teppichmessern eine Ordnung in Bewegung setzten, die längst wusste, wohin sie wollte.

Gehen wir doch einmal davon aus, dass Fahd ibn Abd al-Aziz, Ehud Barak und wer auch immer hinter diesem Anschlag stünden. Was macht das für einen Unterschied? Wie ausführlich dargelegt, war der imperialistische Feldzug der „Willigen“ unter der Führung der Vereinigten Staaten ein ganz rationaler und für die Zwecke der amerikanischen Hegemonie ohnehin unvermeidbar. Sich darauf festzusetzen, dass ein geheimdienstliches Kalkül hinter den Anschlägen stand, bedient zum einen die nationale Konsensbildung (wie in der Einleitung skizziert). Zum anderen ist dies aber auch ein grundsätzlich bürgerlicher Analysehorizont, der Krieg nicht als logischen Teil der kapitalistischen Konkurrenz betrachtet, sondern als vermeidbaren Akt der Böshaftigkeit zugunsten einiger Strippenzieher. Dass dies falsch ist, zeigt sich daran, dass ein Ereignis wie der 11. September (wie im Detail dargelegt) von der amerikanischen Kriegsbürokratie Jahre zuvor herbeigewünscht wurde, um den Krieg, den sie führen mussten, zu legitimieren. Somit ist es für den Krieg und den von ihm verfolgten Zweck (die Festigung der US-Hegemonie in der Region) vollkommen irrelevant, ob die Truppe Khalid Scheich Mohammeds von saudischen oder israelischen Mitteln gestützt wurde. Wenn man Riad, Tel Aviv oder Washington selbst als Schuldige erkennt, spricht man der amerikanischen Nation (mitsamt ihrer Willigen) die Selbstbestimmung über ihren Raubzug ab. Man kommt zu dem Schluss, dass die ansonsten gute amerikanische Nation von bösen Dritten auf einen Weg gelenkt wurde, den sie gar nicht gehen wollte, aber zwei Jahrzehnte lang mit großem Erfolg gegangen ist.

Rational für wen?

Aus bürgerlichem Blickwinkel gilt der Krieg als gescheitert. Die Taliban regieren Kabul, der Irak ist Irans wichtigster Partner, Libyen hat keinen Staat. An den erklärten Zielen gemessen stimmt das also. Gescheitert ist aber immer nur eine Absicht, und die Absicht, die hier verhandelt wird, ist selten die, die behauptet wurde. Die Frage lautet also: Für wen hat sich das gerechnet?

Die Rechnung der Rüstungsindustrie

Die Zahlen liegen vor. Der Rüstungsanalytiker William Hartung hat sie für Costs of War zusammengestellt.

„Since the start of the war in Afghanistan, Pentagon spending has totaled over $14 trillion, one-third to one-half of which went to defense contractors.“[179]

Allein auf Beschaffung und Entwicklung entfielen 4,4 Billionen Dollar.[180] KBR, bis 2007 Tochter von Halliburton, erhielt in einem Jahrzehnt mindestens 39,5 Milliarden Dollar an Bundesaufträgen mit Irak-Bezug.[181] Eine Quartalsbilanz von Halliburton kommentierte ein Marktanalyst mit einem Satz, den Naomi Klein festgehalten hat: „Im Irak lief es besser als erwartet.“[182]

Der amerikanische Verteidigungshaushalt für 2026 liegt bei 838,7 Milliarden Dollar an bewilligten Mitteln; die Ermächtigung im Verteidigungsgesetz beträgt 890,6 Milliarden, und die Anforderung des Pentagon überschritt erstmals, unter Einrechnung der Nuklearprogramme und der Mittel aus dem Reconciliation-Verfahren, die Billionengrenze.[183] John Bellamy Foster beschrieb 2005, was sich seit 2001 geändert habe: „What has changed is the nakedness with which this is being promoted, and the unlimited, planetary extent of U.S. ambitions.“[184]

Der Streit um die Erklärung

David Harvey hat für die fortdauernde Aneignung von Vermögenswerten außerhalb des normalen Warenverkehrs den Begriff der Akkumulation durch Enteignung geprägt; sie verschafft überakkumuliertem Kapital eine profitable Verwendung, indem sie Werte zu geringen oder gar keinen Kosten freisetzt.[185] Vor der kurzschlüssigen Anwendung warnt er selbst:

„It would be hard to make sense of the Vietnam War or the invasion of Iraq, for example, solely in terms of the immediate requirements of capital accumulation.“[186]

Harvey unterscheidet deshalb die territoriale von der kapitalistischen Logik der Macht, die einander widersprechen können. Alex Callinicos hält dagegen an einer Verschränkung fest: „the competitive struggle among what Marx in the Grundrisse called ‚many capitals‘ now assumes two forms, economic and geopolitical“.[187]

Robert Kurz warnt in derselben Richtung vor der monokausalen Erklärung:

„Es wäre allerdings verfehlt, die bisherigen Weltordnungskriege und weltpolizeilichen Interventionen seit dem Ende der bipolaren Konstellation direkt und eindimensional aus diesem energiepolitischen Interesse abzuleiten.“[188]

Warum das Öl trotzdem der harte Kern bleibt, hält er ebenfalls fest: „die fossilen Energieträger mit dem Erdöl an der Spitze bilden den Treibstoff der kapitalistischen Weltmaschine“.[189]

Zwischen diesen Positionen muss man sich nicht entscheiden, um das gemeinsame Muster von Irak, Libyen und Syrien zu sehen. Getroffen wurden Staaten mit verstaatlichter Rohstoffwirtschaft, ohne Atomwaffen und ohne Bündnisgarantie einer Großmacht. Der bestehende Staatsapparat wurde jeweils zerschlagen statt übernommen. Auf die Zerschlagung folgte kein neues Regime, sondern ein Zustand, in dem kein Akteur stark genug war, eine eigene Politik gegen Washington zu formulieren. Die Adresse dieser Botschaft war nie allein die Region: Mit einem Krieg mitten in der Weltwirtschaft zerstört die Vormacht Geschäftsbedingungen und mutet Partnern wie Konkurrenten zu, ihr ökonomisches Konkurrieren dem eigenen Sicherheitsbedürfnis unterzuordnen.[190] Die Kontrolle über den Ölhahn, die Patrouillen auf den Seewegen und die Währung, in der beides abgerechnet wird, bestimmen die Bedingungen, unter denen Europa und Ostasien produzieren.

Genau an diesen imperialen Hebeln setzt nun der andere „Blowback“ an, der sich in der Vertiefung und Erweiterung der BRICS formiert. Indem Washington die benannte Kontrolle über den Dollar und die Weltwirtschaft zunehmend als Waffe gegen jede unliebsame Souveränität einsetzte, zwang es die Schwellenländer und Rohstoffproduzenten förmlich dazu, sich gegen dieses Erpressungspotenzial abzusichern. Wenn Staaten ohne Großmachtschutz jederzeit der Zerschlagung anheimfallen können, wird die Schaffung alternativer Machtzentren zur schieren Überlebensfrage. Der Vorstoß zur Dedollarisierung, die Abrechnung von Energiegeschäften in eigenen Währungen und der Aufbau von Finanzarchitekturen jenseits westlicher Kontrolle sind die direkte Gegenreaktion auf eine Ordnung, in der die USA das ökonomische Konkurrieren rücksichtslos ihrem Sicherheitsdiktat unterworfen haben. Die Kriege gegen den Terror sollten den Willen zur Unterwerfung demonstrieren; hervorgebracht haben sie den organisierten Ausstieg aus der dollarzentrierten Hegemonie.

Der Konkurrent, der nicht bezahlt hat

In den Jahren, in denen Washington die Region militärisch ordnete, verschob sich das Kräfteverhältnis, um dessentwillen sie geordnet wurde. 2001 betrug Chinas Wirtschaftsleistung 12,8 Prozent der amerikanischen, 2024 waren es 64,7 Prozent; kaufkraftbereinigt hat sie die amerikanische 2016 überholt und lag 2024 bei 130 Prozent.[191] Der chinesische Anteil an der weltweiten industriellen Wertschöpfung stieg von 8,5 Prozent im Jahr 2004 auf 30 Prozent im Jahr 2021, während der amerikanische von 21,9 auf 15,5 Prozent fiel.[192] Und im Irak, dessen Förderung der Krieg von 2003 überhaupt erst wieder in Gang brachte, sind chinesische Konzerne heute an Feldern beteiligt, aus denen nach Angaben des Middle East Institute mehr als die Hälfte der irakischen Produktion kommt; PetroChina hat Ende 2023 den Betrieb von West Qurna-1 übernommen, nachdem ExxonMobil seine Anteile an die staatliche Basra Oil Company verkauft hatte.[193] Die Vereinigten Staaten haben acht Billionen Dollar aufgewendet, um die Bedingungen herzustellen, unter denen alle Importeure einkaufen — und der größte Importeur hat für die Herstellung nichts bezahlt.[194]

Das ist insofern auch kein „Blowback“, sondern Funktionsweise. Der Krieg hat Zugang gesichert, kein Eigentum: Wer den Hahn kontrolliert, kontrolliert die Bedingungen, nicht die Ware. Solange Peking sich den Bedingungen fügt, funktioniert das Arrangement für Washington; sobald es das nicht mehr tut, ist die Verfügungsmacht über seine Zufuhr das amerikanische Druckmittel. Das ist der Grund, warum die Straße von Hormus in Washington als Frage der Chinapolitik verhandelt wird, und nicht mehr als Frage der Ölversorgung: 84 Prozent des Rohöls, das 2024 durch die Meerenge lief, ging nach Asien.[195]

Die National Defense Strategy Commission hielt 2018 fest, was zwei Jahrzehnte Aufstandsbekämpfung mit der amerikanischen Streitmacht gemacht haben:

„Because of our recent focus on counter-terrorism and counterinsurgency, and because our enemies have developed new ways of defeating U.S. forces, America is losing its advantage in key warfighting areas … Many of the skills necessary to plan for and conduct military operations against capable adversaries — especially China and Russia — have atrophied.“[196]

Dieselbe Kommission nennt als zweite Ursache „extended operations in the greater Middle East“.[197] Ein Jahr zuvor hatte das Verteidigungsministerium die Konsequenz in einem Satz gezogen, der das Vierteljahrhundert beendet, das dieser Text behandelt: „Inter-state strategic competition, not terrorism, is now the primary concern in U.S. national security.“[198]

Dass die eigene Bindung im Nahen Osten dem Konkurrenten nützt, ist nicht nur eine Vermutung westlicher Kommentatoren. Die Kongresskommission für die Beziehungen zu China hat 2021 nachgezeichnet, wie chinesische Strategen die Lage sehen, und zitiert Shi Yinhong, Berater des Staatsrats: „Washington’s deeper involvement in the Middle East is favorable to Beijing, reducing Washington’s ability to place focused attention and pressure on China.“[199] Am 27. März 2021 unterzeichneten Peking und Teheran einen auf fünfundzwanzig Jahre angelegten Kooperationsvertrag; sein Text ist bis heute nicht veröffentlicht, die kursierenden vierhundert Milliarden Dollar stammen aus einem geleakten Entwurf, den dieselbe amerikanische Kommission für „highly unrealistic“ hält.[200]

Russland hat die Gelegenheit direkter genutzt. Am 30. September 2015 begann die russische Luftwaffe ihre Einsätze in Syrien — nach der Untersuchung von RAND Russlands „first modern expeditionary air war“ — und rettete damit ein Regime, dessen Sturz Washington seit 2011 betrieb.[201] Der Apparat, der zur Absicherung der Weltordnung gebaut worden war, hat in seinem Zuständigkeitsgebiet einen Rivalen wieder zum Akteur gemacht.

Auch die Währung, um derentwillen mitreguliert wurde, hat verloren (wenn auch weniger, als gerne behauptet wird). Der Dollaranteil an den offengelegten Währungsreserven fiel von 72 Prozent im Jahr 2001 auf 58 Prozent im Jahr 2024. Die Federal Reserve fügt allerdings zwei Dinge hinzu, die man mitzitieren muss: Der Dollar liegt damit ungefähr wieder bei seinem Anteil von 1995, und seit 2022 hat sich nichts bewegt — die Sanktionen gegen Russland haben keine Umschichtung ausgelöst.[202] Und ein in Renminbi abgerechneter saudischer Ölverkauf ist bis heute in keinem einzigen Fall öffentlich belegt; belegt sind Gespräche darüber.[203]

An seinen erklärten Zielen ist der Terrorkrieg gescheitert. An einem unerklärten, der Verhinderung regionaler Alternativen, nicht. Der Einwand „gescheitert“ trifft die Begründung des Krieges, nicht seine Funktion. Bezahlt wurde allerdings auch. Der Dollaranteil an den Reserven fällt, das Verhältnis zu Riad ist nicht mehr das von 2001, und der wichtigste Produktionsstandort der Welt liegt in Ostasien.

Was bleibt

Das Erbe im Ausland

Das erste Erbe der amerikanischen Terrorkriege (Zwinker) ist der Islamische Staat. Er entstand aus einer aufgelösten Armee, aus konfessioneller Verwaltung und aus Lagern, in denen Hunderttausende saßen. Nützlich war er obendrein. Mit seinem Aufstieg bekam der Terrorkrieg ab 2014 ein neues Objekt und Washington einen Grund, in den Irak zurückzukehren, den es 2011 hatte räumen müssen, und erstmals offen in Syrien zu operieren. Das ist die Eigenschaft einer Maschinerie, die sich ihren Gegenstand mitproduziert.

Mindestens 38 Millionen Menschen sind nach der konservativen Schätzung des Costs of War Project durch diese Kriege vertrieben worden.[204] Ein Teil dieser Menschen erreichte Europa, und Europa antwortete mit dem Ausbau eines Grenzregimes, das Abkommen mit der Türkei und mit libyschen Milizen einschließt. Der Krieg produzierte die Flüchtlinge; die Grenze verarbeitet sie. Politisch verarbeitet wird der Vorgang ein zweites Mal: Aus der Ankunft der Vertriebenen wird ein nationaler Notstand, und über den Notstand lässt sich eine Bevölkerung darauf einschwören, dass ihre Lage von Grenzen abhängt statt von dem Verhältnis, in dem sie ihre Arbeitskraft verkauft. Die Kriege des Westens liefern so am Ende auch noch das Material für die Legitimation der Verhältnisse zu Hause.

Das Erbe im Inneren

Im Inneren blieb der Umbau der Staaten. Die Kriegsermächtigung vom 14. September 2001 gilt bis heute. Der Kongress hob im Dezember 2025 die Ermächtigungen von 1991 und 2002 auf, die erste Rücknahme einer Kriegsvollmacht seit 1971; die von 2001, unter der die meisten Einsätze laufen, blieb unberührt. Verfolgt wurde die Offenlegung. Chelsea Manning saß sieben Jahre in Haft, Julian Assange sieben Jahre in einer Botschaft und fünf in Belmarsh, bevor er 2024 eine Schuldanerkenntnis unterschrieb. Das Etikett „Terror“ selbst wurde unterdessen zum Universalwerkzeug. Am 20. Februar 2025 stufte das amerikanische Außenministerium acht lateinamerikanische Kartelle und Banden als ausländische terroristische Organisationen ein, darunter Tren de Aragua und das Sinaloa-Kartell; am 24. November 2025 folgte das (vermeintliche) venezolanische Cartel de los Soles, das Washington der Regierung Maduro zurechnet.[205] Damit wurde aus einem Drogenproblem ein Kriegsanlass. Am 20. November 2025 traf es vier europäische Gruppen, darunter „Antifa Ost“, jenes Ermittlungskonstrukt, dessen Angeklagte in Dresden 2023 wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen, ausdrücklich nicht terroristischen Vereinigung verurteilt worden waren; die Bundesregierung wollte die Einstufung nicht bewerten. Und im Inneren nannte ein Präsidialerlass vom 25. September 2025 als gemeinsame Züge des dort beschriebenen Gewalthandelns: „anti-Americanism, anti-capitalism, and anti-Christianity“.[206]

Ein so weit gefasster Begriff braucht keine Begründung mehr. Er ist ein Verfahren, mit dem sich jeder Gegner behandeln lässt wie ein Feind im Krieg.

Hierzu empfehlen wir den von uns publizierten Artikel „der neue Red Scare“ von The Southern Leftist: „Palmer 1919. McCarthy 1950. 2026: ein Memorandum ohne Gesicht. Wie Washington die eigene Opposition zum ausländischen Netzwerk erklärt.“

Von der Achse des Bösen bis Caracas

Die Lektion der Achse des Bösen

Im Januar 2002 nannte Bush drei Staaten als Achse des Bösen: Irak, Iran, Nordkorea. Der Irak hatte keine Atomwaffen und wurde ein Jahr später angegriffen. Nordkorea baute welche und wurde nicht angegriffen. Libyen gab sein Programm auf und verlor sein Regime. Die Lektion, die drei Jahrzehnte Nichtverbreitungspolitik erteilt haben, ist von keiner Regierung beabsichtigt und von jeder verstanden worden.

Der Iran als Gewinner

Am meisten vom Terrorkrieg hatte ein Staat, der keinen Schuss abgab. Washington beseitigte 2001 die Taliban und 2003 Saddam Hussein, beides Todfeinde Teherans. In das entstandene Vakuum rückten Kräfte, die der Iran seit den 1980er Jahren aufgebaut hatte: Die Badr-Organisation, von den Revolutionsgarden 1982/83 im iranischen Exil gegründet, stellt heute mindestens zehn der Brigaden der irakischen Volksmobilisierungskräfte, die das Parlament am 26. November 2016 mit 208 Stimmen zum Bestandteil der Streitkräfte machte.[207] Der Iran exportierte allein in den zehn Monaten bis Januar 2025 Nicht-Öl-Güter im Wert von zehn Milliarden Dollar in den Irak.[208] Die amtlichste Bilanz stammt von der eigenen Seite. Die zweibändige Untersuchung des US Army War College über den Irakkrieg, 2013 von General Ray Odierno in Auftrag gegeben, schließt mit einem Satz, der jede deutsche Debatte über Erfolg und Misserfolg erledigt: „At the time of this project’s completion in 2018, an emboldened and expansionist Iran appears to be the only victor.“[209]

An diesem Gewinner beißt sich die Weltmacht seit Februar 2026 die Zähne aus. Am 28. Februar begannen die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Israel einen Angriffskrieg gegen den Iran; der Oberste Führer Ali Khamenei wurde am ersten Tag getötet. Die Opferzahlen sind umstritten und reichen, je nach Zählung und Gebiet, von wenigen Tausend bis über fünfzehntausend. Ein im April vermittelter Waffenstillstand hielt bis in den Juli, dann wurde weitergekämpft; im September 2026 dauert der Krieg an. Das Repräsentantenhaus verabschiedete am 3. Juni 2026 mit 215 zu 208 Stimmen eine Resolution nach dem War Powers Act, die ohne Zweidrittelmehrheit folgenlos blieb. Die letzte Front des Terrorkriegs richtet sich damit gegen den Staat, den dieser Krieg groß gemacht hat.

Wir empfehlen an dieser Stelle unsere Beiträge „Der Krieg gegen den Iran“ und noch einmal „Die Partei Gottes: Eine Geschichte der Hisbollah“.

Caracas, Januar 2026

Das Muster reicht über die Region hinaus. In der Nacht zum 3. Januar 2026 führten amerikanische Spezialkräfte in Caracas eine Operation aus, an der über 150 Militärflugzeuge beteiligt waren. Trump verkündete das Ergebnis.

„The United States of America has successfully carried out a large scale strike against Venezuela and its leader, President Nicolas Maduro, who has been, along with his wife, captured and flown out of the Country.“[210]

Maduro steht in New York wegen vemeintlichem „Narkoterrorismus“ vor Gericht, der Prozess ist für Juni 2027 angesetzt. Das Land mit den größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt wird seither von einer Übergangsregierung geführt, die den Vereinigten Staaten in jeder Hinsicht rechenschaftspflichtig ist (siehe unser Beitrag „Venezuela: 100 Tage Vasallenstaat“). Die Rechtsgrundlage war nicht die Kriegsermächtigung von 2001, sondern eine Anklageschrift von 2020 und die Einstufung eines vermeitnlichen Kartells als Terrororganisation. Der Apparat, der den Zugriff möglich machte, ist der, den der Terrorkrieg gebaut hat.

Am Ground Zero werden an jedem 11. September die Namen der 2.977 Toten verlesen. Es dauert etwa vier Stunden. Für die Toten der Kriegsgebiete, die auf diese vier Stunden folgten, gibt es keine Liste, und es wird keine geben; ihre Zahl ist eine Hochrechnung mit einem Faktor, über den Statistiker streiten. Was in den vier Stunden vorgelesen wird, ist der Anlass. Was ungezählt bleibt, ist der Krieg, der ohnehin geplant war. Die Namen der konservativsten Totenzählung der amerikanischen Terrorkriege vorzulesen, würde bei selber Geschwindigkeit rund zweieinhalb Monate dauern.

Für das westliche Subjekt bleibt die Stunde Null, in der es gelernt hat, dass seine Freiheit sich Feinde schafft. Aber auch diese Erkenntnis hält nicht ewig – der Krieg gegen den Iran ist der unbeliebteste in amerikanischer Geschichte.[211]

Zitate aus fremdsprachigen Quellen stehen im Original, wo nicht anders vermerkt. Bei Titeln, deren vorliegende Digitalausgabe keine gedruckten Seitenzahlen enthält, ist die Seite der Digitalausgabe angegeben (PDF-S.).


Quellen

[1] Jean Baudrillard, Der Geist des Terrorismus, hg. von Peter Engelmann, aus dem Französischen von Peter Engelmann, Michaela Ott und Markus Sedlaczek, Wien: Passagen 2002, S. 31. Der französische Erstdruck erschien als „L’esprit du terrorisme“ in Le Monde vom 2./3. November 2001.

[2] „L’esprit du terrorisme“, Le Monde, 2./3. November 2001. Die kursierenden deutschen Wiedergaben dieses Satzes weichen im Wortlaut voneinander ab; die Übersetzung ist deshalb unsere eigene. Im Original: „On cherche après coup à lui imposer n’importe quel sens, à lui trouver n’importe quelle interprétation. Mais il n’y en a pas, et c’est la radicalité du spectacle, la brutalité du spectacle qui seule est originale et irréductible.“

[3] „L’esprit du terrorisme“, Le Monde, 2./3. November 2001; Buchausgabe Paris: Galilée 2002. Die deutsche Ausgabe gibt den Satz als „Nur symbolische Gewalt vermag Singularität zu schaffen“ wieder (S. 31).

[4] Gerhard Schröder, Regierungserklärung, Deutscher Bundestag, 186. Sitzung, 12. September 2001, Plenarprotokoll 14/186, S. 18293.

[5] Gerhard Schröder, Regierungserklärung, Deutscher Bundestag, 187. Sitzung, 19. September 2001, Plenarprotokoll 14/187, S. 18302.

[6] George W. Bush, Address to a Joint Session of Congress and the American People, 20. September 2001, White House Archives.

[7] Mahmood Mamdani, Good Muslim, Bad Muslim. Islam, the USA, and the Global War Against Terror, New Delhi 2005, S. 15.

[8] Ebd., S. 11.

[9] George W. Bush, Address to a Joint Session of Congress and the American People, 20. September 2001, White House Archives.

[10] President Roosevelt to the Lend-Lease Administrator (Stettinius), Washington, February 18, 1943, in: Foreign Relations of the United States (FRUS), Diplomatic Papers, 1943, Bd. IV: The Near East and Africa, Washington, D.C. 1964, Dok. 893, S. 859 (Aktenzeichen 890F.24/32).

[11] Gordon P. Merriam (Leiter der Division of Near Eastern Affairs), Draft Memorandum to President Truman, Anfang August 1945, nicht abgesandt; Anlage zu: Memorandum by the Under Secretary of State (Acheson) to the Secretary of State, Washington, October 9, 1945, in: FRUS, Diplomatic Papers, 1945, Bd. VIII: The Near East and Africa, Washington, D.C. 1969, Dok. 20, S. 45.

[12] Ebd., Fn. 27 zu Dok. 20.

[13] Ebd., S. 46.

[14] Memorandum of Conversation Between the King of Saudi Arabia (Abdul Aziz Al Saud) and President Roosevelt, February 14, 1945, Aboard the U.S.S. „Quincy“, in: FRUS 1945, Bd. VIII, Dok. 2, S. 2–3. Das Protokoll wurde von Oberst William A. Eddy und dem saudischen Vizeaußenminister Yusuf Yassin aufgesetzt.

[15] CIA, History Staff, The Battle for Iran, Verfassername geschwärzt, undatiert, Abschnitt III.A („The Genesis of TPAJAX“), freigegeben am 21. Juni 2011, S. 26 der freigegebenen Fassung; National Security Archive, Electronic Briefing Book Nr. 435, veröffentlicht am 19. August 2013.

[16] FRUS 1952–1954, Iran, 1951–1954 (nachgereichter Band, hrsg. von James C. Van Hook, 2017), Vorwort.

[17] Telegramm des Botschafters Aldrich, London, 1. April 1954, 20 Uhr, in: FRUS 1952–1954, Bd. X, Dok. 449.

[18] Dwight D. Eisenhower, Radio and Television Report to the American People on the Developments in Eastern Europe and the Middle East, 31. Oktober 1956, in: Public Papers of the Presidents of the United States: Dwight D. Eisenhower, 1956, Washington, D.C. 1958.

[19] Zur Ölsperre siehe die Kapitelgliederung von FRUS 1955–1957, Bd. XVI (Suez Crisis, July 26–December 31, 1956); zur Währungshilfe James M. Boughton, „Northwest of Suez: The 1956 Crisis and the IMF“, in: IMF Staff Papers 49 (2002), Heft 1. Boughton stützt sich bei der Verknüpfung von Kredit und Waffenstillstand auf die Memoiren Harold Macmillans; ein amerikanisches Primärdokument dafür liegt nicht vor.

[20] Zur Verfassungslage Memorandum From Waggoner to Rockwell, January 17, 1958, in: FRUS 1958–1960, Bd. XI: Lebanon and Jordan, Dok. 3, S. 5 f.; Chamouns Amtszeit endete nach Dok. 3 am 22. September 1958. Zur libanesischen Zustimmung zur Doktrin das gemeinsame Kommuniqué der Richards-Mission vom 16. März 1957, referiert in FRUS XI, Dok. 16, S. 25 f. Dulles selbst hat die Ausschließlichkeit unterschiedlich dargestellt: Am 14. Juli 1958 nannte er den Libanon vor der Kongressführung „the one country that joined the Middle East resolution“ (FRUS XI, Dok. 127, S. 221), im April dagegen sprach er von Staaten, „which, like Lebanon, expressed satisfaction with the Resolution“ (Dok. 16, S. 26).

[21] Telegram From the Embassy in Lebanon to the Department of State, Beirut, May 13, 1958, 2 p.m., FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 27, S. 42; die amerikanische Antwort Telegram 4271 to Beirut, May 13, 1958, 9:23 p.m., ebd., Dok. 31 (die Online-Ausgabe weist für dieses Dokument keine Seitenmarken aus; der Bereich liegt zwischen S. 48 und S. 51). Am 14. Mai meldete die Botschaft, Chamoun hoffe nun, auf eine Intervention verzichten zu können, ebd., Dok. 32, S. 51 f.

[22] Zur Uhrzeit und zu den Urhebern FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 121, Fn. 2, S. 207, sowie die Meldung des Militärattachés in Bagdad vom 14. Juli 1958, 9.05 Uhr Ortszeit, in: FRUS 1958–1960, Bd. XII: Near East Region; Iraq; Iran; Arabian Peninsula, Dok. 109 (Editorial Note), S. 307. Zur Hinrichtung Nuri as-Saids das Telegramm des Botschafters Gallman, Bagdad, 15. Juli 1958, 19 Uhr, ebd., Dok. 116, S. 318 f. Das Schicksal König Faisals II. war in Washington am 14. und 15. Juli noch unbekannt; die amerikanischen Akten dokumentieren an dieser Stelle nur die Ungewissheit.

[23] „The American Landing in Lebanon“, in: U.S. Naval Institute Proceedings 88 (1962), Heft 10: annähernd 15.000 Mann, davon 8.000 Heer und rund 6.000 Marineinfanterie. Die erste Landung erfolgte am 15. Juli 1958, die letzten Verbände verließen den Libanon am 25. Oktober 1958.

[24] Memorandum of a Conference With the President, White House, July 14, 1958, 10:50 a.m., FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 124, S. 211–215, hier S. 212 und 214.

[25] Ebd., S. 214.

[26] Telephone Conversation Between President Eisenhower and Prime Minister Macmillan, July 14, 1958, FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 131, S. 232.

[27] Memorandum of a Conversation, White House, Washington, May 13, 1958, 5:50 p.m., in: FRUS 1958–1960, Bd. XI: Lebanon and Jordan, Dok. 30, S. 46.

[28] Memorandum of a Conference With the President, White House, July 14, 1958, 2:35 p.m., FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 127, S. 221. Die dritte Kategorie ist die Vollmacht aus Section 2 des Gesetzes von 1957.

[29] Zur Wahl Chehabs FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 244, Fn. 2, S. 415; zur Vereidigung ebd., Dok. 328 (Editorial Note), S. 575; zum Abschluss des Abzugs ebd., Dok. 357 (Editorial Note), S. 614 f. Für den Befund der Beobachtergruppe UNOGIL liegt an dieser Stelle kein eigener Beleg vor; er wird deshalb nur referierend wiedergegeben.

[30] Memorandum From Acting Secretary of State Dillon to President Eisenhower, May 22, 1959, FRUS 1958–1960, Bd. XII, Dok. 66, S. 224; zur Umbenennung am 21. August 1959 ebd., Dok. 73, Fn. 1, S. 235. Die Verlegung des Sitzes nach Ankara ist in den hier angeführten Dokumenten nicht belegt.

[31] Memorandum of a Conversation Between the President and the Vice President (Nixon), White House, Washington, July 15, 1958, 9 a.m., in: FRUS 1958–1960, Bd. XI, Dok. 139, S. 244.

[32] Ebd., S. 244.

[33] National Security Council Report NSC 5801/1, Long-Range U.S. Policy Toward the Near East, Washington, 24. Januar 1958, Ziffer 2, in: FRUS 1958–1960, Bd. XII: Near East Region; Iraq; Iran; Arabian Peninsula, Dok. 5, S. 18.

[34] Ebd., Ziffer 16, S. 24.

[35] Resolution 242 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vom 22. November 1967. Die Resolution ist als „affirms“ formuliert und nennt den „withdrawal of Israeli armed forces from territories occupied in the recent conflict“ als Grundsatz eines Friedensschlusses, nicht als Aufforderung.

[36] Jeremy M. Sharp, U.S. Foreign Aid to Israel, Congressional Research Service, Bericht RL33222, Fassung vom 2. Januar 2008, Tabelle 6 („U.S. Assistance to Israel, FY1949–FY1996“), S. CRS-19. Der Sprung des Haushaltsjahrs 1974 beruht auf dem Emergency Security Assistance Act of 1973 (P.L. 93-199); er ist kein gleichmäßiger Trend, sondern eine Kriegsfolge.

[37] Richard Nixon, Fernsehinterview vom 1. Juli 1970. Das Zitat setzt mitten im Satz ein; ihm geht die Bedingung „once that balance of power is upset“ voraus. Fundstelle: wiedergegeben in einer Anmerkung der Herausgeber in: FRUS 1969–1976, Bd. XXIII: Arab-Israeli Dispute, 1969–1972. Volltext in: Public Papers of the Presidents of the United States: Richard Nixon, 1970, S. 543–559.

[38] Optionenpapier des Nationalen Sicherheitsrats, Anfang 1970, in: FRUS 1969–1976, Bd. XXIII, S. 305. Der Ausdruck „strategic asset“ kommt in diesem Band nicht vor.

[39] National Security Decision Memorandum 92, U.S. Policy Toward the Persian Gulf, Washington, 7. November 1970, gezeichnet Henry A. Kissinger, Ziffer 1; Nixon Presidential Library, NSDM 092; abgedruckt in FRUS 1969–1976, Bd. XXIV, Dok. 91. Der gängige Ausdruck „Zwei-Säulen-Doktrin“ kommt in dem Dokument nicht vor.

[40] U.S. Military Sales to Iran. A Staff Report to the Subcommittee on Foreign Assistance of the Committee on Foreign Relations, United States Senate, 94. Kongress, 2. Sitzungsperiode, Committee Print, Juli 1976, Summary and Findings, S. vii.

[41] Ebd., S. vii und S. 42.

[42] U.S. General Accounting Office, The U.S.-Saudi Arabian Joint Commission on Economic Cooperation, Bericht ID-79-7, 22. März 1979.

[43] CIA Research Study, Iraq under Baath Rule, 1968–1976, PR 76 100701, November 1976, abgedruckt in: FRUS 1969–1976, Bd. XXVII, Dok. 317. Der Satz steht dort als Feststellung über das Jahr 1963; dieselbe Studie hält in ihren „Principal Judgments“ ausdrücklich fest, der Irak verfolge eine eigenständige, blockfreie Außenpolitik.

[44] Zum Vertrag Memorandum From the Executive Secretary of the Department of State (Eliot) to Kissinger, April 13, 1972, in: FRUS 1969–1976, Bd. E-4, Dok. 305. Zur Verstaatlichung CIA, Intelligence Memorandum ER IM 72-92, Some Implications of Iraq’s Oil Nationalization, Juni 1972, ebd., Dok. 311. Verstaatlicht wurde am 1. Juni 1972 das Nordgeschäft der IPC; die Basrah Petroleum Company folgte in Etappen 1973 und 1975.

[45] USAID, U.S. Overseas Loans and Grants, Obligations and Loan Authorizations (Greenbook), Fassung vom 9. August 2022, eigene Summierung der Haushaltsjahre 1958 bis 1974. Die Reihe erfasst Hilfe, nicht Barverkäufe; die iranischen und saudischen Waffenkäufe liefen überwiegend über Foreign Military Sales und sind darin nicht enthalten.

[46] U.S. Department of State, Office of the Historian, The Iranian Hostage Crisis (Short History). Die Seite belegt Datum, Träger und Geiselzahl; die Ausreise des Schahs am 16. Januar 1979 nennt sie nicht.

[47] U.S. Department of State, Office of the Historian, The Soviet Invasion of Afghanistan and the U.S. Response, 1978–1980. Die Darstellung dieser Seite zieht den 24. und den 27. Dezember zusammen; der Sturm auf den Tadsch-Beg-Palast und die Tötung Hafizullah Amins fanden am 27. Dezember statt. Zur Besetzung der Großen Moschee in Mekka liegen keine belastbaren amtlichen Opferzahlen vor; sie werden hier deshalb nicht genannt.

[48] Jimmy Carter, The State of the Union Address Delivered Before a Joint Session of the Congress, 23. Januar 1980, in: Public Papers of the Presidents of the United States: Jimmy Carter, 1980–81, Bd. I.

[49] Bacevich, America’s War, PDF-S. 46.

[50] Harold Brown, Report of Secretary of Defense Harold Brown to the Congress on the FY 1981 Budget, FY 1982 Authorization Request and FY 1981–1985 Defense Programs, 29. Januar 1980, S. 26.

[51] Zur Aufstellung der Task Force: Memorandum From Secretary of Defense Brown to President Carter, in: FRUS 1977–1980, Bd. XVIII: Middle East Region; Arabian Peninsula, Dok. 48 („It will be commanded by Major General … Paul X. Kelley, USMC, and will be established at MacDill Air Force Base by March 1, 1980“). Zur Umwandlung: Department of the Army Historical Summary, Fiscal Year 1983, Kap. 2, U.S. Army Center of Military History.

[52] Steve Coll, Ghost Wars. The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, New York 2004, PDF-S. 67.

[53] Zbigniew Brzezinski, Interview mit Vincent Jauvert, Le Nouvel Observateur, Ausgabe vom 15.–21. Januar 1998 (Nr. 1732; die Heftnummer ließ sich nur sekundär belegen). Original: „Regretter quoi ? Cette opération secrète était une excellente idée. Elle a eu pour effet d’attirer les Russes dans le piège afghan et vous voulez que je le regrette ?“ Übersetzung des Verfassers.

[54] Coll, Ghost Wars, PDF-S. 82.

[55] Ebd.

[56] Ebd.

[57] Ebd., PDF-S. 89 und 186.

[58] Ebd., PDF-S. 84.

[59] Mathematiklehrbuch der dritten Klasse, erstellt von der University of Nebraska at Omaha mit USAID-Mitteln (Laufzeit September 1986 bis Juni 1994), zitiert nach Mamdani, Good Muslim, Bad Muslim, S. 137. Die Washington Post beziffert die USAID-Mittel für das Programm am 23. März 2002 auf 51 Millionen Dollar.

[60] Coll, Ghost Wars, PDF-S. 167.

[61] Mamdani, Good Muslim, Bad Muslim, S. 177.

[62] Chalmers Johnson, Blowback. The Costs and Consequences of American Empire, 2. Auflage, New York 2004, PDF-S. 11.

[63] Ebd., PDF-S. 12.

[64] U.S. Department of State, „De-designation of Iraq as Supporter of International Terrorism“, 27. Februar 1982; National Security Archive, Electronic Briefing Book No. 82, Dokument 13. Das Dokument belegt Tatsache und Datum der Streichung; es erklärt ausdrücklich, die Entscheidung habe „no implications for U.S. policy toward the Iran-Iraq war“. Die Einordnung in den amerikanischen Zweck gegenüber dem Iran ist die des Verfassers.

[65] U.S. General Accounting Office, Iraq’s Participation in the Commodity Credit Corporation’s GSM-102/103 Export Credit Guarantee Programs, T-NSIAD-91-13, 14. März 1991.

[66] U.S. Embassy London an Department of State, Telegramm LONDON 27572, „Rumsfeld Mission: December 20 Meeting with Iraqi President Saddam Hussein“, 21. Dezember 1983, Abs. 15; National Security Archive, EBB 82, Dokument 31.

[67] „Wanzen, Flöhe, Perser, Israelis“, Der Spiegel 16/1992, 12. April 1992.

[68] National Security Archive, EBB 82, Dokumente 24 (1. November 1983) und 25 (21. November 1983).

[69] Erklärung Howard Teichers unter Strafandrohung des Meineids, U.S. District Court, Southern District of Florida, Az. 93-241-CR-HIGHSMITH, 31. Januar 1995; National Security Archive, EBB 82, Dokument 61. Die Erklärung nennt als Drittstaat ausdrücklich Ägypten; Israel führt sie als Lieferanten an andere Empfänger, nicht an den Irak.

[70] George Bush, Address to the Nation Announcing the Deployment of United States Armed Forces to Saudi Arabia, 8. August 1990, in: Public Papers of the Presidents of the United States: George Bush, 1990, Bd. II.

[71] Report of the Assessment of the Khobar Towers Bombing (Downing Assessment Task Force), 30. August 1996. Die Angabe wird bestätigt durch Alfred B. Prados, Iraq Crisis: U.S. and Allied Forces, Congressional Research Service, Bericht 98-120, 2. September 1998, Tabelle 1 (5.000 bis 6.000 Soldaten in Saudi-Arabien).

[72] George Bush, Letter to Congressional Leaders Reporting on Iraq’s Compliance With United Nations Security Council Resolutions, 19. Januar 1993, in: Public Papers of the Presidents: George Bush, 1992–93, Bd. II, S. 2269. Die dort genannte Resolution 688 des Sicherheitsrats vom 5. April 1991 erwähnt weder Flugverbotszonen noch eine Ermächtigung zur Gewaltanwendung.

[73] Gregory Ball, Air Force Historical Support Division, Fact Sheet 1998 – Operation Desert Fox. Der Angriff dauerte vom 16. bis 19. Dezember 1998. Die Einrichtung der südlichen Flugverbotszone am 26. August 1992 belegt dieses Fact Sheet nicht; dafür siehe Fn. 72.

[74] House of Commons Library, Research Paper 99/13, Iraq: „Desert Fox“ and Policy Developments, 10. Februar 1999, S. 18, zum Abzug vom 11. November 1998 auf amerikanische Empfehlung; zum zweiten Abzug am 16. Dezember 1998 auf Anordnung des UNSCOM-Vorsitzenden Richard Butler die Sitzungsberichterstattung des Sicherheitsrats, UN-Pressemitteilung SC/6611, 16. Dezember 1998; dort erscheint die Anordnung in der Wortmeldung des irakischen Vertreters und im Schreiben des IAEO-Generaldirektors, nicht als Feststellung des Rates.

[75] CBS, 60 Minutes, Beitrag „Punishing Saddam“ von Lesley Stahl, Erstausstrahlung 12. Mai 1996. Ein autorisiertes Transkript ist nicht öffentlich zugänglich; die kursierenden Fassungen weichen in einzelnen Wörtern voneinander ab, weshalb hier nur der unstrittige Kernsatz wörtlich wiedergegeben wird. Albright war zu diesem Zeitpunkt Botschafterin bei den Vereinten Nationen; Außenministerin wurde sie erst im Januar 1997.

[76] Usama bin Muhammad bin Ladin, Declaration of War against the Americans Occupying the Land of the Two Holy Places, 23. August 1996, Hindukusch; englische Übersetzung des Committee for the Defence of Legitimate Rights, London. Der arabische Text wurde im August 1996 über die Londoner Exilzeitung Al Quds al-Arabi verbreitet; ein persönlicher Übersetzer ist nicht gesichert.

[77] Jihad Against Jews and Crusaders. World Islamic Front Statement, 23. Februar 1998, englische Standardübersetzung, dokumentiert von der Federation of American Scientists, Intelligence Resource Program; ein Übersetzer ist dort nicht angegeben. Unterzeichnet von Usama bin Ladin, Aiman az-Zawahiri, Abu Yasir Rifai Ahmad Taha, Mir Hamzah und Fazlur Rahman.

[78] Ebd. Die dort genannte Zahl von über einer Million irakischer Toter ist durch keine Erhebung gedeckt.

[79] Osama bin Laden, Videobotschaft vom 29. Oktober 2004, Volltranskript, Al Jazeera, 1. November 2004.

[80] Ebd.

[81] Ebd.

[82] U.S. Department of Defense, News Transcript, „Deputy Secretary Wolfowitz Interview with Sam Tannenhaus, Vanity Fair“, 9. Mai 2003.

[83] Charles Krauthammer, „The Unipolar Moment“, in: Foreign Affairs 70 (1990/91), Nr. 1 (America and the World), S. 23–33, hier S. 23.

[84] WTO, „Who we are“ sowie „China — Member information“; zur Wachstumsrate WTO, Pressemitteilung Press/200 vom 30. November 2000.

[85] U.S. Energy Information Administration, International Energy Statistics (Weltverbrauch) und Monthly Energy Review, Tabelle 3.1 (Nettoeinfuhren und Verbrauch der USA); Anteil eigene Berechnung.

[86] The White House, A National Security Strategy of Engagement and Enlargement, Washington, D.C., Februar 1996, S. 26.

[87] Ebd., S. 30, Abschnitt „Providing for Energy Security“.

[88] U.S. Department of Defense, Office of International Security Affairs, United States Security Strategy for the East Asia-Pacific Region, Washington, D.C., Februar 1995 (sog. Nye-Report).

[89] Thomas L. Friedman, „A Manifesto for the Fast World“, in: The New York Times Magazine, 28. März 1999. Der Volltext war nicht frei zugänglich; der Wortlaut folgt der durchgängig übereinstimmenden Überlieferung. Eine leicht abweichende Fassung steht in The Lexus and the Olive Tree (1999).

[90] SIPRI, Military Expenditure Database, Ausgabe April 2025, eigene Berechnung auf Basis konstanter Preise von 2023. Auf Basis jeweiliger Preise und Wechselkurse liegt der amerikanische Anteil im selben Zeitraum bei 35 bis 43 Prozent.

[91] Entwurf der Defense Planning Guidance FY 1994–1999, Anlage zum Memorandum von Dale A. Vesser vom 18. Februar 1992, Abschnitt I.B „Defense Strategy Objectives“; National Security Archive, EBB 245, Dokument 3, PDF-S. 3.

[92] Ebd.

[93] Greg Muttitt, Fuel on the Fire. Oil and Politics in Occupied Iraq, London 2012, PDF-S. 55. Muttitt schreibt die förmliche Billigung der Endfassung im Mai 1992 Cheney zu; das National Security Archive nennt für diesen Vorgang Colin Powell und Paul Wolfowitz und weist Cheney die öffentliche Fassung vom Januar 1993 zu.

[94] Zbigniew Brzezinski, The Grand Chessboard. American Primacy and Its Geostrategic Imperatives, New York 1997, S. xiv.

[95] Ebd., S. 35 und S. 211.

[96] Thomas Donnelly u. a., Rebuilding America’s Defenses. Strategy, Forces and Resources For a New Century, Project for the New American Century, September 2000, S. 51.

[97] Dick Cheney, Rede vor dem Institute of Petroleum, London, Herbst 1999 (Volltext veröffentlicht 2004). Im Original stehen an den Gedankenstrichen Kommata.

[98] PFC Energy, zitiert nach The Washington Post, 2. August 2005.

[99] U.S. Securities and Exchange Commission, Pressemitteilung 2004-116, 24. August 2004. Die Angaben lauten auf Barrel Öläquivalent; „Geschäftsbericht 2002“ meint das Form 20-F für das Jahr 2002.

[100] Paul O’Neill, Interview, CBS 60 Minutes, Sendung vom 11. Januar 2004. Das Transkript von CBS setzt an dieser Stelle ein Komma nach „conviction“.

[101] Ebd. Die beiden Sätze fielen im Interview nicht unmittelbar nacheinander; sie stehen deshalb getrennt.

[102] Donald Rumsfeld, zweite Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, 1. Februar 2001, überliefert von Paul O’Neill bei Ron Suskind, The Price of Loyalty, New York 2004; hier zitiert nach Muttitt, Fuel on the Fire, PDF-S. 60. Der Satz geht im Original weiter: „It would change everything in the region and beyond it.“

[103] Jane Mayer, „Contract Sport“, The New Yorker, 16. Februar 2004; hier zitiert nach Muttitt, Fuel on the Fire, PDF-S. 60.

[104] Joel Roberts, „Plans For Iraq Attack Began On 9/11“, CBS News, 4. September 2002. Der Bericht schreibt die Notizen Mitarbeitern zu, die mit Rumsfeld im National Military Command Center waren.

[105] Wesley Clark, Interview mit Amy Goodman, Democracy Now!, 2. März 2007. Clark gibt dort die mündliche Schilderung eines Generals im Joint Staff wieder; das Papier selbst hat er nach eigener Darstellung nicht gelesen („Well, don’t show it to me“).

[106] Der Beginn des Krieges gegen den Iran im Februar 2026 wird von dieser Anhörung nicht belegt; dazu das letzte Kapitel. Zur Bezeichnung Netanjahus: Dan Burton (Vorsitzender), Eröffnungsworte, in: Conflict with Iraq: An Israeli Perspective, Hearing before the Committee on Government Reform, House of Representatives, 107th Congress, 2nd Session, 12. September 2002, Serial No. 107-139, S. 1.

[107] Conflict with Iraq: An Israeli Perspective, Hearing before the Committee on Government Reform, House of Representatives, 107th Congress, 2nd Session, 12. September 2002, Serial No. 107-139, S. 56.

[108] Ebd., S. 51.

[109] U.S. Department of Defense, News Transcript, „Deputy Secretary Wolfowitz Interview with Sam Tannenhaus, Vanity Fair“, 9./10. Mai 2003; der Satz fiel in der zweiten Sitzung am 10. Mai. Er bricht hier vor der Einschränkung „but –“ ab.

[110] U.S. Department of the Treasury, Treasury International Capital System, Major Foreign Holders of Treasury Securities, Dezember 2025.

[111] „Bush rejects Taliban offer to hand Bin Laden over“, The Guardian, 14. Oktober 2001.

[112] „Exchange With Reporters on Returning From Camp David, Maryland“, 14. Oktober 2001, in: Public Papers of the Presidents of the United States: George W. Bush 2001, Book II, S. 1238.

[113] Ebd.

[114] David Vine / Patterson Deppen / Leah Bolger, Drawdown. Improving U.S. and Global Security Through Military Base Closures Abroad, Quincy Institute for Responsible Statecraft, 20. September 2021. Die Angaben zu Karschi-Chanabad und Manas stützen sich nicht auf diesen Bericht.

[115] Anand Gopal, No Good Men Among the Living. America, the Taliban, and the War Through Afghan Eyes, New York 2014, PDF-S. 120.

[116] Ebd.

[117] Ebd., PDF-S. 212.

[118] Douglas Lute, SIGAR-Interview vom 20. Februar 2015, zitiert nach Craig Whitlock, „At War With the Truth“, The Washington Post, 9. Dezember 2019. Das Zitat belegt das fehlende Verständnis des Landes, nicht die Aussage über die Frauenbefreiung als nachgereichten Kriegsgrund.

[119] Protokoll einer Besprechung im britischen Außenministerium, 6. November 2002, zitiert nach Muttitt, Fuel on the Fire, PDF-S. 34.

[120] Muttitt, Fuel on the Fire, PDF-S. 55.

[121] Die Folgerung ist die des Verfassers; sie stützt sich auf das Zitat in der vorigen Anmerkung.

[122] Board of Governors of the Federal Reserve System, FEDS Note, „The International Role of the U.S. Dollar – 2025 Edition“, 18. Juli 2025.

[123] CNN/Reuters, 30. Oktober 2000; United Nations Office of the Iraq Programme, Weekly Update, 14. November 2000.

[124] Naomi Klein, Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus, Frankfurt am Main 2007, PDF-S. 17.

[125] Ebd., PDF-S. 559.

[126] U.S. Geological Survey, Minerals Yearbook: Iraq 2009. Die Anteile lauten dort: Rumaila BP 66,67 / CNPC 33,33; West Qurna-1 ExxonMobil 80 / Shell 20; West Qurna-2 Lukoil 85 / Statoil 15; Halfaya CNPC 50 / Petronas 25 / Total 25.

[127] „Iraq signs key oil deal“, Al Jazeera, 8. Oktober 2009.

[128] David Enders, „Camp Bucca: Iraq’s Guantánamo Bay“, The Nation, 8. Oktober 2008 (rund 96.000 offiziell Internierte, weitere rund 100.000 kurzzeitig Festgesetzte, etwa 18.000 Gefangene in Camp Bucca im August 2008); RFE/RL, 17. September 2009. Dass auch Muhammad al-Jolani, heute al-Scharaa, dort einsaß, belegen diese Berichte nicht; die Angabe stützt sich auf spätere Berichterstattung.

[129] Michael Weiss / Hassan Hassan, „Everything We Knew About This ISIS Mastermind Was Wrong“, The Daily Beast, 15. April 2016.

[130] Joshua Eaton, „U.S. Military Now Says ISIS Leader Was Held in Notorious Abu Ghraib Prison“, The Intercept, 25. August 2016. Der Artikel belegt die Angaben zu al-Baghdadi; Abu Ali al-Anbari kommt darin nicht vor.

[131] Patrice Taddonio, „How U.S. Prisons in Iraq Became ‚Jihadi Universities‘ for ISIS“, PBS Frontline, 17. Mai 2016. Die Formulierung stammt aus der Überschrift der Redaktion, nicht von einem der dort zitierten Gesprächspartner.

[132] Andrew Thompson / Jeremi Suri, „How America Helped ISIS“, The New York Times, 2. Oktober 2014.

[133] Luke N. Condra / Jacob N. Shapiro, „Who Takes the Blame? The Strategic Effects of Collateral Damage“, in: American Journal of Political Science 56 (2012), Nr. 1, S. 167–187, hier das Abstract auf der Eingangsseite des Aufsatzes. Der Aufsatz wertet geokodierte Gewaltdaten von 2004 bis 2009 aus.

[134] Bruce R. Pirnie / Edward O’Connell, Counterinsurgency in Iraq (2003–2006), RAND Counterinsurgency Study Bd. 2, MG-595/3-OSD, Santa Monica 2008, S. 47.

[135] House of Commons Foreign Affairs Committee, Libya: Examination of intervention and collapse and the UK’s future policy options, Third Report of Session 2016–17, HC 119, 14. September 2016, Summary, S. 3.

[136] Ebd.

[137] „African refugees bought, sold and murdered in Libya“, Al Jazeera, 29. November 2017.

[138] Defense Intelligence Agency, Information Report, Not Finally Evaluated Intelligence, Date of Information 30. Juli 2012, freigegeben am 10. April 2015 in Judicial Watch v. DOD and State, Freigabeseite 291.

[139] Äußerungen eines Pentagon-Sprechers und eines Sprechers der Anti-IS-Koalition vom 16. Januar 2018 gegenüber Medien; die türkische Operation „Olivenzweig“ begann am 20. Januar 2018.

[140] Donald Trump, zitiert bei CNBC, 10. Oktober 2019.

[141] Mazloum Abdi, „If We Have to Choose Between Compromise and Genocide, We Will Choose Our People“, Foreign Policy, 13. Oktober 2019.

[142] Abkommen zwischen den Syrischen Demokratischen Kräften und der Übergangsregierung in Damaskus, 10. März 2025, Acht-Punkte-Text.

[143] „Kurdish-led SDF announces dissolution after merging with Syria’s military“, Al Jazeera, 25. August 2026.

[144] Tom Barrack, US-Sondergesandter für Syrien, Äußerung vom 20. Januar 2026, wiedergegeben bei Al Jazeera, 20. Januar 2026.

[145] „Joint Training Consultancy Memorandum of Understanding“, Türkei und Syrien, 13. August 2025, berichtet von Middle East Eye.

[146] „Syrian president makes 1st Visa card payment as sanctions removed“, Daily Sabah, 27. August 2026. Das Video wurde von Syria TV veröffentlicht.

[147] Jeremy Scahill, Dirty Wars. The World Is a Battlefield, New York 2013, PDF-S. 161.

[148] Dick Cheney, NBC Meet the Press, 16. September 2001 (Transkript beim American Presidency Project); der Nachweis bei Scahill, Dirty Wars, PDF-S. 44.

[149] Deutscher Bundestag, Drucksache 20/14500, Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands“, 27. Januar 2025, S. 4.

[150] Ebd.

[151] Deutscher Bundestag, Drucksache 20/10400, Zwischenbericht der Enquete-Kommission, 19. Februar 2024.

[152] Gerhard Schröder, Wahlkampfauftakt in Hannover, 5. August 2002, zitiert nach Michael Hedstück / Gunther Hellmann, „‚Wir machen einen deutschen Weg.‘ Irak-Abenteuer, das transatlantische Verhältnis und die Risiken der Methode Schröder für die deutsche Außenpolitik“, in: Bernd W. Kubbig (Hg.), Brandherd Irak. US-Hegemonieanspruch, die UNO und die Rolle Europas, Frankfurt am Main / New York 2003, S. 224–234. Die Formel fiel zuerst in einem Fernsehinterview Anfang August; in Hannover wiederholte Schröder die Absage an „Abenteuer“.

[153] Ebd. (EMNID für n-tv, August 2002; ZDF-Politbarometer, September 2002).

[154] Deutscher Bundestag, Abstimmungen vom 3. Juni 2022 und vom 18. März 2025.

[155] NATO, Gipfelerklärung von Den Haag, Juni 2025.

[156] Deutscher Bundestag, heute im bundestag, zum Verteidigungshaushalt 2026.

[157] Stephanie Savell, How Death Outlives War. The Reverberating Impact of the Post-9/11 Wars on Human Health, Costs of War Project, Watson Institute, Brown University, Mai 2023, S. 2.

[158] Savell, How Death Outlives War, S. 11 und Fn. 48. Die Spanne fasst Neta C. Crawford / Catherine Lutz, Human Cost of Post-9/11 Wars: Direct War Deaths in Major War Zones, Costs of War Project, 1. September 2021 (dort 897.000 bis 929.000), mit Crawfords Fortschreibung vom 15. März 2023 zusammen.

[159] Savell, How Death Outlives War, S. 11.

[160] Ebd., S. 9.

[161] IPPNW / PSR / PGS, Body Count. Casualty Figures after 10 Years of the „War on Terror“. Iraq – Afghanistan – Pakistan, 1. internationale Ausgabe, Washington/Berlin/Ottawa, März 2015, Executive Summary.

[162] Gilbert Burnham / Riyadh Lafta / Shannon Doocy / Les Roberts, „Mortality after the 2003 invasion of Iraq: a cross-sectional cluster sample survey“, in: The Lancet 368 (9545), Ausgabe vom 21. Oktober 2006 (online vorab am 12. Oktober 2006), S. 1421.

[163] Costs of War Project, Übersichtsseite „Human“ in der Rubrik „Costs“.

[164] Imogen Piper / Joe Dyke, „Tens of thousands of civilians likely killed by US in ‚Forever Wars’“, Airwars, 6. September 2021.

[165] Azmat Khan, „Hidden Pentagon Records Reveal Patterns of Failure in Deadly Airstrikes“, The New York Times, 18. Dezember 2021.

[166] General Tommy Franks am 18. März 2002 auf der Bagram Air Base, berichtet von Edward Epstein, „Success in Afghan war hard to gauge“, San Francisco Chronicle, 23. März 2002. Franks spricht dort von der Zählung getöteter Gegner.

[167] Thomas Howard Suitt III, High Suicide Rates among United States Service Members and Veterans of the Post-9/11 Wars, Costs of War Project, Watson Institute, Brown University, 21. Juni 2021, S. 1.

[168] Osama bin Laden, Videobotschaft vom 29. Oktober 2004, Volltranskript, Al Jazeera, 1. November 2004.

[169] Ebd.

[170] GegenStandpunkt, „Der inszenierte Terrorismus“ – Abweichende und offizielle Meinungen zu „nine/eleven“, in: GegenStandpunkt 4-03 (2003).

[171] James Bennet, „A DAY OF TERROR: THE ISRAELIS; Spilled Blood Is Seen as Bond That Draws 2 Nations Closer“, The New York Times, 12. September 2001. Der Artikel liegt hinter einer Bezahlschranke und konnte nicht am Original geprüft werden; die Äußerung ist in mehreren Buchveröffentlichungen wortgleich mit dieser Fundstelle zitiert.

[172] Ma’ariv, April 2008, wiedergegeben bei Blake Hounshell, „Quotable: Netanyahu says Israel benefitted from 9/11“, Foreign Policy, 16. April 2008. Dort lautet die Aufzählung „the attack on the Twin Towers and Pentagon, and the American struggle in Iraq“.

[173] Institute for Advanced Strategic and Political Studies, Study Group on a New Israeli Strategy Toward 2000, A Clean Break: A New Strategy for Securing the Realm, 1996, Abschnitt „Moving to a Traditional Balance of Power Strategy“.

[174] Israelisches Verteidigungsministerium, Mitteilung vom 6. Februar 2026 (19,2 Milliarden Dollar für 2025); zu 2024 die Mitteilung vom Juni 2025, zu 2023 die Mitteilung vom Juni 2024.

[175] John Mearsheimer / Stephen Walt, „The Israel Lobby“, London Review of Books 28:6, 23. März 2006.

[176] Ebd.

[177] Noam Chomsky, „The Israel Lobby?“, ZNet, 28. März 2006.

[178] Robert Kurz, Weltordnungskrieg. Das Ende der Souveränität und die Wandlungen des Imperialismus im Zeitalter der Globalisierung, Bad Honnef 2003, S. 128. Der Satz steht dort in einer Auseinandersetzung mit der antizionistischen Linken; Kurz bestreitet, dass sich aus Israels Abhängigkeit ein Urteil über Israel gewinnen lasse.

[179] William D. Hartung, Profits of War. Corporate Beneficiaries of the Post-9/11 Pentagon Spending Surge, Center for International Policy / Costs of War Project, 13. September 2021, S. 1.

[180] Ebd., S. 4.

[181] Auswertung der Financial Times, 19. März 2013.

[182] Klein, Die Schock-Strategie, Einleitung, PDF-S. 26 (englische Ausgabe The Shock Doctrine, S. 14). Klein zitiert dort einen Marktanalysten nach Steve Quinn, „Halliburton’s 3Q Earnings Hit $611M“, Associated Press, 22. Oktober 2006.

[183] Congressional Research Service, IN12641, zur Ermächtigung im NDAA für das Fiskaljahr 2026; Senate Committee on Appropriations, Zusammenfassung des Verteidigungshaushaltsgesetzes FY 2026.

[184] John Bellamy Foster, „Naked Imperialism“, in: Monthly Review 57:4, September 2005.

[185] Harvey, The New Imperialism, Kapitel 4 („Accumulation by Dispossession“), PDF-S. 173.

[186] Ebd., erstes Kapitel, PDF-S. 43.

[187] Alex Callinicos, „Imperialism and global political economy“, in: International Socialism 2:108, Herbst 2005.

[188] Kurz, Weltordnungskrieg, Bad Honnef 2003, S. 111.

[189] Ebd., S. 110.

[190] GegenStandpunkt, „Amerikas Kreuzzug gegen den Terror – 2. Etappe: Der Irak-Krieg. Die Gleichschaltung der Welt zersetzt den ‚freien Westen‘“, in: GegenStandpunkt 1-03 (2003).

[191] IWF, World Economic Outlook Database, Reihen NGDPD und PPPGDP. Der Zeitpunkt der kaufkraftbereinigten Überholung wird häufig mit 2014 angegeben; das folgt der Datenlage der Ausgabe vom Oktober 2014 und ist durch spätere Revisionen überholt.

[192] Weltbank, World Development Indicators, Indikator NV.IND.MANF.CD, eigene Berechnung. Für China beginnt die Reihe 2004.

[193] John Calabrese, „Beijing to Baghdad: China’s growing role in Iraq’s energy sector“, Middle East Institute, 7. Juni 2023. Gemeint sind Felder, in denen chinesische Gesellschaften Betreiber oder beteiligte Partner sind; irakische Dienstleistungsverträge übertragen kein Eigentum. Zur Übernahme von West Qurna-1 U.S. Energy Information Administration, Country Analysis Brief: Iraq, 14. Juli 2025, S. 5.

[194] Neta C. Crawford, The U.S. Budgetary Costs of the Post-9/11 Wars, Costs of War Project, 1. September 2021. Von den rund acht Billionen Dollar sind etwa 5,8 Billionen ausgegebene oder beantragte Mittel; rund 2,2 Billionen sind die geschätzten künftigen Versorgungskosten für Veteranen bis 2050.

[195] U.S. Energy Information Administration, „Amid regional conflict, the Strait of Hormuz remains critical oil chokepoint“, Today in Energy, 16. Juni 2025.

[196] National Defense Strategy Commission, Providing for the Common Defense. The Assessment and Recommendations of the National Defense Strategy Commission, Washington, D.C., November 2018, S. vii.

[197] Ebd., S. xi. Der Bericht nennt die Wendung als Ursache der gesunkenen Einsatzbereitschaft, neben der Haushaltsunsicherheit.

[198] U.S. Department of Defense, Summary of the 2018 National Defense Strategy of the United States of America, Washington, D.C., 19. Januar 2018, S. 1. Die vollständige Strategie ist eingestuft; veröffentlicht wurde die Zusammenfassung.

[199] Will Green / Taylore Roth, China-Iran Relations: A Limited but Enduring Strategic Partnership, U.S.-China Economic and Security Review Commission, Staff Research Report, 28. Juni 2021, S. 6. Der Bericht gibt die Auffassung des Verfasserstabs wieder, nicht die der Kommission.

[200] Ebd., S. 6 und die dortige Anmerkung. Als „highly unrealistic“ bezeichnet der Bericht die berichtete Investitionszusage von vierhundert Milliarden Dollar, weil die tatsächlichen chinesischen Investitionen im Iran in fünfzehn Jahren zusammen rund 27 Milliarden Dollar betrugen. Ein Unterzeichnungsdatum nennt er nicht.

[201] Michael Simpson u. a., Road to Damascus. The Russian Air Campaign in Syria, 2015 to 2018, RAND Corporation RR-A1170-1, Santa Monica 2022. Russische Verbände standen davor bereits in Bosnien und im Kosovo; der Einsatz in Syrien war der erste größere Kampfeinsatz außerhalb des postsowjetischen Raums seit Afghanistan.

[202] Board of Governors of the Federal Reserve System, „The International Role of the U.S. Dollar — 2025 Edition“, FEDS Notes, 18. Juli 2025.

[203] S&P Global, „Saudi-China ties and renminbi-based oil trade“, 20. August 2024. Der Bericht belegt Gespräche über eine Abrechnung in Renminbi und die saudische Zurückhaltung; einen Abschluss nennt er nicht.

[204] David Vine u. a., Creating Refugees: Displacement Caused by the United States‘ Post-9/11 Wars, Costs of War Project, aktualisierte Fassung vom 19. August 2021.

[205] Federal Register, Dok. 2025-02873 vom 20. Februar 2025; Dok. 2025-20750 vom 24. November 2025.

[206] National Security Presidential Memorandum 7, „Countering Domestic Terrorism and Organized Political Violence“, Weißes Haus, 25. September 2025.

[207] Michael Knights / Crispin Smith / Hamdi Malik, „Profile: Badr Organization“, The Washington Institute for Near East Policy, 2. September 2021; zum Parlamentsbeschluss vom 26. November 2016 (208 von 327 Abgeordneten) Al Jazeera, 26. November 2016.

[208] Iranische Zollverwaltung IRICA für den Zeitraum 20. März 2024 bis 19. Januar 2025, wiedergegeben in der Tehran Times.

[209] Joel D. Rayburn / Frank K. Sobchak (Hg.), The U.S. Army in the Iraq War, 2 Bde., U.S. Army War College Press, Carlisle 2019, Schlusskapitel; hier zitiert nach der Wiedergabe in Army Times, 18. Januar 2019. Eine Seitenangabe wird nicht geführt, weil der Volltext nicht eingesehen werden konnte.

[210] Donald Trump, Truth Social, 3. Januar 2026 (Auszug). Zu Umfang und Ablauf der Operation die Unterrichtung des Generalstabschefs Dan Caine vom 3. Januar 2026.

[211] Stephen Semler, „The Iran war is the most unpopular major conflict in US history“, Responsible Statecraft, 26. Juni 2026.

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